Vom Grüßen zum Küssen

Wie kommt es vom Grüßen zum Küssen? Wieso macht das Durchwursteln die Ehe schön? Und warum ist die Ofenkachel ein Zeichen der Liebe? Die Theologin und Buchhändlerin Karin Schatzmann beantwortet diese Fragen im Pfarrblatt 4 der römisch-katholischen Kirche Bern vom 6. Februar 2019, indem sie Bücher über die Liebe von Jürg Schubiger, Barbara Lukesch und Joachim Ringelnatz empfiehlt.

Der leichte Humor des Orients

Auch das Buch “Traumhaft schlägt das Herz der Liebe” von Georg Magirius mit Illustrationen von Marc Chagall empfiehlt sie: “Wie Adam und Eva, Simson und Delila, Salomo und der Königin von Saba, Jesus und dem Jünger, der ihn liebte, ergeht es auch liebenden Menschen in der heutigen Zeit: Leicht und mit Humor erzählt der Autor von der Liebe heute und verknüpft sie mit der orientalischen Erzählkunst der Bibel.” Die nächsten Lesungen von Georg Magirius aus dem Buch im Dialog mit dem Klang der Harfe: 14. Februar 2019 in Dinkelsbühl, 22.2. in Zeitz, 17. 3. 2019 Gerolzhofen, 26. 5. Ludwigshafen. Alle Liebes-Buchtipps von Karin Schatzmann von der Ökumenischen Buchhandlung voirol in Bern >> hier. Zum Buch “Traumhaft schlägt das Herz der Liebe” >> hier.

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Das Brüllen der Psalmen

Uwe Kolbe PsalmenUwe Kolbes Psalmen wollen oftmals eher brüllen statt singen, urteilt Georg Magirius in seiner Sendung “Fromme Lieder eines Atheisten” in der Reihe “Am Sonntagmorgen” im Deutschlandfunk vom 10. Febuar 2019. Die Gebete aus dem aktuellen Band des renommierten Lyrikers könnten trösten, weil in ihnen das Gestöber der Nacht eingefügt sei. “Sie sind streng gefügt, nüchtern. Und doch voller Sinnlichkeit, denn immer ist da die Lust am Klang der Sprache zu hören.” Die nächste Lesung von Uwe Kolbe aus “Psalmen”: 12. Februar 2019, 19.30, Offenbach, Stadtbibliohthek, in der Reihe “Vom Rühmen, Klagen und Bitten”. Die Leitung der Lesung hat Helma Fischer.

Das Manuskript der Sendung >>> lesen. Die Sendung jetzt kostenfrei hören. Redaktion: Frank-Michael Theuer. Ton: Juliane Stahnke. Harfe: Bettina Linck.

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Vom Verlieren und Genießen

Ulrich Dönnges Porträt Copyright Ulrich DönngesDas Geläufige ist nicht sein Gebiet. Ulrich Dönnges hat Anderes im Blick: das Seltene. Genau genommen ist es nicht nur selten, sondern sogar einzig, bislang noch nie erforscht – zumindest nicht in dieser Intensität.

Musik und Wort verschmelzen

Der promovierte Germanist und musikwissenschaftlich Kundige aus Tübingen widmet sich dem Dazwischen. In einer Welt, in der alles schon da gewesen zu sein scheint, ist er ein Pionier. Sein Werk „Musik in der Dichtung“ handelt davon, wie Musik in literarischen Texten dargestellt wird. Seine dreibändige Untersuchung sei damit keine Literaturgeschichte, schreibt Dönnges. Genauso wenig eine Musikgeschichte. Stattdessen gehe es darum, dass sich zwei Schwesterkünste treffen, „verschmelzen, sich befruchten und ein Neues bilden.“ Das Neue entdeckt der Autor etwa bei E.T.A. Hoffmann, bei Arthur Schnitzler, Hermann Hesse und Elfriede Jelinek. Eine Sternstunde dieser ganz eigenen Kunstform finde sich bei Thomas Mann. Das Verwandte, aber eben nicht Identische, werde dank Manns „Wortgewalt so zusammengeschweißt, dass Leser und Hörer nicht mehr eine Mischung disparater Teile wahrnimmt, sondern es entsteht ein gewaltiger Gesamteindruck“.

