Frei, exzentrisch und voller Demut

Unabhängig zu sein und frei – das wünschen sich viele. Nur droht dabei nicht die Gefahr von Einsamkeit? Lassen sich Gemeinsinn und Exzentrik überhaupt verbinden? Mit der Schriftstellerin Manuela Fuelle hat Georg Magirius über diesen Konflikt für die Sendung Religionen in Deutschlandfunk Kultur vom 24. Juni 2018 gesprochen. Fuelle ist freie Autorin. Sie arbeitet aber ausgerechnet in der Kirche, in der oft von Demut und Sich-Einfügen die Rede ist. Das Manuskript zur Sendung lesen. Den Radiobeitrag hören. Redaktion: Dr. Francoise Weber.

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Vaterglück

Wie gelangt man dorthin, wo man sich ganz und gar aufgehoben fühlt? Darum geht es in dem Roman „Wo ist Norden” von Barbara Handke. Das Buch allerdings verweigert jede Antwort. Und diese Weigerung liest sich so verstörend schön, dass man sich kurioserweise aufgehoben fühlen kann – in Barbara Handke Foto (c) www.woistnorden.dedieser Geschichte. Das Buch tritt nicht mit der Attitüde des Wissens auf, es rät und fordert nichts, sondern erzählt schlicht davon, wie sich eine Familie das große Glück zusammenzimmern will. Es ist in Mecklenburg, kurz nach dem Mauerfall. Die Grenzen stehen offen. Und alles scheint möglich zu sein.

Zuversicht

So beginnt die Familie ein Gutshaus zu renovieren. „Hinter dem maroden Zustand war zu ahnen, dass dies eigentlich das Paradies war“, sagt Niketsch, der Ich-Erzähler. Denn „trotz des unermesslichen Verfalls, trotz der überwältigenden Aufgabe hatte dieser Ort einen Zauber, der zuversichtlich machte. Irgendwie würde es schon werden, und indem sich die Wunden dieses Anwesens schlossen, würden auch wir heil werden und alles, was unstimmig war an unseren Leben, wäre wie weggeweht.“ Bald zieht Niketschs Bruder ein und dessen Frau (die anfangs Niketschs Freundin gewesen ist, nicht die des Bruders), dazu deren Kinder, schließlich auch noch seine Eltern.

Warten

Und Niketsch selbst? Er, der das Paradies entdeckte, ist häufig in dem Gutshaus, fühlt sich dort aber nicht wirklich zu Hause. Genauso wenig in seiner Wohnung, die „ein Depot“ war, „eine Wartungsstätte des Alltags“. Das ist die Ausgangslage der Geschichte. Und am Ende? Findet er einen Ort, an den er gehören konnte? Niketsch ist sich nicht sicher. Aber anders als sein Bruder ist er auch kein selbstgewisser Macher. Zwar fleißig, aber doch jemand, der lieber sucht und schaut und wartet und raucht. Und das Rauchen genießt er und denkt währenddessen daran, wieder einmal einen Anlauf zu nehmen, um mit dem Rauchen aufzuhören. Wobei das Wort Anlauf ein Tempo suggeriert, das dem Helden des Romans nicht eigen ist. Er geht lieber spazieren.

Schönheit

All das wirkt in den Augen derer, die unaufhörlich damit beschäftigt sind, die Welt erobern, bezwingen und beherrschen zu wollen, hilflos. Doch die angebliche Hilflosigkeit weist den Weg in eine Schönheit, die Wo ist Norden Coverfoto von Oliver Deckerdie Vertreter von Ausrufezeichen und Punkt übersehen. Mag Niketsch auch kein Macher sein, hat er doch den Mut für unerhörte Taten. Nämlich? „Wenn ich schon keine Antwort wusste, so konnte ich doch zumindest fragen“, konstatiert der Held, der so gar nicht heldenhaft im üblichen Sinne wirkt. Und den Auftrittsicheren spielend überlegen ist, weil er die Begabung zum Überlegen hat.

