Wohmanns Werk wirkt weiter: 2020

Aktuelle Termine zum Werk Gabriele Wohmanns (1932-2015), die als “Meisterin der Kurzgeschichte” (Neue Zürcher Zeitung) gilt, als deren “absolute Herrscherin” (Frankfurter Allgemeine Zeitung) und “unbestrittene” (Die Welt) und “unangefochtene Königin” (Mitteldeutscher Rundfunk)

2020

13. November: Paris: Studientag an der Universität Paris-Est-Crétail über das Alter in der zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur und im Kino, mit dabei: Das offenbar von Humor geprägte Spätwerk von Gabriele Wohmann wie “Sterben ist Mist, der Tod aber schön”, Leitung: Benoit Pivert und Julien Sellier – Mehr

22. Juni: Hessischer Rundfunk: Birgitta Assheuer liest am 5. Todestag von Gabriele Wohmann deren Erzählung “Wiedersehen in Venedig” aus Marcel Reich-Ranickis “Mein Leben – mein Kanon”, hr2-Kultur, 9.30 (Wdh. 15.00)

20. Juni: Bern, Im hep-Verlag erscheint das von Villö Huszai und Ralf Fehlmann verfasste Buch “Literatur als Streitfall” mit der Erzählung “Komm in mein Häuschen” aus “Eine souveräne Frau” von Gabriele Wohmann

24. Mai: Much: Pfarrerin Editha Royek aus Sieg predigt über Gabriele Wohmann und ihren Roman “Schönes Gehege” – Predigt lesen > hier.

14. Mai, ORF oe1: Tatort Garten: Michou Friesz liest “Im Irrgarten” von Gabriele Wohmann im Schwerpunkt “Gartentage”, Radiogeschichten > Mehr

09. Mai, Österreichischer Rundfunk oe1: Schwesterliche Intrigen – Christiane von Poelnitz, Schauspielerin am Thalia Theater Hamburg liest “Schwestern” aus “Ein unwiderstehlicher Mann”, Radiogeschichten, Gestaltung: Nicole Dietrich

6. Mai, Zürich: “Das Obere vom Streuselkuchen”, Dagmar Schifferli empfiehlt auf Seniorenweb.ch die Zeit der Coronakrise zum Nachdenken über das Verhältnis zur eigenen Mutter, dafür eigne sich idealerweise der Roman “Ausflug mit der Mutter” von Gabriele Wohmann

22. April: Konstanz: Die 10a der Theodor-Heuss-Schule hat bis heute die Erzählung “Ein netter Kerl” gelesen

19. April: Leipzig: In “Der Sonntag” schreibt die Pfarrerin Henriette Crüwell” über den Roman “Bitte nicht sterben!” von Gabriele Wohmann

03. April: Osterburg: Die Klasse 10a des Markgraf-Albrecht-Gymnasiums kommt in den Genuss, die Erzählung “Die Klavierstunde” von Gabriele Wohmann zu lesen und zu bearbeiten

01. April, Speyer. “Heimisch im Garten der Worte”. Gisela Singer referiert über Gabriele Wohmann. Es laden ein die Katholische-Arbeitnehmer-Bewegung und der Frauenbund der Pfarrei Pax Christi in Speyer in Zusammenarbeit mit der Kath. Erwachsenenbildung Speyer/Ludwigshafen, Ägidienhaus

08. März, Oberursel, “Freiheit, ich will dich”, Birgitta Assheuer liest Texte von Ilse Aichinger, Monika Rinkck, Else Lasker-Schüler, Christa Reinig, Marieluise Fleißer und Gabriele Wohmann, Moderation: Eva Sigrist, Musik: Quartett Flûtes Fatales mit den Flötistinnen Cathrin Ambach, Katrin Heller, Ulrike Lamadé und Stephanie Wagner – kunstbühne portstrasse, Hohemarkstraße 18 in Oberursel, 19.30 Mehr

