Die Kunst der Wiederholung

Wie wird die Sprache sinnlich? “Durchs Wiederholen, das Listen, Auflisten, die rhetorische Figur der sich stets leicht variierenden Wiederholung.” Diese fast mechanisch wirkende Kunst finde sich bei Gertude Stein, Martin Heidegger, Thomas Bernhard – und sehr eindrücklich im Alten Testament, hat Uwe Kolbe gegenüber dem Bayerischen Rundfunk gesagt. Kolbe, gewiss einer der schöpferischsten deutschen Lyriker der Gegenwart, rühmt die Kunst der Wiederholung in der Sendung “Das erste Buch der Christen. Wie das Alte Testament uns heute prägt” von Georg Magirius. Zu hören ist sie am 11. August 2019 auf Bayern2Kultur in der Katholischen Welt von 8.05-8.30 Uhr. Ton: Dorothee Fink, Musik: Bettina Linck, Redaktion: Wolfgang Küpper.

Das erste Buch der Christen

In Zeiten, da der Antisemitismus wächst, hat es auch das Alte Testament nicht leicht, behauptet Georg Magirius in seiner halbstündigen Sendung “Das erste Buch der Christen” im Bayerischen Rundfunk, Hessischen Rundfunk und im Norddeutschen Rundfunk. Es sei bis heute die Bibel der Juden, zugleich der erste Teil der Heiligen Schrift der Christen. Eingewendet werde allerdings oft, dass in ihm zu viel von Krieg, Blut und Opfern gesprochen werde. Auch sei das Gottesbild finster. Überhaupt seien die Texte kaum noch relevant, weil sie einer Kultur angehörten, die uns heute nicht mehr geläufig sei. Daher fordern manche christliche Theologen: Das Alte Testament habe deutlich hinter das Neue Testament zurückzutreten. Magirius geht den Vorwürfen nach und fragt im Gespräch mit dem Alttestamentler Thomas Hieke und dem vielfach ausgezeichneten Lyriker Uwe Kolbe: Was ist die Grundausrichtung des Alten Testaments? Und  wie prägt seine Bilderwelt und Sprache uns bis heute? Musikalisch interpretiert wird die Sendung von der Harfenistin Bettina Linck.

Das erste Buch der Christen. Wie das Alte Testament uns heute prägt, Sendung von Georg Magirius mit Uwe Kolbe und Thomas Hieke, Musik: Bettina Linck, Ton: Dorothee Fink, Bayerischer Rundfunk, 20. Mai 2018 (Wdhlg. 11. August 2019) BR2, Katholische Welt, Die Redaktion der Sendung hat Wolfgang Küpper, Leiter der BR-Redaktion „Religion und Orientierung“ und Geschäftsführer der ARD-Kirchenkoordination. Hessischer Rundfunk, 05. August 2018, 11.30-12.00, hr2Kultur, Camino, Redaktion: Dr. Lothar Bauerochse. Norddeutscher Rundfunk, 12. August 2018, ndr-info, Forum am Sonntag, 6.05-6.30 (Wdlg. 17.05-17.30), Redaktion: Jan Ehlert. Sendung >> jetzt HÖREN.

Märchenhafte Reise ins Anderswo

Im Kaleidoskop der Wuensche - Darmstaedter EchoWer an eine märchenhafte Weisheit glaubt, trägt deshalb keine rosarote Brille. Das hat die Kulturjournalistin Charlotte Martin in ihrem Beitrag “Kaleidoskop der Wünsche” im Darmstädter Echo vom 28. Februar 2018 geschrieben. Sie verweist dabei auf die Lesung von Georg Magirius aus „Gute Wünsche aus der Bibel“ in der Groß-Gerauer Stadtkirche. Er habe mit seiner Wunschlesung dem Denken nicht Lebewohl gesagt, aber auch keine abgehobene Lehrstunde abgehalten, mit der man sich eine uralte Weisheit bequem auf Abstand halten könne. Vielmehr habe es sich um eine klug komponierte Reise aus einem Gestern heraus gehandelt. „‘Es war einmal“ – mit diesen drei Worten beginnen Märchen. Georg Magirius entlarvte sie als eine ins imaginierte Anderswo abzielende Umschreibung, die keineswegs auf Vergangenes hinweise.“ Basis waren „Texte der Bibel sowie philosophische Anstöße – etwa aus Ernst Blochs Buch ‚Das Prinzip Hoffnung‘ – als auch eigene Erfahrungen.“ Begleitet wurde Magirius von der Georg Magirius Gute Wünsche aus der Bibel - Das biblische Land bei TübingenKonzertharfenistin Bettina Linck, „die mit spirituellen Klängen und Interpretationen Bachscher Musik viel zum entspannenden Flair der vom Sonnenlicht durchfluteten Kirche beitrug.“