Unter Kürbissen

Er schaut, hört zu und erzählt den Kindern, die nicht seine sind, Geschichten. Damit widersetzt er sich den Immer-Zupackenden, die sagen: „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.“ Der Ich-Erzähler ist dieser Gesinnung müde. Und wird genau in diesem Augenblick hellwach, da er den Kindern tatkräftig hilft im Gewächshaus zu schlafen. „Wie viel schöner war es im Glashaus, im Kürbispflanzenreich mit seinen Schatten und Spinnen, in dem die Kinder Fragen stellten, die Erwachsenen nicht mehr einfielen.“

Vater

Niketsch tritt in das Zauberreich ein, in dem der Zwang zum Antworten ausgestorben ist. Dort lebt ein Fragen, das nicht weniger ist als das Ende aller Müdigkeit. Folgerichtig wird bis zum Ende des Romans auch die Frage nicht wirklich beantwortet, ob Niketsch nicht doch Vater ist. Der Vaterschaftstest sagt: Nein. Trotzdem wirkt er väterlicher als all jene, die ihr Elternsein als Auftrag verstehen, ihre Kinder schrittweise auszunüchtern und damit entwicklungspsychologisch abgestützt ihren Zauber zu vernichten. Der Erzähler dagegen wirkt wie jemand, der die Größe hat ein Kind zu sein. Und dadurch erwachsener ist als jene, die das Fragen und damit auch sich selber aufgegeben haben.

Zaubernuss

So spricht Niketsch oft (obwohl Mediziner, ein Naturwissenschaftler), wie es nur Kinder können. Oder auch Poeten, für die das Erzählen nicht nur am Schreibtisch geschieht: „Vor uns öffnete sich der See, der von Schneekristallen überzogen war, in die die Vögel ihre Schriftzüge liefen.“ Vogelleicht liest sich der Roman, dessen Titel „Wo ist Norden“ ohne Fragezeichen geschrieben ist. Bemerkenswert. Die Frage selbst könnte bereits die Antwort sein, womit der Roman doch noch eine Antwort gibt – und zwar die einzig mögliche: Sie verrät den Zauber nicht, weil sie die Frageform beibehält. Sie hat die unmessbare Größe eines Kindes. Und wirkt paradiesisch und unbeschwert, weil sie vom Glauben getragen ist, dass der Nussbaum “auch ohne uns in jedem Jahr seine Zaubernüsse in den Garten werfen” wird.

Barbara Handke, Wo ist Norden,  Roman, Lektorat: Kirsten Gleinig, BoD, Norderstedt 2018, 978-3-7460-6758-2. Weitere Informationen zum Buch >> hier.

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Prachtvolle Provinz

Amorbach - Foto von Georg MagiriusWie findet sich die Kraft zur Erneuerung? Dieser Frage geht eine Spirituelle Wanderung der Reihe GangART nach. Die Pilgertour verläuft am 8. September 2018 auf dem Fränkischen Marienweg von Miltenberg nach Amorbach im Odenwald. Die Leitung hat der Theologe und Schriftsteller Georg Magirius. Der Weg führt durch eine ruhige, nahezu abgeschiedene Landschaft. Ein längerer Abschnitt wird schweigend gegangen. So lässt sich erfahren, wie sich die Landschaft oft völlig unvermittelt wandelt.

Durchs Schnatterloch

Fränkischer Marienweg bei Miltenberg - Foto von Georg MagiriusWas sich im Alltag selbst mit großer Willensanstrengung kaum abschütteln lässt, kann auf diesem Weg einmal Schritt für Schritt zurückgelassen werden. Fortlaufend wandelt der Weg sich – und auch man selbst. Und dort, wo die wenigsten es vermuten, nämlich in der Abgeschiedenheit, zeigt sich das Leben prachtvoll. – Die Pilgertour beginnt am Bahnhof in Miltenberg, führt über den Main in die pittoreske Altstadt. In der Pfarrkirche Sankt Jakobus ist die Staffelmadonna zu sehen. Vor der Kirche der Hinweis: Noch 2577 Kilometer nach Santiago de Compostella. Die Tour folgt allerdings nicht dem Jakobsweg, sondern schlüpft durchs Schnatterloch in den Wald.

