Achtung vor zu viel Achtsamkeit

Den Weg zu einer spirituellen Erfahrungen lässt sich nicht garantieren. Gar nicht falsch liegt man aber, wenn man etwas erfährt, das nutzlos wirkt. Das behauptet der Theologe und Schriftsteller Georg Magirius in der Märzausgabe 2020 der Zeitschrift Zeitzeichen. So sei das beim Regionalbahnfahren: “Es bringt mich auf beruhigende Weise stotternd in Landschaften, wo es noch keine Forderungen gibt. Dort gehe ich spazieren. In seiner eventuntauglichen Einfalt wehrt sich das Spazierengehen gegen jegliche Vereinnahmung durch zertifizierte Achtsamkeitstrainerinnen oder kirchlich geprüfte Pilgerlotsen. Ich brauche keine Trekkingschuhe, keine Multi­funktions­jacke, keinen Pilgerpass, mit dem ich mich von Stempelstelle zu Stempelstelle steigere. Ich gehe einfach.” Den Beitrag “Kein Yogakurs lockt mich” >> lesen. Redaktion: Philipp Gessler.

Hund von Pilgern entführt

Wer der Erneuerung nachgeht, hat eine über menschliche Grenzen hinausreichende Anziehungskraft. Das erleben im Oktober 2019 die Pilgerinnen und Wanderer der spirituellen Tagestour „Der Weg der Veränderung“ im Fränkischen Odenwald. Die Tour der Reihe GangART leitet der Theologe und Schriftsteller Georg Magirius zusammen mit Dr. Kilian Distler von der Pfarreiengemeinschaft Würzburg Ost. Der Weg führt von Miltenberg nach Amorbach durch Reuenthal, wo ein Hund die Heimat verlässt. Er schließt sich den Pilgern an. Offenbar strahlt die Gruppe eine attraktive Frische aus, die sie sich im Laufe des Wegs erwandert hat.

In die Ruhe geschlüpft

Idyllisch, eben und belebt zeigt sich der Weg durch die Fachwerkgassen Miltenbergs. Augenblicklich wechselt die Stimmung, als es durchs Schnatterloch geht. In tiefe Ruhe ist man hineingeschlüpft, befindet sich in kühlem, feuchtem Wald. Eine Stunde steigt der Waldweg an, steigert sich dann ins Steile. Kaum mehr erkennbar schlängelt sich der Pfad durch uriges Felsgestein. Kann bei so viel Hindernissen überhaupt noch Neues kommen?

Charakterwechsel

Wie durch ein Tor geht es ins Helle, hinaus auf die himmelweite Ebene von Monbrunn. Blumen wachsen auf einer Bank vor dem Gasthaus Jägerruh.  Auf einer Bank im Gasthaus wachsen Zuversicht und Gelassenheit, indem die von Anneliese Sieg komponierten Zuwendungen schrumpfen: Kürbiscremsuppe, Rührei, Rotweinkuchen und Apfelstreuselkuchen.

Frisch wie Seppl

Und wieder wandelt sich der Weg. An einem konzertierenden Bach entlang geht es durch Reuenthal. Und genau da gesellt sich der Hund zur Pilgergruppe. „Das hat er noch nie gemacht“, staunt sein Frauchen, nachdem sie ihn mit Rufen und Pfeifen mehrere Minuten lang zur Rückkehr bewegen wollte. Doch Seppl, der ganz alt sei, strebt noch immer in junger Neugier mit den Pilgern talaufwärts. Erst auf dem Arm von Frauchen lässt er die Gruppe weiterziehen. Wohin? Dorthin, wo noch etwas wartet: das Gute, das sich nicht zu schade ist, sich schon auf dem Weg immer wieder einmal mitzuteilen.

Die Reihe GangART

Bei GangART handelt es sich um eine von Georg Magirius begründete fortlaufende Reihe Spiritueller Tagestouren durch Spessart, Odenwald, Rhön, Haßberge, Steigerwald, Fränkisches Weinland, Taunus und Schwarzwald. Bei bislang 45 Touren nahmen knapp 1000 Wanderer teil. Resonanz erfährt die Reihe in der FAZ, in Publik-Forum-Extra, Ev. Sonntags-Zeitung, BR, dem Genussmagazin Tiepolo und im Würzburger Sonntagsblatt. Zusammenarbeit u.a. mit Herder Reisen, Ev. Propstei Rhein-Main (Pröpstin Gabriele Scherle),  Ev. Kirche von Kurhessen-Waldeck (Dr. Jochen Gerlach), Goethe-Universität Frankfurt, Christen in der Wirtschaft, Erwachsenenbildung in Stadt Offenbach, Verein Andere Zeiten Hamburg. Die nächsten Touren: 25. April 2020: Die Feier der Gemächlichkeit. Und am 09. Mai 2020: “Das Geheimnis des Hexenbaums”. Angeregt sind die Touren von Georg Magirius’ Buch “Frankenliebe”, das im Frühjahr 2020 unter dem Lektorat von Thomas Häußner im Würzburger Echter Verlag erscheint.

