Modellbahnbau senkt Weihnachtsfieber

Familienkäfig, Besinnungsterror, Sehnsucht nach dem Rätselhaften. Und zwischen Erwartungsfreude und Katastrophenfieber bauen Männer in aller Seelenruhe Modelleisenbahnen auf. Wie geschaffen scheint die Pfarrerstochter Gabriele Wohmann dafür zu sein, dem hochheiligen Weihnachtsfest schräge Seiten abzulauschen, wird die Schriftstellerin doch auch weiblicher Loriot genannt. Von ihrer Weihnachtskomik handelt Georg Magirius‘ halbstündige Sendung „Das Lachen der Liebe“ am 2. Weihnachtsfeiertag im Kulturradio des RBB, 9.04-9.30 Uhr.  

Gabriele Wohmanns Weihnachtskomik

Wohmann blickt voller Witz auf das Fest, das allen Boykottankündigungen zum Trotz doch jedes Jahr wieder gefeiert wird. Die vielfach ausgezeichnete Autorin gilt als unangefochtene Königin der Kurzgeschichte. „Weihnachten ohne Parfüm“ ist der letzte persönlich fertiggestellte Erzählungsband der 2015 verstorbenen Schriftstellerin. Ihr scharfer Blick enthüllt alle möglichen menschliche Schwächen und weihnachtliche Kuriositäten. Dahinter ist aber auch die Sehnsucht zu erahnen, dass inmitten von Desaster, Dunkelheit und Traurigkeit die Liebe bleibt und immer neu das Lachen gebiert.

Das Lachen der Liebe, Gabriele Weihnachtskomik, rbb-kultur, Gott und die Welt, 26. 12. 2019, 9.04-9.30 (auch als Podcast und Manuskript), Sendung von Georg Magirius, Sprecherin: Birgitta Assheuer, Sprecher: Georg Magirius, Ton: Natalie Truchseß, Redaktion: Anne Winter

(c) Fotos: Wolfgang Eckert (pixabay) / Jule Kühn

Des Protestanten Gespür für Katholische Welten

Stille im Radio? Das klingt unmöglich. Doch Georg Magirius habe gezeigt, dass sich das Thema radiophon umsetzen lasse. So urteilt Wolfgang Küpper im Bayerischen Rundfunk in der Sendung Ökumenische Perspektiven auf Bayern2 über das von Magirius bei Herder herausgegebene Buch “Stille erfahren”. Wieso jetzt Buch? Antwort: Ohne die Arbeit des in Hessen lebenden Protestanten Magirius für die Sendereihe Katholische Welt des Bayerischen Rundfunks wäre das Buch nicht entstanden. Die Besprechung > lesen und > hören.

Die Sendung

Die halbstündige Sendung “Aufgehoben in der Stille” jetzt kostenfrei in der BR-Mediathek hören >> hier.

Das Buch

Stille erfahren - Georg Magirius

Georg Magirius (Hg.), Stille erfahren, mit Beirägen von Amet Bick, Manuela Fuelle, Uwe Kolbe, Georg Magirius, Ann-Kristin Rink, Bernardin Schellenberger, Arnold Stadler, 128 Seiten, gebunden, Lektorat: Dr. Esther Schulz und Jochen Fähndrich, ISBN: 978-3-451-34996-6, Herder Verlag 2019

Nachhaltiger Advent

Nachhaltiger Advent – ist das ein Slogan, der den Advent besser konsumieren lässt? Weil die Weihnachtsbeleuchtung teilweise aus Solarstrom stammt, man den Weihnachtsmarkt mit dem Hybridauto erreicht und statt der Installation von Wärmestrahlern hochprozentiger Glühwein ausgeschenkt wird? Nein, der nachhaltige Advent ist der Hinweis auf den religiösen Grund der Wochen vor Weihnachten. Dieser stammt aus einer Welt, in der es das Wort Nachhaltigkeit noch nicht gebräuchlich war. Freilich war sie von einer Weisheit gesegnet, die heutige Bemühungen um Nachhaltigkeit alt aussehen lässt, behauptet der Theologe und Schriftsteller Georg Magirius.