Die nächse Konzertlesung “Heute, da das Wünschen wieder hilft”: 30. Juli 2018 in Dietzenbach, Ev. Rutkirche, 19.00, Das Buch zur Lesung: Georg Magirius, Gute Wünsche aus der Bibel, 64 Seiten, Hardcover, Herder Verlag, mit zahlreichen Fotos, Lektorat: Dr. Dietrich Voorgang, ISBN 978-3-445132-871-8, 10.00 Euro.

Alles Große findet sich

Es ist nicht so, als ob das bei Darmstadt gelegene Ober-Ramstadt keine Besonderheiten aufzuweisen hätte: Es ist die Geburtststadt des Mathematikers Georg Christoph Lichtenberg, der als Erfinder des Aphorismus gilt. Die TSG Ober-Ramstadt wurde 1983 Deutscher Meister im Rollhockey und mit der Formation “Skate Attack” im Rollkunstlauf sogar mehrfacher Welt- und Europameister. Am 8. November ab 17 Uhr im Prälat-Diehl-Haus allerdings dürften erstmals in der Historie des Ortes innerhalb weniger Minuten sieben Ehemänner zu Tode kommen. Sie sterben jeweils in einer Hochzeitsnacht mit Sara, die in der Bibel als fromme (sic!) Frau gilt. 

Nicht ohne Gefahr

Künder dieser biblisch inspirierten Lebensgefahr ist der Theologe und Schriftsteller Georg Magirius. Begleitet wird er von der Harfenistin Bettina Linck, die sich neben dem Harfenspiel zwar nicht dem Rollkunstlauf, dafür aber dem Eiskunstlauf widmet. Es werden konkrete Informationen gegeben, wie Ehemänner den Weg ins Leben finden. Überdies gibt es weitere nützliche Hinweise zur Aktivierung von Liebeskräften im November, angeregt von Magirius’ Buch “Traumhaft schlägt das Herz der Liebe”. Leitmotiv des Abends ist Lichtenbergs Aphorismus: “Die großen Begebenheiten der Welt werden nicht gemacht, sondern sie finden sich.”

Harfe, Hochzeitsnacht und 7 tote Ehemänner, Sonntag, 8. November 2015, 17.00, Prälat-Diehl-Haus, Grabengasse 20, Kulturraum Kirche, Eintritt frei, Spenden zugunsten der Renovierung der Evangelischen Kirche, Leitung: Claudia Schlaak, Pfarrerin Nicola Bültermann-Bieber.

Die wahren Global Player

Die Armen sind die wahren Player im Weltgeschehen. Das hat Georg Magirius in der Sendung „Der lange Weg zur Freude“ am 6. September 2015 im Hessischen Rundfunk gesagt, hr2-Kultur, Camino (Manuskript >> lesen.) Die Sendung handelt von dem mehr als 2000 Jahre alten Buch der Psalmen, das aus den heute vielfach zitierten Sachzwängen herausweisen kann. Nicht Gott, irgendwelche Institutionen, Experten oder geistiche Führer geben in diesem biblischen Buch Anweisungen, denen andere untertänigst zu folgen haben, sondern umgekehrt: Verzweifelte, Verletzte, Traurige und Gefangene gelten als die wahrhaft moralische Institution. Sie opponieren gegen die Selbstsüchtigen und fordern Gott dazu auf, sich zu bessern.

Rebellisch und alt

Das wohl rebellischste Buch der Bibel rechnet mit selbst ernannten Traditionalisten ab, die den Status quo als angeblich von Gott sanktionierten Idealzustand verteidigen und dabei ganz nebenbei von der von ihnen ausgerufenen Unabänderlichkeit profitieren. Dennoch sind die Psalmen traditionell, aber anders als die Traditionalisten. Inspiriert sind sie von der Urerfahrung der Bibel, dem Exodus, der laut Forschern ältesten Überlieferung der Heiligen Schrift. Diese Tradition erzählt von einer Änderung, der Befreiung eines ganzen Volkes aus der Sklaverei, einer Erfahrung aus der Vergangenheit, die sich laut Psalmen freilich jederzeit vergegenwärtigen kann.