Lärmkollaps bei Stilletour

Wer jetzt nicht laut ist, wird den Anschluss an die Mitte der Gesellschaft auf lange Zeit verlieren. Das scheint das Motto an diesem sonnenüberfluteten Spätsommer-Samstag des Jahres 2019 zu sein. Eine Welle Menschen schwappt aus der Saaletalbahn auf den Bahnsteig in Hammelburg. Sofort wird Musik aufgedreht. Männer mit Landbierflaschen in der Hand dirigieren Kinder zum Fluss. Sie haben dasselbe Ziel wie der Apfelweinkanister, der unter Jugendlichen von Hand zu Hand wandert und bald ins Kanu, das die Fränkische Saale flussabwärts schwanken wird.

Die Samstags-Philharmonie

Auf dem Marktplatz rollt bei der 17. Hammelburger Bocksbeutel-Rallye Oldtimer um Oldtimer vor die Augen des Publikums. Ein alles andere als altersmüdes Feuerlöschauto überprüft gleich mehrfach, ob sein Horn noch heute in Alarmstimmung versetzen kann. Es fällt kaum ins Gewicht, ist es doch nur eine weitere Stimme der weit über Hammelburg aktiven Samstags-Philharmonie. Ihre Instrumentengruppen Kreissäge, Kärcher und Rasenmäher kennen kein Piano. Inmitten des Geräuschgewühls geht der Protest los, ein Aufstand! Besser gesagt handelt es sich um einen Aufgang, den Ausstieg aus dem Druck, den Sonnentag am Ende als effektvoll und doch auch effektiv genutzten Freizeittag verbuchen zu können.

Provozierend leise

Der Aufgang ist so unmerklich leise, dass gerade das das erregend Provozierende ist: 20 Wanderer und Tagespilgerinnen aus Bad Kissingen, Aschaffenburg, Arnstein, Frankfurt, Hainburg, Hammelburg, Karlsruhe, Fuchsstadt, Burdkardsroth und Seligenstadt haben sich für die Spirituelle Wanderung „Ruhe in der Weinstadt“ angemeldet, eine Tour der Reihe GangART unter Leitung des Theologen und Schriftstellers Georg Magirius. Schweigend spazieren die Stillegänger durch die Weinberge und Kiefernwälder oberhalb von Hammelburg, begleitet von prägnanten Worten aus Magirius‘ gerade herausgegebenem Buch „Stille erfahren“.

Nach dem Verklingen

Herstellen oder erzwingen lasse sich die Stille nicht, findet Uwe Kolbe. „Stille ist die Überraschung.“ Sie finde sich im Wald, wo Geräusche nichts von einem wollen und einen zu nichts auffordern, meint Bernardin Schellenberger. Und für Arnold Stadler gibt es keine hörbarere Stille als die, die dem Verklingen einer Stimme folgt oder einer Bach-Orgel an einem Sommerabend. Sie finde sich auch beim Lesen, dieser ungreifbar großen Abkehr und Einkehr, die einsam und beziehungsstark in einem sei. Von der man nichts habe, und doch sei sie so viel: „Es ist wie bei der Liebe. Ein Buch und zwei Augen. Mehr nicht.“

Stille Sicherheit

Wer liest, kann aufrecht und sicher stehen. Und weit reicht der Blick. Das würde Amalberga vielleicht sagen, jene Skulptur, die mit aufgeschlagenem Buch auf einer Klippe des Ofentaler Berges steht. Aber sie schweigt. Mit ihrem Schweigen spricht sie die Stillegänger natürlich an. So rasten sie bei ihr und schauen in die Ferne. Und nach dem Kosten weit gereifter Weintrauben wartet schon wieder der Abstieg ins Tal. Verbunden mit der Anregung, dass man das Forte an Geräuschen vielleicht gar nicht immer bekämpfen muss. Es lässt sich auch übergehen.

Liebenswerter Lärm

Und manchmal kann man sich den Lärm sogar vertraut machen. Das legt jedenfalls die von Amet Bick erzählte Geschichte nahe, in der Mönche in ihrem Waldkloster wegen eines vom Wind herbeigewehten Dauerlärms nicht mehr zum Meditieren kommen. Schließlich suchen sie die Quelle der Unruhe und finden im Tal ein Fest mit Menschen, die sich alles in allem als liebenswert entpuppen. Und die Absteiger der Stille feiern mit, durchstreifen Gassen, Cafés, Wehrgänge, Kirchen und Parks. Und als es Abend geworden ist, fließt das Wasser der Saale noch immer gemächlich still das Tal hinab.

GangART ist eine von Georg Magirius begründete Reihe spiritueller Tagestouren durch Rhön, Odenwald, Steigerwald, Spessart, Haßberge, Taunus, Schwarzwald und das Fränkische Weinland. Bei 45 Touren nahmen fast 1.000 Wanderer und Pilgerinnen teil. Resonanz erfährt GangART z.B. in Publik-Forum, im Reiseblatt der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, im Rucksackradio des BR, im Deutschlandfunk, im Mainfrankenmagazin Tiepolo und im HR, Die nächsten Touren: Am 25. April 2020 geht es unter dem Motto “Die Feier der Gemächlichkeit” zum Kloster Neustadt am Main, am 9. Mai 2020 unter dem Motto “Das Geheimnis des Hexenbaums” in den Hochspessart.