Das Sitzen als Urform des Advents

Der Urgrund des Advents ist zukunftsweisend, hoffnungsvoll und erschütternd klimaneutral. Denn er ist einfach, schreibt Magirius in seinem Adventsbegleiter “Einfach freuen”. Die Urform des Advents nämlich ist das Sitzen: “Der Advent erlaubt mir, mich nicht bewegen zu müssen.” Aber warum? Es habe damit zu tun, dass Gott, wie die alten Quellen überliefern, aufgebrochen sei, um den Menschen zu suchen, zu besuchen und bei ihm zu wohnen. “Wieso es ihm schwermachen, indem ich meinen Aufenthaltsort unablässig veschiebe?”, fragt Magirius. Und folgert: “Also steuere ich den nächsten Sessel an.”

Georg Magirius, Einfach freuen. 24 Momente gegen die Rastlosigkeit, mit zahlreichen Abbildungen, Lektorat: Thomas Häußner, Echter Verlag Würzburg, ISBN 978-3-429043889, 12,90 Euro. Den Begleiter beim Echter Verlag > bestellen.

Gesundheitsrisiko Glaube

Manuela Fuelle (c) manuelafuelle.comEr wollte seine Ruhe haben, zu ihnen gehören, zu allen. Das schreibt die Theologin und Schriftstellerin Manuela Fuelle in ihrem Essay “Jona oder Übungen eines Lebenskünstlers”. Jona sollte warnen, mahnen. Doch war er ein friedvoller Mensch, ein nützliches Glied der Gemeinschaft, das niemanden angreift. Keinen Lärm machen! Darum geht es doch: Du sollst stillhalten. Gesundheit geht vor, liest man überall. Er war tolerant, gesellig, gern gesehen. Mit gutem Gespür für seine Zeit und die ist knapp bemessen. Mit Gespür für die Gegenwart: Kein Mahner seiner Generation. Von denen hatte man genug, diesen selbsterwählten Moralaposteln, die mit ihrem Stimmvolumen ihr eigenes Gewissen übertönen müssen.

Wach sein, lärmen, Ruhe finden bei Gott

Doch Manuela Fuelle will keinen Nachruf für einen Propheten schreiben, der ein weites Herz hatte, einen gesunden Schlaf und immer viel Verständnis. Selbst wenn es nicht gesund sein sollte, will sie lieber Ruhe finden bei Gott, was etwas anderes ist als Stillhalten. Sie will wach sein, ins Risiko gehen, lärmen, träumen und die Augen öffnen, bereit sein für die große Prüfung. “Doch die große Prüfung bleibt aus, die kleinen Übungen aber sind unser.” Von ihnen erzählt sie am 10. November 2019, 15.00 in der Sendereihe Lesezeichen auf ERF-Plus, die Redaktion hat Ute Heuser-Ludwig. Stille erfahren - Georg MagiriusVeröffentlicht ist Manuela Fuelles Essay in Georg Magirius’ Buch “Stille erfahren“. Das Lesezeichen in der Mediathek und weitere Sendetermine des Beitrags finden sich hier. <

Georg Magirius (Hg.), Stille erfahren, mit Beirägen von Amet Bick, Manuela Fuelle, Uwe Kolbe, Georg Magirius, Ann-Kristin Rink, Bernardin Schellenberger, Arnold Stadler, 128 Seiten, gebunden, Lektorat: Dr. Esther Schulz und Jochen Fähndrich, Satz: Barbara Herrmann (Freiburg), ISBN: 978-3-451-34996-6, Herder Verlag 2019, 18 Euro

Lautes Kloster. Leise Stadt

Porträt von Amet Bick - Foto von Heide Scherm

Auf der Suche nach Stille beobachtet die Theologin Amet Bick Lautes und Leises in der Stadt, an einem See, im Kloster. Zu hören sind ihre Erkundungen am 3. November 2019, 15.00 in der Sendereihe Lesezeichen im Sender ERF-Plus. Inspiriert ist die Sendung von dem Beitrag “Ankommen in der Stille”, den sie in Georg Magirius’ Buch “Stille erfahren“ Stille erfahren - Georg Magiriusveröffentlicht hat. Redaktion: Ute Heuser-Ludwig. Das Lesezeichen in der Mediathek und weitere Sendetermine findet man hier. <

