Drei Hilfestellungen fürs Abschiednehmen

Abschiede kommen im Leben oft vor, schreibt Stephan Linden in der Osterausgabe 2019 von „Wir“, der Zeitschrift der katholischen Pfarrgemeinschaft Solingen-West. Und er verweist auf das in der Edition Chrismon veröffentlichte Buch „Abschied“ von Georg Magirius: „Wir verreisen, verändern unsere Lebensgewohnheiten, trennen uns, verlieren Menschen, die uns wichtig waren.“ Eigentlich müsste man geübt sein im Abschiednehmen, dennoch entstünden dabei Situation, „die uns hilflos machen“.

Befreiendes Erzählen

Das also könne eine erste Hilfestellung sein: Sich klar machen, dass Abschiede nichts vom Leben Isoliertes seien. Die eigene Hilflosigkeit sich zuzugestehen, sei eine zweite hilfreiche Annhäherung ans Abschiednehmen. Und der dritte Tipp? Nicht alle Hoffnung auf konkrete Handlungsanregungen setzen. Stephan Linden schreibt: „Georg Magirius hat bewusst keinen Ratgeber dafür zusammengestellt, wie man das Abschiednehmen in den Abschied - edition chrismonGriff bekommt, sondern eine vielgestaltige Geschichten-Auswahl getroffen. Auf befreiende Weise erzählen die Abschiedsgeschichten vom Umgang mit der Vergänglichkeit. So entstand ein so kurzweiliges, wie auch besinnliches kleines Lesebuch, das man gerne selber liest und verschenkt.“

Georg Magirius (Hg.), Abschied. Geschichten von Loslassen und Neuanfangen. Die Anthologie vereint 15 Erzählungen von Autorinnen und Autoren wie Siegfried Lenz, Elke Heidenreich, Robert Gernhardt, Ulla Hahn, edition chrismon, Leipzig, ISBN: 978-3-96038-083-2, 15 Euro, Lektorat: Annegret Grimm.

Der tröstliche Funke Spiritualität

Überraschende Sichtweisen aufs Sterben bietet das von Georg Magirius herausgegebene Buch “Abschied”, urteilt der Autor und Redakteur Stefan Seidel in “Der  Sonntag”, der Wochenzeitung für Sachsen, vom 21.10. 2018. Das Buch ermutige mit Geschichten aus der Gegenwartsliteratur das Abschiednehmen zu üben. Das Loslassen indes sei oftmals nicht einfach. Abschied - edition chrismonSo fühlte sich die 2008 gestorbene, oft als letzte deutschsprachige Autorin Prags bezeichnete Lenka Reinerová völlig ungeübt im Warten auf Bahnhöfen. Denn eine Abreise von ihrer Schwester und Mutter im Prager Bahnhof 1939 wurde unerwarteter Weise ein Abschied für immer. “Und so wird der abfahrende Zug zum Bild für das schmerzhafte Loslassen im Angesicht des Todes”, schreibt Seidel. “Diese Tragik ohne einen Funken Spiritualität ertragen zu müssen, erscheint geradezu unmenschlich.” Im Buch finde sich vielleicht deshalb noch ein zweiter Text Reinerovás. “Darin behält der Tod nicht das letzte Wort. Reinerová ertappt sich bei dem Gedanken, sich zu fragen: ‘Und was werde ich tun, wenn ich gestorben bin?’ Das erlebte sie als tröstlich und ermutigend. ‘Denn auf diese Weise wartet man nicht auf ein endgültiges Ende, sondern auf die erträumte Möglichkeit eines unbekannten, zweifellos völlig andersartigen Anfangs.'” – Die Besprechung des Buches lesen > hier.

Georg Magirius (Hrsg.): Abschied. Geschichten vom Loslassen und Neuanfangen. Lektorat: Annegret Grimm, Edition Chrismon 2017, 160 S., 15 €.

Ein großes Lebensthema in der Tasche

Dank der Stimmen von Poetinnen und Erzählern kann man den Bedienungsanleitungen in Sachen Vergänglichkeit getrost den Abschied geben. Das schreibt Volker Schwartz im Evangelischen Mesnerblatt, Ausgabe 1 / 2018. Und er verweist dabei auf das von Georg Magirius herausgegebene Buch “Abschied”, dessen liebevoll ausgewählten Erzählungen “uns mitnehmen, um auf befreiende Weise von der Vergänglichkeit zu erzählen”. Abschiede könnten sAbschied - edition chrismonpannenende Geheimnisse sein, leise und starke Stimmen gegen das Verdrängen. Großer Pluspunkt bei diesem Buch, das sich einem nun ein nicht gerade winzigem Lebensthema widme – es ist nicht zu dick. “Das Bändchen kann gut in der Tasche für eine spontane Lesung dabei sein, vielleicht ist es auch eine liebevolle Hilfe bei schwierigen oder traurigen Anlässen, um zu sehen, dass das Leben trotz aller schwerer Gedanken weitergehen wird.”