Stille erfahren

Das von Georg Magirius herausgegebene Buch “Stille erfahren” ist unter dem Lektorat von Dr. Esther Schulz und Jochen Fähndrich bei Herder erschienen – mit Beiträgen von Amet Bick, Manuela Fuelle, Uwe Kolbe, Georg Magirius, Ann-Kristin Rink, Bernardin Schellenberger, Arnold Stadler. Fotos: Petra Mathein und Georg Magirius. 

Stille in der Weinstadt

Reizüberflutung, Schnelllebigkeit, Zeitknappheit: Heutzutage ist Stille zur Kostbarkeit geworden. Ihr geht die Spirituelle Wanderung der Reihe GangART am 14. September 2019 nach – in den Weinbergen und Kiefernwäldern oberhalb von Hammelburg. (Rückschau auf die Tour >>> hier.) Der Theologe und Schriftsteller Georg Magirius leitet die Tour über den Hammelberg, für die sich die Gruppe neu bildet. Hammelburg liegt im fränkischen Saaletal, das nicht zu den hektischsten Gegenden Deutschlands zählen dürfte. Dennoch ist nicht die Null-Geräusch-Toleranz das Ziel der Wanderung, zumal die älteste Weinstadt Frankens viel zu vergnügt für ein Streben nach totaler Lautlosigkeit wirkt.

Eine neue Intensität

Stattdessen geht es bei dem ausgedehnten Spaziergang um eine innere Ruhe, die nicht schon beim kleinsten Vogelpiepser in lauthalses Schimpfen ausbricht, wer denn da den meditativen Frieden ruiniere. Der acht Kilometer lange und gut zu bewältigende Rundweg wird zu großen Teilen schweigend gegangen, dazu treten pointierte Inspirationen, die einen in Ruhe lassen. Dieses sehr bewusste Gehen verlangsamt die Wahrnehmung, ohne dass sie erlahmen würde – im Gegenteil! Die Umgebung wird auf eine Weise erfahren, die staunen lässt. Und was sonst vorbeirauscht, überhört oder zerredet wird, gewinnt eine erfrischende Intensität.

In die Ferne schauen

Der kurze Weg wird zu einem Fest – voller Momente, die wundern lassen. Wie etwa die 250 Kilogramm schwere Amalberga, die eines Nachts auf einer Klippe oberhalb des Saaletals stand. Der Künstler ist unbekannt, auch Amalbergas Gesicht ist nicht zu sehen, weil der extrem steile Abhang jeden einigermaßen am Leben Interessierten daran hindert, sich vor sie stellen zu wollen. Sie kann ermuntern, nicht alles sehen und erkennen zu müssen, sondern mit ihr zusammen in eine schöne Ferne zu schauen.

Möglichkeit zur Anmeldung

Ausgangspunkt ist der Bahnhof in Hammelburg. Es wird bei Sonne gegangen, es wird bei Regen gegangen. Nach der Tour lässt sich die Altstadt von Hammelburg erkunden und einkehren, was dann mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht ganz still sein wird. Gemeinsame Anreise mit dem Zug ist nach Absprache möglich u.a. von Frankfurt-Höchst, Frankfurt Hbf, Hanau, Dettingen, Aschaffenburg, Darmstadt, Gemünden, Lohr. Die Teilnahmegebühr beträgt 10 Euro. Hinzu kommen Kosten für die Anreise und eine eventuelle Einkehr, die jeder selbst trägt. Die Teilnehmerzahl ist aufgrund des spirituellen Charakters der Tour begrenzt. Anmeldung bzw. Informationen direkt bei Georg Magirius: mail@georgmagirius.de – 0176-29402322.

Die Reihe GangART

In der Reihe GangART leitet Georg Magirius regelmäßig Spirituelle Tagestouren. Bei bislang 45 Wanderungen durch Rhön, Odenwald, Steigerwald, Haßberge, Fränkisches Weinland, Spessart, Schwarzwald und Taunus nahmen fast 1000 Pilgerinnen und Wanderer teil. Die Tour am 14. September 2019 ist angeregt von Magirius’ gerade herausgegebenen Buch “Stille erfahren“, das unter dem Lektorat von Dr. Esther Schulz und Jochen Fähndrich bei Herder erschienen ist – mit Beiträgen von Arnold Stadler, Bernardin Schellenberger, Ann-Kristin Rink, Georg Magirius, Uwe Kolbe, Manuela Fuelle und Amet Bick.

Ausweg aus dem Sonnenkult

Durch die Maibacher Schweiz - Foto von Georg MagiriusEine Spirituelle Wanderung unter dem Motto „Die Blüte des Einfachen“ kann den Verdacht der Scharlatanerie erwecken. Dass nämlich das Leben inklusive seiner nicht vorherzusehenden Havarien mit Hilfe einer esoterischen Vereinfachungsverdummung klein geredet wird. Und jeder, der es wagt, mit seinem Fragen noch immer an kein Ende gekommen zu sein, erhält den sanft gesprochenen (und gerade dadurch aggressiven) Hinweis, sich endlich einmal auf die Einfachheit des Lebens wirklich einzulassen. Trotz potenzieller Verdachtsmomente dieser Art hatten sich 20 Pilgerinnen und Pilger aus Neu-Anspach, Hainburg, Frankfurt, Seligenstadt, Bad Homburg, Mainhausen, Wehrheim, Froschhausen, Gießen und Usingen zu der Tagestour der Reihe GangART im Mai des Jahres 2019 unter Leitung des Theologen und Schriftstellers Georg Magirius  angemeldet.

