Frankfurt, Spirituelle Wanderungen

Gangreihe 13/13: Stilles Frankfurt

Eine der gesuchtesten Qualitäten dürfte gegenwärtig die Unaufgeregtheit sein. Sie ist das Ziel der “Gangreihe 13/13: Stilles Frankfurt”. Die von Schriftsteller und Kontemplationskünstler Georg Magirius ins Leben gerufene Serie ist auf 13 Jahre angelegt und steuert 13 Orte an, die Ruhe vermitteln. Etappe fünf im April 2026 ist unter dem Motto “Der Langsamste gewinnt” absolviert. Fünf Orte sind aufgesucht, sodass die Halbzeit der Reihe schon bald erreicht sein dürfte: voraussichtlich in zwei Jahren.

Recht auf Langsamkeit

Jeder Gang führt zu einem Platz in Frankfurt, die auf ganz eigene Weise Sinn vermitteln. Die nur wenige Stunden kurzen Touren könnte ein geübter Geher in zwei Tagen oder vielleicht sogar in 24 Stunden zurücklegen. Doch sie sind auf viele Jahre verteilt, weil es nicht um Effizienz geht, sondern um Gemächlichkeit. So mag 13/13 von der Schreibweise her an 24/7 erinnern, das für ständige Verfügbarkeit steht. In Wahrheit aber unterwandert die Reihe dieses Prinzip, geht es ihr doch um das Recht auf Langsamkeit und das Verzögern von Zeit.

“Orte des Runterschaltens” (Leipziger Zeitung)

Die Hesssiche Kulturstiftung hat die ersten beiden Etappen der Reihe gefördert. Den Auftakt begleiteten Journalist Gernot Gottwals und Fotograf Rainer Rüffer für die Frankfurter Neue Presse. Die Reihe hat dank einer halbstündigen Sendung aber auch auf hr2 Kultur Widerhall gefunden, in Publik Forum Extra, bei Theology.de und mehrfach im Deutschlandfunk. Ralf Julke, Leiternder Redakteur der Lepziger Zeitung, hält die Gänge für beispielhaft weit über Frankfurt hinaus. Denn sie zeigten, “wie sehr der Mensch solche aus aller Geschäftigkeit entlassenen Orte braucht, Orte der Besinnung, des Runterschaltens, des Zeit-Habens. Denn hier bestimmt der eigene Schritt, wie lange man da ist und wie lange man verweilt.”

Huhn vor Frankfurter Skyline

Frankfurt geht ein Buch

Kontemplatives Gehen in der Nähe, selbst wenn es dort vielleicht nie ganz ruhig oder sogar von Lärm begleitet ist: Das scheint tatsächlich auch ortsunabhängig relevant zu sein. Darauf deutet auch hin, dass nicht etwa ein in Hessen angesiedelter Verlag die Frankfurter Reihe publizistisch begleitet, sondern der Würzburger Echter Verlag. Er nahm den Serienbeginn 2020 zum Anlass, um mit dem Buch “Stilles Frankfurt – 13 Orte zum Staunen und Verweilen” die Möglichkeit zu geben, die Touren eigenständig nachzugehen. So lassen sich die Gänge nachholen, vorausgehen oder auf ganz eigene Weise verknüpfen und variieren.

Der nächste Termin

Die Möglichkeit zum eigenständigen Ruhesuchen hat auch ganz praktische Vorteile: Denn nicht immer können alle Interessenten die Etappen mitgehen. Denn wegen ihres meditativen Charakters ist die Teilnehmerzahl begrenzt. Eine Gruppe bildet sich für jede Tour. neu. Sobald der Termin der nächsten Etappe feststeht, findet er sich hier. Oder man erhält ihn, indem man sich in den E-Mail-Verteiler zur Gangreihe 13/13 unter dem Stichwort “Pilgerbrief” eintragen lässt: mail@georgmagirius.de.

Die Basis der Stadt

Die Gangserie lässt sich dank Tourberichten und Fotos auch über die Website von Georg Magirius verfolgen. 2500 Menschen besuchen diese täglich, insgesamt sind es unterdessen 3,5 Millionen. Die Zahl derer, die die Berichte lesen, ist mehr als tausendfach so hoch wie die Zahl der Teilnehmenden. Der Reiz am Nachverfolgen von 13/13 im Internet dürfte auch daran liegen, dass die Gänge zwar exakt vorbereitet, aber nie exakt vorhersehbar sind. Was immer an Verblüffendem geschieht: Stets haben die Gänge eine Schweige- und Hörphase. So bleibt Grundmelodie der Touren stets die Unaufgeregtheit, von der Magirius im Vorwort zum Gangreihen-Buch “Stilles Frankfurt” behauptet, sie sei “die Basis der Stadt.”

Bisherige Etappen

Bislang wurden 5 der auf 13 Orte erreicht.

