Pilgertour zum Ochsenfest

Weintrauben bei Sommerhausen Ein herausragender Gipfel oder ein einsames Tal, eine Grotte, Kapelle, ein Kloster oder eine Stadt: das sind übliche Pilgerziele. Im September 2017 aber steuerten 20 Pilgerinnen und Pilger aus Uffenheim, Neuendorf, Hainburg, Giebelstadt, Frankfurt, Seligenstadt und Mainhausen ein anderes Ziel an, nämlich das Ochsenfest, das traditionsreiche Herbstfest der Stadt Ochsenfurt.  Die Spirituelle Wanderung der Reihe GangART unter Leitung des Theologen und Schriftstellers Georg Magirius suchte damit weder nach Askese oder Geißelung, sondern den Genuss. So ging es bereits auf dem Weg unter dem Motto „Die Früchte meines Lebens“ alles andere als spartanisch zu.

Schritt für Schritt zum Zwetschgenbloatz

Wiesenweg am OchsenseeIn den Weinbergen oberhalb von Sommerhausen schmeckten die Tagespilger den vollen Saft der fränkischen Trauben nach. In der weiten Landschaft rund um den Ochsensee erlebten sie eine Stille, die fruchtig schmeckte und süß. Sie war geschenkt, denn niemand hatte diese Ruhe zuvor säen, pflegen oder ernten müssen. Die Pilger gingen einfach durch sie hindurch. Am Ende war man im Wald. Und ging aus ihm Schritt für Schritt hinaus ins Licht, in eine Aussicht, die nicht nur vom Steigerwald bis nach Würzburg reichte, sondern auch den ersten Blick bot auf das nahe Fest im Tal. Dort spielte bereits die Musik. Es warteten Klöße, Popcorn, Zwetschgenbloatz, Geselligkeit und Ankerbraten. Und die Erkenntnis, dass ein Wesen, das genießt, in den seltensten Fällen ungenießbar ist.

Weg ins Licht

Die Reihe GangART

Die Reihe GangART wurde 2009 durch den Theologen und Schriftsteller Georg Magirius gegründet. Es handelt sich um eine fortlaufende Reihe Spiritueller Tagestouren durch Rhön, Steigerwald, Schwarzwald, Spessart, Rast oberhalb von SommerhausenOdenwald, Taunus, Fränkisches Weinland und Haßberge. Bei 37 Touren nahmen etwa 850 Wanderer teil. Aufgrund der großen Resonanz der Touren hat der Würzburger Echter-Verlag das Buch “Frankenglück. 33 Orte zum Staunen und Verweilen” veröffentlicht. Im Herder Verlag ist von Georg Magirius das Pilger-Werkbuch “Schritt für Schritt zum Horizont” erschienen. Weitere Berührungen zwischen Genuss und Spirituellem Wandern lotet die Reihe GangART in Zusammenarbeit mit Herder Reisen im Mai 2018 aus. Informationen dazu >>> hier.

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Abschied

Cover Abschied MagiriusViele wollen das Abschiednehmen in den Griff bekommen. Aber schmerzliche Gefühlen lassen sich nicht mal so eben beseitigen, sagt der Theologe und Schriftsteller Georg Magirius: “Eher hilft es, so widersprüchlich das auch klingt, die Hilflosigkeit zuzugeben.” Diesen Mut hat Magirius bei Erzählerinnen und Poeten gefunden, von denen er Geschichten in dem jetzt veröffentlichten Band Abschied zusammengestellt hat.

Lustvolle Lebendigkeit

In dem Buch finden sich keine Tipps und Thesen, es werden keine Forderungen aufgestellt. “Doch gerade indem die Autoren den Schmerz nicht krampfhaft übertünchen, tritt eine außergewöhnliche, lustvolle und oft auch lustige Lebendigkeit zu Tage”, sagt Magirius. In der Anthologie finden sich Geschichten von Ulla Hahn, Hermann Hesse, Robert Gernhardt, Elke Heidenreich, Kurt Tucholsky, Bov Bjerg, Gabriele Wohmann, Bertolt Brecht, Georg Magirius, Selim Özdogan, Harald Gerlach und Lenka Reinerová. Lektoriert wurde das Buch von Annegret Grimm.

Preisrätsel

Die Edition Chrismon hat drei Exemplare des Buches “Abschied” für das Preisrätsel von “Magirius-aktuell” zur Verfügung gestellt. Sie werden unter denen verlost, die die richtige Antwort auf die folgende Frage bis zum 14. September 2017 an mail@georgmagirius.de senden. Die Preisfrage: In der Erzählung „Ein angenehmes Begräbnis“ von Siegfried Lenz versichern sich alle Gäste am Ende fast wörtlich: „Es war, insgesamt, ein angenehmes Begräbnis.“  Warum?