Georg Magirius, Abschied. Geschichten von Loslassen und Neuanfangen, edition chrismon, Leipzig 2017. Lektorat: Annegret Grimm.

Das Schwere begreifbar machen

Das Schwere kann durch Leichtigkeit begreifbar werden. Das hat die Germanistin und mit dem Web Walpurga ausgezeichnete Schriftstellerin Marissa Conrady in ihrem Blogbeitrag vom 3. Dezember 2017 geschrieben. Beispielhaft zeige sich dieser Zusammenhang an dem schweren Wort Abschied, das in leichte, schöne, melancholische und berührende Geschichten gepackt Abschied - edition chrismonwerden könne. Wie denen, die Georg Magirius in seinem Buch “Abschied” herausgegeben habe. Besonders spürbar sei diese von Gewicht befreite Schwere bei “Wurst und Liebe” von Elke Heidenreich: “Seltsamerweise war ich bei ihrer so leichten Erzählung am meisten berührt”, schreibt Conrady. Und: “Das Buch ist ein Juwel, keine Anleitung zum Abschiednehmen, aber es hilft, Abschiede begreifen zu lernen.” Die vollständige Rezension lesen >>> hier.

Georg Magirius, Abschied. Geschichten von Loslassen und Neuanfangen, edition chrismon, Leipzig 2017. Lektorat: Annegret Grimm.

Abschied von der Verlogenheit

Es gibt kein verlogeneres Wort für das Sterben als Gehen, denn die Toten kommen nicht wieder. Das schreibt Georg Magirius im Beitrag “Abschied” in der Evangelischen Sonntags-Zeitung vom 26. November 2017. Das könne ermuntern, der angeblichen Berechenbarkeit des Lebens den Abschied zu geben. Denn ein Trauerworkshop ist auch keine Lösung. Und nicht jeder Verlust wird zur Chance, allenfalls dann, wenn man die Trauer zu einem Wohlfühloptimierungsprogramm  umzulügt. Den Beitrag lesen >>> hier. Redaktion: Martin Vorländer.

Ins Helle reisen

Der AnfangDas ist charakteristisch dafür, wie Dichterinnen und Poeten vom Abschied erzählen: Sie weichen dem Schmerz nicht aus. Doch gerade indem sie davon erzählen, kann Überraschendes geschehen: Eine helle Dimension kommt zum Vorschein. Eine Lebendigkeit bricht auf, die anders ist als das, was als Abschluss einer erfolgreichen abgeschlossenen Trauerarbeit ausgegeben wird. — Den Beitrag “Der Anfang von etwas anderem” von Georg Magirius vollständig lesen > hier , veröffentlicht in der Wochenzeitung “Die Kirche” vom 12. November 2017, Redaktion: Constance Bürger.

Dem Widrigen trotzen

Spiritualität ZeitschriftDie Kraft der Poesie kann es mit dem Widrigsten aufnehmen. Das schreibt der Redakteur Stefan Seidel in der Ausgabe 4 / 2017 zum Thema Spiritualität der Zeitschrift “Tod & Leben”. Und er verweist auf die von Georg Magirius herausgegebene Anthologie „Abschied“. Poesie seit laut Seidel mit Spiritualität verwandt, mache das Leben tiefer, oftmals auch leichter. Sie trage in sich einen Funken, der selbst in unmenschlichen, eigentlich nicht zu ertragenden Situationen den Horizont weiten könne. Und sie könne anschaulich machen, was ein gutes Leben und Sterben wäre. So bezeichne Hermann Hesse den Tod als das letzte und kühnste Erlebnis in diesem Dasein. „Warum ihn also nicht als Reise in ein unbekanntes Land verstehen? Das Bild ist beinahe biblisch und vermag unmittelbar zu trösten“, urteilt Stefan Seidel.

Georg Magirius, Abschied. Geschichten vom Loslassen und Neuanfangen, edition chrismon, Leipzig 2017.

Erschütternd zart gebissen

Fürs Abschiednehmen gibt es kein Patentrezept. Das schreibt die Redakteurin und Autorin Stephanie von Selchow im Evangelischen Frankfurt vom 2. November 2017. Gerade deshalb könnten literarische Geschichten helfen, weil es sich bei diesen nämlich um keine Ratgeberliteratur handle. Sie verweist dabei auf die von Georg Magirius herausgegebene Anthologie „Abschied“, in der Reiselust und wieder Ankommen nach dem Urlaub ebenso Thema seien wie die geliebte Mütze eines Opas oder der Abschied für immer. „Je nach Abschied - edition chrismonErzähltemperament sind die Geschichten zärtlich, bissig, wehmütig oder erschütternd und nicht selten auch sehr komisch.“ Helfen könnten diese Erzählungen, weil man sich in ihnen wiederfinden könne. „Weil sie trösten, erstaunen, amüsieren oder sogar Mut zum Neuanfang machen. Einfach, weil sie uns mitteilen:  Es gibt viele Wege, Abschied zu nehmen. Keiner ist falsch, keiner ist richtig. Georg Magirius hat eine kluge, vielgestaltige Geschichten-Auswahl getroffen.“ – Den vollständigen Beitrag von Stephanie von Selchow lesen >> hier.

