Das Ende der Erreichbarkeit

Momarter FeldUnter dem Motto „Das Ende der Erreichbarkeit” bietet der Theologe und Schriftsteller Georg Magirius am Samstag, 29. April 2017 eine Spirituelle Wanderung von Bad König nach Michelstadt im Odenwald an. (Rückblick auf die Tour >>> hier.) Die Gruppe bildet sich für die Pilger-Tagestour der Reihe GangART ganz neu, geht zum ersten Mal. Ideal ist die Wanderung für all jene, die Aufbruchslust spüren und die Zwänge des Alltags zurücklassen wollen – und sei es nur für wenige Stunden.

Raumerweiterung im Odenwald

Weite bei MomartDie Tour bildet einen Kontrapunkt zum gegenwärtigen Lebensgefühl, das viele kaum noch zur Ruhe kommen lässt. Stetig scheint das Lebenstempo zuzunehmen. Hektik und eine kaum einzudämmende Flut an Reizen breiten sich aus. Dazu regiert die sich selbst oder von anderen auferlegte Regel, immerzu erreichbar sein und funktionieren zu müssen. All diese Gebote gegenwärtiger Aufgeregtheit – bei der spirituellen Tageswanderung im Odenwald gelten sie nicht, sie werden gleichsam im Tal gelassen.

Ganz gemächlich und allmählich

Stattdessen geht es allmählich und ganz gemächlich, nämlich Schritt für Schritt hinauf in eine Weite, die auf neue Weise Kühe bei Weiten-Gesäßzu Atem kommen lässt. Das freilich muss nicht mühsam trainiert oder mithilfe von Meditationskursen eingeübt werden. Denn es stellt sich ganz von selber ein. Die Funklöcher auf den Höhen rund um Momart und Weiten-Gesäß wirken wie Geschenke der Unerreichbarkeit. Und eine Freiheit lässt sich erfahren, die nicht bedrohlich ist, sondern eine starke Orientierung gibt. Denn klar zeigt sich der Weg. Einen Abschnitt lang wuchert er sogar mit einem besonderen Luxus der Einfachheit: Er wird schweigend gegangen.

Länge der Tour und weitere Informationen

Rathaus in Michelstadt Panorama„Das Ende der Erreichbarkeit”, Spirituelle Wanderung der Reihe GangART, 29. April 2017. Länge: 12 Kilometer, reine Gehzeit: ca. 3,5 Stunden. (Rückblick auf die Tour >>> hier.) Informationen bzw. Anmeldung direkt bei Georg Magirius: 0176-29402322, mail@georgmagirius.de. Eine weitere Tour am 20. Mai 2017 im Hochspessart >>> Informationen.

Das Geheimnis der Ermutigung

Eine Ermunterung, die aus der Ruhe kommt, verspricht die Spirituelle Wanderung der Reihe GangART auf dem Nibelungensteig im Odenwald am Samstag, 28. Mai 2016. (Rückblick mit Fotos >>> HIER) Die Tour unter dem Motto „Das Geheimnis der Ermutigung“ geht von Schöllenbach durch das Ebersbacher Felsenmeer nach Hetzbach. Die Gruppe unter Leitung des Theologen und Schriftstellers Georg Magirius bildet sich neu, geht zum ersten Mal.  Während Motivationstrainer, Ratgeber und Aktivitätsanimateure dazu drängen, nach vorn zu schauen und in die Zukunft zu rennen, vertraut die Wanderung den Kräften der Vergangenheit. Sie wirken heute nochQuellkirche Schöllenbach Foto von © Hartmann Linge, Wikimedia Commons, CC-by-sa 3.0. Der Weg auf dem Nibelungensteig dringt angenehm gelassen in das Geheimnis der Sagen, Geschichten, Legenden und Anekdoten ein.

