Ausweg aus dem Sonnenkult

Durch die Maibacher Schweiz - Foto von Georg MagiriusEine Spirituelle Wanderung unter dem Motto „Die Blüte des Einfachen“ kann den Verdacht der Scharlatanerie erwecken. Dass nämlich das Leben inklusive seiner nicht vorherzusehenden Havarien mit Hilfe einer esoterischen Vereinfachungsverdummung klein geredet wird. Und jeder, der es wagt, mit seinem Fragen noch immer an kein Ende gekommen zu sein, erhält den sanft gesprochenen (und gerade dadurch aggressiven) Hinweis, sich endlich einmal auf die Einfachheit des Lebens wirklich einzulassen. Trotz potenzieller Verdachtsmomente dieser Art hatten sich 20 Pilgerinnen und Pilger aus Neu-Anspach, Hainburg, Frankfurt, Seligenstadt, Bad Homburg, Mainhausen, Wehrheim, Froschhausen, Gießen und Usingen zu der Tagestour der Reihe GangART im Mai des Jahres 2019 unter Leitung des Theologen und Schriftstellers Georg Magirius  angemeldet. (Fotos vergrößern sich bei Anklicken)

Am Bach der Maichbacher Schweiz bei Usingen - Foto Georg MagiriusUnüberdacht

Der Hinweis, sich aufs Leben einzulassen, wurde durchweg weggelassen. Auch wurde auf dem Elisabethpfad von Usingen-Eschbach nach Brandoberndorf nicht der Rat ausgegeben, tief nach innen zu gehen. Der Schlüssel zu der rauschenden Erfahrung des Tages bestand stattdessen darin, nach draußen zu gehen. Das mag auf eine fast dämliche Weise gewöhnlich klingen, ist aber allein schon deshalb nicht selbstverständlich, weil Tourismusexperten infolge des aktuellen Wanderbooms gewiss schon daran tüfteln, Touren mit durchgängiger Überdachung anzubieten. Doch die spirituellen Geher im Hintertaunus spazierten vier Stunden unüberdacht im Regen. Niemand erlitt einen Dachschaden. Kein Ziegel fiel herunter, dafür aber Wasser.

Kurz vor der Schweizer Hütte - Foto von Georg Magirius

Regenreich

Wobei Regen nicht gleich Regen ist, lautete die Erkenntnis, die sich anfühlte, als wäre es das erste Mal. Da gibt es das heftige Prasseln, den intensiven Fadenregen, die voluminöse Schüttung oder auch ein Wasserstreicheln auf der Haut, das so zart ist, dass es nur zeitverzögert spürbar ist, nämlich dann, wenn es verschwunden ist: eine nachfühlbare Erinnerung. Dieser Regenreichtum wiederum geht nicht zählbar viele Kombinationen mit dem Wind ein. Wozu auch Böen gehören, die einen unvorhersagbaren Rhythmus pflegen. Und dann ist da auch noch das Wasser, das der  Regen als Rinnsale auf den Wegen hinterlässt. Oder als Wiesenkissen, über das der Fuß weich wie sonst selten geht.

Leuchtend

Und selbst alle diese Wind-Regen-Kombinationen sind noch nicht das Ende des Reichtums eines Regentages. Denn nur wer den Mut hat, den fanatischen Monotheismus der Sonnenanbeter zu unterlaufen und eimal in einen feuchten Wald hineinzulaufen, kann die Grüntöne des Frühlings auf eine Weise leuchten sehen, wie es keinem Sonnentag gelingt. Und dabei ist von der Luft noch nicht die Rede, die sich atmen lässt, als habe die Welt für einen ewig wirkenden Augenblick jede Schwere abgelegt. Böen auf der Hochebene Bodenrod - Foto von Georg Magirius

Euphorisch

Wer schon einmal länger im Regen gestanden ist, wird nicht so zu tun, als ob Wasser nicht gefährlich werden könnte. Doch wer schon einmal im Regen stand und dann aus welchem Grund auch immer die Gelegenheit erhält im Regen zu gehen, kann eine Erfahrung machen, die auf erschütternde Weise euphorisiert – und das vermutlich einfach deshalb, weil man antrainiert bekommen hat, sich unaufhörlich gegen die Möglichkeit solch einer Erfahrung abzusichern. Geht man dann aber doch über mehrere Stunden durch einen langmütig fallenden Regen, wirkt die Welt auf den Kopf gestellt: Das Wasser fließt deshalb nicht nach oben. Aber man hört irgendwann auf, den Regen als Gegner wahrzunehmen.

