Die Aktualität der alten Weihnachtsworte

Die alten Weihnachtsworte heute: Konzertlesung mit Bettina Linck und Georg Magirius in der Evangelischen Kirche in Reinheim-Ueberau  - Fotos © www.timbesserer.com

Advent und Weihnacht gelten als Zeit für Geschichten. Aber wie kann man heute erzählen, dass es zum Staunen bringt? Die treffendste Orientierungshilfe bietet gewiss eine der berühmtesten Erzählungen der Weltgeschichte, die mit dem Worten beginnt: „Es begab sich aber zu der Zeit …“ Die Weihnachtserzählung nach Lukas könne verzaubern, wenn kein Wort verändert werde, sagt die Theologin und Schriftstellerin Amet Bick in der Evangelische Wochenzeitung für Berlin und Brandenburg vom 3. Dezember 2014.

Berechtigte Kinderfragen

Bleibe man der biblischen Weinachtsgeschichte allerdings aus reiner Gewohnheit treu, erlahme das Erzählen, weil der Sprung ins heutige Leben fehle. Da rege es an, sich mit Georg Magirius den alten Worten anzunähern. Seine Fragen, „die manchmal an berechtigte Kinderfragen erinnern, lassen einen wieder staunen, über das, was Lukas erzählt.“ Sein Buch „Dies soll euch ein Zeichen“ weise in ein großes Träumen und öffne die ursprünglichen Weihnachtsworte für heutige Geschichten und Erfahrungen. „Die muss man nicht immer mitdenken, aber Die Harfenistin Bettina Linck in der Ev. Kirche in Ueberau Foto von Die Harfenistin Bettina Linck in der Ev. Kirche in Ueberau Foto: © Tim BessererTim Besserermanchmal werden dadurch die alten Worte wieder frisch.“

Nicht saisongebunden

Weihnachtlich erzählen: Dazu braucht es „nicht Kerzenschein und Behaglichkeit“ als Zutaten, sagt die Redakteurein Ramona Eibach. Idyllische Zustände könne man ohnehin nicht herstellen, wenn vor Weihnachten alles drunter und drüber gehe. Da entlaste es, wenn man sich klar mache: „Die Weihnachtsgeschichte ist nicht saisongebunden. Denn das Leben erzählt Weihnachten immer wieder neu.“ Eibachs einstündiges Gespräch mit Magirius, ERF-Plus vom 3. Dezember 2014, stellt den Weihnachtsengel als vorbildlichen Erzähler vor. Ihm gelinge es, mit großen Worten zu erschüttern, ohne dabei die Welt der Angesprochenen aus dem Blick zu verlieren.

Die Überforderung ist der Gewinn

Georg Magirius Evangelische Kirche Ueberau Foto von Tim BessererDie Erzählästhetik des Engels auf ein Wort gebracht? Die Windel. Sie sei, ruft der Engel, das Zeichen, mit denen die Hirten die zur Welt gekommene Freude erkennen könnten: „Gemeint ist damit nicht allein der Hinweis auf ein süßes Baby”, sagt Magirius. “In dem Zeichen steckt stattdessen auch die Überforderung, diese niemals endende Hausarbeit, all das anstrengend Alltägliche: Das ist der Gewinn! Das rührt die Hirten, weil es auf ihrer Ebene liegt. Sie spüren: Das ist ja unser Kind!“ Ein wahrhaft weihnachtliches Erzählen fokusiert sich laut Magirius nicht auf die Kleinfamilie.

Eine neue Tradition

Vielmehr könne es gerade jene trösten und begeistern, die kein Kind haben, sich ein Kind vergeblich wünschen oder ihr Kind lange nicht gesehen haben. Packend erzählen: Das gelinge, indem man sich dem Star unter den Weihnachtserzählungen sorgfältig, detailliert und liebevoll annähere, meint Marissa Conrady, preisgekrönte Autorin, Literaturwissenschaftlerin und Bloggerin („Reading is sexy“). Magirius‘ Annäherung an Weihnachten sei ein „herzerwärmender, kleiner literarischer Schatz“, weil er das Alte mit dem Gegenwärtigen ineinanderspreche: „Und das macht die Weihnachtsgeschichte noch schöner, noch verständlicher und greifbar – und es macht sie auf eine ganz ungewohnte Art modern. Gerade in unserer Zeit ist das für die Weihnachtsgeschichte ein großes Glück. Immer mehr nämlich droht sie in Vergessenheit zu geraten, immer weniger wird sie an Weihnachten noch (vor-)gelesen. Mit Magirius’ Buch aber könnte eine neue Tradition eingeläutet werden: Lesen und Fragen – was hat das mit uns heute zu tun? Denn nur wer fragt und redet, der gerät nicht in Vergessenheit.“

Himmelsspiel und Hirtensprint - Konzertlesung in Ueberau Foto von Tim BessererGeorg Magirius, Dies soll euch ein Zeichen. Einstimmung auf Weihnachten, mit zahlreichen Abbildungen von Ulrike Vetter, 144 Seiten, Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 2014. Lektorat: Dr. Esther Schulz.  Die Fotos zeigen Eindrücke der Konzertlesung mit der Harfenistin Bettina Linck vom 5.  Dezember 2014 in der Evanglischen Kirche Ueberau. Fotos: © Tim Besserer, Zentrum für Yoga und Therapie.  Weitere Konzertlesungen: 12.12.: Darmstadt, 19.12.: Frankfurt, 25.12.: Bayerischer Rundfunk. Weitere Informationen zu Buch und Konzertlesungen > HIER

About Buero Magirius

Über spirituelle Spaziergänge und andere Tritte des Schriftstellers Georg Magirius.
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