20. Februar, Sternvogelreisen, “schwindelschwach”, sie lachte “leisschrill”, Gabriele Wohmann ist mit zwei Adjektiven aus ihrem ersten Roman “Jetzt und nie” in der Liste der 61 schönsten Adjektive von Lenny Löwenstern vertreten

17. Februar, der Freitag, Jamal Tuschik über seine Oma und Gabriele Wohmannes Roman “Ausflug mit der Mutter”

17. Januar, Essen, Start des Seminars “Deutschsprachige Autoren von Kurzgeschichten”, übr Wolfdietrisch Schnurre, Gabriele Wohmann, Martin Walser, Peter Bicksel, weitere Termine 24.1., 31.1. 7.2., jeweils 10-12.15, Kath. Erwachsenenbildung im Bistum Essen, Dozentin: Petra Mecklenbrauck – Weitere Informationen

Vom Vorrang der Schüler vor der Schule

Zwei Lesebändchen! Mehr als nur eine Perspektive wichtig.

Die Freiheit der Wissenschaft ist sprichwörtlich. Sie lebt vom Streit der Argumente und ermöglicht eine Vielfalt an Perspektiven. Tatsächlich spielen in einer Geisteswissenschaft wie der Theologie aber auch die sogenannten Schulen eine Rolle. So hat, wer einen längeren Forschungsweg einschlägt, sich einem Lehrer anzuschließen. Und damit in der Regel einer bestimmten Richtung. Denn der Lehrer war selbst einst Schüler und hatte einen Lehrer, der wiederum einst Schüler war. Und aus dieser Tradition heraus bildet sich eine Schule, die einem Familienstammbaum ähnelt.

Merkwürdige Glaubensbekenntnisse

So ist von Neuforschern nicht immer Überraschendes zu erwarten. Ungewohnte Blüten im Schulstammbaum werden anerkannt, sofern sie das Gesamtbild nicht stören. Größere Abweichungen von der Schulmeinung können dagegen zu Schwierigkeiten führen, die Schlagkraft der Schule sei dann in Gefahr. Selbstverständlich sollen die Schulen untereinander konkurrieren. Doch allen Schulen gemeinsam ist, mögen sie sie auch miteinander streiten, die Treue zur Gruppe.

Ein ungewöhnlicher Schulweg

Umso bemerkenswerter, dass nach Einschätzung von Christoph Dohmen der Theologe und Hochschullehrer Erich Zenger einen anderen Weg einschlug. Diesem sei der Elfenbeinturm wie überhaupt „alles Abgeschlossene, Eingesperrte“ zuwider gewesen, hat Dohmen in seiner Laudatio anlässlich der Verleihung des Theologischen Preises der Salzburger Hochschulwochen an Zenger im Jahr 2009 gesagt. Die Laudatio ist in dem nun zum 10. Todestag von Erich Zenger bei Herder veröffentlichten Buch „Mit Gott ums Leben kämpfen“ abgedruckt.

Der Vorrang der Lernenden

„Zenger hat zahlreiche Schüler, aber keine Schule im traditionellen Sinn“, schreibt Dohmen. Man „kann eine bestimmte Arbeit nicht anhand eines Themas oder einer Methode dem Betreuer Erich Zenger zuweisen“. Das liege daran, dass akademische Betreuung für Erich Zenger etwas damit zu tun habe, das in jungen Menschen Liegende ans Licht zu holen. Was in ihnen angelegt sei, sie beschäftige und bewege. „Als Lehrer ist Erich Zenger dabei immer Lernender geblieben, der seinen Schülern nicht nur Freiheit gelassen hat, sondern sich selbst fragend und forschend mit ihnen auf den Weg gemacht hat.“

Erich Zenger, Mit Gott ums Leben kämpfen. Das Erste Testament als Lern- und Lebensbuch, herausgegeben von Paul Deselaers und Christoph Dohmen, Lektorat: Maria Steiger und Dr. Bruno Steimler, Satz: Dr. Jean Urban Andres, 552 Seiten, Herder Verlag, Freiburg 2020.