  • Antwort A: Die Trauergesellschaft hatte den Eindruck, die Hinterbliebenen seien bereits auf dem Weg von Trauerphase „Leugnen“ in die Trauerphase „Akzeptanz“ fortgeschritten.
  • Antwort B: Keiner hat den Kondolenzknigge gebrochen, der sagt: Die Hinterbliebenen am Grab keinesfalls umarmen!
  • Antwort C: Es gab Streit, der in eine Schlägerei mündete. Dazu liebeslustige Walzer und tanzende Paare, überdies wurde gegessen: Spiegeleier mit fettem Speck, Klopse, etwas vom Hasen, Entenhals, Blutsauer mit Gekröse vom Huhn, Fleck, Schweineohr und Bratäpfel. Außerdem gebackene Zwiebeln, gerösteten Fisch und Flusskrebse.

Ein Tipp findet sich >> hier: Die Antwort einsenden an mail@georgmagirius.de Einsendeschluss: 14. September 2017 (Postadresse nicht vergessen wegen des möglichen Gewinnns.)

Abschied, Geschichten vom Loslassen und Neuanfangen, herausgegeben von Georg Magirius, Edition Chrismon, Hardcover, 120 Seiten, Leipzig 2017, 15 Euro, Cover: Anja Haß, Layout: Friederike Arndt.

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Die Früchte meines Lebens

Sommerhausen - Foto von Georg MagiriusEine Spirituelle Wanderung unter dem Motto „Die Früchte meines Lebens“ führt am 9. September 2017 im Fränkischen Weinland von Winterhausen über Sommerhausen nach Ochsenfurt. (Rückblick auf die Tour mit Fotos >> hier). Die Gruppe unter Leitung des Theologen und Schriftstellers Georg Magirius bildet sich für die Pilger-Tagestour der Reihe GangART neu. Die Wanderung ist ideal für all jene, die Lust am Aufbruch haben und den vollen Saft des Lebens spüren wollen. Damit wird einer der womöglich umkämpftesten Fragen der Gegenwart nachgegangen, nämlich was im Leben denn nun genau als fruchtbar, reich und kostbar gelten kann.

Reich an Früchten

Gewandert wird in einem Abschnitt des Maintals, der aufgrund seines Kalksandsteins Wein und Obst üppig gedeihen lässt. Der Weg führt durch Gärten von Flurturm in SommerhausenSommerhausen, auf verwunschenem Pfad an der Stadtmauer entlang, hinauf in Steillagen, die die Trauben prächtig reifen lassen. Der Panoramaweg, ein sich windender Trampelpfad, lässt königlich zum Main hinunter und sogar bis Würzburg schauen, während im Tal Züge und Autos gedämpft und dennoch rege rumoren.

Arm an Reizen

Dann allerdings ändert sich das Bild: Mit einem Mal verliert der Weg jegliche Markierung. Da sind Felder, Wiesenpfade und immer wieder finden Bäume sich zusammen, aber niemals so, dass man ihnen die Absicht unterstellen könnte, als Massenerscheinung erschlagen zu wollen. Zu erleben ist der fast sprichwörtlich gewordene sanfte Wellengang der fränkischen Landschaft. Er ist so arm an Reizen, dass man es fast schon wieder ekstatisch nennen könnte. Ehe der Zielort Ochsenfurt erreicht wird, geht es schlicht durch den Wald. Dieser Teil des Weges wird schweigend gegangen.

Auf dem Mainweg bei Ochsenfurt

Länge der Tour und weitere Fakten

Rathaus in OchsenfurtDie Früchte meines Lebens: Spirituelle Wanderung der Reihe GangART, Samstag, 9. September 2017. Länge: ca. 8 Kilometer, reine Gehzeit: knapp 3 Stunden. Das Gehtempo ist ruhig, die Strecke hat einen kurzen steilen und einen längeren, gemächlichen Anstieg. Es wird auch bei Regen gegangen. Anfangspunkt Winterhausen und Endpunkt Ochsenfurt liegen direkt an der Bahnstrecke Würzburg-Ansbach-Treuchlingen. (Rückblick auf die Tour mit Fotos >> hier).

Die Reihe GangART

Georg Magirius hat 2009 GangART gegründet, eine fortlaufende Reihe Spiritueller Tagestouren durch Rhön, Steigerwald, Schwarzwald, Spessart, Odenwald, Taunus, Fränkisches Weinland und Haßberge. Bei 36 Touren nahmen mehr als 800 Wanderer teil. Angeregt ist die Tour von Magirius’ Buch “Frankenglück”, das im Echter Verlag erschienen ist.

