Frankfurt, Spirituelle Wanderungen
Gangreihe 13/13: Stilles Frankfurt

Eine der gegenwärtig gefragtesten Qualitäten dürfte die Unaufgeregtheit sein. Sie ist das Ziel der “Gangreihe 13/13: Stilles Frankfurt”. Die vom Schriftsteller und Kontemplationskünstler Georg Magirius ins Leben gerufene Serie führt in 13 Jahren zu 13 Orten, die Ruhe vermitteln. Etappe sechs führt am 12. Dezember 2026 unter dem Motto “Die Geburt des Hörens” auf den Heiligenstock. Informationen und die Möglichkeit zum Anmelden sind hier.
Recht auf Langsamkeit
Jeder Gang führt zu einem Platz in Frankfurt, der beruhigend wirkt. Alle Touren zusammen könnte ein Schnellgänger ohne Pausen in weniger als 24 Stunden zurücklegen. Bei 13/13 sind sie auf Jahre verteilt. Es geht also nicht um Effizienz, sondern um Gemächlichkeit. So erinnert 13/13 in der Schreibweise an 24/7, das für ständige Verfügbarkeit steht. Tatsächlich unterwandert die Reihe dieses Prinzip.

“Orte des Runterschaltens” (Leipziger Zeitung)
Den von der Hessischen Kulturstiftung geförderten Auftakt begleitete die Frankfurter Neue Presse. Magirius hat mit der Reihe in hr2 Kultur Widerhall gefunden, in Publik Forum, der Gießener Allgemeinen, bei Theology.de, mehrfach im Deutschlandfunk und jüngst im Domradio Köln. Ralf Julke von der Lepziger Zeitung hält die Gänge für beispielhaft über Frankfurt hinaus. Denn sie zeigten, “wie sehr der Mensch solche aus aller Geschäftigkeit entlassenen Orte braucht, Orte der Besinnung, des Runterschaltens, des Zeit-Habens. Denn hier bestimmt der eigene Schritt, wie lange man da ist und wie lange man verweilt.”
Frankfurt geht ein Buch

Kontemplatives Gehen in der Nähe, selbst wenn die damit verbundene Stille kaum einmal geräuschlos ist: Das ist offenbar ortunabhängig inspirierend. Darauf deutet jedenfalls hin, dass kein Verlag aus Hessen, sondern der Echter Verlag aus Würzburg die Reihe publizistisch begleitet. Vom Serienbeginn an bietet er mit “Stilles Frankfurt – 13 Orte zum Staunen und Verweilen” die Möglichkeit, die Touren individuell nachzugehen. Lektoriert ist das Begleitbuch von Thomas Häußner, gestaltet vom Crossmediabuerau aus Gerolzhofen. Ansprechpartnerin für die Gangreihe im Verlag ist die gebürtige Frankfurterin Melanie Zeuß. Dank des Buchs lassen sich Gänge der Reihe nachholen, vorausgehen, wiederholen und auf eigene Weise gestalten.
Der nächste Termin
Das hat praktische Vorteile: Denn nicht immer können alle Interessierten bei 13/13 mitgehen. Wegen ihres meditativen Charakters ist die Teilnehmerzahl der Touren begrenzt. Ein Einstieg oder eine einmalige Teilnahme jedoch ist immer möglich. Denn die Gruppe bildet sich für jede Tour neu. Etappe 6/13 ist am 12. Dezember 2026. Sobald der nächstfolgende Termin feststeht, findet er sich hier. Frühzeitig erfährt man ihn auch, wenn man sich in den E-Mail-Verteiler zur Gangreihe 13/13 unter dem Stichwort “Pilgerbrief” einträgt: mail@georgmagirius.de.
Die Basis der Stadt
13/13 lässt sich dank der Tourberichte über die Website von Georg Magirius verfolgen. 3500 Menschen besuchen sie täglich, insgesamt sind es 4 Millionen (Stand 09/2026) Die Zahl derer, die die Berichte lesen, ist bis zu 1000 Mal so hoch wie die der Teilnehmenden. Warum reizt es, die Touren im Internet nachzuverfolgen? Vermutlich weil die Gänge zwar exakt vorbereitet, aber nie exakt vorhersehbar sind. Was immer aber auch geschieht: Stets haben die Etappen eine Schweigephase. So bleibt der Cantus firmus die Unaufgeregtheit, von der Magirius im Vorwort zum Gangreihe-Buch “Stilles Frankfurt” behauptet, sie sei “die Basis der Stadt.”