Nester des Widerstands

Reuenthal bei Amorbach - Foto von Georg MagiriusEs geht hinauf nach Monbrunn. Dort gibt es Hühner und Apfelbäume, aber sonst nicht viel, sofern man mit der Ereignislosigkeit des Ortes nicht protzen will. Weiter geht es nach Reuenthal, das über eine fast aufmüpfig zu nennende Eigenart verfügt. Nämlich? Es liegt an keiner Straße. Denn die Straße endet dort – nicht anders als im Nachbarort Monbrunn. So lässt sich sogar gleich von mehreren Nestern des Widerstands sprechen. Es sind Orte, in die die Sehnsucht offenbar münden kann, wo man sich aufgehoben fühlen kann. Ziel der Tour ist Amorbach mit seiner ehemaligen Benediktinerabtei.

Die Fakten

Schnatterloch in Miltenberg - Foto von Georg MagiriusDie Länge der Wanderung am 8. September 2018 beträgt 15 Kilometer, die reine Gehzeit etwa 4,5 Stunden. Das Gehtempo ist ruhig, es werden Pausen eingelegt. DerAusgangspunkt Miltenberg und der Zielort Amorbach sind mit dem Zug erreichbar. Gemeinsame Anreise ist nach Absprache möglich u.a. von Frankfurt, Offenbach, Hanau, Dettingen, Aschaffenburg. Der Platz gebucht ist nach Überweisung der Teilnahmergebühr von zehn Euro (Teilnehmerzahl begrenzt). Für Fahrtkosten und eine eventuelle Einkehr kommen die Teilnehmer selber auf. Anmeldung bzw. Informationen direkt bei Georg Magirius: 0176-29402322 – mail@georgmagirius.de

Die Reihe GangART

Die Tour ist angeregt von Magirius’ Buch “Frankenglück. 33 Orte zum Staunen und Verweilen”. Erschienen ist es unter dem Lektorat von Thomas Häußner im Würzburger Echter Verlag. In der Reihe GangART leitet Magirius regelmäßig Spirituelle Tagestouren. Bei bislang 39 Wanderungen nahmen insgesamt etwa 900 Pilgerinnen und Wanderer teil. Eine weitere Tour im Jahr 2018 gibt es am 18. August unter dem Motto “Sprühende Unendlichkeit” in der Rhön. Informationen >> hier.

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Grenzenlose Erfrischung

Tretstein - Foto von Georg MagiriusEine neue Spirituelle Wanderung der Reihe GangART hat eine grenzenlose Erfrischung zum Ziel – und das mitten im Sommer. Die Pilgertour am 18. August 2018 geht der Frage nach, was ermutigen kann, wenn man an Grenzen stößt. Geleitet wird sie vom Theologen und Schriftsteller Georg Magirius. Unter dem Motto „Sprühende Unendlichkeit“ führt der Weg zu einem mystischen Ort in der Röhn, der seine Kraft aus der Abgeschiedenheit erhält. Der Tretsteinwasserfall befindet in einem Taleinschnitt in der Nähe der Fränkischen Saale.

Die Fakten

Die Gruppe für die Pilgertour bildet sich neu. Die Wanderung ist 8 Kilometer lang, die reine Gehzeit beträgt etwa 2,5 Stunden. Es wird auch bei Regen gewandert. Ein Abschnitt wird schweigend zurückgelegt. Gräfendorf, Anfangs- und Endpunkt der Wanderung ist mit dem Zug erreichbar. Gemeinsame Anreise nach Absprache von Frankfurt, Hanau, Dettingen, Aschaffenburg aus möglich. Gebucht ist der Platz nach Überweisung der Teilnahmegebühr von 10 Euro (Teilnehmerzahl begrenzt). Informationen und Anmeldung direkt bei Georg Magirius, 0176-29402322, mail@georgmagirius.de