Ein vielfaches Vergnügen

Ulrich DönngesDie Dichtung werde – und das gelte nicht nur für Thomas Mann – durch die Musik bereichert, was beim Lesen zu einem vielfachen Vergnügen führe. Doch Dönnges‘ Verdienst ist es nicht allein, den Genuss zu fördern. Das würde seine Arbeit nocht nicht bemerkenswert machen. Schließlich finden Musik und Dichtung auch noch vielfach anders zusammen, viel direkter, zum Beispiel bei einem Chanson, in einer Oper, im Oratorium, einem Kunstlied oder Popsong. Also immer dann, wenn Musik und Dichtung gemeinsame Sache machen.

Das stets Fehlende

Doch für das Miteinander der beiden Geschwister, wie Dönnges sie vorstellt, ist das Fehlende konstitutiv – selbst in der beglückendsten Verschmelzung. Denn nie wird man in seiner Perspektive die Musik, die in die Literatur eingeht, in einem realen Sinne hören können. Zwar entsteht Neues, etwas Drittes. Aber doch bleibt die Dichtung stets Wort, mag sie sich durch ihr Darstellen von Musik auch verwandeln. Dichtung kann Rhythmus haben, kann klingen, man kann Wörter singen. Aber niemals ist das Beschreiben von Musik selbst Musik. Gerade durch diese Leerstelle aber gewinnt die staunenswerte Akribie, mit der Dönnges die zur Literatur gewordene Musik darstellt, etwas eigentümlich Poetisches. Denn selbst im höchsten Genuss des neu Entstandenen wird immer etwas fehlen. Das lässt Ulrich Dönnges’ Werk wahrhaftig werden. Es geht ihm um eine Schönheit, Musik in der Dichtung Buchcover Ulrich Dönnges Band zweidie erst gar nicht so tut, als ob sie den Verlust kaschieren wollte.

Ulrich Dönnges, Musik in der Dichtung. I. Teil: Das lange 19. Jahrhundert, ISBN: 978-3-927091-90-0, 24,80 Euro / Musik in der Dichtung. II. Teil: 1. Hälfte 20. Jahrhundert, 978-3-927091-92-4 24, 80 Euro / Musik in der Dichtung. III. Teil: 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts, 39.90 Euro – Knirsch Verlag Kirchentellinsfurt.

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Ein Abend für Gabriele Wohmann

Gabriele Wohmann Foto von Jule Kühn Rechte bei Georg Magirius Meisterin der Kurzgeschichte, deren absolute Herrscherin und unbestreitbare Königin – so urteilen große Zeitungen über Gabriele Wohmann. Am 21. Mai 2019 wäre sie 87 Jahre alt geworden. Deshalb liest die bekannte TV- und Radiosprecherin Birgitta Assheuer Meistererzählungen der 2015 in Darmstadt verstorbenen Schriftstellerin: am Samstag, 25. Mai, ab 17 Uhr in „Linie Neun“ in Griesheim auf Einladung des dortigen Kulturvereins.

Eine souveräne Frau

Birgitta Assheuer ist die gewiss geeignetste Stimme für den Festabend, weil sie immer wieder Erzählungen von Wohmann als Hörbuch und für den Hörfunk gesprochen hat. Die Geschichten in Griesheim stammen aus dem bei Aufbau veröffentlichten Band „Eine souveräne Frau“, für den der Journalist und SchriftstellerBirgitta Assheuer Foto von Eugen Sommer Georg Magirius Erzählungen aus fast sechs Schaffensjahrzehnten ausgewählt hat. Magirius, der noch weitere Bücher mit Wohmann veröffentlicht hat, wird den Abend moderieren.

Wider die Parolen

Zu erwarten ist ein Abend voll literarischer Raffinesse, Tiefgang und Komik. Gabriele Wohmann hat mit ihren Büchern und Fernsehfilmen ein Millionenpublikum erreicht, Bücher von ihr wurden in 15 Sprachen übersetzt. Gerühmt wird ihr Erzählen wegen der satirischen Schärfe und ihres fantastischen Beobachtungsvermögens. So kommen selbst winzige Aggressionen und Verletzungen, aber auch Glücksmomente der im Alltag angesiedelten Figuren zum Vorschein. Wohmann ist damit aktueller denn je, weil das Erzählen der entschiedenen Individualistin das Leben nie vereinfacht und sich allen Parolen widersetzt.