Abschied, Geschichten vom Loslassen und Neuanfangen, herausgegeben von Georg Magirius, Edition Chrismon, Hardcover, 120 Seiten, Leipzig 2017, 15 Euro.

Wie wir voneinander Abschied nehmen können

Mit dem Allerheiligentag beginnt der Toten-Gedenkmonat November. Die Erinnerung  an die Vergänglichkeit und das Abschiednehmen stehen im Vordergrund. Und damit die Frage, wie wir voneinander Abschied nehmen können. Lassen sich für den endgültigen Abschied Regeln aufstellen? Sind sie hilfreich? Georg Magirius verneint die Frage. Warum, das erklärt er in dem an Allerheiligen 2017 auf Bayern2Kultur gesendeten Essay, das sich in der ARD-Mediathek kostenfrei >> hören lässt. Redaktion der Sendung: Wolfang Küpper, Ton: Marc Klaesius.

Lebenshilfe Literatur

Moritz Stoepel (c) Veronika Sergl-VahlenkampDer Schauspieler und Sprecher Moritz Stoepel gibt Dichterinnen und Poeten Stimme, die am 1. November 2017 im Bayerischen Rundfunk von der Unergründlichkeit der Trauer erzählen. In der auf BR 2 ausgestrahlten Sendung “Abschied. Der Anfang von etwas anderem” (Sendung >> jetzt hören) von Georg Magirius zeigen Texte von Siegfried Lenz, Karen Köhler, Bertolt Brecht, Arnold Stadler, Lenka Reinerová, Stefan Zweig und Robert Gernhardt: Abschied ist kein Problem, das sich im Stil eines Kreuzworträtsels lösen oder mithilfe der richtigen Bedienungsleitung aus der Welt bugsieren lässt. Stattdessen helfe die Sprache der Poesie, weil sie Abschied als Geheimnis verstehe.

Die begrenzte Kraft der Riten

Indem die Literatur den Schmerz nicht überspiele, heißt es in der Sendung, finde sie einen Weg aus der Sprachlosigkeit, die das vielleicht bestimmendste Merkmal beim Abschiednehmen sei. Damit unterscheide sich die Sichtweise des Erzählens auch von Trauerriten der Kirchen, die vielen offenbar nicht mehr weithelfen könnten, weil oft überhaupt keine Trauerfeier mehr gewünscht werde. Auch die Alternativen moderner Bestatter, den Sarg bunt anzumalen und das Ende zu feiern, setzten sich nicht durch. Sonst wären neuerdings nicht Trauerknigges gefragt, die althergebrachte Regeln in Erinnerung rufen.

Die Widersprüchlichkeit der Psychologen

Auch die Trauerratgeber der Psychologen wirken laut Magirius angesichts der unauslotbaren Tiefe des Abschieds überfordert: “Über Jahrzehnte haben sie geraten, bewusst durch die sogenannten Trauerphasen hindurchzuwandern, den Toten schließlich loszulassen und ins Leben zurückzukehren. Aus derselben Branche heißt es jetzt: Bei schweren Verlusten hilft es gerade umgekehrt zu lernen, mit der Trauer ein Leben lang zu leben.”

Seelsorge in engagierter Form

Wie immer man sich dem Phänomen Abschied nähere: Solange man es zu regeln versucht, werden Ohnmacht und Sprachlosigkeit nur vertuscht, resümiert Magirius. Denn Abschiede seien unfassbar, unbeherrschbar, unergründlich. Statt nach einem allgemeingültigen Umgang mit ihm zu suchen, gelte es den Einzelnen in den Blick zu nehmen. Und er verweist auf den Theologen und Schriftsteller Arnold Stadler, der sagt: „Jedes literarische Buch, das seinen Namen verdient, ist eine Form von Seelsorge, und zwar in einer sehr engagierten Form. Es geht nämlich um eine einzelne Seele – das ist der Idealfall. Abschied - edition chrismonEs geht nicht abstrakt um Totalitäten, nein, es geht um den Einzelfall – wie bei Jesus.“

Abschied – Der Anfang von etwas Anderem, Sendung von Georg Magirius, BR2, 1. November 2017, (Sendung >> jetzt hören) Katholische Welt, Sprecherin: Birgitta Assheuer, Sprecher: Moritz Stoepel, Ton: Marc Klaesius, Musik: Lavinia Meijer spielt Philip Glass (Metamorphosis), Redaktion: Wolfgang Küpper. Von Georg Magirius ist gerade in der edition chrismon das Buch erschienen: Abschied. Geschichten von Loslassen und Neuanfangen, Leipzig 2017. Lektorat: Annegret Grimm.