Die Stimme der Schwachen

So verwundert es nicht, dass die Psalmen von Anfang an kein Buch des Adels waren – und auch nicht der Theologen. Viele der Gesänge sind Wallfahrtspsalmen, wurden auf dem Weg gesungen, es sind Lieder der Straße. Königlich ist anGesänge der Leidenschaft - Cover des Buches von Georg Magirius über die Psalmen ihnen: Die Verletzten werden geadelt. Es wird Partei für die Schwachen ergriffen – noch mehr! Die Psalmen sind die Stimmen der Schwachen, wie eine Stelle aus Psalm 10 belegt: “Steh auf, HERR! Gott, erhebe deine Hand! Vergiss die Elenden nicht! Du siehst es doch, denn du schaust das Elend und den Jammer; es steht in deinen Händen. Die Armen befehlen es dir.”

Der lange Weg zur Freude. HR 2, Camino, 6. September 2015 (Manuskript lesen.) Ton: Stefan Tasler, Regie: Georg Magirius, Sprecherin: Birgitta Assheuer, Sprecher: Moritz Stoepel. Harfe: Bettina Linck, Aufnahme Konzertharfe: Dipl.-Tonmeister Robert Foede, Redaktion: Dr. Lothar Baucherochse. Zum Thema der Sendung ist von Georg Magirius erschienen: Gesänge der Leidenschaft. Die befreiende Kraft der Psalmen, Lektorat: Heide Warkentin, Claudius Verlag 2015.

Liebesverschwörung in Bielefeld

Bielefeld - fotografiert von der Sparrenburg Foto Wikipedia Es gibt kaum einen besseren Ort  für die Aufführung des Unbeweisbaren als Bielefeld. In der Reformierten Süsterkirche geht es am 29. April 2015, 19.30 um das Thema aller Themen, dem sich die Harfenistin Bettina Linck und der Schriftsteller Georg Magirius widmen. Dabei lassen sie sich von der orientalischen Erzähllust der Bibel inspirieren. „Das gibt’s nicht!“, wenden Rationalisten ein, die allein an das glauben, was greifbar ist. Und meinen damit nicht nur die Liebe, sondern auch Bielefeld. 

Bielefeld: ein Phantom?

Seit den 1990er Jahren ist eine Aufklärungsinitiative am Werk, die am Beispiel einer angeblich weit über 300.000 Einwohner zählenden Stadt in Ostwestfalen belegen will, wie leicht Verschwörungstheorien funktionieren. Ihren Recherchen zufolge ist das Gerücht der Existenz Bielefelds von der CIA in Umlauf gebracht worden. Konzertlesung in der Reformierten Kirche in Malans in Graubünden Foto (c) Rüdiger DölsVermutlich weil sich dort, wo Leichtgläubige die Stadt vermuten, in Wahrheit der Eingang zum sagenumwobenen Reich Atlantis befinde. So lautet wenigstens eine These. Aber wenn es nur allein um Bielefeld ginge! Da ist nämlich auch noch die Lage Bielefelds am Teutoburger Wald, dessen Gehölz ebenfalls ein verwirrendes Gemisch aus Realität und Phantastik wachsen lässt. Inklusive der Varusschlacht ist das Mittelgebirge zwar von niemand Geringerem als dem römischen Historiker Tacitus bezeugt. Doch die Existenz des genauen Ortes, an dem Hermann die Römer geschlagen haben soll, ist bis heute nicht nachgewiesen.

Geist Aschmodai – eine Ausrede?

Jene, die nun trotz Unbeweisbarkeit an der Realität Bielefelds festhalten, können vermutlich nachfühlen, was Sara dem biblischen Buch Tobit zufolge erlebt: „Das gibt’s nicht!“, sagen Freundinnen und Verwandte, als diese einmal mehr aus der Hochzeitsnacht als Witwe hervorgeht. „Das war Geist Aschmodai!“, beharrt sie, was ihre Umgebung lachen lässt. Doch Sara bleibt dabei, es ist ein Gebet, ein hoffungsvoll-verzweifelter Schwur, dass die Liebe eines Tages oder Nachts einen guten Anfang nehmen wird. An ihr liege es jedenfalls nicht, dass die Männer kurzatmig seien und stets in einer von ihr bislang erlebten sieben Hochzeitsnächten verendeten.