Auf der Hochebene von Bodenrod - Foto Reihe GangART

Normal

Ist solch eine Wahrnehmung esoterisch, spirituell oder einer durchschnittlich ausgeprägten Aufmerksamkeit geschuldet? Handelt es sich um höhere Mathematik, eine undurchdringlich komplizierte Geheimwissenschaft? Ist es eine Blüte des Einfachen? Womöglich ist es eine Form von Normalität, die so ungeheuerlich gewöhnlich ist, dass sie unvergleichlich erfrischend ist. Und unwiederholbar und unnachahmlich – nicht zuletzt deshalb, weil kein Touristikunternehmen in den kommenden Jahren auf die Idee kommen wird, eine Regenwanderung auf menschenleeren Wegen durch den Hintertaunus ins Programm zu nehmen.

Georg Magirius - Foto von Petra Mathein

Die Reihe GangART

Georg Magirius (Foto: Petra Mathein) leitet in der Reihe GangART seit 2009 Spirituelle Tagestouren, in denen ein längerer Abschnitt schweigend gegangen wird. Bei bislang 43 Touren nahmen mehr als 950 Wanderer teil. Am 28. Juni 2019 erscheint im Herder Verlag das von ihm herausgegebene Buch “Stille erfahren” mit Beiträgen von Arnold Stadler, Bernardin Schellenberger, Ann-Kristin Rink, Georg Magirius, Uwe Kolbe, Manuela Fuelle und Amet Bick. Lektorat: Dr. Esther Schulz und Jochen Fähndrich. Die nächste Tour der Reihe GangART gibt es im Herbst 2019.

Posted in Spirituelle Wanderungen | Tagged , , , , | Leave a comment

Friedenstage im akustischen Vakuum

Bärbel Bähr-Kruljac - Am Lutherplatz Ludwigshafen“Vielleicht ist Stille mehr als die Abwesenheit von Lärm, nämlich die Anwesenheit von etwas ganz Anderem.” Das sagen die Religionspädagogin Bärbel Pfarrerin Susanne Schramm - Am Lutharplatz LudwigshafenBähr-Krujac und die Pfarrerin Susanne Schramm über das Projekt “Stille in der Stadt” vom 13. bis 26. Mai in Ludwigshafen. Die Ideengeberinnen und Organisatorinnen von der evangelischen Stadtkirchenarbeit öffnen, kündigen sie an, “Inseln der Stille mitten in der Stadt und im eigenen Leben”, die auf experimentelle Weise “unserer Stadt und uns selbst zu mehr Tiefe” verhelfen.

Das Salz der Stille

Mitten in der Fußgängerzone warten in einem Zelt Liegestühle, dank denen sich ins Bunte und Laute des Lebens bewusst Momente der Leere enflechten lassen.Klanglesung mit Miroslava Stareychinska und Georg Magirius In der Melanchthonkirche wird in “lustvoll-konzentriertem Schweigen” ein mehrgängiges Menü eingenommen, sodass “Salziges und Süßes sich in einem akustischen Vakuum entfalten” kann. Außerdem gibt es Filme, Straßenexerzitien, Kirchenführungen, Qigong am Rhein, Taizégebete, Bilderschreiben und Schriftmalen, Klangreisen, Museumsführungen zur Farbe und Lesungen aus dem “Geschenk des Judentums an die Weltliteratur”, den Psalmen.

Frappierend friedvoll

Zum Abschluss von “Stille in der Stadt” am 26. Mai 2019 um 17 Uhr ist in der Melanchthonkirche der “Klang der Stille” mit dem evangelischen Theologen Georg Magirius und der Harfenistin Miroslava Stareychinska zu hören. Ausgerechnet Worte und Klänge werden es dann sein, die die Tür öffnen zu einem frappierend friedvollen Zustand stiller Geborgenheit.

Das Programm von “Stille in der Stadt” findet sich hier. Am 28. Juni 2019 erscheint im Herder Verlag das von Georg Magirius herausgegebene Buch “Stille erfahren” mit Beiträgen von Arnold Stadler, Bernardin Schellenberger, Ann-Kristin Rink, Georg Magirius, Uwe Kolbe, Manuela Fuelle und Amet Bick. Lektorat: Dr. Esther Schulz und Jochen Fähndrich.