Wunderwasser und Geschichtenreservoir

Das unter der Quellkirche in Schöllenbach entspringende Wasser soll schon zu Wunderheilungen geführt haben. Auf jeden Fall ermuntert seine Stimme, sich auf den vorsichtig ansteigenden Waldweg zum Rutschstein zu machen. Dessen skispurähnlichen Vertiefungen faszinieren, weil ihre Entstehung bis heute niemand erklären konnte. Kurz darauf folgt die Begegnung mit einem Haus: Die Gebhardshütte bei Bullau liegt auf einer Lichtung im Wald. Es ist ein Gasthaus, dessen Wirtsleute über ein unerschöpfliches Reservoir an Geschichten verfügen. Die Kriterien freilich, wann ein Rutschstein bei Bullau Foto von Georg MagiriusGast die Ehre hat, ein Getränk erwerben zu dürfen, liegen in der nicht aufknackbaren Kostbarkeit des Unverfügbaren.

Kitzelnde Kobolde

Das Ebersberger Felsenmeer hat anders als sein berühmtes Pendant im Lautertal kein Tourismusproblem. Gemeint ist: Sensationslustige steuern es nicht an. Wunderbar wild, fast versteckt liegt es am Waldhang. Auf dem Abstieg nach Hetzbach hüpft man durch dieses Meer hindurch und genießt die Gesellschaft der Trolle, Elfen und Kobolde. Sie kitzeln nachweisbar jeden, der sich nicht allein von der Nüchternheit regieren lassen will. Am Ende wartet der Blick aufs Himbächlviadukt, eine 250 Meter lange Eisenbahnbrücke aus Buntsandstein.

Die Fakten:

Himbächl-Viadukt mit Odenwaldbahn Foto von Georg Magirius

Rückblick mit Fotos >>> HIER. Georg Magirius bietet in der Reihe GangART seit 2009 spirituelle Wanderungen an. Bei 35 Touren nahmen mehr als 750 Wanderer teil. Von ihm ist bei Echter “Frankenglück. 33 Orte zum Staunden und Verweilen erschiehen” (Lektorat: Thomas Häußner) und im Herder-Verlag “Schritt für Schritt zum Horizont. Pilger-Werkbuch” (Lektorat: Dr. Esther Schulz). Fotos von Schöllenbach: © Hartmann Linge

Aufstehen als Aufstand

Zwei Pilgerinnen auf dem Weg nach Amorbach im Fränkischen OdenwaldDer wichtigste Impuls fürs Pilgern ist das Aufstehen, schreibt Georg Magirius in der Ev. Wochenzeitung “Die Kirche” vom 5. April 2015.  Stuhlbewohner fühlten sich oft klein, nicht für voll genommen. “Wer aufsteht und geht, bemerkt seine Größe sofort. Der Körper bekommt den Raum, den er zu­wei­len dringend nötig hat.” Wer viel sitze, gehe dagegen in Behandlung. “Kaum je­mand muss zur Krankengymnastik, weil er zu viel gegangen ist. So ähnelt das Aufstehen einem Aufstand. Es ist eine Befreiungs­bewegung, inspiriert von der Lust, die dauerhafte Existenz als Bürostuhlroutinier und Sitzgruppenteilnehmer zu überlisten. Hat das Gehen am Ende auch mit Liebe zu tun? Wer verliebt ist, sagt kaum: Wir sitzen zusammen. Es Buchcover: Pilgerbuch von Georg Magiriusheißt: Wir gehen miteinander.” Den Beitrag in der Wochenzeitung für Berlin und Brandenburg >>> lesen. Redaktion: Amet Bick.

Georg Magirius ist Gründer von GangART, einer fortlaufenden Reihe spiritueller Wanderungen. Von ihm gerade erschienen: Schritt für Schritt zum Horizont. Pilger-Werkbuch, mit Liedern, Meditationen, Bibeltexten, Segenstexten und Impulsren rund ums Pilgern, Lektorat: Dr. Esther Schulz / Clemens Carl, 17,99 Euro,  224 Seiten, Softcover mit Lesebändchen, ISBN 978-3-451-31311-0, Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 2015.