In dem Band enthalten ist Georg Magirius‘ Beitrag „Die Musikalität des Glaubens“, ursprünglich veröffentlicht in dem von Dr. Lothar Bauerochse und Klaus Hofmeister herausgegebenen und von Katja Meinecke lektorierten Buch „Wie sie wurden, was sie sind: Zeitgenössische Theologinnen und Theologen im Porträt“.

Unsichtbares Band

“Egal, wie lange die Erlebnisse her sind, abgeschlossen haben die Eltern damit ihr Leben lang nicht. Wie ein unsichtbares Band sind sie mit ihrem Kind verbunden. Mal intensiver, mal leichter.” Das schreibt Stefanie Bock in der Evangelischen Sonntags-Zeitung in ihrem Beitrag “Vater bleibt man ein Leben lang” vom 24. Mai 2020 über das sieben Jahre zuvor von Georg Magirius veröffentlichte Buch “Schmetterlingstango. Leben mit einem totgeborenen Kind.”

Georg Magirius, Schmetterlingstango. Leben mit einem totgeborenen Kind, Lektorat: Dr. Dietrich Voorgang, 144 Seiten, Claudius Verlag, München 2013, ISBN 978-3-532-624494

Tatort Garten

Foto: Georg Magirius

Der Garten ist eine Idylle, die über ein enormes Talent zur Abgründigkeit verfügt. Diesen Charakter habe er jedenfalls in Erzählungen von Gabriele Wohmann, schreibt Georg Magirius im Nachwort zu dem von Dr. Angela Drescher lektorierten Band “Eine souveräne Frau”, Wohmanns schönsten Erzählungen. In der Transparenz des Gartens drücke sich die Kunst der als Königin der Kurzgeschichte gerühmten Wohmann aus, in Alltäglichkeiten die großen Fragen des Lebens anklingen zu lassen.

Die Welt der Zwangsneurotiker und Genehmigungserotiker

So erzähle sie etwa von Bodenplatten, die – so Magirius – “die Zwangsneurotiker und Genehmigungsserotiker” in zentimetergenauen Abstand in den Rasen eingefügt hätten. Nur auf diesen Platten dürften die Besucher treten, um so der feinen Trimmung des Rasens zu huldigen. Eine Anbetung, die bei Besuchern schon einmal eine Depressionsattacke auslösen würde. Umgekehrt könne eine vom Ehemann beim Mähen stehengelassene Grasinsel bei der Protagonistin einer anderen Erzählung eine Euphorie initiieren, an deren Intensität selbst die Elite unter den Aufputschmittel nicht heranreiche. Die Insel wirkte nämlich wie ein Versprechen, dass ein Leben möglich sei, das nicht im Wochenrhythmus zurechtgestutzt werde.

Im Irrgarten

Der doppelbödige Charakter der Gartenlandschaft findet sich auch in der von Michou Friesz interpretierten Erzählung “Der Irrgarten” von Gabriele Wohmann aus dem Band “Sieg über die Dämmerung”, hörbar innerhalb des Schwerpunkts Gartentage in der Reihe Radiogeschichten am 14. Mai 2020 im Österreichischen Rundfunk auf oe1, bearbeitet und vorgestellt von Gudrun Hamböck. Die Schauspielerin Michou Friesz ist im Tatort und in vielen anderen Serien und Filmen zu sehen. Die Erzählung lässt sich im Internet hören > hier.

Die bekanntesten Lieder der Juden

Der vielleicht bedeutendste Bibelwissenschaftler unserer Zeit war im Grunde ein Musiker, schreibt Georg Magirius in der Osterausgabe der Zeitungen Bonifatiusbote, Der Sonntag und Glaube und Leben vom 12. April 2020. Der Alttestamentler Erich Zenger, der einst Musik studieren wollte, widmete sich vor allem den Psalmen, dem “Sefer Tehellim”, was zu Deutsch “Buch der Lieder” heißt. Bei ihnen handelt es sich um Weltliteratur, um Musik, die populärsten Lieder der Juden.