Posted in Stille | Tagged , , , , , , | Leave a comment

Variationen zur Gesundung der Benachteiligten

“Oftmals sind es die Benachteiligten und Verspotteten, die außergewöhnliche Visionen vom Frieden haben. Sie sind stark, weil sie ihre Schwäche für die Gerechtig­keit nicht ablegen können.” Das hat der evangelische Theologe und Schriftsteller Georg Magirius im Bayerischen Rundfunk am Ostermontag, den 22. April 2019 gesagt. Seine auf Bayern 2 Radio ausgestrahlte Sendung “Eigenwillige Propheten” ist kostenfrei zu hören >> hier. Das Manuskript >> hier. Redaktion: Wolfgang Küpper, Sprecher: Birgitta Assheuer, Moritz Stoepel, Ton: Philipp Balzereit. Die Musik der Sendung stammt unter anderem von Arvo Pärt (Variationen zur Gesundung von Arinuschka, Fratres) und Peter Janssens (Lesung aus Ezechiel).

Posted in Allgemein | Tagged , , | Leave a comment

Ein Traum vom Sommer ohne Rasenmähen

Hubert - Sommergäste - edition überland - Grafik von André MartiniWie wäre das, wenn man noch einmal ganz anders leben könnte? Dann behielte man, was einem Orientierung gibt. Sagte aber Nein zu dem, was einschränkt und beschränkt.

Faible für Birnbäume

Von solch einer Verwandlung handelt die in der edition überland veröffentlichte Erzählung „Sommergäste“ von Barbara Handke. Im Mittelpunkt Hubert, 31. Er arbeitet bei der Post, steht um vier Uhr morgens auf. Und am Nachmittag und Abend unterstützt er seine Mutter, die eine Pension betreibt. Gerade damit ist er aber nicht recht im Reinen. Zu oft hat er den Rasen zu mähen, ständig gilt es Gäste zu grüßen. Lieber ginge er häufiger angeln, kletterte im Birnbaum herum. Oder führe mit Vera, einem der Gäste, ans nahe Meer: „Sie ist nett, aber dumm, und ich freue mich schon, wenn sie ihren Bikini anzieht.“

Fahrrad mit Rückspiegeln

Allerdings ist Vera verheiratet. Hubert ist oft sehr direkt, dann wieder umständlich und zögerlich. Er kann sehr gut rechnen, hat die Geburtsdaten und Adressen sämtlicher Gäste im Kopf und ein Faible für komplizierte Wörter. Weshalb er aber noch lange nicht der zu der einseitig kognitiv ausgerichteten Spezies Mann gehört, die Probleme damit hat Gefühle zu haben oder sie zu zeigen. Hubert hat fast kindlich große Wünsche! Da ist der Traum von einem blauen Fahrrad mit Rückspiegeln. Oder der in einer kleinen Hütte im Wald mit einem Hund zu leben. Und sein Freund wohnt in einer anderen Hütte im Wald, „sodass wir uns immer besuchen können.“

Wider die Lebensverkleiner

Barbara Handke - Foto (c) von Kristin Stock, LeipziIndem Barbara Handke (Foto: Kristin Stock) die Geschichte eines Sommers aus der Sicht von Hubert erzählt, sagt sie auf raffinierte Weise Nein zu all jenen, die sich von nicht ganz fügsam wirkenden Menschen zum Herumdoktern herausgefordert fühlen: Psychologinnen, Aktions-Journalisten mit Sinn für die sogenannten weichen Faktoren des Lebens, Medizinerinnen, Soziologen und Pädagoginnen fürs Soziale. Sie küren einen sich vom Grau abhebenden Menschen gern zum Gegenstand ihres wohlmeinenden Interesses. Sie verteidigen oder problematisieren ihn, wollen ihm fortlaufend helfen, ihn besser verstehen lernen, wie sie sagen. Und dank ihres systemischen Blicks aufs angespannte Geflecht der Gesamtsituation zur Entlastung und Optimierung des Hilfsobjekts beitragen.

Feierabend

Dabei ist Hubert einfach „ein bisschen anders als andere“, sagt seine Mutter: „normal, aber eben anders“. Worin aber besteht das Andere? Dass Hubert an seinem Lebensziel festhält. Er wünscht, immer wenn er mit seiner Arbeit bei der Post fertig ist, „dass ich Feierabend habe und machen kann, was ich will.“ Barbara Handkes Erzählung “Sommergäste” hat die Kraft, im Leser die Sehnsucht nach Freiheit wach zu halten und vielleicht sogar eines Tages so normal und ein bisschen anders zu werden wie Hubert.