Bisherige Etappen
1/13: Wasserwerk Hinkelstein
Etappe eins führt 2020 unter dem Motto „Verborgene Schätze im Wald“ vom Frankfurter Flughafen zum Wasserwerk Hinkelstein. Die Tour bei mehr als 35 Grad ist ein Meditieren mit offenen Augen.

2/13: Berger Hang
Unter der Maxime „Leicht hinauf ins Freie“ folgt im selben Jahr der Aufstieg auf den Berger Hang und wieder hinab. Ergebnis: “Ein Leuchten im Tal.”

3/13: Schwanheimer Düne & Wiese
„Die Kraft des stillen Augenblicks“ ist das Motto von Etappe drei, die gleich zwei Orte der Gelassenheit erkundet: die Schwanheimer Wiese und die Schwanheimer Düne. Die Schweigephase führt an der Autobahn entlang in eine wachsende innere Ruhe hinein, zum verwunschen gelegenen Rohsee. Erkenntnisgewinn: “Knapp daneben ist mittendrin“.

4/13: Jacobiweiher
Bei der Adventswanderung am Nikolaustag 2025 wird der Jacobiweiher im Stadtwald unter dem Motto “Die revolutionäre Kraft der Freundlichkeit” umrundet. Außerdem wird vom spekulatiusfarbenen Wasser am Königsbrünnchen gekostet.

5/13: Berger Hang II
Der Besuch von gleich zwei (!) der 13 Orte bei Etappe 3 konnte vermuten lassen: Jetzt unterwirft sich die Serie doch dem Diktat des Beschleunigens. Mit 5/13 reagiert die Reihe angemessen: Wie bereits 2020 wird erneut der Berger Hang erklommen, nun aber im Frühling statt im Herbst. Schleifen und variierende Wiederholungen sind kein Versehen, sondern Teil von 13/13: Zwar sollen bis 2033 alle 13 Orte mindestens einmal erreicht sein. Nur geht es nicht um das Durchexerzieren eines Plans. Die Intuition also ist nicht ausgemerzt. Es leitet das lustvolle und nie ganz vorhersehbare Weiterspielen des Grundgedankens: die Freude an einer Ruhe gebenden Langsamkeit.
Dass Magirius nicht irgendwelche Prinzipien abarbeitet, macht seine Touren lebendig.
Joachim Fildhaut, Main Post

Advent 2026: Etappe sechs
Etappe 6/13 führt am 12. Dezember 2026 unter dem Motto “Die Geburt des Hörens” auf die Hochebene Heiligenstock bei Berkersheim. Ziel sind die gut erkennbaren Reste der in der Anfangszeit des Hörfunks bedeutenden Sendeanlage. Informationen und Möglichkeit zur Anmeldung: hier.
Künftige Etappen
Stille ohne Stillstand: Fechenheim
Es geht auf dem einstigen Treidelpfad am Main bei Fechenheim entlang. Dort zeigt sich: Frankfurt hat nicht nur eine neue Altstadt, sondern auch einen neuen Altarm, der “Stille ohne Stillstand” erfahren lässt.

Geballte Lautlosigkeit: Dom
Der Stille wird im Zentrum der Stadt nachgehorcht. Auf dem Frankfurter Dom wartet die “Geballte Lautlosigkeit”. Unter der Glaskuppel der Schirn wiederum ist “konzentrierte Leichtigkeit” erfahrbar.

Cityhühner: Oberrad
Im Chinesischen Garten des Bethmannparks wird auf “Synchronmeditationen” geachtet, während Oberrad dank seiner Cityhühner beschwichtigende Gegensätze erleben lässt.
Willemer Häuschen
Wie Burnout-Goethe ein neuer Lebensfunke erwischt, lässt sich im Willemer Häuschen erfahren.

Picknick im Graben
2033 geht es in die alte Altstadt Frankfurts, also nicht in die zwischen Römer und Dom, sondern nach Höchst. Wegen ihr führt die Deutsche Fachwerkstraße an Frankfurt vorbei. Dort mündet die Serie in ein Picknick im Schlossgraben.
Aktuelle Termine der “Gangreihe 13/13”
Sobald ein neuer Termin feststeht, findet er sich hier. Sämtliche Fotos stammen von (c) Georg Magirius und sind teilweise dem Buch “Stilles Frankfurt – 13 Orte zum Staunen und Verweilen” entnommen. Sie können in diesem Blogbeitrag unentgeltlich angeschaut, aber dürfen nur nach Absprache weiterverwendet werden. Wir danken dem großzügigen Sponsor GangART, der die Reihe unterstützt und diesen Blogbeitrag ermöglicht hat.