Überraschende Komik

Mit Hingabe hat sie von jenen erzählt, denen im Leben nicht alles glückt. Das allerdings klingt nie bitter, weil in ihren Büchern immer wieder eine überraschende Komik aufblitzt. Neben Birgitta Assheuer werden Mitglieder aus dem Vorstand des Griesheimer Kulturvereins Gedichte und Erzählungen Eine souveräne Frau von Gabriele Wohmann - Lektorat Dr. Angela DrescherWohmanns lebendig werden lassen. Die Pianistin Petra Miftaraj und die Flötistin Irene Mészár gestalten den Abend musikalisch. Initiiert und organisiert ist der Abend von Vera Alice Glöckner vom Märchenverein Karfunkel. – Fotos: Jule Kühn (Rechte bei Georg Magirius), Eugen Sommer.

Gabriele Wohmann, Eine souveräne Frau. Die schönsten Erzählungen, herausgegeben und mit einem Nachwort von Georg Magirius, Lektorat: Dr. Angela Drescher, 288 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, Aufbau Berlin.

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Liebesgefahr an der Romantischen Straße

Solenn Grand - HarfenistinDer Valentinstag ist herrlich schokoladenrosensüß, sind sich viele einig. Aber was, wenn er ausgerechnet in Dinkelsbühl gefeiert wird, das an der Romantischen Straße liegt und dazu laut Nachrichtenmagazin Focus auch noch die schönste Altstadt in Deutschland hat? Dann droht vor romantischen Superlativen die Liebe ins Irreale davonschweben. Um das zu verhindern, erzählen die französische Konzertharfenistin Solenn Grand und der Theologe und Schriftsteller Georg Magirius am Valentinstag 2019 in Dinkelsbühl Liebesgeschichten, die bei allem Zauber den Bodenkontakt wahren: „Harfe, Hochzeitsnacht und 7 tote Ehemänner“ ist der Abend in der St. Paulskirche in Dinkelsbühl überschrieben, zu dem das Evangelische Forum Westmittelfranken und die Volkshochschule Dinkelsbühl einladen.

Die Umwege der Liebe

Die Liebeshelden, die direkt aus der Bibel in die Gegenwart springen, gucken also nicht dauerverträumt, sondern haben Umwege, Gefahren und Prüfungen zu bestehen. Adam und Eva etwa sind in ihrem endlos wirkenden FKK-Cluburlaub so sehr mit der Langeweile konfrontiert, dass sie großen Hunger spüren – nach der wilden Freiheit des alltäglichen Lebens. Tobias Dinkelsbühl mit Georgskircheüberlegt bereits am Tag der Hochzeit, ob die Ehe mit Sara nicht ein Fehler ist. Sieben Mal war seine Braut bereits verheiratet, und alle Ehemänner starben in der Hochzeitsnacht. Rahel und Jakob hingegen haben es noch immer nicht zum ersten Rendezvous gebracht. Dabei verbindet beide die Begeisterung fürs Wasser! Nur verfehlen sie sich angesichts der Fülle an idyllischen Badestellen rund um Dinkelsbühl. Wo also könnte es zwischen ihnen funken? Im Wörtnitzbad, einem der letzten Flussbäder Bayerns? An einem der vielen Badeweiher rund um Dinkelsbühl? Oder im Freibad von Mönchsroth oder dem in Feuchtwangen?

Unerwartete Effekte

Inspiriert ist der Abend von Magirius‘ Buch „Traumhaft schlägt das Herz der Liebe“, über das Gabriele Wohmann, die Königin der Kurzgeschichte, urteilt: „Das Buch ist eine sehr geniale Idee, aus der sich ganz unerwartete Effekte ergeben, spannend-amüsant-originell und dabei zugleich sehr lehrreich.“ Solenn Grand, die den Abend musikalisch interpretiert, hat in Nizza, London und Frankfurt studiert. Liebesgeschichten und Bilder von Marc ChagallDie Konzertharfenistin spielte im Brasilian Symphonic Orchestra in Rio de Janeiro, an der Oper in Paris und zuletzt am Musiktheater im fränkischen Hof. Für ihr Solospiel wurde sie mit mehreren internationalen Preisen ausgezeichnet. Die Leitung der Konzertlesung hat Pfarrer Dr. Gerhard Gronauer.

Georg Magirius, Traumhaft schlägt das Herz der Liebe – ein göttliches Geschenk, mit vielen farbigen Abbildungen von Marc Chagall, Lektorat: Heribert Handwerk, Echter Verlag Würzburg, 14,90 Euro. 978-3429035853.