Barbara Handke, Sommergäste. Erzählung, Hardcover, Gestaltung: André Martini, 144 Seiten, ISBN 978-3-948049-01-0, 18 Euro, edition überland, Leipzig 2019.

Posted in Allgemein | Tagged , , , | Leave a comment

Du und ich – mehr nicht: Zum 65. Geburtstag von Arnold Stadler

Arnold Stadler wird 65 Foto von Georg MagiriusWas ist es, das seinem Schreiben solch ungewöhnliche Resonanz beschert? Die Romane von Arnold Stadler, der am 9. April 2019 seinen 65. Geburtstag begeht, erreichen mehrere Auflagen. „Die Menschen lügen. Alle“, seine Übertragung biblischer Psalmen ins Deutsche, befindet sich sogar in der 14. Auflage. Dem Schriftsteller, der ursprünglich Theologie studiert hat, ist mit dem Georg-Büchner-Preis die im deutschsprachigen Raum renommierteste literarische Auszeichnung verliehen worden. Dazu hat er viele weitere Preise erhalten. Zu seiner Promotion in Germanistik gesellt sich eine Ehrendoktorwürde in Theologie.

Doppelter Doktor und Ehrenbürger

Und nun gilt der Prophet auch noch in seiner nächsten Umgebung etwas. Aus Anlass seines Geburtstags wird Stadler doppelter Ehrenbürger, nämlich von Meßkirch, wo er geboren und zur Schule gegangen ist. Und von Sauldorf, zu dem Rast gehört. In diesem Dorf ist er aufgewachsen und lebt dort auch heute noch, wenn er sich nicht gerade in Sallahn im Wendland oder in Berlin befindet. Im Meßkircher Schloss werden vom 12. bis 14. April 2019 auf einem Symposion Germanisten, Historiker und Theologen durch seine Werklandschaft spazieren. Ein Film von Anita Eichholz über ihn ist zu sehen. Und so unterschiedliche Kollegen wie Martin Walser, Gaby Hauptmann oder Andreas Maier lesen an einem Abend aus ihren Werken.

Stille

Warum aber ruft sein Werk denn nun dieses Echo hervor? Es dürfte damit zu tun haben, dass der Grund von Arnold Stadlers Schreiben einen überraschend anderen Charakter als ein vielstimmiges Symposion hat. Es kommt auch nicht aus seiner ungewöhnlichen Begabung zum Geselligen – wenigstens nicht allein. Stattdessen gründet es in der Stille, die manchmal so etwas wie Einsamkeit oder sogar Isolation sein kann. Oder nein! Genau genommen handelt es sich um eine Form der Stille, die eine höchst intensive, aber intime Form der Begegnung ist.

Hören

Sie lässt Schönheit erfahren. Vor allem Schreiben war bei ihm das Hören – etwa in der Heiligen Messe oder vor dem offenen Grab.  Auf Latein hörte der ministrierende Junge Worte der Heiligen Schrift, hat er im Hessischen Rundfunk einmal erzählt. Das Gesagte habe er nicht verstanden, aber gerade dadurch mehr erkannt, weil ein Nicht-Verstehen viel tiefer gehen könne als ein Verstehen-Wollen, das die Sprache zu einer Transportmaschinerie von Informationen degradiere. Eher ging es bei dieser Spracherfahrung um Sehnsucht, die sich wie Erfüllung anfühlt.

Ein Buch und zwei Augen

Das kann auch beim Lesen möglich werden. „Es ist wie bei der Liebe. Du und ich. Ein Buch und zwei Augen. Mehr nicht“, schreibt Stadler in seiner im Juni 2019 bei Herder erscheinenden Veröffentlichung über Stille. Sie sei für ihn allerdings nicht über ein High Tech Gerät erfahrbar, in dem alle Bücher der Welt abrufbar seien. Stattdessen ist es etwas Leises, fast Abwegiges, „etwas Einsames, Großes.“

Grundlegendes

Aus diesen Zeiten der Abkehr und Einkehr entfaltet sich sein Schreiben. Dass er auch abseits des Verlages veröffentlicht, in dem seine Romane auflagenstark erscheinen, irritiert daher kaum. Gerade auch dieses weniger bekannte Terrain seines Schreibens ermöglicht einen starken Zugang zu seinem Werk. Denn es führt dorthin, wo es immer wieder seinen Anfang nimmt: in einer Intimität, die zuweilen an ein Gebet erinnert. Auch wenn das in den Augen mancher womöglich als vernachlässigbar gilt, als nicht nachvollziehbar exzentrisch, zu leise, nebensächlich, peinlich, fromm oder provinziell, so handelt es sichArnold Stadler in Sallahn Foto von Georg Magirius dabei jedoch um eine Berührung mit dem Grundlegenden.