Die Tour ist angeregt von dem Buch “Frankenglück – 33 Orte zum Staunen und Verweilen” von Georg Magirius, das im Würzburger Echter Verlag erschienen ist. In der Reihe GangART bietet Magirius regelmäßig Spirituelle Wanderungen an. Bei bislang 39 Touren nahmen etwa 900 Pilgerinnen und Wanderer teil. Eine weitere Tour unter dem Motto “Die Kraft der Erneuerung” gibt es am 8. September 2018 im Odenwald – Informationen dazu >> hier.

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Das kurze Testament

Es ist die Bibel der Juden und der erste Teil der Heiligen Schrift der Christen, ein Buch mit großem Umfang. Lässt sich das Alte Testament auf den Punkt bringen? Georg Magirius hat es getan – mit einer knapp halbstündigen Sendung für den Bayerischen Rundfunk, die im August 2018 auch im Hessischen Rundfunk und im Norddeutschen Rundfunk ausgestrahlt wird. Die Sendung ist bis Mai 2019 kostenfrei hörbar >> hier. Das Manuskript lesen lässt sich >> hier. Die Texte der hebräischen Bibel werden seit Anfang an niemals nur stumm gelesen, sondern immer auch gesprochen, gerufen und musiziert. Sie ist eine klingende Schrift. Daher hat die Harfenistin Bettina Linck die Sendung musikalisch interpretiert.

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Zauberhafte Leseförderung

Biblische Liebesgeschichten mit Harfenklang im Haus am Dom - Foto von Monika ReuscherBüchereien werden immer mehr zu Pastoralen Räumen. Das hat Carola Güth, Leiterin der Fachstelle für Büchereiarbeit im Bistum Limburg, am 5. Mai 2018 im Frankfurter Haus am Dom gesagt. Anlass war die Dankeschönveranstaltung für ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, zu der mehr als 70 Engagierte aus Taunus und Westerwald, vom Rhein, Main und von der Lahn nach Frankfurt gereist waren (Fotos  von Monika Reuscher. Zum Vergrößern Bilder anklicken).

Kapuzenfrei

Gespräch im Haus am Dom - Foto von Monika Reuscher Laut Güth ist eine Bücherei kein Ort, an dem sich Sozialphobiker in Kapuzen mit Medienstoff eindeckten, um dadurch einmal mehr ihren persönlichen Rekord in Sachen Weltabgewandtheit brechen zu wollen. Selbst als Klischee habe die Vorstellung der Bücherei als einem Ort, an dem allenfalls geflüstert werden dürfe, abgedankt. Katholische öffentliche Büchereien böten die Möglichkeit, mit Menschen unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Konfessionen und Religionen in Kontakt zu kommen. Dazu seien sie ein Raum für außergewöhnliche Veranstaltungen, nicht selten die einzige Verbindung zur Kirche. Und es gebe eine Vielzahl an Projekten und Seminaren, die die Leselust förderten.

Große und kleine Helden

Letizia D'Amico Haus am Dom Foto von Monika ReuscherSo weckten Engagierte der Büchereiarbeit im Bistum Limburg die Lesefreude etwa innerhalb der Initiative „Wir sind LeseHelden“. Das Projekt ist gedacht für Kinder von vier bis zehn Jahren, die aus bildungsbenachteiligten Familien kommen. Die meist männlichen, mitunter jugendlichen Vorleser (die großen Helden) tauchen mit den Kindern (den kleinen Helden) in eine fantastische Geschichte ein. Nach dem Wiederauftauchen ist der Zauber nicht zu Ende. Die Geschichte wird gespielt, Gehörtes wird gemalt oder Gegenstände, die in der Erzälung vorkommen, werden durch Basteln begreifbar.