Der Vater der Rede vom Ersten Testament

Ohne Altes Testament wäre das Christentum grundlos, sagte Zenger, der es daher Erstes Testament nannte. Und ohne Musikalität sei die Theologie flach. Denn die Musik gebe dem Glauben die richtige Himmelsrichtung vor, die Richtung zum Himmel: “Die Psalmen sind ein Beispiel dafür, dass man Gott im biblischen Horizont wirklich alles sagen kann, sein Herz ausschütten darf, wie der Psalm 55 sagt, wenn man es nur ihm sagt.” – Den Beitrag “Der Vater der Redes vom Ersten Testament” in der Osterausgabe der Bistumszeitungen für Mainz, Fulda und Limburg > lesen. Redaktion: Johannes Becher und Renate Fahn.

Beflügelnde Reisen durch Franken

Ein Reisen ohne Flugzeug kann beflügeln. Das schreibt die Saale-Zeitung am 11. Mai 2020. Unter Hinweis auf das Buch „Frankenliebe“ von Georg Magirius stellt sie das Schondratal in der südlichen Rhön vor. „Zwischen Baumstämmen hindurch ist die Schondra zu hören, und immer wieder einmal auch zu sehen, wie sie sich verzweigt und mit endlos großer Fantasie stets neue Kurven findet. Und auf einem Steg überquert man die Schondra, wandert auf der anderen Seite weiter und freut sich auf den nächsten Übergang.”

Stimme des Herzens

Magirius habe keine oberflächliche Beziehung zur fränkischen Landschaft, urteilt der Theologe Otto W. Ziegelmeier auf der von mehreren Millionen besuchten Internetplattform Theology.de: “Der Titel des Buches ist eindeutig: Frankenliebe. Diese Liebe hat sich über die Jahre entwickelt, zu Fuß, mit dem Auge und vor allem mit dem Herzen.” So habe der Autor Orte entdeckt, die abseits großer Straßen liegen.

Reizvoll offene Landschaften

Unter den liebenswerten Flecken befinde sich auch der Mönchberger Ortsteil Schmachtenberg, schreibt das Main Echo vom 29. April 2020. Die dortige Gegend widersetze sich dem Klischee vom finsteren Spessartwald, zeige sie sich doch als reizvoll offene, gewellte Landschaft. „Beruhigend fühl sich das Gehen durch das Auf und Ab an. Auch die Augen genießen die Ruhe, werden sie doch nicht mit ständig wechselnden Sensationen geärgert.“

Weg zu den Orten ist genau beschrieben

Auf hintergründige Weise sensationell lässt sich Niklashausen im Taubertal bezeichnen, stellt die Main Post vom 13. Mai 2020 fest. “Vielleicht liegt es am Schlingrippengewölbe – die Sakristei der Kirche von Niklashausen gehört zu den inspirierendsten Orten Mainfrankens.“ Und inFranken.de, das jeden Monat 4,7 Nutzer erreichende Online-Portal für Franken, schreibt über das Buch Frankenliebe: “Die Texte und Fotos laden ein, diese Orte einmal selber aufzusuchen. Der Weg zu ihnen ist genau beschrieben.”

Georg Magirius, Frankenliebe: 33 Orte zum Staunen und Verweilen, 144 Seiten, Echter Verlag Würzburg, Lektorat: Thomas Häußner, Gestaltung: Stefan Weigand, Covergestaltung: Jens Vogelsang, 12 Euro, ISBN: 978-3-429-03912-7

Versteckte Orte zum Erholen

Ruhe und Erholung liegen oft ganz in der Nähe – an Orten, die selbst denen unbekannt sind, die seit vielen Jahrzehnten in der Gegend leben. Das hat Eberhard Schellenberger am 16. Mai 2020 im Bayerischen Rundfunk gesagt und auf das Buch “Frankenliebe” von Georg Magirius verwiesen. 33 Orte, die Ruhe und Erholung gönnen, habe Magirius aufgespürt und “attraktiv und handlich mit vielen einladenden Bildern” präsentiert: “Wasserfälle, Grotten und Höhlen, Weinhäuschen, Klöster und Ruinen.”