Die Hauptstadt der Freude

Evangelische Kirche in Ueberau im OdenwaldTraditionell und überraschend modern, musikalisch furios und anrührend komisch: So klingt der Advent in der Evangelischen Kirche in Ueberau, wenn die Harfenistin Bettina Linck und der Schriftsteller Georg Magirius die Konzertlesung “Himmelsspiel und Hirtensprint“ zu Gehör bringen, 5. Dezember 2014 um 19.30. Es ist der Auftakt einer ganzen Reihe von Konzertlesungen, die vom gerade veröffentlichten Buch „Dies soll euch ein Zeichen sein” inspiriert ist.

Foto-Rückblick >>> Hier

Warum geschieht das in Ueberau, einem kleinen Ort unweit der Feste Otzberg in einem weltgeschichtlich zumindest derzeit nicht unbedingt extrem beachteten Mittelgebirge mit Namen Odenwald? Antwort: Weil Ueberau nicht nur Golddorf des bundesweiten Wettbewerbs “Unser Dorf hat Zukunft” 2013 ist, sondern Ueberau einen solch  ernsthaften Sinn fürs Heitere hat, das die ehrwürdige Komik des Musik-Wort-Duos bei einem früheren Auftritt auf ungewöhnliche Resonanz im Publikum stieß.  “Harfe trifft Literatur” – das sind seit beinahne zehn Jahren musikalisch-poetische Dialoge, die unter dem Stichwort „7 tote Ehemänner“ auf die Bühne kommen – in Kirchen, Wirtshäusern, Bauernhöfen, Büchereien und Weingütern. Aber auch im Deutschlandfunk, ERF-Radio, Bayerischen Rundfunk und Hessischen Rundfunk sind Linck und Magirius zu hören. Die Konzertlesung in Ueberau ist das Finale der Reihe „nah dran“ zugunsten der Renovierung der Orgel.

Edel gefüllte Orgelpfeifen

Die Orgel dort besteht wie überall aus Pfeifen, von denen sich in Ueberau freilich einige als Trio zu neun Euro kaufen lassen. Es handelt sich dabei um zwei Edel-Obstbrände und einen Likör der Obstbrennerei Göbel in einer Geschenkpackung. So! Das also ist jene Form von Komik, die sich um das Gebot der Langeweile nicht schert. Stattdessen kitzelt sie die Freude, die dank Poesie, Orgel, Obstbrand oder Harfe ins freie Spiel kommen will.

Bettina Linck - Harfenistin - Auferstehungskirche Bad Vilbel

Schattierungen der Nacht

Magirius und Linck werden an dem Abend die Kostbarkeit, auf den man im Advent zugeht, nicht in Palästen, sondern in Hütten suchen. Es sind die Nebenfiguren der Weihnachtsgeschichte, die den Weg weisen: die Hirten. Sie sind kundig der Schattierungen der Dunkelheit, wie sie das Lento der sonate pour harpe von Germaine Tailleferre erahnen lässt. Die in der Nacht wachenden Hirten ähneln all jenen, die ihr Leben eher im Hintergrund verbringen. Jetzt werden sie ins Licht gesetzt.

Vom Himmelsspiel zum Hirtensprint

Sie hören ein überborderndes Konzert – zwischen Schafen auf den Weiden tönt das Impromptu op. 86 von Gabriel Fauré. Und dann? Gleich ist es wieder dunkel. Und der Himmel schweigt. Die Hirten reiben sich die Augen, zögern, überlegen, ob das eben ein Traum gewesen ist, beginnen dann aber zu suchen und auf eine Art zu sprinten, wie sie kein Sportreporter besser kommentieren könnte als Bettina Linck, die John Thomas „The Ministrel’s Adieu to his native land“ auf Laufbahn schickt. Warum aber rennen die Hirten? Weil sie längst zu Hauptfiguren der Weihnachtsgeschichte geworden sind. Ihr Ziel: Das Zeichen, von dem das Himmelsspiel tönte. Es ist eine Winzigkeit an einem Ort, der klein genug ist, um zur Welthauptstadt der Freude zu werden.