Am Bach der Maichbacher Schweiz bei Usingen - Foto Georg MagiriusUnüberdacht

Der Hinweis, sich aufs Leben einzulassen, wurde durchweg weggelassen. Auch wurde auf dem Elisabethpfad von Usingen-Eschbach nach Brandoberndorf nicht der Rat ausgegeben, tief nach innen zu gehen. Der Schlüssel zu der rauschenden Erfahrung des Tages bestand stattdessen darin, nach draußen zu gehen. Das mag auf eine fast dämliche Weise gewöhnlich klingen, ist aber allein schon deshalb nicht selbstverständlich, weil Tourismusexperten infolge des aktuellen Wanderbooms gewiss schon daran tüfteln, Touren mit durchgängiger Überdachung anzubieten. Doch die spirituellen Geher im Hintertaunus spazierten vier Stunden unüberdacht im Regen. Niemand erlitt einen Dachschaden. Kein Ziegel fiel herunter, dafür aber Wasser.

Kurz vor der Schweizer Hütte - Foto von Georg Magirius

Regenreich

Wobei Regen nicht gleich Regen ist, lautete die Erkenntnis, die sich anfühlte, als wäre es das erste Mal. Da gibt es das heftige Prasseln, den intensiven Fadenregen, die voluminöse Schüttung oder auch ein Wasserstreicheln auf der Haut, das so zart ist, dass es nur zeitverzögert spürbar ist, nämlich dann, wenn es verschwunden ist: eine nachfühlbare Erinnerung. Dieser Regenreichtum wiederum geht nicht zählbar viele Kombinationen mit dem Wind ein. Wozu auch Böen gehören, die einen unvorhersagbaren Rhythmus pflegen. Und dann ist da auch noch das Wasser, das der  Regen als Rinnsale auf den Wegen hinterlässt. Oder als Wiesenkissen, über das der Fuß weich wie sonst selten geht.

Leuchtend

Und selbst alle diese Wind-Regen-Kombinationen sind noch nicht das Ende des Reichtums eines Regentages. Denn nur wer den Mut hat, den fanatischen Monotheismus der Sonnenanbeter zu unterlaufen und eimal in einen feuchten Wald hineinzulaufen, kann die Grüntöne des Frühlings auf eine Weise leuchten sehen, wie es keinem Sonnentag gelingt. Und dabei ist von der Luft noch nicht die Rede, die sich atmen lässt, als habe die Welt für einen ewig wirkenden Augenblick jede Schwere abgelegt. Böen auf der Hochebene Bodenrod - Foto von Georg Magirius

Euphorisch

Wer schon einmal länger im Regen gestanden ist, wird nicht so zu tun, als ob Wasser nicht gefährlich werden könnte. Doch wer schon einmal im Regen stand und dann aus welchem Grund auch immer die Gelegenheit erhält im Regen zu gehen, kann eine Erfahrung machen, die auf erschütternde Weise euphorisiert – und das vermutlich einfach deshalb, weil man antrainiert bekommen hat, sich unaufhörlich gegen die Möglichkeit solch einer Erfahrung abzusichern. Geht man dann aber doch über mehrere Stunden durch einen langmütig fallenden Regen, wirkt die Welt auf den Kopf gestellt: Das Wasser fließt deshalb nicht nach oben. Aber man hört irgendwann auf, den Regen als Gegner wahrzunehmen.

Auf der Hochebene von Bodenrod - Foto Reihe GangART

Normal

Ist solch eine Wahrnehmung esoterisch, spirituell oder einer durchschnittlich ausgeprägten Aufmerksamkeit geschuldet? Handelt es sich um höhere Mathematik, eine undurchdringlich komplizierte Geheimwissenschaft? Ist es eine Blüte des Einfachen? Womöglich ist es eine Form von Normalität, die so ungeheuerlich gewöhnlich ist, dass sie unvergleichlich erfrischend ist. Und unwiederholbar und unnachahmlich – nicht zuletzt deshalb, weil kein Touristikunternehmen in den kommenden Jahren auf die Idee kommen wird, eine Regenwanderung auf menschenleeren Wegen durch den Hintertaunus ins Programm zu nehmen.

Georg Magirius - Foto von Petra Mathein

Die Reihe GangART

Georg Magirius (Foto: Petra Mathein) leitet in der Reihe GangART seit 2009 Spirituelle Tagestouren, in denen ein längerer Abschnitt schweigend gegangen wird. Bei bislang 45 Touren nahmen mehr als 1000 Wanderer teil. Im Sommer 2019 ist im Herder Verlag das von ihm herausgegebene Buch “Stille erfahren” erschienen – mit Beiträgen von Arnold Stadler, Bernardin Schellenberger, Ann-Kristin Rink, Georg Magirius, Uwe Kolbe, Manuela Fuelle und Amet Bick. Lektorat: Dr. Esther Schulz und Jochen Fähndrich. Die nächstenTour der Reihe GangART im Frühjahr 2020 > MEHR <.