Provinz und Welt

So hat Stadler den Essay “Da steht ein großes JA vor mir” über die Verhüllung eines Kruzifixes in einer Kirche veröffentlicht. Oder ein Buch über den Maler Jakob Bräckle, in dem sich eine erschütternde Annäherung an dessen Absteigen in die unkontrollierbare Tiefen der Stille findet. Und in dem Fotoband „Pfrunger-Burgweiler Ried“ von Wolfgang Veeser schreibt Stadler, dass der Mensch das Wort “Provinz” wie früher der Teufel das Wort “Weihwasser” fürchte. Doch in Zeiten der Globalisierung, Vernetzung und Verstrickung gebe es keine Provinz mehr. „Sondern nur Welt. Das Wort ‚Provinz‘ hat ausgedient, wer das noch nicht gemerkt hat, ist tatsächlich provinziell.“

Posted in Arnold Stadler, Stille | Tagged , , , , , , | Leave a comment

Die Liebe des Verräters

Judas Ischariot - Christopher Herrmann Moritz StoepelDer wohl berühmteste Verräter der Weltgeschichte hat Jesus im Grunde genommen gar nicht verraten, sondern aus Liebe gehandelt. Diese Erkenntnis ist der erregende Pulsschlag, mit dem der Schauspieler, Stückefinder und  Theatererfinder Moritz Stoepel die Geschichte von Judas Ischariot auf die Bühne bringt. Zu sehen ist sie am 6. April 2019 in Limburg, am 11. April 2019 in Frankfurt am Main und am 12. April 2019 in Wiesbaden. “Das Stück ist keine distanzierte Betrachtung einer alten Zeit”, sagt Stoepel. ”Das wäre auch gar nicht möglich. Denn dafür gibt es zu viele Parallelen mit dem Heute.” Da seien Gewalt, Unterdrückung, die Besetzung von Ländern und des eigenen Willens durch andere - aber auch der Wunsch, sich aus der Fremdbestimmung zu befreien. Darauf habe Judas gehofft, als er sich der Gruppe um Jesus anschloss. “Dann allerdings hat er nicht verstanden: Warum tut Jesus auf einmal nichts mehr? Gerade er, auf den er so viel Hoffnung gesetzt hat und der vor kurzem doch noch die Händler aus dem Tempel gejagt hatte.”

Judas in Hessen

Lebendig werden auf der Bühne die Tage vor der Kreuzigung Jesu, die letzten Stunden des Judas. Er denkt noch einmal an seine Zeit mit Jesus, an Hoffnungen, Visionen und Niederlagen. Verwoben ist der Monolog des Judas mit Gedichten und Prosatexten von Mahatma Gandhi, Walter Jens, Pinchas Lapide, Hans Küng, Franz Alt, Hilde Domin, Rainer Maria Rilke, Hermann Hesse, Erich Fried. Der Komponist und Multiinstrumentalist Christopher Herrmann begleitet Moritz Stoepel mit einer poetischen Bühnenmusik, die Emotionen und Atmosphäre aufnimmt und mit den Texten verschmelzen lässt.

“Judas. Verrat? Liebe!“, 6. April, 19:30 Uhr, Limburg, St. Hildegard, Tilemannstr.7
Karten an der Abendkasse, Eintritt 15 Euro – 11. April, 19:30 Uhr – Frankfurt-Eschersheim, Ev. Andreasgemeinde – 12. April, 19 Uhr, Wiesbaden-Erbenheim, Pluspunkt

Posted in Moritz Stoepel | Tagged , , , , , | Leave a comment

Drei Hilfestellungen fürs Abschiednehmen

Abschiede kommen im Leben oft vor, schreibt Stephan Linden in der Osterausgabe 2019 von „Wir“, der Zeitschrift der katholischen Pfarrgemeinschaft Solingen-West. Und er verweist auf das in der Edition Chrismon veröffentlichte Buch „Abschied“ von Georg Magirius: „Wir verreisen, verändern unsere Lebensgewohnheiten, trennen uns, verlieren Menschen, die uns wichtig waren.“ Eigentlich müsste man geübt sein im Abschiednehmen, dennoch entstünden dabei Situation, „die uns hilflos machen“.