Georg Magirius (Hg.), Stille erfahren, mit Beirägen von Amet Bick, Manuela Fuelle, Uwe Kolbe, Georg Magirius, Ann-Kristin Rink, Bernardin Schellenberger, Arnold Stadler, 128 Seiten, gebunden, Lektorat: Dr. Esther Schulz und Jochen Fähndrich, Satz: Barbara Herrmann (Freiburg), ISBN: 978-3-451-34996-6, Herder Verlag 2019, 18 Euro

Ein wundervolles Leben in Grau

Grau hat einen schlechten Ruf. Wer Katrin Schmidts Buch „Gehalten, wenn nichts mehr hält“ liest, empfindet die Farbe als wohltuend. Mit ihr widersetzt sich die Autorin allen möglichen Schwarz-Weiß-Schemata, weicht diese auf. Man gewinnt einen Blick für Facetten und Details. So räumt das Buch damit auf, dass Trauer, Liebe, Glaube oder am Ende auch noch Gott bestimmten Ordnungsmustern folgen müssen. Katrin Schmidt erzählt von ihrer Schwangerschaft, ihrer Tochter Dalia, die sie austrägt, obwohl sicher ist, dass diese eine schwere Krankheit hat.

Grundlegend

„Da war so viel Schockierendes, aber auch so viel Liebe“, konstatiert sie, als ihr Mann und sie das Ultraschallbild sehen. Sie entscheiden, mit ihrer Tochter leben zu wollen, die kurz vor, während oder kurz nach der Geburt sterben wird. „Schnell weg mit dem Problem“ – dieser Option folgen sie also nicht. Das Buch ist freilich kein auftrumpfendes Statement zu der gesellschaftsrelevanten Frage „Abtreibung“. Es geht stattdessen um die gesellschaftlich vielleicht noch viel grundlegendere Frage, wie Menschen miteinander umgehen, insbesondere wenn sie sich in Extremsituationen befinden.

Menschlich

Schmidt, Tochter eines Pastors, hat einen lebendigen Glauben. Aber sie ist sich nicht immer sicher. „Ich bin ein Mensch und der Glaube macht mich nicht zu einer abgebrühten Maschine, die mit ein paar Daten gespeichert ihren Weg geht und die Aufgabe erledigt.“ Andere dagegen scheinen sehr wohl sicher zu sein:  „Toll“ sei das doch, dass sie das Kind austrage, hört sie. Das aber findet sie gar nicht toll, dass manche genau wissen, wie toll das sei. „Kann man ein Kind ‚toll‘ verlieren?“ Wissen andere, dass ihre Tochter im Mutterleib womöglich leide? „Jeder, der dieses Kind nicht im Bauch hatte, konnte leicht sagen, was gut ist.“

Ehrlich

Schmidt schildert mit staunenswerter Genauigkeit Zwischentöne, Stimmungen, Beziehungen – unaufgeregt, warmherzig und oft auch witzig. So wird das Buch zum Hort des Trostes für all jene, die nicht akzeptieren können, dass Menschen mit kostbaren Erfahrungen zurechtgerückt und in vorgegebene Bilder gezwängt werden. „Wenn ich nicht alles ehrlich schildern würde, müsste ich dieses Buch nicht schreiben.“ Also schreibt die Mutter von der Angst, ihren Glauben zu verlieren. Von tiefdunklen Tagen im Advent, der doch eigentlich von der Annäherung des Lichts durchzogen ist. Von Zusammenbrüchen. Wie sie an Heiligabend den Gottesdienst verlässt und draußen weint, weil immerzu von “Baby Jesus” die Rede ist, dem neugeborenen Kind in der Krippe. Ebenso ehrlich schildert sie, wie unterschiedlich und auf schmerzliche Weise zeitversetzt Vater und Mutter trauern können. Als sie spürt, dass Dalia in ihrem Bauch gestorben ist, erfährt sie Frieden. Spannung fällt ab. Und ihr Mann? Bei ihm erklimmt die Trauer den Gipfel, letzte Kräfte fallen in sich zusammen.

