Frankfurt, Spirituelle Wanderungen
Meditieren mit offenen Augen

Auf den Gute-Laune-Wellen konstatieren Moderatoren: “Wolkenloser Himmel, endlich Sommer! Die Temperaturen klettern auf weit über 30 Grad!” Die Reisebranche dagegen schimpft wegen der Pandemieauswirkungen – mit ähnlichem Nachdruck: “Noch viele mehr müssten in Urlaub fliegen.” Die Bäume im Frankfurter Stadtwald direkt neben dem Flughafen sind leise. Viele von ihnen werden den nächsten Sommer kaum erleben, bemerken 15 Wanderer der Reihe GangART. Die Tour im August 2020 ist Meditieren mit offenen Augen. Und der Auftakt der “Gangreihe 13/13: Stilles Frankfurt”.
Verborgene Schätze im Wald

Die Pilgerinnen und Wanderer suchen “Verborgene Schätze im Wald”. Das ist das Motto der Tour unter Leitung von Georg Magirius. Sie ist gefördert von der Hessischen Kultur-Stiftung. Ab und zu rumort ein Flugzeug, Autos sind zu hören. “Immer tiefer geht es in den Wald hinein, nun wird der Geräuschteppich vom Rascheln des Laubes und den darunter lebenden Tieren bestimmt”, heißt es in der Reportage “Die Kostbarkeiten des Lebens im Blick” von Gernot Gottwals und Rainer Rüffer in der Frankfurter Neuen Presse. Indem die Pilger tief in den Wald gehen, dringen sie in einen Machtbereich ein, der widerständig macht gegen Phrasen- und Parolenhaftes.

Größe gewinnen
Es gibt Kostbarkeiten, die versteckt sind und im Schatten liegen. Ohne Pflege verlören sie ihre Kraft, will die Wanderung vor Augen führen. Die Goethebuche ist eine imposante Erscheinung, mehr als 250 Jahre alt. Vermutlich im Geburtsjahr des Dichters wurde sie gepflanzt. Darauf deuten alte Forstunterlagen hin. Mit ihrem sich im Lauf der Jahrzehnte immer weiter aufspannenden Blätterdach hat sie jungen Buchen ermöglicht, ohne zu viel Sonne und dadurch ausreichend langsam Größe zu gewinnen. Nun allerdings ist um den dicken Stamm ein Graben ausgehoben. Denn der Baum erhält infolge der Regenarmut Wasserinfusionen.

Die Eleganz der Nixe
Nur etwas entfernt eine Nixe, die elegant die Balance hält: auf der gläsernen Laterne des Kuppeldaches der alten Maschinenhalle des 1893 eröffneten Wasserwerks Hinkelstein. Dass die Erbauer einer technischen Anlage sich der mythologischen Bedeutung des Wassers widmeten, zeigt: Wasser ist mehr als ein Faktor, den man unter vielen anderen eben auch noch auf der Rechnung haben muss, um möglichst rasch wieder in die sogenannte Normalität einer weltumspannenden und exzessiven Mobilität zurückzufinden. Denn die Nixe und mit ihr das Wasser verweisen auf eine Macht, die der Mensch sich nicht gefügig machen kann. Wer still durch den Stadwald geht, kann von einem Staunen überrascht werden, das vielleicht ein wenig an das Schweben der Nixe erinnert.

“Gnade sagte der Mensch früher dafür”
Aber nicht nur sichtbaren Kostbarkeiten gilt die Aufmerksamkeit der Tour “Verborgene Schätze im Wald”. Immer wieder einmal bleiben die Wanderer stehen. Und hören dann Worte von Manuela Fuelle oder Amet Bick aus “Stille erfahren”. Und auch von Büchnerpreisträger Arnold Stadler: “Ich dachte in diesen Tagen, da die schnellstmögliche Universaldigitalierung des Lebens verlangt wird, ob das Eigentliche nicht vielleicht auf der Strecke bleibt. Die Erfahrung, dass nicht alles machbar ist, und dass das Leben nicht etwas Machbares ist, sondern etwas Verdanktes: Gnade sagt der Mensch früher dafür.” –
Gangreihe 13/13: Stilles Frankfurt

Die Tour auf den Berger Rücken ist Teil der “Gangreihe 13/13”. Die Serie führt in einem Zeitraum von 13 Jahren an 13 Orte, die Ruhe vermitteln. Start der von der Hessischen Kultur-Stiftung geförderten Serie war 2020. Im Jahr 2033 soll sie in ein Picknick im Höchster Schlossgraben münden. Der Würzburger Echter Verlag begleitet die Frankfurter Reihe mit dem Buch „Stilles Frankfurt – 13 Orte zum Staunen und Verweilen“, lektoriert von Thomas Häußner. Mit dem Begleitbuch lassen sich die 13 Orte der Touren selbstständig erreichen, nachgehen, wiederholen, vorausgehen. Weitere Informationen zur Gangreihe 13/13 und den bisher zurückgelegten Etappen finden sich hier.
GangART
13/13 ist außerdem Teil von GangART, in der Georg Magirius spirituelle Tagestouren auch durch Steigerwald, Haßberge, Schwarzwald, Odenwald und Taunus leitet. Die Reihe findet Resonanz zum Beispiel in den “Gedanken zum Tag” auf BR1 und BR2 im Bayerischen Rundfunk, im Reiseblatt der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, im Deutschlandfunk, Publik Forum, Main Post, hr2-Kultur, Domadio Köln, Main Echo, der Frankfurter Neuen Presse oder der Leipziger Zeitung. Rückblicke auf die Gänge finden sich hier. Aktuelle Termine von GangART oder der “Gangreihe 13/13: Stilles Frankfurt” finden sich immer hier.
Waltraud Schulz: 1000. Teilnehmerin der Reihe GangART
Die Tour im Frankfurter Stadtwald war die 46. Wanderung von GangART, bei der die 1000. Teilnehmerin seit Beginn der Reihe 2009 geehrt wurde: Waltraud Schulz aus Seligenstadt am Main. Georg Magirius überreichte ihr ein Exemplar “Frankenliebe”. Das Buch mit Wanderungen zu 33 Orten zum Staunen und Verweilen ist von GangART inspiriert. Weitere Informationen zur GangART sind hier.

Weitere Fotos der Tour zum Hinkelstein