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Geschmackvoll trauern

Kaum jemand scheint heute zu wissen, wie man richtig trauert. Na gut, man könnte aufs Richtigmachen ausnahmesweise auch mal pfeifen und sich selbst und seinen Gefühlen trauen. Aber das scheint dann wohl doch zu einfach zu sein. Stattdessen schlagen sich viele einen Weg durch den Dschungel von Anleitungen, Trauerkursen und Knigges. Vielleicht hätte auch Siegfried Lenz einen Trauerknigge verfassen sollen? In “So zärtlich war Suleyken” erzählt der jugendliche Ich-Erzähler von der Beerdigung seiner Tante Arafa. Dieses Begräbnis kann womöglich als Vorbild für den heute verbreiteten Wunsch dienen, alles wohlgestaltet, schön und ja nichts falsch zu haben. Am Ende zumindest lautet das nahezu wörtliche Fazit aller, die zur Beerdigung gekommen waren: “es war, insgesamt, ein angenehmes Begräbnis.”

Ein schmackhaftes Begräbnis

Aber was hatte diese Beerdigung denn zu bieten? Heftige Streitereien, die in eine Schlägerei münden. Dazu liebeslustige Walzer und tanzende Paare, es wird gelacht, man verschafft sich Durst und Hunger. “So, und dann wurde gegessen. Was gegessen wurde? Ich brauch’ nur zu erzählen von mir: obzwar jung und unmündig, verzehrte ich acht Spiegeleier mit fettem Speck, fünf Klopse, etwas vom Hasen, einen Entenhals, einen Teller Blutsauer mit Gekröse vom Huhn, einen Teller Fleck, ein halbes Schweineohr und Abschied - Buchcover von Anja Haßeinige Bratäpfel. Dazu aß ich gebackene Zwiebeln, einen gerösteten Fisch und am späten Abend ein paar Flußkrebse, die der alte Glumskopp gefangen hatte.”

Die Erzählung “Ein angenehmes Begräbnis” von Siegfried Lenz ist der Anthologie “Abschied. Geschichten vom Loslassen und Neuanfangen” enthalten, die am 01. September 2017 in der edition chrismon erscheint, herausgegeben von Georg Magirius. Lektorat: Annegret Grimm. Cover: Anja Haß, Layout: Friederike Arndt.

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Abschied vom irrsinnigen Ernst

Eine nicht zu beherrschende Übelkeit kann für Trauernde eine befreiende Wirkung haben. Davon erzählt Bov Bjerg in der Erzählung Schinkennudeln. “Seit ich lesen konnte, hatte ich meine Nachmittage in Herrn Hofers Hinterzimmer verbracht, Comics, Schneiderbücher und immer wieder stapelweise Comics verschlungen”. Mit dem Tod von Herrn Hofer aber ist der Kaufladen geschlossen. Und beendet sind die gemütlichen Nachmittage des Dauerlesers und die Arbeit seiner Mutter, die in dem Kaufladen gearbeitet hatte. Bald putzt und kocht sie für das Lateinlehrer-Ehepaar Glinka und ihre beiden Söhne Ekbert und Bente. “Ekbert war der beste Schüler auf dem besten Gymnasium der Kreisstadt, Bente war etwas zurückgeblieben und brachte vom gleichen Gymnasium nur Zweien nach Hause. Außerdem war er in psychatrischer Behandlung”.

Ein nicht aufzuhaltender Akt der Freiheit

Dramatischer jedoch: Die Mutter muss die von ihrem Sohn heiß geliebten Schinkennudeln nach Frau Glinkas Rezept kochen, was beim eingeladenen Sohn der Köchin dazu führt, dass durch Nasenlöcher und zusammengrepresste Lippen “zwei Portionen Abschied - Buchcover von Anja HaßSchinkennudelbrei ins Esszimmer der Familie Glinka” spritzt. “‘Ich geh zum Irrenarzt’, sagte Bente, ‘und du kotzt hier auf den Tisch.’ Herr Glinka sagte: ‘Die Menschen sind eben verschieden.’”

Die Erzählung “Schinkennudeln” von Bov Bjerg ist der Anthologie “Abschied. Geschichten vom Loslassen und Neuanfangen” enthalten, die am 01. September 2017 in der edition chrismon erscheint, herausgegeben von Georg Magirius. Lektorat: Annegret Grimm. Cover: Anja Haß, Layout: Friederike Arndt.