Musik: ein Gerücht?

Das poetisch durchflochtene Harfenkonzert wird vom Evangelischen Stadtkantorat unter Leitung der Kirchenmusikdirektorin Ruth M. Seiler veranstaltet. Und gleich wieder ist sie da, die Frage: Gibt’s das überhaupt? Musik!? Prosaisch Veranlagte sammeln CDs, messen die Länge von Notenhälsen oder führen Buch über die von ihnen verinnerlichten Reformierte Süsterkiche Kirchturm Bielefeld Foto (c) www.reformierte-gemeinde-bi.deMozartkugeln pro Jahr. Aber dass bereits ein Melodiefetzen einen Menschen von Grund auf verwandeln kann, das ist für sie ein Hirngespinst. „In und durch Musik, gesungen und gespielt, vermittelt sich das Evangelium“, heißt es hingegen in den Linien der Evangelischen Kirchenkreises Bielefeld, von denen sich der Veranstalter leiten lässt. Zudem stifte Musik Beziehungen. Doch auch das, was Beziehungen zugrunde liegt, ist ein umstrittenes Phänomen, womit wir wieder im Anfang wäre. Denn was Menschen zusammenhält, lässt sich kaum dingfest machen.

Die Liebe: eine Realität?

Fassen wir also zusammen: Die Liebe, Bielefeld, Geist Aschmodai, das Evangelium, der Teutoburger Wald, Musik – und dann auch noch ein über die Maßen vergnügter 8. Ehemann nach einer Hochzeitsnacht mit Sara? Ist das wirklich möglich – Realität oder gelogen, da nicht nachweisbar? Das Fragen ist am 29. April in der Reformierten Süsterkirche erlaubt. Reformiert bedeutet nämlich: ein kühler Kopf ist nicht das Verkehrteste im Leben und beim Glauben, Hoffen, Lieben. So wird die Konzertlesung in B., ob es nun auf welche Weise auch immer existiert oder auch nicht, in ein Finale münden, das Charismatiker und Zweifler, Skeptiker und Gefühlsmenschen miteinander versöhnt. Denn ausgerechnet das unablässige Nachfragen des Thomas, wird der Abend zeigen,  führt zum Cover des Buches von Georg Magirius "Traumhaft schlägt das Herz der Liebe"  - Motiv von Marc Chagallwohl rauschhaftesten Liebesbekenntnis, dass die Bibel kennt.

Harfe, Hochzeitsnacht und 7 tote Ehemänner, Georg Magirius liest aus „Traumhaft schlägt das Herz der Liebe“, Konzertharfe: Bettina Linck, Reformierte Süsterkirche, 19.30, Süsterplatz 2, 33602 Bielefeld, 8 EUR / 6 EUR ermäßigt – Veranstalter: Evangeliches Stadtkantorat: Kirchenmusikdirektorin Ruth M. SeilerFoto: Bielefeld (c) Wikipedia – Süsterkirche (c) Ev.-reformierte Kirchengemeinde Bielefeld – Foto Harfe (c) Rüdiger Döls

ENDlich leben in Nürnberg

Da geschieht ihnen etwas Rechtes, wenn sie nicht schweigen. Ja, was geschieht ihnen dann? Sie lachen. Himmlisch tut es weh. Das Leben pulsiert manchmal sogar wie nie zuvor.  Und wem geschiehDer Sensenmann hilft das hochstehende Gras zu mähen - Karikaturenausstellung über den Tod in Nürnbergt das? Denen, die ins Grenzland von Tod und Leben geraten sind. Aber schlecht wäre es nun nicht gewesen, denken sie vielleicht im Tränenlachen, wenn es anders gekommen wäre, das Ende zum Beispiel gar kein Ende wäre. Die richtige Antwort auf den Tod? Wer könnte sie schon geben, bleibt sie doch eine Gleichung mit einer unbekannten Anzahl an Unbekannten. Und also hört der Grenzlandgänger, obwohl ihm all das Leben und Lachen nur zu recht geschieht, damit auch wieder auf. Und schweigt dann doch. Schließlich gibt es nichts, was es nicht geben dürfte. Denn der Tod befreit vom Anspruch, das Leben  selbst im Tod noch ordentlich verbringen zu müssen. Stattdessen heißt es: ENDlich leben.