Heilsam

Genauso freimütig erzählt sie von der Bewegungsfreude ihrer Tochter im Bauch, von heilsamen Momenten und zu Schätzen gewordenen Worten. Von Trost, Begeisterung und Leidenschaft. Das findet sich mitunter in Situationen, wo es überhaupt nicht zu passen scheint, wie viele denken. So geht sie, obwohl sie lange Zeit Gesellschaften gemieden hat, mit dem nun gestorbenen Kind im Bauch auf die Geburtstagsfeier ihrer Schwester. Es lenkt ab, was in diesem Moment hilfreich ist. Den Gottesdienst wiederum, den sie gewöhnlich mit Hingabe besucht, meidet sie nach der Geburt wochenlang, genauso Supermärkte in ihrer Nähe. Aufatmen kann sie in der Natur.

Ausgestiegen

Auch wird nicht verschwiegen, dass die Eltern sich kurz vor der Geburt im Krankenhaus mit Freunden verabreden, um „Siedler“ zu spielen. Oder dass die Mutter durch die Geburt verändert aus bestimmten Beziehungssystemen aussteigt. „In Gesprächssituationen reagierte ich teilweise anders, unterstützte manches Gerede nicht mehr“. Einige reagieren irritiert, es „wurde nicht einfach so akzeptiert. Ich spürte dass manche sich wünschten, dass ich wieder so funktioniere wie vorher. Das konnte und wollte ich aber nicht.“

Stark

Katrin Schmidt hat ein starkes Buch geschrieben, das von der Schwachheit erzählt. Und vom Glauben, das hiesige Leben nicht zum Weiß verklären zu müssen: „Die Erde ist kein Paradies.“ Das ermöglicht, Grausames nicht schön zu reden. Jedoch: „Im Leid, was sich niemand wünscht oder selbst wählen würde, liegen meiner Erfahrung nach tiefe Chancen verborgen. Ich habe es so erlebt.“ Sie wird Dalia geheilt im Paradies wiedersehen, glaubt sie, im Himmel. Nur wie passt das zusammen? Solch ein himmelweiter Glaube und dieses Können, das hiesige Grau in kaum zählbaren Schattierungen präzise darzustellen? Ihre Antwort: „Bei Gott erde ich mein Leben“.

Katrin Schmidt, Gehalten, wenn nichts mehr hält. Meine Geschichte mit unserer still geborenen Tochter, mit einem Vorwort von Dr. med. Ute Horn, Neufeld Verlag, 158 Seiten, 14,90, ISBN 978-3-86256-072-1 (auch als E-Book) – Foto (c) Neufeld Verlag.

Die Attraktivität des Alten

Hat ausgerechnet Altes im sich rasant ändernden Internet eine lange Haltbarkeit? Das legt das Interesse der Besucher an klassischen Themen der Internetpräsenz des Theologen und Schriftstellers Georg Magirius nahe. Im dritten Quartal des Jahres 2019 besuchten Blog und Website insgesamt mehr als 59.000 Besucher, die mehr als 205.000 Seiten anklickten. Zu den Favoriten der täglich 655 Besucher zählte Magirius’ vor 18 Jahre erstelltes Erklärstück, das im unterdessen abgewickelten Kinderfunk des Hessischen Rundfunks unter der Redaktion von Nora Enns gesendet wurde: “Sonne, Mond und nicht nur ein Kalender. Wie der Kalender entstand“.

Gefragte Klassiker

Unter den beliebtesten Beiträgen befindet sich auch eine von Dr. Claudia Christophersen redaktionell betreute, im BR gesendete Reportage über das Erlernen der weit mehr als 3000 Jahre alten hebräischen Sprache. Die Sendung stellt etwa den Hebräischunterricht des Pfarrers Dr. Achim Müller in Worms vor. Außerdem gefragt war der Beitrag “Die Blüte des Einfachen” über das Pilgern auf dem Pfad, der der einige hundert Jahre alten Elisabeth von Thüringen gewidmet ist. Unter den fünf meist aufgerufenen Dokumenten befindet sich allerdings schon auch Neues: “Die Musikalität des Glaubens”, eine unter der Redaktion von Dr. Lothar Bauerochse entstandene Sendung über das sogenannte Neue Geistliche Lied und den Poeten und Pfarrer Friedrich Karl Barth. Er freilich gilt schon wieder als ein Klassiker dieses Neuen. Auch das beliebteste Dokument vereint Alt und Neu. Es ist dem Werk der 2015 verstorbenen Gabriele Wohmann gewidmet. Es handelt sich um das Verzeichnis sämtlicher Erzählungen von Wohmann, die als Meisterin der Kurzgeschichte gilt. 1932 geboren ist Gabriele Wohmann allerdings eine vergleichsweise junge Hüpferin der Zeitgeschichte.