Himmelsspiel & Hirtensprint, Freitag, 5.12. 2014, 19.30, Ev. Kirche Ueberau, Reinheim-Ueberau, Foto-Rückblick >>> Hier Ltg.: Pfarrerin Meike Obermann, KV-Vorsitzender Herbert Plöger und Team. Fotos: Wolfgang Bertrams (1), Annika Schulz (2), Ev. Kirchengemeinde Ueberau (1). Buchpremiere von aus “Dies soll euch ein Zeichen sein“, Lektorat: Dr. Esther Schulz, mit zahlreichen Abb. von Ulrike Vetter, 144 S., Herder Verlag, Freiburg i.Br. 2014

Mehr Informationen & Pressestimmen zum Buch.


Aufregendes Hessen-Quiz

In der Schule, beim Quiz oder beim Konkurrieren kann einen mitunter das Gefühl beschleichen: Wer mal so eben Fakten und Zahlen fallen lässt, kommt gut zurecht. Doch wehe, wenn jemand sich damit nicht begnügt, sondern über ein dann doch vielleicht gar nicht so eindeutiges Faktum hinaus noch etwas wissen will. Das ist, wenn es ums zackige Fragen und Antworten geht, von Nachteil. Allerdings weist es in eine Landschaft, in der es nicht mehr allein um Wissen, sondern auch um so etwas aufregendes Schönes wie das Nichtwissen geht.

100 Karten hat das Hessen-Quiz.

Die Beute der Erzähler

Von dieser Landschaft erzählt das Hessen-Quiz von Getrud und Joachim Steiger. Natürlich! Das in diesem Monat veröffentlichte Quiz lässt sich auf übliche und vergnügliche Weise spielen. Doch nach den ersten Fragen wird man nichtGetrud Steiger mehr an die Höhe seines Kartenhäufleins denken. Denn das Konkurrieren, das Gewinnen und Verlieren spielt jetzt keine Rolle mehr. Die 100 in ein Schmuckkästchen eingelegten Karten sind in Wahrheit keine Instrumente zur Abwicklung eines regeltechnisch korrekten Quizdurchgangs. Sondern? Die Beute zweier Erzähler und Sammler. Eine Beute, die nicht erlegt ist, sondern lebt, auch nicht in Käfigen vorgeführt wird. Sie wurde von der Neugier des Autorenpaars angelockt, um sich dem freien Spiel hinzugeben. Da wird etwa nach dem Namen der fruchtigen Symbolfigur von Wanfried im Werratal gesucht.

Die Schwalbe des Holz

Oder Frage 40: Welcome to the „Freistaat Flaschenhals“. Wo befinden wir uns? Gesucht wird auch ein hessischer Fußballspieler, durch den das Wort Schwalbe Eingang in die niederländische Sprache gefunden hat. Noch aufregender die Antworten, die länger als die Fragen sind. Da steht dann nicht allein ein Name, kein bloßes Ja, Nein oder eine Zahl. Stattdessen sind die Fakten der Anlass, um hessisches Flair, Witz und Eigensinn auszubreiten – und ins Staunen zu führen. Dieses Quiz stellt das Übliche auf den Kopf: Denn man freut sich immer wieder neu, die Antwort nicht zu wissen. Dann nämlich wartet der Genuss, einer weiteren Kuriosität lauschen zu dürfen.

Hamster Gottfried im Hungerstreik

So wird erzählt, dass der Hungerstreik von Hamster Gottfried am Bauvorhaben Startbahn West zu einem Polizeieinsatz führte. Oder wie eine ehemalige First Lady Amerikas für mehrere Monate in Frankfurt lebte. Weitschweifig oder langatmig werden die Antworten nicht, weil sie durch die handtellergroße Format des Kärtchen begrenzt werden. Und doch überschreiten sie Grenzen. Denn Getrud und Joachim Steiger sind Regionalerzähler, die eine Welt bezeugen, in der das Kleinkarierte ausgebürgert ist. Weitschweifig und langatmig ist das dann womöglich also doch, weil es zum Aufbruch reizt. Die erzählerischen Miniaturen haben die Größe, von den Lesern fortgesetzt zu werden. So wird man reisen, darf lange schweifen und einen weiten Atem gewinnen.