Themenreihe in Nürnberg

Prägnanter als mit diesen beiden Worten lässt sich wohl kaum beschreiben, dass in Todesnähe unversehens das Leben kommen kann. ENDlich leben: So heißt die Themeneihe der evangelischen stadtakademie nürnberg, die in Zusammenarbeit mit der Trauerhilfe Stier und der Hospizakademie Nürnberg am Logo der evangelischen stadtakademie nürnberg26. Februar 2015 beginnt. Sie geht ins 13. Jahr und zeigt, dass eine neue Aufmerksamkeit für die letzte Station im Leben entstanden ist. „Seit einigen Jahren löst sich die Schweigsamkeit“, heißt es in der Ankündigung. Die Erinnerungs- und Trauerkultur finde neue Wege. Unbefangen und sorgfältig werde gefragt: Was geschieht bis zum letzten Atemzug? Wie halte ich den Verlust eines geliebten Menschen aus? Wer oder was hilft?

Über alle Fächer hinaus

Reden kann helfen. Stille kann helfen. Informationen helfen, das Wissen der Fachleute. Und auch das, was so widerspenstig schön sein kann, dass es sich in kein Fach platzieren lässt. So singt die Liedermacherin Anett Kuhr zur Eröffnung der Reihe: „Wenn ich mal tot bin, mach ich was ich will.“ Der Psychotherapeut und Psychoonkologe Dr. Jürgen Sepien spricht über ein Rendezvous mit dem Leben, das in Krise und Krankheit beginnt. Ein Film wird Schauende zum Sprechen bringen – unter Leitung der Pfarrerin und Trauerbegleiterin Regine Rudert-Gehrke. Außerdem gibt es im Haus Eckstein eine Karikaturenausstellung, die den Schriftsteller und Karikaturist Tiki Küstenmacher fragen lässt: Gibt’s da was zu lachen? Und die Harfenistin Bettina Linck und der Schriftsteller Georg Magirius spielen sich in der gotischen Kirche St. Jobst in einen Machtbereich hinein, der die Endgültigkeit des Todes unterwandern will. Es geht um ein Träumen, das so stark ist, dass einem schon mal träumen kann, der Traum sei gar kein Traum.

St. Jobst Nürnberg - Foto Wikipedia Sein wie die Träumenden, Geschichten vom Aufstehen, Auferstehen und neuen Leben; Donnerstag, 19. März 2015, 19.30, Kirche St. Jobst, Äußere Sulzbacher Straße 146, Nürnberg, Lesung: Georg Magirius  – Harfe:  Bettina Linck, Kosten 12/8 Euro, Kartenvorverkauf: i-Punkt im eckstein: Telefon 0911 214-2140 – Leitung: Studienleiterin Susanne-Katrin Heyer und Pfarrerin Silvia Jühne

>> ENDlich leben im Überblick mit Terminen (Flyer) – Foto St. Jobst: Wikipedia. Plakat: (c) ev. stadtakademie unter Verwendung einer Karikatur von Barbara Henniger.



Wie sehen Engel aus?

Wie sprechen Engel, wie sehen sie aus? Kommen sie einzeln oder in Scharen? Wie sind sie organisiert? Kann man sich von ihnen beschützen lassen? Begegnet man Engeln in Menschen? Und kann man anderen ein Engel sein? Auf diese Fragen antwortet der Theologe und Schriftsteller Georg Magirius am 1. Weihnachtsfeiertag im Bayerischen Rundfunk, 25. Dezember 2014, Katholische Welt auf >>>> Bayern2Radio (Sendung jetzt über die ARD-Mediathek direkt >>> hören >>>> Manuskript). Zu hören ist außerdem Harfenmusik von Bettina Linck, Aufnahme: Robert Foede, Ganzton.de. Die Redaktion der Sendung hat Wolfgang Küpper, Ton der Gesamtaufnahme: Reiner Heils, Regie: Birgitta Assheuer.