Hund von Pilgern entführt

Wer der Erneuerung nachgeht, hat eine über menschliche Grenzen hinausreichende Anziehungskraft. Das erleben im Oktober 2019 die Pilgerinnen und Wanderer der spirituellen Tagestour „Der Weg der Veränderung“ im Fränkischen Odenwald. Die Tour der Reihe GangART leitet der Theologe und Schriftsteller Georg Magirius zusammen mit Dr. Kilian Distler von der Pfarreiengemeinschaft Würzburg Ost. Der Weg führt von Miltenberg nach Amorbach durch Reuenthal, wo ein Hund die Heimat verlässt. Er schließt sich den Pilgern an. Offenbar strahlt die Gruppe eine attraktive Frische aus, die sie sich im Laufe des Wegs erwandert hat.

In die Ruhe geschlüpft

Idyllisch, eben und belebt zeigt sich der Weg durch die Fachwerkgassen Miltenbergs. Augenblicklich wechselt die Stimmung, als es durchs Schnatterloch geht. In tiefe Ruhe ist man hineingeschlüpft, befindet sich in kühlem, feuchtem Wald. Eine Stunde steigt der Waldweg an, steigert sich dann ins Steile. Kaum mehr erkennbar schlängelt sich der Pfad durch uriges Felsgestein. Kann bei so viel Hindernissen überhaupt noch Neues kommen?

Charakterwechsel

Wie durch ein Tor geht es ins Helle, hinaus auf die himmelweite Ebene von Monbrunn. Blumen wachsen auf einer Bank vor dem Gasthaus Jägerruh.  Auf einer Bank im Gasthaus wachsen Zuversicht und Gelassenheit, indem die von Anneliese Sieg komponierten Zuwendungen schrumpfen: Kürbiscremsuppe, Rührei, Rotweinkuchen und Apfelstreuselkuchen.

Frisch wie Seppl

Und wieder wandelt sich der Weg. An einem konzertierenden Bach entlang geht es durch Reuenthal. Und genau da gesellt sich der Hund zur Pilgergruppe. „Das hat er noch nie gemacht“, staunt sein Frauchen, nachdem sie ihn mit Rufen und Pfeifen mehrere Minuten lang zur Rückkehr bewegen wollte. Doch Seppl, der ganz alt sei, strebt noch immer in junger Neugier mit den Pilgern talaufwärts. Erst auf dem Arm von Frauchen lässt er die Gruppe weiterziehen. Wohin? Dorthin, wo noch etwas wartet: das Gute, das sich nicht zu schade ist, sich schon auf dem Weg immer wieder einmal mitzuteilen.

Die Reihe GangART

Bei GangART handelt es sich um eine von Georg Magirius begründete fortlaufende Reihe Spiritueller Tagestouren durch Spessart, Odenwald, Rhön, Haßberge, Steigerwald, Fränkisches Weinland, Taunus und Schwarzwald. Bei bislang 45 Touren nahmen knapp 1000 Wanderer teil. Resonanz erfährt die Reihe in der FAZ, in Publik-Forum-Extra, Ev. Sonntags-Zeitung, BR, dem Genussmagazin Tiepolo und im Würzburger Sonntagsblatt. Zusammenarbeit u.a. mit Herder Reisen, Ev. Propstei Rhein-Main (Pröpstin Gabriele Scherle),  Ev. Kirche von Kurhessen-Waldeck (Dr. Jochen Gerlach), Goethe-Universität Frankfurt, Christen in der Wirtschaft, Erwachsenenbildung in Stadt Offenbach, Verein Andere Zeiten Hamburg. Die nächsten Touren: 25. April 2020: Die Feier der Gemächlichkeit. Und am 09. Mai 2020: “Das Geheimnis des Hexenbaums”. Angeregt sind die Touren von Georg Magirius’ Buch “Frankenliebe”, das im Frühjahr 2020 unter dem Lektorat von Thomas Häußner im Würzburger Echter Verlag erscheint.