Bad König: die Quelle des Spiels

Und früher oder später wird man auch nach Bad König im Odenwald kommen. Das ist zwar auf keiner der 100 Karten zu finden, aber der Quellort des Spiels. Dort leben die Geschichtenerzähler Steiger, tüfteln an ihren literarischen Überraschungen und vertreiben Bücher in ihrer Literaturhandlung Paperback. Wie bei vielleicht allen guten Erzählern kommt ihr Können vermutlich vom Hören. Seit mehr als 20 Jahren locken sie Autoren, Erzählerinnen und Spieler nicht nur aus Hessen in die dortige Rentmeisterei, darunter Pierre Brice, Eva Mattes, Christian Brückner, Bettina Linck, Emil Steinbrecher, Tschingis Aitmatow und Stefanie Zweig.

Gertrund und Joachim Steiger, Hessen-Quiz, 103 Kärtchen in einem Schmuckkästchen, ISBN 978-3-89978-209-7, Grupello Verlag, Düsseldorf 2014.

Unabschließbar kraftvoll

Wer Menschen anleitet oder begleitet, muss eine gerade Furche ziehen, heißt es über Führungskräfte oft. Hilfreich kann es sein, auch mal das Gegenteil zu tun, behaupten die Referenten einer Pilgertour am 3. Mai 2014 zur Gotthardsruine im Odenwald. Die Wanderung ermöglicht Umwege, macht aufmerksam für sich, andere und die Auseinandersetzung mit dem Glauben. „Unabschließbar kraftvoll“ lautet das Motto. Referenten sind der Theologe Ralf Weidner und der Schriftsteller Georg Magirius. Weidner hat 20 Jahre als Führungskraft in der freien Wirtschaft gearbeitet. Magirius hat die Reihe GangART. begründet. MEHR.

Kraftzuwachs für wilde Wanderer

„Der Letzte macht die Tür zu“, „verwunschen“, „urig“ kommentieren die Wanderer den außergewöhnlichen Platz am Bullauer Berg bei Kleinheubach im fränkischen Odenwald. Oktober 2013: In der Reihe GangArt haben sich spirituelle Abenteuerer unter Leitung des Theologen und Schriftstellers Georg Magirius in der Steilwand des Berges hochgearbeitet, sind an die dick bemoosten Steingebilde herangetreten und erforschen das Terrain: Stammen die Säulen von den Römern? Oder waren sie für den Dombau in Mainz bestimmt? Haben Odenwälder Riesenmenschen sie im Wald vergessen? Und: Wie wurden sie überhaupt gehauen und transportiert?

Ohne Übermut ans Moos

Sofort packen einige das Rätsel an den Haltegriffen, die an den Säulen wohl als Transporthilfe vorgesehenen sind. Das ist kein Übermut! Sondern die realistische Einschätzung der eigenen Möglichkeiten: Schließlich ist die Einkehr am Basislager, im Landgasthaus Stern in Rüdenau (inklusive Metzgerei), nicht asketisch ausgefallen: Hackbraten, fränkische Bratwurst, Schnitzel und Eis vom Odenwälder Apfelwein haben das spirituelle Erkenntnisvermögen erhöht und für Kraftzuwachs gesorgt.