Wo gehen wir heute hin?

Das ‘Wo gehen wir heute mal hin?’ lässt sich schnell beantworten bei so vielen guten Tipps quer durch Unterfranken”, urteilt Schellenberger. “Zum Beispiel zur geheimnisvollen Amalberga bei Hammelburg, einer Statue, die im Jahr 2000 plötzlich über dem Saaletal einfach so dastand, die 2013 verschwand und die 2018 zum Stadtjubiläum zurückkehrte.” Das Buch zeige: Ruhe und Erholung in der Nähe suchen, sei keine Verlegenheitslösung, sondern: “Nicht nur im Coronajahr 2020 bietet sich ein Heimaturlaub an.” – Die Buchbesprechung in der Sendung “Bayern lesen” in der Reihe “Zeit für Bayern” als Podcast > hören.

Georg Magirius, Frankenliebe: 33 Orte zum Staunen und Verweilen, 144 Seiten, Echter Verlag Würzburg, Lektorat: Thomas Häußner, Gestaltung: Stefan Weigand, Covergestaltung: Jens Vogelsang, 12 Euro, ISBN: 978-3-429-03912-7

Vom Zwang zur stillen Freiheit

Zwangsweise sich ergebene neue Zeiträume bieten die Gelegenheit, einmal ganz bewusst Erfahrungen mit der Stille zu machen. Das hat der Theologe und Psychologe Stefan Seidel in der Leipziger Wochenzeitung „Der Sonntag“ vom 26. April 2020 geschrieben. Aus dem Erleiden könne somit ein Gefühl der Freiheit wachsen.

Zauber der Stille

Impulse für solch ein „bewusstes Eintauchen in den Zauber der Stille“ gebe das von Georg Magirius herausgegebene Buch „Stille erfahren“, bei dem es sich laut des Redakteurs Stefan Seidel um das Buch der Stunde handelt. In ihm finden sich Übungen, Anregungen und Texte, die eigens für das Buch verfasst sind. Sie tauchen ein in den Schatz der Tradition derer, die Stille gesucht haben. Aber die Autorinenn und Stillesucher schließn sich und die Gegenwart nicht aus. „Amet Bick schreibt über diese Erfahrung so: ‘Ich halte mich aus. Und bin überrascht über die Weite, die sich in mir auftut.‘ Und Uwe Kolbe: ‚ Das Schönste, das von der Stille gesagt wird, sagt das Verb stillen.“

Georg Magirius (Hg.), Stille erfahren, mit Beirägen von Amet Bick, Manuela Fuelle, Uwe Kolbe, Georg Magirius, Ann-Kristin Rink, Bernardin Schellenberger, Arnold Stadler, 128 Seiten, gebunden, Lektorat: Dr. Esther Schulz und Jochen Fähndrich, ISBN: 978-3-451-34996-6, Herder Verlag

Der schiefe Turm von Unterfranken

Neuerdings schaut man sich seine Umgebung vielleicht genauer an als noch vor wenigen Wochen. Jedenfalls waren alle Antworten auf das Rätsel zum Erscheinen des Buches “Frankenliebe” richtig: Bei dem abgebildeten Fluss handelt es sich nicht etwa um Missisippi, Saale, Wörnitz, Tauber, sondern um den Main. An ihm hat auch der Echter Verlag seinen Sitz, der für das Rätsel drei Exemplare “Frankenliebe” als Preis gespendet hat. Ein Buch erhalten Werner G. aus Hilpolstein, Andrea E.-W. aus Dreieich und Karin B. aus Würzburg.