Befreiendes Erzählen

Das also könne eine erste Hilfestellung sein: Sich klar machen, dass Abschiede nichts vom Leben Isoliertes seien. Die eigene Hilflosigkeit sich zuzugestehen, sei eine zweite hilfreiche Annhäherung ans Abschiednehmen. Und der dritte Tipp? Nicht alle Hoffnung auf konkrete Handlungsanregungen setzen. Stephan Linden schreibt: „Georg Magirius hat bewusst keinen Ratgeber dafür zusammengestellt, wie man das Abschiednehmen in den Abschied - edition chrismonGriff bekommt, sondern eine vielgestaltige Geschichten-Auswahl getroffen. Auf befreiende Weise erzählen die Abschiedsgeschichten vom Umgang mit der Vergänglichkeit. So entstand ein so kurzweiliges, wie auch besinnliches kleines Lesebuch, das man gerne selber liest und verschenkt.“

Georg Magirius (Hg.), Abschied. Geschichten von Loslassen und Neuanfangen. Die Anthologie vereint 15 Erzählungen von Autorinnen und Autoren wie Siegfried Lenz, Elke Heidenreich, Robert Gernhardt, Ulla Hahn, edition chrismon, Leipzig, ISBN: 978-3-96038-083-2, 15 Euro, Lektorat: Annegret Grimm.

Posted in Abschied | Tagged , , , , | Leave a comment

Ist Jesus ein Plagiator?

Jesus habe eine wunderbar neue Botschaft gebracht, sagen viele Christen: die Liebe. Doch sein berühmtes Liebegebot hat Jesus übernommen, schreibt der evangelische Theologe und Schriftsteller Georg Magirius in seinem Beitrag „Das alte Buch der Christen“ vom 15. Januar 2019 in der Evangelischen Wochenzeitung „Unsere Kirche“. Freimütig gibt Jesus seine Quelle an: Er zitiert das Gebot der Gottesliebe und der Nächstenliebe aus dem Buch Deuteronomium beziehungsweise dem Buch Leviticus aus der jüdischen Thora, heißt es im Markusevangelium.

Vorläufer der Feindesliebe

Etwas anders verhält es sich mit dem Gebot der Feindesliebe aus der Bergpredigt. Dem Evangelisten Matthäus zufolge unterscheidet sich Jesus damit von den Alten, die zur Nächstenliebe und zum Feindeshass aufgerufen hätten. Tatsächlich ist Jesu Gebot der Feindesliebe kein Zitat. Dennoch lässt sich in der Thora Vergleichbares entdecken. So findet sich im Buch Leviticus das Gebot, den Fremden zu lieben wie sich selbst. Und im Buch Exodus heißt es, dass man den Esel seines Widersachers nicht im Stich lassen solle, wenn man ihn unter seiner Last liegen sehe. Stattdessen solle man beiden aufhelfen.

Posted in Allgemein | Tagged , , | Leave a comment

Als die Ferien endeten, begann die Liebe

Liebesgeschichten in GerolzhofenBildhaft, mit Wortwitz und musikalischer Feinheit haben sich die Harfenistin Miroslava Stareychinska und der Schriftsteller Georg Magirius dem Thema aller Themen genähert. So urteilt der Redakteur Dominik Dorsch in seinem Beitrag “Harfenmusik und Liebesgeschichten” im Schweinfurter Tagblatt vom 18. März 2019 über die Klanglesung in der Evangelischen Erlöserkirche in Gerolzhofen, bei der “das Publikum den Akteuren reichlich Beifall” spendiert habe.

Die erste Liebesgeschichte der Welt

Traumhaft schlägt das Herz der Liebe“Es geht um die Liebe – vor allem um die aus der Bibel”, zitiert Dorsch Günther Klöss-Schuster, Dekan des Dekanats Castell, der die Klanglesung eröffnete. So habe auch die “erste Liebesgeschichte der Welt” nicht gefehlt. “Diese handelte von Adam und Eva, die sich aus ihrer paradiesischen Ferienclubanlage verabschiedeten, um die wilde Freiheit des Alltags zu entdecken. Passend ausgewählte Harfenmelodien, gespielt von Miroslava Stareychinska, aus hochanspruchsvollen Stücken umrahmten die Lesungen und verliehen den Texten musikalischen Nachdruck.”