Ewige Jugend im Wald

Zu diesem Zeitpunkt sind bereits mehrere spirituelle Prüfungen absolviert: Knapp ist es am Galgen bei Kleinheubach vorbeigegangen, das Industriegebiet liegt im Rücken. Und im Wald hat man über das Vergehen nachgesonnen, über den Herbst als Jahreszeit und Symbol für die Vergänglichkeit. Durch ihn ist man hindurchgegangen: Vielleicht ein bisschen viel Vergehen? Vorsorglich hat Magirius in der Apotheke das Antidepressivum „Ewige Jugend und noch viel mehr“ eingekauft, das er zu Beginn der Tour als Motto verteilt hat.

Leichtes Spiel

Aber was ist das schon im Vergleich zu jenem Mittel, das aus dem Hause Aaron kommt und noch viele hundert Jahre älter ist er als die ewig wirkenden Heunesäulen? Am mystischen Ort wird den Wanderern der Segen aus dem biblischen Buch Numeri übergestreift. Er kann in ein Land schauen lassen, in dem nichts mehr vergeht, weil alles vergangen und euphorisierend friedlich ist. Und die Säulen? Die Gruppe GangART wirft sie einige Male in die Luft, dann bleiben sie am Berg zurück. Noch andere werden ins Staunen kommen.

Die Tour ist inspiriert vom Buch “Mystische Orte” von Regina Westphal und Georg Magirius, erschienen im Echter Verlag Würzburg. – Mehr Informationen über spirituelle Wanderungen der Reihe GangART >>> hier. – Rückblicke auf frühere Touren hier. – Regina Westphal, Georg Magirius und Dieter Baumann, Wirt des Landgasthauses Stern, im Gespräch mit Ansgar Nöth über den unheimlichen Zauber der Heunesäulen in einer Kurz-Reportage im Bayerischen Rundfunk >>> Reportage hören. (mp3 – 5 min) – Fotos (c): Manfred Kürsch

Ewige Jugend und noch viel mehr

Ewige Jugend verspricht die Spirituelle Wanderung m 19. Oktober 2013 zu den Heunesäulen im Odenwald nicht direkt, dafür aber noch Besseres: Eine Staumauer im Fluss der Zeit. Wer also schon einmal das Gefühl gehabt haben sollte, nicht jede Beschleunigung und Hysterie der Gegenwart mitmachen zu müssen, ist bei dieser Tour richtig. Gewandert wird unter Leitung des Theologen und Schriftstellers Georg Magirius in eine sagenhafte Zeitlosigkeit hinein.

>>> Kraftzuwachs für wilde Wanderer: Ein Rückblick auf die Tour mit Fotos >> hier

Das Wissen der guten alten Ingenieure

Zwischen den am Bergabhang liegenden Säulen geraten selbst findigste iPhone/iPad/iPod-Spezialisten ins Staunen. Dort kann einem die Ahnung widerfahren, die von einer unvergänglichen Urkraft erzählt. Bis heute weiß niemand, wie viele hundert oder tausend Jahre bereits die mehr als hüfthohen Säulen im Wald liegen. Und wie hat man sie überhaupt dorthin gebracht? Das Ingenieurwissen jedenfalls scheint so groß gewesen zu sein, dass ihm wohl nur Sagen nahe kommen können: Urzeitriesen sollen sie beim Spiel im Wald vergessen haben. Nach 1,5 Stunden, noch bevor es zur Begegnung mit den Riesen kommt, erreicht man allerdings erst einmal Rüdenau. Um sich dafür fit zu machen, ist es gewiss nicht verkehrt, im Landgasthaus “Zum Stern” gut und einfach zu vespern.

Raffiniert, gefährlich, lieblich

Man kann aber auch Raffinessen wie das Parfait vom Odenwälder Apfelwein anbeten – und es sich darüberhinaus auch noch auf die Zunge legen. (Foto: Ansgar Nöth, BR – weitere Fotos). Das nächste Wegstück zwischen Apfelbäumen mit Ausblick zum Kloster Engelberg verstärkt den Eindruck der Lieblichkeit, doch DAS ist eine Finte. Denn durch dichten Wald geht es in Serpentinen hinauf zu den bemoosten Heunesäulen. Dort erwartet den spirituell Suchenden eine Belohnung, die noch genüsslicher als das Parfait vom Apfelwein sein dürfte: Gelassenheit.