Meditieren mit offenen Augen - Stille Wanderung durch den Frankfurter Stadtwald

1/13: Wasserwerk Hinkelstein

Etappe eins ging unter dem Motto „Verborgene Schätze im Wald“ vom Frankfurter Flughafen zum Wasserwerk Hinkelstein und zur Goethebuche. Die Tour im Sommer 2020 bei mehr als 35 Grad ist eine Meditation mit offenen Augen.

2/13: Berger Hang

Mit der Maxime „Leicht hinauf ins Freie“ folgt mit 2/13 der Aufstieg auf den Berger Hang. Die Folge: “Ein Leuchten im Tal.”

3/13: Schwanheimer Düne & Schwanheimer Wiese

„Die Kraft des stillen Augenblicks“ ist das Motto von Etappe drei und erreicht gleich zwei Orte der Gelassenheit, die Schwanheimer Wiese und die Schwanheimer Düne. Dabei führt der Schweigeweg an der Autobahn entlang zum verwunschen gelegenen Rohsee. Ergebnis: “Knapp daneben ist mittendrin“.

4/13: Jacobiweiher

Bei der Adventswanderung am Nikolaustag 2025 wird der Jacobiweiher im Frankfurter Stadtwald unter dem Motto “Die revolutionäre Kraft der Freundlichkeit” umrundet, außerdem das Wasser des Spekulatiusbrunnen beziehungsweise des Königsbrünnchen probiert.

5/13: Berger Hang II: Der Langsamste gewinnt

Das Ansteuern von gleich zwei (!) Orten bei Etappe drei konnte vermuten lassen: Jetzt hat sich selbst die Serie 13/13 dem üblichen Diktat des Beschleunigens unterworfen. Mit 5/13 reagiert die Reihe angemessen: Denn 2026 wurde wie schon 2020 erneut der Berger Hang erklommen. Nun aber im Frühling statt im Herbst. Solche Schleifen und variierenden Wiederholungen sind kein Versehen, sondern gehören zur Komposition von 13/13: Zwar sollen bis 2033 alle 13 Orte mindestens einmal erreicht sein. Nur geht es dabei nicht um das Durchexezieren eines Plans. Die Intuition ist damit nicht ausgemerzt, genauso wenig das lustvolle und nie ganz vorhersehbare Weiterspielen des Grundgedankens: Es geht um die Freude an einer Ruhe gebenden Langsamkeit.

Dass Magirius nicht irgendwelche Prinzipien abarbeitet, macht seine Touren lebendig.

Joachim Fildhaut, Main Post

Etappen bis 2033

Bis 2033 sollen noch acht Orte erreicht werden.

Stille ohne Stillstand: Neuer Altarm

Es geht auf dem einstigen Treidelpfad am Main bei Fechenheim entlang. Dort zeigt sich: Frankfurt hat nicht nur eine neue Altstadt, sondern auch einen neuen Altarm, der “Stille ohne Stillstand” erfahren lässt.

Verschlafene Stadt: Berkersheim

Weiter geht es auf den Heiligenstock und nach Berkersheim, wo Frankfurt sein verschlafenes Gesicht zeigt.

Geballte Lautlosgkeit - Frankfurter Dom (c) Georg Magirius (Buch Stilles Frankfurt)

Geballte Lautlosigkeit: Ort der Egalität

Der Stille wird auch im Zentrum der Stadt nachgehorcht. So geht es in oder womöglich sogar auch auf den Frankfurter Dom, wo sich laut “Stilles Frankfurt” ein Egalität und “Geballte Lautlosigkeit” erleben lassen. Unter der Glaskuppel der Schirn wiederum ist “Konzentrierte Leichtigkeit” erfahrbar.

Cityhünhner - Foto (c) Georg Magirius - Buch Stilles Frankfurt

Cityhühner: Oberrad

Im Chinesischen Garten des Bethmannparks wird auf “Synchronmeditationen” geachtet, während man im Gärtnerdorf Oberrad dank der Cityhühner vor Skylinekulisse in eine beschwichtigende Welt der Gegensätze eintaucht.

Willemer Häuschen

Wie Burnout-Goethe ein neuer Lebensfunke erwischt, lässt sich bei einer Tour auf dem Goetheweg im Willemer Häuschen erleben.

Picknick im Graben - Altstadt Höchst - Foto (c) Georg Magirius

Picknick im Graben: Die alte Altstadt von Frankfurt

2033 soll es schließlich zur ältesten Kirche Frankfurts gehen. Sie befindet sich nicht in der neuen Altstadt Frankfurts, sondern in der alten Altstadt Frankfurts, in Höchst. Wegen ihr liegt Frankfurt übrigens an der Deutschen Fachwerkstraße. Dort soll die Serie in ein Picknick im Graben münden.

Aktuelle Termine der Gangreihe 13/13: Stilles Frankfurt

Sobald ein neuer Termin feststeht, findet er sich hier. Sämtliche Fotos stammen von (c) Georg Magirius und sind teilweise dem Buch “Stilles Frankfurt – 13 Orte zum Staunen und Verweilen” entnommen.