Die Aktualität der alten Weihnachtsworte

Die alten Weihnachtsworte heute: Konzertlesung mit Bettina Linck und Georg Magirius in der Evangelischen Kirche in Reinheim-Ueberau  - Fotos © www.timbesserer.com

Advent und Weihnacht gelten als Zeit für Geschichten. Aber wie kann man heute erzählen, dass es zum Staunen bringt? Die treffendste Orientierungshilfe bietet gewiss eine der berühmtesten Erzählungen der Weltgeschichte, die mit dem Worten beginnt: „Es begab sich aber zu der Zeit …“ Die Weihnachtserzählung nach Lukas könne verzaubern, wenn kein Wort verändert werde, sagt die Theologin und Schriftstellerin Amet Bick in der Evangelische Wochenzeitung für Berlin und Brandenburg vom 3. Dezember 2014.

Berechtigte Kinderfragen

Bleibe man der biblischen Weinachtsgeschichte allerdings aus reiner Gewohnheit treu, erlahme das Erzählen, weil der Sprung ins heutige Leben fehle. Da rege es an, sich mit Georg Magirius den alten Worten anzunähern. Seine Fragen, „die manchmal an berechtigte Kinderfragen erinnern, lassen einen wieder staunen, über das, was Lukas erzählt.“ Sein Buch „Dies soll euch ein Zeichen“ weise in ein großes Träumen und öffne die ursprünglichen Weihnachtsworte für heutige Geschichten und Erfahrungen. „Die muss man nicht immer mitdenken, aber Die Harfenistin Bettina Linck in der Ev. Kirche in Ueberau Foto von Die Harfenistin Bettina Linck in der Ev. Kirche in Ueberau Foto: © Tim BessererTim Besserermanchmal werden dadurch die alten Worte wieder frisch.“

Nicht saisongebunden

Weihnachtlich erzählen: Dazu braucht es „nicht Kerzenschein und Behaglichkeit“ als Zutaten, sagt die Redakteurein Ramona Eibach. Idyllische Zustände könne man ohnehin nicht herstellen, wenn vor Weihnachten alles drunter und drüber gehe. Da entlaste es, wenn man sich klar mache: „Die Weihnachtsgeschichte ist nicht saisongebunden. Denn das Leben erzählt Weihnachten immer wieder neu.“ Eibachs einstündiges Gespräch mit Magirius, ERF-Plus vom 3. Dezember 2014, stellt den Weihnachtsengel als vorbildlichen Erzähler vor. Ihm gelinge es, mit großen Worten zu erschüttern, ohne dabei die Welt der Angesprochenen aus dem Blick zu verlieren.

Die Überforderung ist der Gewinn

Georg Magirius Evangelische Kirche Ueberau Foto von Tim BessererDie Erzählästhetik des Engels auf ein Wort gebracht? Die Windel. Sie sei, ruft der Engel, das Zeichen, mit denen die Hirten die zur Welt gekommene Freude erkennen könnten: „Gemeint ist damit nicht allein der Hinweis auf ein süßes Baby”, sagt Magirius. “In dem Zeichen steckt stattdessen auch die Überforderung, diese niemals endende Hausarbeit, all das anstrengend Alltägliche: Das ist der Gewinn! Das rührt die Hirten, weil es auf ihrer Ebene liegt. Sie spüren: Das ist ja unser Kind!“ Ein wahrhaft weihnachtliches Erzählen fokusiert sich laut Magirius nicht auf die Kleinfamilie.

Eine neue Tradition

Vielmehr könne es gerade jene trösten und begeistern, die kein Kind haben, sich ein Kind vergeblich wünschen oder ihr Kind lange nicht gesehen haben. Packend erzählen: Das gelinge, indem man sich dem Star unter den Weihnachtserzählungen sorgfältig, detailliert und liebevoll annähere, meint Marissa Conrady, preisgekrönte Autorin, Literaturwissenschaftlerin und Bloggerin („Reading is sexy“). Magirius‘ Annäherung an Weihnachten sei ein „herzerwärmender, kleiner literarischer Schatz“, weil er das Alte mit dem Gegenwärtigen ineinanderspreche: „Und das macht die Weihnachtsgeschichte noch schöner, noch verständlicher und greifbar – und es macht sie auf eine ganz ungewohnte Art modern. Gerade in unserer Zeit ist das für die Weihnachtsgeschichte ein großes Glück. Immer mehr nämlich droht sie in Vergessenheit zu geraten, immer weniger wird sie an Weihnachten noch (vor-)gelesen. Mit Magirius’ Buch aber könnte eine neue Tradition eingeläutet werden: Lesen und Fragen – was hat das mit uns heute zu tun? Denn nur wer fragt und redet, der gerät nicht in Vergessenheit.“