Die Feier der Gemächlichkeit

Was ist das ideale Lebenstempo? Beeindruckend sind Spitzengeschwindigkeiten und Veränderungsenthusiasten einerseits, Beharrungskünstler und die Verteidigung eines festen Standpunkts andererseits. Die Spirituelle Tageswanderung am 25. April 2020 im Spessart geht einer Kostbarkeit nach, die sich um solche Extreme nicht kümmert: der Gemächlichkeit. Inmitten gegenwärtiger Aufgeregtheiten eröffnet sie einen Raum, in der man das richtige Tempo finden kann: das eigene. Der Theologe und Schriftsteller Georg Magirius leitet die Tour der Reihe GangART, die von Lohr zum Kloster Neustadt am Main führt. Die Gruppe bildet sich für die Tour neu.

Erholsame Ebbe

Lohr hat viele Altstadtgassen, aber auch ein gut hörbares Verkehrsaufkommen um die Altstadt herum. Der beachtliche Geräuschpegel ist freilich keine Lohrer Besonderheit, weiß jeder, der sich manchmal in Hörweite von Straßen befindet. Mit dem Main-Wanderweg geht es über eine Obstbaumwiese aus der asphaltgrundierten Zivilisation hinaus. Es ist ein beachtenswerter Anstieg in den Spessartwald hinauf, der in die Ebbe führt. Denn allmählich nimmt das aufgeregte Geräuschmischmasch des Tales ab.

Witzige Wendungen

Über mehrere Kilometer erlebt man nichts, was als Nachricht taugt. Doch gerade das ist es, was ermuntert: die vom Frühjahr erwachten Bäume, eine von Vögeln kommentierte Stille, dazu Schotterwege und Waldpfade, deren Windungen das Ideal des linientreuen Vorwärtsschnellens verlachen. Einmal ist da eine Aussicht! Doch kein stures Vorwärtsschauen wartet dort, sondern die Gunst, zurückzublicken auf das, was zurückgelegt ist. Dann ist da wieder nur Wald, ehe dieser höflich zurücktritt und den Margarethenhof präsentiert. Doch das belebte Ausflugslokal, das sich hier vor Jahrzehnten befunden hat, gibt es nicht mehr. So geht es erneut still durch den Wald, bis dieser noch einmal den Baumvorhang öffnet. Es zeigt sich im Tal direkt am Main das Kloster Neustadt.

Die Dynamik des Unsichtbaren

Dort beteten und arbeiteten über Jahrhunderte Benediktiner, seit mehr als hundert Jahren Missions-Dominikanerinnen. Der Gleichklang ihres Tuns kommt ohne Selfies aus, führt zu keinem Auftritt in Talkshows, wird nicht in jenen Medien gepusht, in denen auf jede auch noch so stürmische Dramatik bereits Sekunden später das Achselzucken folgt. Der Klang dieses Orts konkurriert nicht mit der Nervosität des Vordergründigen. Er ist in die Realität des Unsichtbaren hinein gerichtet. Von deren Dynamik kann etwas erahnen, der vom Michaelsberg an den Türmen der Kirche vorbei flussaufwärts schaut. Es ist die Feier der Gemächlichkeit: Schiffe gewinnen fast unmerklich an Größe, gleiten vorüber, um sich dann schwebend und allmählich auf den Weg zur Mündung zu machen.

Weglänge und Möglichkeit zur Anmeldung

Die Tour am 25. April 2020 ist 10 Kilometer lang, die reine Gehzeit beträgt 3,5 Stunden. Start ist an der Bahnstation von Lohr, Haltestelle des zwischen Frankfurt und Würzburg/Bamberg verkehrenden Regionalexpresses. Nach Absprache ist eine gemeinsame Anreise möglich z.B. von Frankfurt-Höchst, Frankfurt Hbf, Hanau, Dettingen, Aschaffenburg, Würzburg. Es wird bei Sonne gegangen, es wird bei Regen gegangen, ein längerer Abschnitt wird schweigend zurückgelegt. Anmeldung erfolgt durch Überweisung der Teilnahmegebühr von 10 Euro, die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Am Ende der Tour besteht die Möglichkeit zur Einkehr. Rückreise zum Ausgangspunkt Lohr erfolgt mit dem Bus. Informationen und Anmeldung direkt bei Georg Magirius 0176-29402322 bzw. mail@georgmagirius.de  