Die Blüte des Einfachen

Elisabethpfad - Maibacher Schweiz - Foto von Georg Magirius

Schritt für Schritt Ballast abwerfen und mit Leichtigkeit durchs Leben gehen: Darum geht es bei der Spirituellen Tageswanderung der Reihe GangART am Samstag, 11. Mai 2019 im Taunus. (Rückblick mit Fotos >>> hier). Die Tour steht unter dem Motto “Die Blüte des Einfachen”. Die Leitung hat der Theologe und Schriftsteller Georg Magirius, Autor des Buches “Vom Reichtum des einfachen Lebens”. Die Wanderung verläuft von Usingen-Eschbach nach Brandoberndorf auf einem Pilgerweg, der an Elisabeth von Thüringen erinnert. Sie hat im 13. Jahrhundert in Eisenach und in Marburg gelebt und ihr Leben Kostbarkeiten gewidmet, die sich unabhängig von Geld, Erfolg und Ruhm entdecken lassen.

Durch die Maibacher Schweiz

Männertreu auf dem Elisabethpfad - Foto von Georg MagiriusDie Länge der Tour beträgt 14 Kilometer, die reine Gehzeit 4 Stunden. Die Gruppe bildet sich für die Tour neu, geht zum ersten Mal. Der Weg führt über die weiten Hochebenen von Eschbach und Bodenrod, durchstreift in den Wäldern ausgedehnte Männertreu-Inseln. Und dann wird auch noch die gesamte Schweiz durchquert. Gemeint ist die Maibacher Schweiz, die in einem dichten Beieinander schroffe Felsen, berauschende Bäche und stille Waldtäler erleben lässt. Trotz des alpinen Namens dieser Landschaft lassen sich die gelegentlichen Steigungen überwiegend als sanft bezeichnen.

Möglichkeit zur Anmeldung

Weggabelung auf der Höhe Bodenrod - Foto von Georg MagiriusDas Gehtempo ist ruhig, es werden Pausen eingelegt. Ein Abschnitt wird bewusst schweigend gegangen. Startpunkt ist der Bahnhof in Usingen, Es wird bei Sonne gegangen, es wird bei Regen gegangen. Ausgangspunkt Usingen und Endpunkt Brandoberndorf sind mit dem Nahverkehr erreichbar. Gemeinsame Anreise mit dem Zug ist nach Absprache möglich u.a. von Frankfurt-Höchst, Frankfurt Hbf, Seligenstadt, Gießen, Bad Homburg. Die Teilnehmerzahl ist aufgrund des spirituellen Charakters der Tour begrenzt. Anmeldung bzw. Informationen direkt bei Georg Magirius: mail@georgmagirius.de – 0176-29402322.

Die Reihe GangART

In deVom Reichtum des einfachen Lebens - Lektorat: Dr, Marc Kerlingr Reihe GangART leitet Geog Magirius regelmäßig Spirituelle Tagestouren. Bei bislang 45 Wanderungen durch Rhön, Odenwald, Steigerwald, Haßberge, Fränkisches Weinland, Spessart, Schwarzwald und Taunus nahmen fast 1000 Pilgerinnen und Wanderer teil. Die Tour “Die Blüte des Einfachen” am 11. Mai 2019 ist angeregt von Magirius’ Buch “Vom Reichtum des einfachen Lebens”, das unter dem Lektorat von Dr. Marc Kerling im Grünewald Verlag veröffentlicht ist, außerdem von dem im Herder-Verlag erschienenen und von Dr. Esther Schulz lektorierten Pilgerbuch “Schritt für Schritt zum Horizont“. Nächste Tour im Frühling 2020, am 25. April unter dem Motto “Die Feier der Gemächlichkeit” – Informationen dazu hier.

Neue Räume und Wege: 1 Million Besucher

Neue Wege - Foto von Georg Magirius

Es geht einfach nur um Worte. Sie aber sind offenbar überraschend zusammengestellt, sodass sie Interesse finden und sich neue Räume und Wege ergeben. Am 23. Februar 2019 hat der millionste Besucher die Internetpräsenz der freien Erzählers und Theologen Georg Magirius besucht. 150 Interessenten pro Tag klickten Blog und Website im Jahr 2011 an, als die Zählung begann. Inzwischen ist die Besucherzahl auf 600 täglich gewachsen. Zu den Favoriten in den zurückliegenden Jahre gehörten etwa der BR-Kommentar „Wie man das Leben in den Griff bekommt” (Redaktion. Tilmann Kleinjung), die Pilgerreportage “Absturz bei Vertrauenstour” und jüngst die mp3 “Hemmungslos still“, eine im Deutschlandfunk gesendete Liebesgeschichte (Redaktion Frank-Michael Theuer).

Tasse auf der Terrasse

Tasse auf der Terrasse - Foto von Georg MagiriusWie soll man es nur nennen? Es ist ein Schock, ein Kulturabbruch, die Erosion eines urdeutschen Wertes, der doch für immer zu gelten schien. Und dieser Abbruch einer nationalen Gewissheit zeigt sich bei der Wanderung der Reihe GangART unter Leitung des Theologen und Schriftstellers Georg Magirius gleich mehrfach. Wir schreiben den 8.  September des Jahres 2018: Die Tagespilgerinnen und Spirituellen Wanderer sind an dem spätsommerlichen Tag aufgebrochen, um auf dem Weg von Miltenberg nach Amorbach im Odenwald neue Kräfte zu suchen. Aber dass sie den Geist der Veränderung gleich so dramatisch erfahren, dass ein grundlegendes Gesetz des Landes keinen Wert mehr hat?