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Die Blutspur einer Frauenhasserin

Gabriele Wohmann hat sich niemals mit anderen zur blöden Masse zusammengezählt. So chararakterisiert die Pädagogin Astrid Kahmen in ihrer Reihe Great Women im Blog “Le monde de kitschi” an Wohmanns 2. Todestag, dem 22. Juni 2017, die “Meisterin der Kurzgeschichte” (Neue Zürcher Zeitung). Als Beleg für die Unabhängigkeit Wohmanns, die vielen als Vertreterin der Frauenliteratur gilt, zitiert Kahmen das Urteil einer Feminstin:

“Durch das Werk der Gabriele Wohmann zieht sich wie eine Blutspur ihr gestörtes Verhältnis zur Frau, zum eigenen Geschlecht, ziehen sich ihre hasserfüllten Volten gegen alles Weibliche”.

Das Porträt von Astrid Kahmen über Gabriele Wohmann lesen >> hier.

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Drei Reisetipps von Hermann Hesse

Der wahrhaftige Antrieb zum Reisen sei erstens ohne Zweck und Ziel, zweitens in seiner Leidenschaft rasend und sich verzehrend und drittens wild und unersättlich. Das schreibt Hermann Hesse in einer autobiographischen Betrachtung über die Reiselust. Diesen Erkenntnis- und Erlebensdrang könne kein Erkennen stillen, kein Erleben sättigen. “Der ist stärker als wir und als alle Ketten”. Und die Reise ganz am Ende? Abschied - Buchcover von Anja Haß “Wenn uns die Erde ruft, wenn uns Wanderern die Heimkehr, uns Rastlosen die Ruhestatt winkt, so wird das Ende kein Abschiednehmen und zages Sichergehen sein, sondern ein dankbares und durstiges Schlürfen des tiefsten Erlebens.”

Die Betrachtung “Reiselust” von Hermann Hesse ist der Anthologie “Abschied. Geschichten vom Loslassen und Neuanfangen” enthalten, die am 15. September 2017 in der edition chrismon erscheint, herausgegeben von Georg Magirius. Lektorat. Annegret Grimm. Cover: Anja Haß.

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Die Kraut-Pädagogik

Manuela Fuelle (c) www.manuelafuelle.comEine Tochter sucht ihren Vater. Das ist das Handlungsgerüst des Romans „Fenster auf, Fenster zu“ von Manuela Fuelle. Wobei das Buch genau genommen kaum Handlung hat. Die Reise zum Vater setzt sich eher aus Gedanken, Vorstellungen, Erinnerungen, Erwartungen zusammen. Als Action lässt sich das nicht gerade bezeichnen. „Einzige Tat dieses Buches“, schreibt die Erzählerin, sei das Totschlagen einer Stunde.

Widerständig

Das macht den Roman lebendig. An keiner Stelle findet sich ein Satz, der sich wie jene Sätze liest, die als Werkzeug verwendet werden für ein forsches Schreiten zur Tat. Die Sätze der Autorin marschieren nicht. Eher ist ihnen ein merkwürdiges Schweben eigen. Dieser Eindruck beruht darauf, dass ihr Sinn nicht festgeklopft wird. Stattdessen scheint die Ich-Erzählerin ihnen während des Erzählens nachzuhorchen, Worte auf ihre Vieldeutigkeit abzuhorchen, wodurch diese in immer neue Zusammenhänge geraten. Manchmal bricht der Gedankenstrom ab, setzt neu an, was den Akt des Lesens zu einem fortlaufenden Widerstand gegen das angeblich schon längst Gewusste macht.

Rhythmisch

Elliptisch ist der Stil – wie man das vom mündlichen Erzählen her kennt. Gleichwohl lässt das die Sprache wiederum üppig wirken, überbordernd, reich. Das Erzählte wirkt unmittelbar und dennoch ausgefeilt. Dieses Zugleich von Exaktheit und Freiheit mag daran liegen, dass es bei diesem Roman eben niemals darum geht, irgendwelche Regeln zum Bilden ohnehin gebräuchlicher Wortaneinanderreihungen zu erfüllen. Sondern? Um Rhythmus und Melodie.

Ungewöhnlich

Es lässt an Musik denken, die im Augenblick erstaunten Hörens nicht fragen lässt, ob in ihr ein Sinn steckt, der verwertbar wäre. Unsinnig ist der klangvoll wirkende Roman deswegen nicht. Denn es geht ihm darum, das Gewöhnliche auf den Kopf zu stellen. Er ist eine Verteidigung des Ungewöhnlichen, von etwas oder jemanden, an den man sich im besten Fall nie gewöhnt. Um einen Menschen, der unverwechselbar, eigen, einzigartig ist.