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Luxuskuchen gegen die Resignation

Wünsche der Künstler für NeuwiedKann ein frisches Hemd neue Hoffnung bringen? Wie gelingt es Engeln, Menschen auf Händen zu tragen? Und kann ein Kuchen ein Leben voller Luxus bescheren? Um die Erfüllung märchenhafter Wünsche geht es bei der ersten Lesung im neuen Jahr im Café Auszeit der Evangelischen Marktgemeinde in Neuwied, 28. Januar 2019, 20 Uhr. Die Konzertharfenistin Miroslava Stareychinska und der Theologe und Schriftsteller Georg Magirius entführen die Zuhörer ins Land der Märchen und der orientalischen Weisheit. Auf verzaubernde Weise zeigen sie: Die Kraft des Wünschens hilft auch heute noch.

Nuggets und Luxuskuchen

Café Auszeit NeuwiedGefeiert wird ein Abend gegen die Macht der Resignation. Angeregt ist er von Magirius’ Buch “Gute Wünsche aus der Bibel”. über das die Theologin, Schriftstellerin und Journalistin Amet Bick in “Die Kirche”, der Wochenzeitung für Berlin und Brandenburg, schreibt: “Georg Magirius liest die Bibel quer und stößt dabei wie ein flanierender Goldsucher scheinbar mühelos auf Nuggets.” Der Reichtum hat in Neuwied auch deshalb einen großen Auftritt, weil das Rezept für den Anti-Resignations-Kuchen verraten wird. Er verwandelt jegliche Form von Enttäuschung, Wut und Weltabwehr in Lebensgenuss und Gestaltungslust. Eintritt: 9 Euro. Die Leitung des Abends hat Pfarrer Werner Zupp.

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Die Rebellion der leisen Töne

Ständig scheint das Lebenstempo zunehmen. Um nicht abgehängt zu werden, gilt es, möglichst immerzu erreichbar sein. Die Harfenisten Miroslava Stareychinska und der Schriftsteller Georg Magirius setzen in einer Klanglesung am 22. Februar um 19 Uhr im Gemeindezentrum Luckenau in Zeitz bezaubernd leise Töne gegen das Gebot gegenwärtiger Aufgeregtheit.    Klanglesung mit Georg Magirius und Miroslava Stareychinska in Zeitz

Im Land der Stille

Dank der spirituellen Worte und Klänge wird der innere und äußere Lärm allmählich abgestreift. Und wie von selbst öffnet sich die Tür ins Land der Stille. Dort wartet ein Frieden, der unkündbar ist – und sei es nur für eine Stunde. Die international tätige Konzertharfenistin Miroslava Stareychinska spielte bei den Berliner Philharmonikern, dem Radiosinfonieorchester Stuttgart und im Opern- und Sinfonieorchester der Stadt Plowdiw, der europäischen Kulturhauptstadt 2019. Immer wieder ist sie als Jazzmusikerin zu hören, etwa mit der hr-Bigband,  den Red Hot Hottentots, mit Pablo Peredas oder der Bassistin Lisa Wulff.

Im Haus der Krimikracher

Evangelisches Gemeindezentrum Luckenau Foto von Matthias KeilholzDas evangelische Gemeindezentrum Luckenau hat im Burgenlandkreis und der Region Zeitz als Veranstaltungsort einen exzellenten Ruf. In ihm werden Hochzeiten, indische Abende, Geburtstage, Worte der Bibel und und andere dramatische Texte gefeiert. Zu erleben sind etwa das Geheimnis der dunklen Truhe, Krimikracher wie “Arsen und Spitzenhäubchen”  und nun eben die rebellische Macht der leisen Töne. Die Leitung des Abends hat Pfarrer Matthias Keilholz. Fotos: Rüdiger Döls, Matthias Keilholz, Simon Zimbardo. Plakatgestaltung: Dr. Daniel Thieme.