Die neue Freiheit schmeckt

All der Dramatik zum Trotz lassen die Bewegungsfreudigen sich auf das Neue ein. Sie klagen nicht und schlagen auch nichts und niemanden zu Bruch. Noch mehr! Einige probieren sogar die Neuheit aus. Und? Die Welt geht nicht unter. Die ungewohnten Verhältnisse im Land sind sogar genießbar, die neue Sitte nämlich, die lautet: Tasse auf der Terrasse. Denn im Café Schloßmühle in Amorbach, aber auch auf der Terrasse des Gasthauses „Zur Jägerruh“ in Monbrunn bei Miltenberg ist “Draußen nur Kännchen!”,  das womöglich Heiligste Gebot deutscher Nation, aufgehoben.

Das erfrischend Gestrige

Gasthaus Jägerruh Monbrunn MiltenbergVielleicht ist die Gelassenheit der Wanderer dem Neuen gegenüber inspiriert von einem Segen, der sie auf ihrem Weg in die Erneuerung begleitet: „Gott segne deinen nächsten Schritt, den Mut, dass sich etwas ändert. Und er ruhe in der Angst, dass sich alles ändern könnte.“ Die Kraft des Neuen ist aber nicht nur auf Café-Terrassen spürbar. Sie zeigt sich, wie ungewöhnlich, auch in vielem, das als gestrig gilt. In Monbrunn etwa, wo es keine Durchgangsstraße gibt, ist es auf so unmoderne Weise still, dass die Pilger die Zeit vergessen. Statt der angedachten einen Stunde sitzen sie gleich zwei im Gasthaus. Dort wird Fichtennadel-Limonade ausgeschenkt.

Gerechtigkeit auf dem Teller

Und Wirtin Nicola Ripperger kennt sich bis ins Detail in ihrer Speisekarte aus. „Wie groß ist denn ein Grünkernbratling?“, wird gefragt. Antwort: „110 Gramm.“ „Wirklich 110 Gramm?“ „Es können auch 111 sein.“ Jedenfalls koche sie nicht im Namen der Ungerechtigkeit. So habe sie die Teigballen abgewogen, damit es zu Gleichheit und Gerechtigkeit auf den Tellern komme. So folgt sie Werten, denen man schon immer den Untergang vorausgesagt hat. Doch hat sie noch niemand, keine Grenze oder Mauer dauerhaft ausrotten können. Frisch und menschenfreundlich schmeckt die Rippergersche Interpretation von Gleichheit und Gerechtigkeit, zumal die grünen Kerne auf einem uralten Herd gebraten werden, der noch von Brennholz gespeist wird. Damit aber nicht genug des Neuartigen in Monbrunn, das im Alten gründet. Denn Schweine können ihren Stall verlassen und hüpfen im Freien herum.

Irren und Staunen

Hüpfende Schweine in Monbrunn - Foto von Georg MagiriusAllerdings ist die Suche nach Erneuerung nicht nur ein hüpfendes Vergnügen. Sie ist auch kein reiner Kaffeetassen-Terrassenspaß. Sie kennt Tücken. Denn soll man nach dem Durchschreiten des Schnatterlochs in Miltenberg einer Orientalin trauen, der Jüdin und Koptuchträgerin Maria, also der Markierung des Fränkischen Marienwegs? Oder doch besser dem Steig der Nibelungen, der an den vom Urgermanen Richard Wagner aufgegriffenen Mythos denken lässt? Oder beiden? In einem wirren Kulturmischmasch geht es mal da, dann wieder dort, auf einmal ein Stück zurück und dann auch noch einmal ganz woanders, nämlich durch einen keltischen Ringwall. Doch der alles andere als reinrassige Weg steht unter einem Schutz, verspricht der Segen, der die Tour begleitet: „Gott segne und verwirre dich, gehe mit dir in die Irre, er lasse dir den Irrtum, nicht für immer wirst du irren. Gott schenke dir den Weg des Staunens.“

Migration

Nur wie genau kann man denn nun dieses Staunen und die Kraft zur Erneuerung erfahren? Schließlich gibt es genug Gründe, immer wieder ins Zweifeln zu kommen, dass das Leben einen Fortgang kennt. Der Bach, der gewöhnlich auf dem Weg nach Reuenthal bergab springt, ist stumm. Und auf dem Greinberg liegt das Waldgras erschöpft, wie tot am Boden nach einem Sommer, der kaum andere Ausdrucksformen als Trockenheit und Hitze kannte. Doch irrwitzig mutig, frech und unverfroren jung ist das Grün, das sich aus dem zu Boden geworfenen Gras vorwagt. Und wer ist es, der die Kraft dieses Grüns schauen und erfahren kann? Antwort: Der Mensch, der womöglich gar nicht sehr viel macht und schaffen kann, aber einfach weiterzugeht – und das gesamte Leben als Migration versteht.