Bezaubernd und verzaubernd

Letizia D'Amico Georg Magirius Haus am Dom Foto von Monika ReuscherBei der Dankeschön-Veranstaltung im Haus am Dom wurden 17 Ehrenamtliche für insgesamt 340 Jahre Mitarbeit ausgzeichnet. Bei dem alljährlichen Dank kommt es stets zu einer Autorenlesung. So stellte 2017 Maja Nielson ihr Buch „Glaube versetzt Berge“ über Martin Luther vor. 2018 las Georg Magirius aus seinem Buch “Traumhaft schlägt das Herz der Liebe – ein göttliches Geschenk”. Er wurde, urteilt die Website der Fachstelle für Büchereiarbeit im Bistum Limburg, “auf be- und verzaubernde Art und Weise von Letizia D’Amico an der Harfe begleitet.”

Georg Magirius, Traumhaft schlägt das Herz der Liebe – ein göttliches Geschenk, mit vielen farbigen Abbildungen von Marc Chagall, Lektorat: Heribert Handwerk, Echter Verlag Würzburg, 14,90 Euro. 978-3429035853.

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Der Königsweg zum Genuss

Bettina Linck erklärt die Harfe - Foto von Sven Johannsen Als spirituelle Köstlichkeit hat das Main Echo vom 18. Mai 2018 die Biblische Weinprobe im Lohrer Pfarrheim St. Michael charakterisiert. Etwa 50 Teilnehmer erlebten, wie ungewöhnliche Lagen aufgetischt wurden: „Noahs spritziger Traumwein, Jesu edler Wunderwein, der feurige Pfingstwein und Solomos blumenreicher Weisheitswein“, heißt es in dem Bericht von Sven Luitpold. Die von Sigrid und Norbert Klüpfel vom Weingut Klüpfel ausgewählten Weine seien ein Element der Weinprobe gewesen, das nicht für sich alleine stand. Denn jeder Wein bildete “mit einer biblischen Erzählung und einem auf Wein und Erzählung abgestimmten Harfenstück einen ‘Dreiklang des Genusses’”.

Genuss ohne Verdruss

DieBiblische Weinprobe in Lohr - Foto von Buero Magirius Erzählungen präsentierte der Theologe und Schriftsteller Georg Magirius „unterhaltsam und auf lustig-lehrreiche Weise“. Erhellend etwa die Ausführungen über König Salomo und die biblische Anstiftung zur Daseinsfreude, gleichermaßen ein Königsweg zum Genuss: “Solomo, umgeben von 700 Haupt- und 300 Nebenfrauen, war nicht nur ein großer Liebhaber des weiblichen Geschlechtes, sondern auch ein großer Lehrer der Weisheit und Lebensfreude. Im Predigerbuch gibt er aus seiner Weisheit des Feierns heraus Tipps für einen Genuss ohne Verdruss.“ Neben Wein und Erzählungen bildete die Musik das dritte Element des Abends: „Furios, getragen und virtuos begleitete Bettina Linck auf der Harfe die Geschichten und Erzählungen”, urteilt das Main Echo. “Im zweiten Teil des Abends stellte sie ihr wunderbares Instrument vor und antwortete auf viele Fragen der Zuhörer.“

Die Biblische Weinprobe in St. Michael in Lohr wurde organisiert von Katja Seith und Daniela Sultan von der Pfarreiengemeinschaft 12 Apostel am Tor zum Spessart und Caroline Huber und Meike Röder von Herder Reisen. Die Leitung hatte Pfarrer Sven Johannsen. Fotos: Büro Magirius und Sven Luitpold.

Als „spirituelle Köstlichkeit“ hat das Main Echo vom 30. April 2018 die Biblische Weinprobe im Lohrer Pfarrheim St. Michael beschrieben. Etwa 50 Teilnehmer erlebten, wie ungewöhnliche Lagen aufgetischt wurden: „Noahs spritziger Traumwein, Jesu edler Wunderwein, der feurige Pfingstwein und Solomos Weisheitswein“, berichtet Main-Franken-Katholisch.de vom 19. Mai 2018. Die von Sigrid und Norbert Klüpfel ausgesuchten Weine selbst aber waren nur eine Farbe der Weinprobe, so das Main Echo weiter: Denn jeder „Wein bildet mit einer biblischen Erzählung und einem auf Wein und Erzählung abgestimmten Harfenstück einen ‚Dreiklang des Genusses‘.