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Gabriele Wohmann
Ein netter Kerl
(1978)
Ich habe ja so wahnsinnig gelacht, rief Nanni
in einer Atempause. Genau wie du ihn be-
schrieben hast, entsetzlich.
Furchtbar fett für sein Alter, sagte die Mutter.
Er sollte vielleicht
Diät essen. Übrigens, Rita,
weißt du, ob er ganz gesund ist?
Rita setzte sich gerade und hielt sich mit den
Händen am Sitz fest. Sie sagte: Ach, ich glaub
schon, daß er gesund ist. Genau wie du es er-
zählt hast, weich wie ein Molch, wie Schlamm,
rief Nanni. Und auch die Hand, so weich.
Aber er hat dann doch auch wieder was Liebes,
sagte Milene, doch, Rita. ich finde, er hat was
Liebes, wirklich.
Na ja, sagte die Mutter, beschämt fing auch sie
wieder an zu lachen:
recht lieb, aber doch
gräßlich komisch. Du hast nicht zuviel ver-
sprochen. Rita, wahrhaftig nicht. Jetzt lachte
sie laut heraus. Auch hinten im Nacken hat er
schon Wammen, wie ein alter Mann. rief Nan-
ni. Er ist ja so fett, so weich, so weich. Sie
schnaubte aus der kurzen Nase, ihr kleines
Gesicht sah verquollen aus vom Lachen.
Rita hielt sich am Sitz fest. Sie drückte die Fin-
gerkuppen fest
ans Holz.
Er hat so was Insichruhendes, sagte Milene.
Ich find ihn so ganz nett. Rita, wirklich, komi-
scherweise.
Nanni stieß einen winzigen Schrei aus und
warf die Hände auf den Tisch; die Messer und
Gabeln auf den Teller klirrten.
Ich auch, wirklich, ich find ihn auch nett,
rief sie. Könnt ihn immer ansehn und mich
ekeln.
Der Vater kam zurück, schloß die Eßzim-
mertür, brachte kühle nasse Luft mit herein.
Er war ja so ängstlich, daß er seine letzte
Bahn noch kriegt, sagte er. So was von ängst-
lich.
Er lebt mit seiner Mutter
zusammen
, sagte Rita.
Sie platzten alle heraus, jetzt auch Milene.
Das Holz unter Ritas Fingerkuppen wurde
klebrig. Sie sagte: Seine Mutter ist nicht ganz
gesund, soviel ich weiß.
Das Lachen schwoll an, türmte sich vor ihr
auf, wartete und stürzte sich dann herab, es
spülte über sie weg und verbarg sie lang genug
für einen kleinen schwachen Frieden. Als er-
ste brachte die Mutter es
fertig, sich wieder zu
fassen.
Nun aber Schluß, sagte sie, ihre Stimme zit-
terte, sie wischte mit einem Taschentuch-
klümpchen über die Augen und die Lippen.
Wir können ja endlich mal von was anderem
reden.
Ach, sagte Nanni. Sie seufzte und rieb sich den
kleinen Bauch, ach ich bin erledigt, du liebe
Zeit. Wann kommt die große fette Qualle denn
wieder, sag, Rita, wann
denn? Sie warteten al-
le ab.
Er kommt von jetzt an oft, sagte Rita. Sie hielt
den Kopf aufrecht.
Ich habe mich verlobt mit ihm.
Am Tisch bewegte sich keiner. Rita lachte
ver-
suchsweise und dann konnte sie es mit großer
Anstrengung lauter als die anderen, und sie
rief: Stellt euch das doch bloß mal vor; mit
ihm verlobt! Ist das nicht zum Lachen!
Sie saßen gesittet und ernst und bewegten vor-
sichtig Messer und Gabeln.
He, Nanni, bist du mir denn nicht dankbar,
mit der Qualle hab ich mich verlobt, stell dir
das doch mal vor!
Er ist ja ein netter Kerl, sagte der Vater. Also
höflich ist er, das muß man ihm lassen.
Ich könnte mir denken, sagte die Mutter ernst,
daß er menschlich angenehm ist, ich meine,
als Hausgenosse oder so, als Familienmit-
glied.
Er hat keinen üblen Eindruck auf mich ge-
macht, sagte der Vater.
Rita sah sie alle behutsam dasitzen, sie sah ge-
zähmte Lippen. Die roten Flecken in den Ge-
sichtern blieben noch eine Weile. Sie senkten
die Köpfe und aßen den Nachtisch.
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Worterklärungen
Z. 10: der Molch = eidechsenähnliches, hässliches Wassertier
Z. 15: beschämt = peinlich berührt
Z. 20: die Wamme = die Fettschwarte
Z. 41: herausplatzen = hier: laut loslachen
Z. 48: etwas fertig bringen = etwas schaffen
Z. 56: erledigt = hier: erschöpft