Die Reihe GangART

Die Tour ist inspiriert von Georg Magirius‘ Buch „Frankenliebe. 33 Orte zum Staunen und Verweilen“, das im Frühjahr 2020 unter dem Lektorat von Thomas Häußner im Echter Verlag erscheint. Es ist das fünfte Buch, das die 2009 begründete GangART begleitet. Dabei handelt es sich um eine fortlaufende Reihe Spiritueller Tagestouren durch Spessart, Odenwald, Rhön, Haßberge, Steigerwald, Fränkisches Weinland – und in Gegenden außerhalb Frankens. Bei bislang 45 Touren nahmen fast 1000 Wanderer teil. Resonanz erfährt die Reihe in den Fränkischen Nachrichten, der FAZ, in Publik-Forum-Extra, Domradio Köln, Ev. Sonntags-Zeitung, BR, dem Genussmagazin Tiepolo und im Würzburger Sonntagsblatt. Zusammenarbeit mit Herder Reisen, Ev. Propstei Rhein-Main, Gasthaus Jägerruh Monbrunn, Referat Wirtschaft-Arbeit-Soziales der Ev. Kirche von Kurhessen-Waldeck, Goethe-Universität Frankfurt, Pfarreiengemeinschaft Würzburg Ost, Christen in der Wirtschaft, Erwachsenenbildung in Stadt Offenbach, Verein Andere Zeiten Hamburg. – Im Frühjahr 2020 gibt es eine weitere Wanderung, sie führt nicht nur für Kinder in den Hochspessart: “Das Geheimnis des Hexenbaums” – Informationen dazu > hier <.

Exotische Stille

Es ist ein Experiment von exotischer Eigenheit. Denn am 15. Dezember 2019 nähert sich der Theologe und Schriftsteller Georg Magirius im Bayerischen Rundfunk der Stille an, ohne auch nur ein einziges Mal das Wort Yoga zu verwenden. Ausgangspunkt der Sendung “Aufgehoben in der Stille” ist die Erfahrung der Reizüberflutung, von Schnelllebigkeit, Tempozwang und dem damit verbundenen Wunsch nach Ruhe. (Manuskript > lesen. Sendung jetzt > hören.) Die naheliegendste Lösung jedoch hilft laut Magirius oft nicht weiter: Denn mit der abrupten Verringerung der Dezibelzahl spüren viele, wie die innere Unruhe zu rumoren beginnt. “Auch Wellnesswochenenden, Achtsamkeitstrainings und diverse Techniken aus dem Meditiationsbusiness-Segment scheinen keine tiefergehende Ruhe zu vermitteln, sonst würde es nicht zu immer neuen Angeboten kommen.”

Stille Anrede
Das Essay, gesprochen von Birgitta Assheuer und Moritz Stoepel, erkundet die Stille, ohne ihr das Geheimnisvolle rauben zu wollen. Zu hören ist Música Callada von Federico Mompou, interpretiert vom Pianisten Emili Brugalla. Davon angeregt und in Auseinandersetzung mit namhaften Schriftstellerinnen und Dichtern wie Arnold Stadler, Manuela Fuelle und Uwe Kolbe werden spirituelle Ruheräume vorgestellt, in denen man sich aufgehoben fühlen kann: im Wald, bei Schneefall, beim Schwimmen im See, im Nachhall der Musik. Es sind Möglichkeiten, um – wie es Bernardin Schellenberger sagt – „die Anrede an mich zu hören“.

Aufgehoben in der Stille, Von der Suche nach spirituellen Ruheräumen, Sonntag 15. Dezember 2019, Bayern2Kultur, Katholische Welt, 8.05-8.30, Wdh. BR-Heimat 9.05-9.30, Manuskript > lesen, Sendung jetzt kostenfrei > hören. Ton: Erik Buhne, Regie: Georg Magirius, Redaktion: Wolfgang Küpper. Die Sendereihe Katholische Welt, erstmals 1952 im Programm, thematisiert grundsätzliche Fragen in Kirche und Christentum, Religion und Gesellschaft. Ganz wichtig: Der Dialog in der katholischen Kirche, zwischen den Kirchen und mit den anderen Weltreligionen. Fotos: Veronika Sergl-Vahlenkamp, Thilo Körkel, Georg Magirius.