Kraftzuwachs für wilde Wanderer: Ein Rückblick auf die Tour findet sich hier

Die Fakten

Innerhalb der Reihe GangART bieten die Pfarrerin Regina Westphal und Georg Magirius seit 2009 spirituelle Tagestouren in Steigerwald, Rhön, Spessart, Odenwald und Fränkischem Weinland an. Bei bislang 23 Touren nahmen mehr als 550 Wanderer teil. Die Tour am Samstag, 19. Oktober 2013 ist 9 km lang, die reine Gehzeit beträgt knapp 3 Stunden, eine Strecke wird still gelaufen. Start ist am Bahnhof in Kleinheubach (an der Bahnstrecke Aschaffenburg-Miltenberg mit Anschluss-Möglichkeiten nach Mainz, Darmstadt, Hanau, Offenbach Frankfurt, Würzburg.) Die Einkehr liegt auf der Hälfte der Strecke im Landgasthaus Zum Stern in Rüdenau. Der Weg verläuft nahezu eben – bis auf die 15-20minütige Steigung zu den Heunesäulen. Sie darf jeder jenseits der Beschleunigungsexzesse, also im ureigenen Tempo bewältigen. Das Ende liegt in Kleinheubach, wo man noch im Schlossgarten lustwandeln kann. Kosten für die frei wählbare Einkehr und Anreise trägt jeder selbst. Nach Absprache ist auch eine gemeinsame Anreise per Zug möglich. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Der Anmeldebeitrag von 10 Euro ist vorher zu überweisen.

Informationen und Anmeldung: buero@georgmagirius.de , 0176-29402322. – Den unheimlichen Zauber der Heunesäulen hören in einer BR-Kurz-Reportage >>> lesen >>> hier. (3,5 MB) – Rückblicke auf frühere Touren hier.

Wandern ist wie ein Gebet

Dass Pfarrerinnen nicht nur beten oder auf Kanzeln stehen, macht Regina Westphal aus Seligenstadt am Main in einem Fernsehbeitrag im Hessen-Fernsehen deutlich. „Wandern ist für mich wie ein Gebet“, sagt die Pfarrerin in dem Beitrag, der am 3. Oktober 2013 ausgestrahlt wird. Für die Sendung „Die beliebtesten Wanderwege der Hessen“ ist sie auf einem Teilstück des Nibelungensteigs im Odenwald von dem  Fernsehjournalisten Volker Janovsky porträtiert worden (Schnnitt: Miriam Elmers).

Mysteriöse Rutsch-Spuren im Stein

Höhepunkte der Strecke sind die Quellkirche in Schöllenbach, das Ebersbacher Felsenmeer und das Himbächlviadukt, eine 250 Meter lange Eisenbahnbrücke aus Buntsandstein. Nicht ganz nebensächlich in der Reportage sind allerdings auch die philosophischen Gespräche, die Westphal mit den Wirtsleuten der bei Bullau gelegenen Gebhardshütte führt. Überdies macht sie sich Gedanken über die skispurähnlichen Vertiefungen des Rutschsteins, deren Entstehung bis heute ungeklärt ist. In der Sendung am 3. Oktober, 18 Uhr wird aufgelöst, wer unter 30 vorgestellten Wanderwegen in Hessen der beliebteste ist. Regina Westphal hat zwei spirituelle Wanderbücher verfasst. Seit 2009 hat sie mit Georg Magirius mehr als 20 Tagespilgertouren angeboten, bei denen etwa 500 Wanderer teilnahmen. Informtionen zu den Touren der Reihe GangART hier. Mitte September erscheint das von ihr mitverfasste Buch „Gipfelgebete“ im Claudius-Verlag, herausgegeben von Heide Warkentin.