Die Erzählungen präsentierte der Theologe und Schriftsteller Georg Magirius, so Main-Franken-Katholisch.de,unterhaltsam und auf lustig-lehrreiche Weise“. Erhellend etwa die Bedeutung Salomos: Er, „umgeben von 700 Haupt- und 300 Nebenfrauen, war nicht nur ein großer Liebhaber des weiblichen Geschlechtes, sondern auch ein großer Lehrer der Weisheit und Lebensfreude. Im Predigerbuch gibt er aus seiner Weisheit des Feierns heraus Tipps für einen Genuss ohne Verdruss.“

Die dritte Farbe der Weinprobe bildete die Musik: „Furios, getragen und virtuos begleitete Bettina Linck auf der Harfe die Geschichten und Erzählungen. Im zweiten Teil des Abends stellte sie ihr wunderbares Instrument vor und antwortete auf viele Fragen der Zuhörer.“

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Ja es ist möglich

Heute wäre Gabriele Wohmann 86 Jahre alt geworden. Michael Gratz würdigt in seiner Lyrikzeitung die 2015 verstorbene Autorin mit der Veröffentlichtung ihres Gedichts “Ja es ist möglich”.

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Zwei Wege zum Genuss

Auf dem Weg nach Karlstadt - Foto von Georg MagiriusWie finde ich Genuss? Indem ich mich auf Minimales konzentriere, wodurch ein Gefühl der Weite entsteht. Das ist das Ergebnis der Reise „Spirituell Wandern durch die Genusslandschaft Mainfranken“, die die Reihe GangART mit Herder Reisen im Mai 2018 veranstaltet hat. 20 Pilgerinnen  und Wanderer hatten sich in den Spessarort Lohr aufgemacht. Sie kamen von der Insel Föhr, der Schwäbischen Alb, der Mosel, aus St. Gallen, dem Emsland, Oberbayern, Hannover, Hessen, Baden, der Grafschaft Bentheim und Westfalen. In Lohr gerieten sie weder in urlaubstypischen Aktionismus noch legten sie sich in Liegestühle. Stattdessen brachen sie erneut auf, um sich unter Leitung des Theologen und Schriftstellers Georg Magirius eine Ruhe der besonderen Art zu erwandern.

Stetig und wandelnd

Durch den Buchenbach - Foto von Georg MagiriusSie gingen langsam und mit Pausen. Ihr Ziel? Keine Rekorde, sondern die Erkundung des Einfachen. Da war etwa der Weg zur Quelle, was freilich nicht als topographisches Unternehmen missverstanden werden sollte. Denn die Quelle des sich durchs Buchental schlängelnden Baches selbst erreichten und sahen sie nicht. Dafür spürten sie umso deutlicher, was die Quelle auf die Reise geschickt hatte: Sie gingen durch das Wasser hindurch. Und hörten sein Glitzern und schauten seinen Klang – so widersinng muss man das wohl formulieren, um das extravagante Konzert des Fließens, Plätscherns und Rauschens wenigstens ansatzweise mit Worten nahe zu kommen. Dennoch, es war schlicht Wasser. Ein stetes, sich durchs Gehen aber unaufhörlich wandelndes Klingen, das hellhörig machen kann für jenes Geheimnis, das mitunter als Quelle des Lebens bezeichnet wird.