Himmelsspiel und Hirtensprint - Konzertlesung in Ueberau Foto von Tim BessererGeorg Magirius, Dies soll euch ein Zeichen. Einstimmung auf Weihnachten, mit zahlreichen Abbildungen von Ulrike Vetter, 144 Seiten, Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 2014. Lektorat: Dr. Esther Schulz.  Die Fotos zeigen Eindrücke der Konzertlesung mit der Harfenistin Bettina Linck vom 5.  Dezember 2014 in der Evanglischen Kirche Ueberau. Fotos: © Tim Besserer, Zentrum für Yoga und Therapie.  Weitere Konzertlesungen: 12.12.: Darmstadt, 19.12.: Frankfurt, 25.12.: Bayerischer Rundfunk. Weitere Informationen zu Buch und Konzertlesungen > HIER

Genial gewappnet im Advent

Achtung! Der Advent beginnt im November. Ehe man es sich versieht, befindet man sich mittendrin. Und ist konfrontiert mit vollen Straßen, Geschenkekaufen, Weihnachtsfeiern und der sogenannten Arbeitsverdichtung. „Dabei wollte ich diesmal bewusst durch den Advent gehen statt von ihm getrieben zu werden“, wird mancher denken.

“Wohltuend!” Otto Ziegelmeier

Der spirituelle Advents-Begleiter von Georg Magirius nimmt diese Sehnsucht auf. „Dies soll euch ein Zeichen sein“ geht an der Weihnachtsgeschichte entlang und zeigt, wie die Wünsche nach Heimat, Geborgenheit, Neubeginn, Wärme und Licht heute Erfüllung finden können. „Eine wohltuende Einstimmung auf Weihnachten!“, urteilt Otto Ziegelmeier, der Webmaster von Theology.de. Gabriele Wohmann, laut Wikipedia die Gabriele Wohmann, die Königin der KurzgeschichteKönigin der Kurzgeschichte, meint:

“Genial gemacht!” Gabriele Wohmann

„Besonders gut gefallen mir die Einblendungen der Kindheits-Jugendpassagen inmitten der Weihnachtsgeschichte: Genial gemacht!“ Anregen kann das Buch offenbar Großstädter und Landbewohner gleichermaßen. Der Vogelsberg entpuppe sich als „literarische Fundgrube“, stellt Axel Pries in Oberhessen-live fest. Die Evangelische Kirche in Frankfurt am Main wiederum meint: „Das Buch stimmt auf das Weihnachtsfest ein – nicht zuletzt wegen der witzigen und wolkenleichten Illustrationen der Grafikerin Ulrike Vetter aus Leipzig.“ Kann der spirituelle Begleiter am Ende gar den unüberwindlich Buchcover "Dies soll euch ein Zeichen sein" von Georg Magiriusscheinenden Graben zwischen verfeindeten Volkstämmen wie etwa zwischen Frankfurtern und Offenbachern überbrücken? Nicht nur die Frankfurter Kirche zeigt sich nämlich angetan, sondern die Offenbach-Post empfiehlt ebenfalls das Buch, weil es all jene im Blick hat, „die gelassen durch den Advent gehen wollen.“

Georg Magirius, Dies soll euch ein Zeichen sein. Einstimmung auf Weihnachten, mit zahlreichen Abbildungen von Ulrike Vetter, 144 Seiten, Herder, Freiburg im Breisgau 2014. Lektorat: Dr. Esther Schulz. Konzertlesungen mit der Harfenistin Bettina Linck in Frankfurt, BR, ERF-Radio, Darmstadt, Reinheim-Ueberau > Termine. – Foto von Gabriele Wohmann: Annika Schulz (Rechte: Büro Magirius), Foto Otto Ziegelmeier: Rolf Oeser (Rechte: Theology.de)