Z. 57: die Qualle = die Meduse / glockenförmiges, weiches Meeresti

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Fromme Lieder eines Atheisten

Er gilt als einer der renommiertesten Dichter deutscher Sprache: Uwe Kolbe.  In seinem aktuellen Buch „Psalmen“ finden sich Gebete, Lieder und Gedichte, die ganz eigen sind und doch auch von der Bibel angeregt. Dabei ist Uwe Kolbe in Ost-Berlin geboren, atheistisch aufgewachsen und gehört keiner Kirche an. In seinen Gedichten aber spricht er Gott direkt an. Georg Magirius hat mit dem Lyriker gesprochen und ihn gefragt, welche Bedeutung für ihn die Bibel hat. Im Deutschlandfunk ist die Sendung in der Reihe “Am Sonntagmorgen” zu hören, am 10. Februar 2019 von 8.35 bis 8.50 Uhr. Musikalisch interpretiert wird sie von der Konzertharfenistin Bettina Linck. Die Redaktion hat Frank-Michael Theuer, Ton: Juliane Stahnke.

Das Manuskript der Sendung >>> lesen. Die Sendung jetzt kostenfrei hören.

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Die Spiritualität freilaufender Schweine

Die Spiritualität freilaufender Schweine - Foto von Georg Magirius“Tasse auf der Terrasse” – der Bericht über eine Spirituelle Wanderung der Reihe GangART im Odenwald gehört zu den meistbesuchten Beiträgen der Internetplattform von Georg Magirius im Jahr 2018. Darin geht es um die Begegnung meditativ gestimmter Wanderer mit freilaufenden Schweinen, außerdem um die schleichende Abdankung eines urdeutschen Charakteristikums. Insgesamt besuchten die Internetplattform des freiberuflich tätigen Erzählers und Theologen Georg Magirius im Jahr 2018 mehr als 183.000 Menschen, die 690.000 Seiten anklickten.

Fast eine Million Besucher

Damit tummelten sich auf Blog und Website von Magirius täglich mehr als 500 Neugierige. Nach 55.000 Besuchern (2011), 83.000 (2012), 105.00 (2013), 108.000 (2014), 129.000 (2015) und 143.000 (2016), 168.000 (2017) wuchs die Zahl der Besucher damit abermals – und zwar um 15.000. Seit Beginn der Statistik 2011 befanden sich mehr als 970.000 Besucher auf der Website GeorgMagirius.de und dem Blog Magirius-aktuell.de.

Philosophieren mit Gummibärchen

Spitzenreiter unter den pdf-Dateien war die Reportage “Bereschit bara Elohim” über das Erlernen des biblischen Hebräisch mit Pfarrer Dr. Achim Müller in Worms und des modernen Hebräisch mit Ricky Zaltzmann in Frankfurt, außerdem der Beitrag “Die Musikalität des Glaubens” über den Pfarrer und Poeten Friedrich Karl Barth. Unter den Blogbeiträgen wurden neben “Tasse auf der Terrasse” und dem Dauerbrenner “Absturz bei Vertrauenstour” am häufigsten aufgerufen: “Philosophieren mit Gummibärchen” über Marissa Conrady, “Querdenker willkommen” über Manuela Fuelle und das “WWWW“, die unter dem Stichwort “Wohmanns Werk wirkt weiter” gesammelten aktuellen Termine über die Meisterin der Kurzgeschichte. Die beliebteste Hördatei war die offenbar fast unvergänglich wirkende Buchbesprechung “Den Tod von seiner Schwere befreit” von Eva Maria Schleiffenbaum.

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Die Folgen der Fantasie

In der Welt der Fakten und Fake-News hat es die Fantasie schwer: Träume und Wünsche seien vielleicht schön, aber wirkungslos, heißt es. Und dennoch verschwindet der Glaube an die Kraft der guten Wünsche nicht. An Fest- und Feiertagen hört man sie und noch immer jeden Tag morgens und abends. Und sie bleiben nicht ohne Folgen, sind Philosophen und Theologen überzeugt. Die halbstündige Sendung von Georg Magirius über die fantastischen Folgen des Wünschens vom 1.1.2019 lässt sich als Podcast kostenfrei hören > hier. Das Manuskript lesen > hier. Sprecherin: Birgitta Assheuer, Ton: Anette Eickholt,  Harfe: Bettina Linck, Musikaufnahme: Robert Foede. Redaktion: Dr. Lothar Bauerochse.

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