Glitzernd und kichernd

Buchental bei Lohr - Foto von Georg MagiriusQuelle des Lebens – das ist natürlich auch nur ein Name unter unendlich vielen anderen, mit denen man sich dem Geheimnis nähern will, ohne dass es sich deshalb begreifen ließe. In der Hoffnung, das Geheimnis ergreifen zu können, werden deshalb zuweilen prächtige Kirchen und Paläste gebaut, mit Getöse und Gedröhn wird der Lebensgrund gefeiert, um ihn dann wieder mit einem bis zum Exzess getriebenen Ordnungssinn kanalisieren zu wollen. Doch der Quellgrund selbst lacht all die Kanalisationsarbeiten aus. Denn lässt sich die Kraft des Wasser wirklich fassen? So beunruhigt nicht wenige das Geheimnis des Lebens, das von alters her und für immer unerreichbar nah erscheint und erschütternd frei und fern. In der direkt am Buchenbach gelegenen Klosterkirche Mariabuchen saßen die Quellensucher still, in Ruhe und ohne Gedröhn vor einer geschnitzten, 23 Zentimeter kleinen Figur der Maria, auf deren Schoß ihr Sohn liegt, tot. Und der Buchenbach hört nicht auf glitzern und zu fließen und zu kühlen und zu kichern und zu trösten.

Der zweite Weg zum Genuss

Der Geschmack des Lebens Stilleweg bei Retzbach Foto von Georg Magiriuswird umso intensiver, je weniger man erreichen will. Und in Franken? Da erreicht man nichts. Das ist die Erkenntnis der zweiten Genusswanderung, die durch die Weinberglandschaft zwischen Retzbach und Karlstadt führte. Der fränkische Wellengang hat die Gnade, zu keinen Höchstleistungen anzustacheln. Die Landschaft kann ohnehin nicht besiegt, bestiegen und erobert werden. Sanft ist sie, niemals dramatisch und wirkt womöglich deshalb unbezwingbar. Man geht durch sie hindurch, ohne auf den Gedanken zu kommen, über sie hinwegtrampeln zu wollen.

Es gibt ein Leben ohne Audioguide

Rast an der Steinweinhütte bei Stetten - Foto von Georg MagiriusDie Gegend verführt dazu, sich im Weglassen zu üben. So ließen die Pilger immer wieder das Reden, gingen eine Stunde still, hörten das hochfliegende Lied der Lerche. Und auf dem Wiesenpfad grüßte das vom Regen der Nacht noch feuchte Gras, sodass sich seine Berührung noch viele Schritte später spüren und an den Schuhen sehen ließ. In der Steinweinhütte bei Stetten war Rast. Es war bei Kilometer sieben, als der Luxus ein Zuhause fand – und das mitten auf dem Weg. Brot wurde mit Blick in eine ungeheuer schöne Weite gegessen. Wieder war es still, keine Erklärung war nötig. Und klar schmeckte die Erkenntnis: Es gibt ein Leben ohne Audioguide. Denn die Landschaft sprach für sich.

Exzentrisch einfach

Und am Ende? Keiner der Gehenden saß allein. Und die Teller vor ihnen waren nicht leer, quollen aber auch nicht über. Denn im Café Schrödl in Karlstadt lag vor jedem der Weinbergspilger ein überschaubar flaches Gebäck, das sogenannte Schrödlhörnchen, immer eins auf einem Teller. Dennoch handelte es sich dabei um das Gegenteil von Uniformität. Sich auf dieses eine Gebäck zu beschränken, war ein der Exzentrik gewidmetes Mahl. Denn es war ein aus der Lust an der Gang durch die Reben bei Karlstadt - Foto von Georg MagiriusOriginalität geborener Verstoß gegen die verbreitete Sitte, im Café und auch sonst im Leben möglichst niemals etwas auszulassen.

Feierlich und langsam

Am Ende war nur noch dieses Hörnchen wichtig. Nach 13 Kilometern ruhigen Gehens wurde es gegessen – in feierlicher Langsamkeit. Rasant allerdings reagierten die Geschmacksnerven. Sie verkündeten es Gehirn, Körper, Seele, Geist und – wer weiß? – in diesem Augenblick der ganzen Welt: Du bist um dieses Hörnchens Willen heil.