Vom Glück ohne Ende

„Käferjahr“, das neue Buch von Marissa Conrady, erzählt vom großen Glück. Die Gechichte klingt eigenwillig wundervoll, weil Wunden nicht verschwiegen werden. Mit Heiterkeit allein lässt sich das Glück jedenfalls nicht verwechseln, mag es auch heitere Passagen in der zwischen Mannheim, Heilbronn, Odenwald und Köln spielenden Geschichte geben. Und auch mit der Liebe lässt sich das Glück nicht verwechseln, weil sich beides selbst theoretisch betrachtet gar nicht auseinanderhalten ließe. Es fällt in eins. Malina, die Protagonistin, gibt von Anfang an in ihrem Leben dem großen Wünschen einen Platz, verteidigt es auch gegen Widerstand, wie etwa den der Mutter: „Immer wieder hatte sie mir den Gebrauch des Wortes Glück vorgeworfen.“ Und dann? Es ist ganz einfach. Ein Mann, eine Frau. Es wird noch einfacher – und ungeheuer kompliziert, ohne dass das Komplizierte wiederum das Glück schmälern könnte. Das ist es ja gerade! Malina hat eine so unvorstellbar große Begabung fürs Schöne, dass sie es nicht relativieren kann. So fallen nicht nur Glück und ihre Liebe zu Mann Renja zusammen, sondern beides wiederum auch noch mit dem Schmerz. Er ist schneidend, weil diese Glückserfahrung frei von jeder Trübung ist, viel zu intensiv, vollendet, frei und leicht und tief, als dass sie an ein Ende kommen könnte, nachdem die sogenannte Realität dieses kribbelnde Käferjahr für beendet erklärt hat.  „Wir wollen keine Wundmale, die uns erinnern an Demütigungen und Verfehlungen, nicht einmal an das schönste Gefühl unseres Lebens, die Liebe.“ Malina schon: „Ich wollte mir wehtun.“

Glücksgefahr

„Käferjahr“ ist ein schwebend leicht erzählter Aufstand gegen das Diktum des Endes. Er tut weh, indem er beglückt. Wenigstens jener Leser wird davon etwas spüren, der nicht frei von Sehnsucht, Liebe und Risiko durchs Leben gehen will. Marissa Conrady, die Germanistin  ist, hat überdies eine Sprache für etwas gefunden, das auf keinen Begriff zu bringen ist, auch nicht auf den der Mediziner oder Psychologen: Selbstverletzung. Wie aber gelingt es, Worte zu finden für diese im Umgangsgespräch kaum zu benennende Glücksgefahr, dieses Ineinander von Erleichterung und Schmerz, von Vergeblichkeit und Erfüllung? Es geschieht, indem die Autorin Gefühle, Sätze, Bedeutungen, das Zeitmaß aus dem Griff des zu Erwartetenden entwindet, erst gar nicht mit Definitionen kommt. Das lässt sich auch poetisch nennen.

Es bleibt dabei

So schützt die Geschichte das Große, streckt sich aus nach ihm, das nicht kommt, sondern längst schon war und noch immer ist, bewahrt und erneut geboren im erinnernden Erzählen, das viel mehr als nur ein Erinnern, sondern gegenwärtig ist. Es bleibt dabei, ob am Anfang oder am Ende, wobei man gar nicht immer weiß, wo genau nun das Ende und der Anfang ist: Die Protagonistin will nicht weniger als alles. Es ist die Kunst der Autorin, dass sie, indem sie mit diesem Maßstab den Leser fasziniert, ihn auch zum Weiterwollen bringen kann. Von der Sehnsucht nach dem Allumfassenden angesteckt, lässt sich etwa fragen: Könnte die Frau ihren Schmerz – zumindest in der Phantasie – nicht nur an sich selbst, sondern auch an den Geliebten adressieren? Diesem würde sonst womöglich etwas fehlen.

Marissa Conrady, Käferjahr, Epubli 2013 >>> Mehr

Zur Website von Marissa Conrady >>> http://marissaconrady.blogspot.de/