Eigen

Das ist er, der Vater. Und wie er mit dieser Einzigartigkeit andere angesteckt hat, erzählt die Tochter: „Geh aus der Abhängigkeit. Geh deinen Weg. Misstraue jeder Macht, jedem Mächtigen, jeder Institution.” Aber das ist kein Programm, mit dem der Mut zur Eigenheit anderen eingetrichtert würde, wodurch dieser Mut sich ja gleich wieder in sein Gegenteil verdrehen würde. Stattdessen hat der Vater die Kinder einfach wachsen lassen.

“Er war es nicht, der ein großes Un vor Kräuter setzte, der ihr Wachstum begrenzen wollte durch ein Un. Das Un ist, findet er, wie ein Zaun, eine Grenze, bis hierhin und nicht weiter. Halt! Stop! Und er kann mit dieser Grenze nichts anfangen. Er lässt das Kraut wachsen, wo und wie es will. So hat er es auch mit seinen Kindern gehalten. Man muss nichts zwingen, biegen, brechen oder beschneiden. Man kann warten. Warten, bis etwas wachsen will, erwachsen wird und blüht.”

Manuela Fuelle, Fenster auf, Fenster zu, 296 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, Klöpfer & Meyer, Tübingen 2011.

Das Buch auf der Seite des Verlags >>> hier.

Zur Website von Manuela Fuelle >>> hier.

Ein Video zum Buch, gesprochen von der Schauspielerin Antje Thiele >> hier.

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Luther macht Pause – ausgerechnet im Lutherjahr

Sitzen im Lutherjahr - welch eine GnadeDas Reformationsjahr 2017 steckt voller Aktionen und Aktitvitäten. Nur die für Luther selbst entscheidende Entdeckung wirkt eher gegenteilig. Es war die für ihn befreiende Einsicht in die Bedeutungslosigkeit eigenen Wirkens. Diese von Luther sogenannte „passive Gerechtigkeit“ erlebte er freilich wie den Eintritt ins Paradies, als Gnade.

Einfach sitzen

So lädt die Evangelisch-Lutherische Gnadenkirche Dachau am 24. Juni 2017 zum Sitzen ein: auf Kirchbänken, Bierbänken, in Liegestühlen unter Bäumen, am Lagerfeuer und um 20 Uhr bei der Konzertlesung „Gerechtigkeit im Liegestuhl – Luthers Bibelglück“ mit der Konzertharfenistin Bettina Linck und dem Schriftsteller Georg Magirius.Bettina Linck - Harfenistin aus Darmstadt Die Leitung hat Pfarrerin Christiane Döring. “Im Mittelpunkt steht der Mensch Luther”, schreibt die Frankfurter Rundschau über die Konzertlesung. „Sehr inspirierendes Spiel von Bettina Linck”, so Deutschlandfunk Kultur. Und Ilka Scheidgen urteilt in Zeitzeichen, den Evangelischen Kommentaren zu Religion und Gesellschaft: “Das ist so einmalig lebendig, so unprätentiös und klar erzählt, dass man sich die Augen reibt und fragt: Warum wird einem nicht viel öfter Glaube so vermittelt?”

Samstag, 24. Juni 2017: Gereichtigkeit im Liegestuhl – Luthers Bibelglück. Evangelisch-Luthersiche Gnadenkirche, Anton-Günther-Str. 1, 85521 Dachau, Georg Magirius liest aus “Traumhaft schlägt das Herz der Liebe”, “Gesänge der Leidenschaft”, “Erleuchtung in der Kaffeetasse” und “Schritt für Schritt zum Horizont“, Konzertharfe: Bettina Linck, Leitung: Pfarrerin Christiane Döring.

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Wie man das Erzählen lernt

Mobile Wortwerkstatt MagiriusKann man das Erzählen überhaupt lernen? Anlernen könne man nicht viel, sagt der Journalist und Schriftsteller Georg Magirius. “Aber man kann lernen, auf die Kuriositäten, Unstimmigkeiten und Wunderlichkeiten in sich zu hören.” Damit verhindere man andere anzuöden. Das sei nämlich der entscheidende Grund langweiligen Erzählens: “Der Wunsch alles immerzu richtig machen zu wollen.” Die von ihm gegründete Mobile Wortwerkstatt ermutigt  dazu, inneren Bildern zu trauen, ungeahnte Wege zu gehen und Fehler zu machen. So könne man beim Erzählen mitreißen und überraschen. Das Angebot richtet sich an Einzelne und Gruppen, an Kinder, Jugendliche, Gelegenheitsschreiber und professionelle Rednerinnen. Mehr dazu hier.

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