Zugabe: Der Königsweg des Genusses

Die Reise „Spirituell Wandern durch die Genusslandschaft Mainfranken“ wurde einschließlich des Königsweges zum Genuss, der Biblischen Weinprobe, organisiert von Caroline Huber und Meike Röder von Herder Reisen und Georg Magirius von GangART. Die Reiseleitung hatte Meike Röder.- Die nächsten Tagestouren innerhalb der Reihe GangART: Am 18. August 2018 zum Tretstein-Wasserfall in der südlichen Rhön und am 8. September 2018 von Miltenberg nach Amorbach im Odenwald. Informationen dazu >> hier.

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Drei Tipps für eine bessere Kommunikation

Die Fähigkeit, manchmal überhaupt gar nichts zu sagen, kann zu einer besseren Kommunikation führen. Das behauptet der Theologe und Schriftsteller Georg Magirius im Logo Deutschlandfunk Deutschlandfunk in der Sendung “Am Sonntagmorgen” am 8. Juli 2018, 8.35-8.50 Uhr. Damit stellt er die oft als Allheilmittel gehandelte Empfehlung für eine bessere Verständigung in Frage, die lautet: “Reden, reden, reden. Wir müssen endlich reden!”

Kommunikationsmuster aufbrechen

In der Sendung “Hemmungslos still” argumentiert Magirius stattdessen mit einer Geschichte, in der die Lautlosigkeit zu einer außergewöhnlichen Verständigung führt. Erzählt wird von einer Frau, die als schweigsam gilt. Als zurückhaltend lässt sie sich jedoch nicht gerade charakterisieren. Im Kino schaut sie oft mehrere Filme hintereinander.Bettina Linck Deutsche Philharmonie Merck Konzertharfe Foto von Rüdiger Döls Bei einem Sommer-Open-Air-Festival begegnet sie einem Mann, der viele Worte von sich gibt, mit dem sie aber kein einziges Wort wechselt. Laut Magirius kann gerade solch eine vermeintliche Einbahnstraßen-Kommunikation festgefahrene Verständigungsmuster aufbrechen.

Bis zu 40 Tage Schweigen

Bei dem Festival bieten Bands und Künstler eine effektgeladene Show, dieser Mann tritt auf die Bühne, setzt sich, erzählt. Sonst nichts. Mehreren Berichterstattern zufolge begrenzt sich der Mann zwischen seinen Auftritten enorm, legt Schweigephasen von bis zu 40 Tagen ein. Womöglich deshalb trifft sein Erzählen die Kinoliebhaberin tief. Kurz darauf kommt es zu einer Entgrenzung: Zwischen beiden entsteht ein von ihr ausgehender Kommunikationsfluss, der sich fast schon als Verständigungsekstase bezeichnen lässt. Die Stille und ein über alle Maßen teures Parfüm spielen dabei eine wichtige Rolle.

Die drei Tipps auf einen Blick

Grenzenloses Erzählen, Stille und ein von einem kostbaren Geruch erfüllter Kommunikationsraum – das sind die Empfehlungen für eine bessere Verständigung aus Magirius’ Radioessay. Die Sendung ist angeregt von dem Buch “Traumhaft schlägt das Herz der Liebe – ein göttliches Geschenk.” Musikalisch interpretiert wird die Sendung von der Harfenistin Bettina Linck (Foto: Rüdiger Döls). Sie kommentiert die Argumentationen mit dem Lento aus der Sonate pour harpe von Liebesgeschichten der BibelGermaine Tailleferre,  mit Auf Matin aus der Etude de harp von Marcel Tournier und dem Moderato aus der Sonate in c-moll von Giovanni Battista Pescetti. Musikaufnahme: Robert Foede. Aufnahme: Anke Maria Adam (Funkhaus am Dornbusch). Die Redaktion der Sendung hat Frank-Michael Theuer.

Georg Magirius, Traumhaft schlägt das Herz der Liebe – ein göttliches Geschenk, mit vielen farbigen Abbildungen von Marc Chagall, Lektorat: Heribert Handwerk, Echter Verlag Würzburg, 14,90 Euro. 978-3429035853.

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