Pisas Konkurrent

Ein viertes Exemplar geht an Anne N. aus Nauheim, die bei der Zusatzfrage wusste, dass die abgebildete Stadt Kitzingen ist. Darauf weist etwa die Haube des Falterturms in der Silouhette der Stadt hin, dessen Grad an Schiefheit mit dem des Turms von Pisa durchaus konkurrieren kann. Davon kann ein Besuch der Stadt oder ein Blick in “Frankenliebe” überzeugen. Den Gewinnern herzlichen Glückwunsch!

Georg Magirius, Frankenliebe: 33 Orte zum Staunen und Verweilen, 144 Seiten, broschiert, mit vielen Abbildungen, Echter Verlag Würzburg, Lektorat: Thomas Häußner, 12 Euro, ISBN: 978-3-429-03912-7

Das Ende der Askese

Viele Menschen machen sich ganz selbstverständlich Vorstellungen vom Jenseits – nicht so die Theologen. Das schreibt die Theologin Henriette Crüwell in ihrem Beitrag „Wie sieht’s im Himmel aus?“ in der „Evangelische Sonntagszeitung“ und in „Der Sonntag“ (Sachsen) vom 19. April 2020. Die Scheu, sich den Himmel auszumalen, stellt die Pfarrerin auch bei sich fest. Andererseits verspüre sie den Wunsch nach einem bilderstarken Himmelsglauben. So könne sie die Enttäuschung der hochbetagten Marie Rosa aus Gabriele Wohmanns Roman „Bitte nicht sterben“ verstehen. Maria Rosa erhält an ihrem Geburtstag von einem Pfarrer Besuch, der auf ihre Bitte „Erzählen Sie mir was vom Jenseits“ nichts antworten kann.

Gabriele Wohmann nach einer Lesung aus “Sterben ist Mist, der Tod aber schön”. Foto: Annika Schulz, Rechte: Büro Magirius

Vanilleeis im Jenseits

Auf die in dem Roman zur Sprache kommende Hilflosigkeit heutiger Theologen hat der Theologe und Schriftsteller Georg Magirius dreizehn Jahre zuvor in „Kurz bevor der Vorhang aufgeht“ aufmerksam gemacht, einer im Schweizer Radio, Bayerischen Rundfunk und Südwestdeutschen Rundfunk ausgestrahlten Sendung über moderne Schriftsteller zur Auferstehung, außerdem in dem vom Hessischen Rundfunk gesendeten Wohmann-Porträt „Kurz vor dem Vanilleeis mit Schokoladensauce“.

Sterben ist Mist

Wohmann hat in dem Roman “Bitte nicht Sterben” jedoch nicht nur das Schweigen der Theologen konstatiert, sondern Bilder vom Jenseits formuliert, was in Magirius‘ 1997 beim Evangelischen Pressedienst veröffentlichten Porträt zu Wohmanns 65. Geburtstag nachgezeichnet ist. Schließlich hat die als Königin der Kurzgeschichte gerühmte Autorin, von Magirius angeregt, 2011 in „Sterben ist Mist, der Tod aber schön“ einen Band lang ihre Vorstellungen vom Himmel formuliert. Magirius wiederum stellte 2013 in „Schmetterlingstango. Leben mit einem totgeborenen Kind“ seine Bilder vom Jenseits vor. Er ermutigt darin nicht nur Trauernde, sich beim Ausmalen des Himmels alle Freiheit zu nehmen.

Das Ende der Askese

Hoffnungsbilder vom Jenseits zu entwickeln, sei nicht wider die Vernunft, schreibt Magirius in “Schmetterlingstango” und verweist auf die vom Philosophen Paul Ricouer ins Spiel gebrachte „Zweite Naivität“, einen Weg zur Wiederentdeckung der Fantasie. Von ihm lässt sich nun auch die Pfarrerin Henriette Crüwell inspirieren. Denn die sprachliche Askese der Theologen beim Glauben auf ein Leben nach dem Tod wirke nicht gerade farbig, tröstlich und zukunftsfroh. Ihren Beitrag „Wie sieht’s im Himmel aus?“ >>> hier lesen, Redaktion: Andrea Seeger und Stefan Seidel.