Georg Magirius, Traumhaft schlägt das Herz der Liebe – ein göttliches Geschenk, mit vielen farbigen Abbildungen von Marc Chagall, Lektorat: Heribert Handwerk, Echter Verlag Würzburg, 14,90 Euro. 978-3429035853.

Posted in Allgemein | Tagged , , | Leave a comment

Die Blüte des Einfachen

Elisabethpfad - Maibacher Schweiz - Foto von Georg Magirius

Schritt für Schritt Ballast abwerfen und mit Leichtigkeit durchs Leben gehen: Darum geht es bei der Spirituellen Tageswanderung der Reihe GangART am Samstag, 11. Mai 2019 im Taunus. (Rückblick mit Fotos >>> hier). Die Tour steht unter dem Motto “Die Blüte des Einfachen”. Die Leitung hat der Theologe und Schriftsteller Georg Magirius, Autor des Buches “Vom Reichtum des einfachen Lebens”. Die Wanderung verläuft von Usingen-Eschbach nach Brandoberndorf auf einem Pilgerweg, der an Elisabeth von Thüringen erinnert. Sie hat im 13. Jahrhundert in Eisenach und in Marburg gelebt und ihr Leben Kostbarkeiten gewidmet, die sich unabhängig von Geld, Erfolg und Ruhm entdecken lassen.

Durch die Maibacher Schweiz

Männertreu auf dem Elisabethpfad - Foto von Georg MagiriusDie Länge der Tour beträgt 14 Kilometer, die reine Gehzeit 4 Stunden. Die Gruppe bildet sich für die Tour neu, geht zum ersten Mal. Der Weg führt über die weiten Hochebenen von Eschbach und Bodenrod, durchstreift in den Wäldern ausgedehnte Männertreu-Inseln. Und dann wird auch noch die gesamte Schweiz durchquert. Gemeint ist die Maibacher Schweiz, die in einem dichten Beieinander schroffe Felsen, berauschende Bäche und stille Waldtäler erleben lässt. Trotz des alpinen Namens dieser Landschaft lassen sich die gelegentlichen Steigungen überwiegend als sanft bezeichnen.

Möglichkeit zur Anmeldung

Weggabelung auf der Höhe Bodenrod - Foto von Georg MagiriusDas Gehtempo ist ruhig, es werden Pausen eingelegt. Ein Abschnitt wird bewusst schweigend gegangen. Startpunkt ist der Bahnhof in Usingen, Es wird bei Sonne gegangen, es wird bei Regen gegangen. Ausgangspunkt Usingen und Endpunkt Brandoberndorf sind mit dem Nachverkehr erreichbar. Gemeinsame Anreise mit dem Zug ist nach Absprache möglich u.a. von Frankfurt-Höchst, Frankfurt Hbf, Seligenstadt, Gießen, Bad Homburg. Ein Platz für die Wanderung ist gebucht nach Überweisung der zehn Euro Teilnahmegebühr. Die Teilnehmerzahl ist aufgrund des spirituellen Charakters der Tour begrenzt. Für Fahrtkosten und eine eventuelle Einkehr kommen die Teilnehmenden selbst auf. Anmeldung bzw. Informationen direkt bei Georg Magirius: mail@georgmagirius.de - 0176-29402322.

Die Reihe GangART

In deVom Reichtum des einfachen Lebens - Lektorat: Dr, Marc Kerlingr Reihe GangART leitet Geog Magirius regelmäßig Spirituelle Tagestouren. Bei bislang 41 Wanderungen durch Rhön, Odenwald, Steigerwald, Haßberge, Fränkisches Weinland, Spessart, Schwarzwald und Taunus nahmen mehr als 900 Pilgerinnen und Wanderer teil. Die Tour “Die Blüte des Einfachen” am 11. Mai 2019 ist angeregt von Magirius’ Buch “Vom Reichtum des einfachen Lebens”, das unter dem Lektorat von Dr. Marc Kerling im Grünewald Verlag veröffentlicht ist, außerdem von dem im Herder-Verlag erschienenen und von Dr. Esther Schulz lektorierten Pilgerbuch “Schritt für Schritt zum Horizont“.

Posted in Spirituelle Wanderungen | Tagged , , , , , , | Leave a comment