Auf dem Gotthard bei Amorbach - Foto von Georg MagiriusDie Reihe GangART

Die Reihe GangART ist eine fortlaufende Reihe von Spirituellen Tageswanderungen durch Rhön, Odenwald, Taunus, Schwarzwald, Spessart, Steigerwald, Haßberge und Fränkischem Weinland. Bei 45 Touren nahmen fast 1000 Wanderer teil. Der Segen der Tour von Miltenberg nach Amorbach entstammt dem unter dem Lektorat von Dr. Esther Schulz bei Herder veröffentlichten Pilgerbuch „Schritt für Schritt zum Horizont“ von Georg Magirius. Die nächsten Touren im Frühjahr 2020 mehr dazu >> hier.

Zwei Wege zum Genuss

Wie finde ich Genuss? Indem ich mich auf Minimales konzentriere, wodurch ein Gefühl der Weite entsteht. Das ist das Ergebnis der Reise „Spirituell Wandern durch die Genusslandschaft Mainfranken“, die die Reihe GangART mit Herder Reisen im Mai 2018 veranstaltet hat. 20 Pilgerinnen  und Wanderer hatten sich in den Spessartort Lohr aufgemacht. Sie kamen von der Insel Föhr, der Schwäbischen Alb, der Mosel, aus St. Gallen, dem Emsland, Oberbayern, Hannover, Hessen, Baden, der Grafschaft Bentheim und Westfalen. In Lohr gerieten sie weder in urlaubstypischen Aktionismus noch legten sie sich in Liegestühle. Stattdessen brachen sie erneut auf, um sich unter Leitung des Theologen und Schriftstellers Georg Magirius eine Ruhe der besonderen Art zu erwandern.

Stetig und wandelnd

Sie gingen langsam und mit Pausen. Ihr Ziel? Keine Rekorde, sondern die Erkundung des Einfachen. Da war der Weg zur Quelle, der freilich nicht als topographisches Unternehmen missverstanden werden sollte. Denn die Quelle des sich durchs Buchental schlängelnden Baches selbst sahen sie nicht. Dafür spürten sie, was die Quelle auf die Reise geschickt hatte: Sie gingen durch das Wasser hindurch. Und hörten sein Glitzern und schauten seinen Klang – so widersinng muss man das wohl formulieren, um das extravagante Fließen, Plätschern und Rauschen ansatzweise mit Worten nahe zu kommen. Dennoch, es war schlicht Wasser. Ein stetes, sich durchs Gehen unaufhörlich wandelndes Klingen, das hellhörig machen kann für jenes Geheimnis, das mitunter als Quelle des Lebens bezeichnet wird.

Glitzernd und kichernd

Buchental bei Lohr - Foto von Georg Magirius

Quelle des Lebens – das ist natürlich auch nur ein Name unter vielen anderen, mit denen man sich dem Geheimnis nähern will, ohne dass es sich deshalb begreifen ließe. In der Hoffnung, das Geheimnis ergreifen zu können, werden zuweilen prächtige Kirchen und Paläste gebaut, mit Getöse und Gedröhn wird der Lebensgrund gefeiert, um ihn dann wieder mit heftigem Ordnungssinn kanalisieren zu wollen. Doch der Quellgrund selbst lacht diese Kanalisationsarbeiten aus. Denn lässt sich die Kraft des Wasser wirklich fassen? So beunruhigt nicht wenige das Geheimnis des Lebens, das unerreichbar nah erscheint und dennoch frei und fern. In der direkt am Buchenbach gelegenen Klosterkirche Mariabuchen saßen die Quellensucher still, in Ruhe und ohne Gedröhn vor einer geschnitzten, 23 Zentimeter kleinen Figur der Maria, auf deren Schoß ihr Sohn liegt, tot. Und der Buchenbach hört nicht auf glitzern und zu kühlen und zu kichern und zu trösten.

Der zweite Weg zum Genuss

Stilleweg bei Retzbach Foto von Georg Magirius

Der Geschmack des Lebens wird umso intensiver, je weniger man erreichen will. Und in Franken? Da erreicht man nichts. Das ist die Erkenntnis der zweiten Genusswanderung, die durch die Weinberglandschaft zwischen Retzbach und Karlstadt führte. Der fränkische Wellengang hat die Gnade, zu keinen Höchstleistungen anzustacheln. Die Landschaft kann nicht besiegt, bestiegen und erobert werden. Sanft ist sie, nicht dramatisch und wirkt womöglich deshalb unbezwingbar. Man geht durch sie hindurch, ohne auf den Gedanken zu kommen, über sie hinwegtrampeln zu wollen.

Es gibt ein Leben ohne Audioguide

Rast an der Steinweinhütte bei Stetten - Foto von Georg Magirius

Die Gegend ermuntert dazu, sich im Weglassen zu üben. So ließen die Pilger das Reden, gingen eine Stunde still, hörten das hochfliegende Lied der Lerche. Und auf dem Wiesenpfad grüßte das vom Regen der Nacht feuchte Gras, sodass die Berührung mit ihm noch viele Schritte später spüren und an den Schuhen sehen ließ. In der Steinweinhütte bei Stetten war Rast. Es war bei Kilometer sieben, als der Luxus ein Zuhause fand – und das mitten auf dem Weg. Brot wurde mit Blick in die Weite gegessen. Wieder war es still, keine Erklärung war nötig. Und klar schmeckte die Erkenntnis: Es gibt ein Leben ohne Audioguide. Denn die Landschaft sprach für sich.

Exzentrisch einfach

Gang durch die Reben bei Karlstadt - Foto von Georg Magirius

Und am Ende? Keiner der Gehenden saß allein. Und die Teller vor ihnen waren nicht leer, quollen aber auch nicht über. Denn im Café Schrödl in Karlstadt lag vor den Weinbergpilgern ein überschaubar flaches Gebäck, das sogenannte Schrödlhörnchen, immer eins auf einem Teller. Dennoch handelte es sich dabei nicht um eine Uniformität. Sich auf dieses eine Gebäck zu beschränken, war ein exzentrisches Mahl. Ein aus der Lust an der Originalität geborener Verstoß gegen die verbreitete Sitte, im Café und auch sonst im Leben möglichst niemals etwas auszulassen.

Feierlich und langsam

Am Ende also war nur noch dieses Hörnchen wichtig. Nach 13 Kilometern ruhigen Gehens wurde es gegessen – langsam. Rasant allerdings reagierten die Geschmacksnerven. Sie erzählten es Gehirn, Körper, Seele, Geist und – wer weiß? – in diesem Augenblick der ganzen Welt: Du bist um dieses Genusses Willen heil.

Zugabe: Der Königsweg des Genusses

Die Reise „Spirituell Wandern durch die Genusslandschaft Mainfranken“ wurde einschließlich des Königsweges zum Genuss, der Biblischen Weinprobe, organisiert von Caroline Huber und Meike Röder von Herder Reisen und Georg Magirius von GangART. Die Reiseleitung hatte Meike Röder. – Die nächsten Spirituellen Tagestouren der Reihe GangART im Frühjahr 2020. Mehr dazu >> hier.

Auferstanden in Ruinen

Ruine Collenburg im Spessart - Foto von Georg MagiriusDie Pilgertour endete ruinös – und das ausgerechnet an einem herrlichen Frühlingstag. 16 Wanderer und Pilgerinnen aus Butzbach, Frankfurt, Mainhausen, Dietzenbach, Seligenstadt, Niddatal, Großostheim und Hainburg hatten sich auf den Weg gemacht, um dem wahrhaft Stimmigen im Leben nachzuspüren. Die Tour der Reihe GangART unter Leitung des Theologen und Schriftstellers Georg Magirius war aber bewusst nicht dem Geraden, Ganzen, Glatten und Glänzenden gewidmet. Stattdessen führte die Tour in die große Freiheit, unfertig sein zu dürfen.

Lückenhafte Eleganz

Auf dem Bichelberg - Foto von Georg MagiriusZiel der Spirituellen Wanderung war im Südspessart die Ruine Collenburg unweit von Miltenberg, eine einstmals wehrhafte Burg oberhalb des Mains, die dem Landesherrn als Statussymbol galt. Jetzt finden sich von ihr nur noch Reste, verwundet ist der vormalige Dickhäuter und beeindruckt mit einer lückenhaften Eleganz. Dazu bietet die Ruine eine so rauschhafte Offenheit zum Himmel, mit der selbst teurste Cabriots und luxuriöse Lofts kaum konkurrieren können.

Abseits des Kleinkarierten

Rast im Turm - Foto von Georg MagiriusUnd auch das Grün des Spessarts kommt an diesem Ruheort auf so erhebende Weise nahe, wie es selbst die Terrasse eines an den Berg gebauten Superkomforthotels nicht ermöglichen könnte. Denn in der Ruine, die nun nicht gerade mit Sportsgeist und bester Gesundheit prahlt, kann sich eine Durchschnittkreatur aufgehoben fühlen. Anders als an jenen Stätten, wo man in kampfartigem Krampf immer neu das erschütternd kleinkarierte Stück von der angeblichen Unverwundbarkeit des Lebens aufführt.

Die Liebe zum Stückwerk

Rastplatz Ruine Collenburg - Foto von Georg MagiriusAuch Paulus hätte sich in der Ruine Collenberg am rechten Fleck gefühlt, behauptete Magirius. Denn der Apostel, der vielen als Alphatier und Wortgigant gilt, hielt die Risse für das mit Abstand Stärkste im Leben: Im Schwachen könne Gottes Kraft mächtig werden. Das Große, Gewaltige und umwerfend Heldenhafte vergehe, Gottes Liebe zum Stückwerk aber bleibe.

Die Reihe GangART

Gruppenbild mit Gottesmutter - Foto von Gabriele HoffmannDie Reihe GangART hat Georg Magirius mit Regina Westphal 2009 gegründet. Es handelt sich dabei um eine fortlaufende Reihe von Spirituellen Tagenswanderungen durch Spessart, Odenwald, Schwarzwald, Taunus, Rhön, Steigerwald und Haßberge. Bei bislang 43 Touren nahmen etwa 950 Wanderer teil. Der Gang von Stadtprozelten zur Collenburg ist Buchcover: Pilgerbuch von Georg Magiriusinspiriert von Gedanken und Texten aus Magirius’ Buch “Schritt für Schritt zum Horizont”, das Inspirationen für Einzelwanderer und Pilgergruppen bietet. Es ist unter dem Lektorat von Dr. Esther Schulz im Herder Verlag erschienen.

Die nächste Tour

>>> Die nächsten Touren im Frühjahr 2020 mehr dazu >> hier. Fotos: Gabriele Hoffmann, Seligenstadt, und Georg Magirius.