Das Ja des Heruntergekommenen

Alles Gute mit dem Heruntergekommenen und ein gutes Neues Ja! Mit Wünschen und Wortspielen dieser Art hat der Theologe, Pädagoge und Autor Reiner Andreas Neuschäfer die frohe Botschaft von Jesus Christus neu zur Sprache gebracht. Der an Weihnachten Heruntergekommene: Jesus Christus. Das Neue Jahr – ein Ja! Am 16. November 2016 ist Reiner Andreas Neuschäfer im Alter von 49 Jahren gestorben. Einen Überblick über sein Werk finden sich in der vom Pfarrer und Kommunikationswirt Frank W. Rudolph verfassten Würdigung.

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Gottes fehlende Adresse

Die menschliche Erfahrung des Fliehens gibt dem Christentum ein entscheidendes Gepräge. Das ist die These der Dezemberausgabe 2016 der Zeitschrift “inspiration:”. Bewusst habe man die Thematik Flucht für die Weihnachtsausgabe ausgewählt, “steht doch das Weihnachtsfestfest wie kein anderes Fest für die Sehnsucht nach Heimat, nach Geborgenheit, nach Frieden”, schreibt Maria Saam, Theologin und Redakteurin der Zeitschrift. Einbrechender Schrecken, Fremdheit und der Verlust des festen Standpunkts würden innerhalb der christlichen Spiritualität nicht übersehen, sondern seien oftmals die Grundlage einer tiefen Gottessuche.

Sind die Deutschen gekränkt?

Im Hintergrund der Beiträge stehen Schreckensbilder gegenwärtiger Fluchtbewegungen. Dazu die ansteigende Zahl von Flüchtlingen seit Sommer 2015 in Europa, die oftmals heftige Abwehr auslösen. Aber warum?  “Fühlt sich unser kleines narzisstisches Ich gekränkt oder bedroht, jenes Ich, das im Kern wenig Selbstbewusstsein hat, aber sich aufbläht im Stolz auf unsere kulturelle Größe und unseren matieriellen Erfolg? Und nun kommen fremde Menschen ins Land, Flüchtlinge, die uns nicht nur etwas wegzunehmen drohen, sondern die uns auch noch zeigen, dass man mit wenig leben kann”, schreibt Stefan Kiechle, Provinzial der Deutschen Provinz der Jesuiten, in seinem Beitrag über die wechselvolle Grunderfahrung “Fliehen und bleiben”. Auch Jesus sei geflohen. Und Gott lasse sich mit einem Wanderer verlgeichen, der in Bewegung sei, um im Menschen Heimat zu finden.

Mobile Heimat

Die Fluchtgeschichte Jesu wird im Matthäusevangelium erzählt. Sie werde allerdings nicht als Weltneuheit dargestellt, sondern vermutlich “bewusst vor dem Hingergrund biblischer Vorbilder”, schreibt die Juristin, Theologin und Exerzitienbegleiterin Johanna Schulenburg. Jesus werde “damit in die Reihe mit anderen verfolgten Gerechten” gestellt, etwa Abraham oder Josef aus der Tora. Die Fluchtgeschichten der Bibel zielten nicht unbedingt auf ein Happy End, stellt der Theologe Hansjörg Schemann fest. Aber sie könnten zu einer Gotteserfahrung führen. Religion und Glaube ließen sich als eine Art von “mobiler Heimat” verstehen.

Wie das Exil die Philosophie verändern kann

Im Blick “auf die lange Geschichte der Philosophie drängt sich die These auf, dass die meisten Philosophen eher sesshanft waren”, schreibt der Theologe, Philosoph und Journalist Christian Modehn. Heidegger sei kaum aus dem Schwarzwälder Raum hinausgekommen, von Kant in Köngisberg ganz zu schweigen. Allerdings gebe es Gegenbeispiele. “Die Erfahrungen der Flucht und das Leben in einem wenig freundlichen Zufluchtsland verändern definitiv Hannah Arendts Denken.” Voltaire musste sich innerhalb des eigenen Landes oft dem Zugriff entziehen. Eindrücklich die Erfahrungen des französischen Protestanten Pierre Bayle, der im 17. Jahrhundert in Holland Zuflucht fand. Er habe eine religiös motiverte Bereitschaft zur Gewalt eher unter Christen als unter Muslimen gesehen. Laut Modehn sind heute Philosophen, die Flüchtlinge sind, in der muslimischen Religion in Nordafrika, Pakistan oder im Iran groß geworden. Typisch für sie sei die Anwendung der historisch-krtischen Deutung des Koran.

Was in Deutschland fliehen lässt

Deutschland ist allerdings nicht nur ein Land der Zuflucht, sondern auch der Flucht. Denn gar nicht wenige würden zu Fliehenbden. Das zeigt der Beitrag der Haushaltsökomonim Johanna Thie. Mindestens jede vierte Frau in Deutschland in Alter zwischen 16 und 85, die in einer Partnerschaft gelebt habe, habe mindestens einmal gewaltvolle Übergriffe durch einen Partner erlebt, schreibt Thie, die zum Vorstand des Vereins Frauenhauskoordinierung e.V. gehört. Es gebe ein differenziertes Hilfesystem, Frauenhäuser würden Schutzräume und Unterkunft zu jeder Tages- und Nachtzeit bieten. Allerdings: “Die Gesamtzahl der Frauenhausplätze reicht bundesweit nicht aus.”

Flucht als Lebensform

Flucht und Exil spielen in der Kunst eine gewichtige Rolle, etwa im Werk Ernst Barlachs. Darauf macht der Theologe und Kunstgeschichtler Marco A. Sorace aufmerksam. Barlachs Skulptur Flüchtling lasse sich dabei am treffendsten mystisch interpretieren. Unter Mystik seien dabei nach Michel de Certeau solche Ausdrucksformen zu verstehen, die um einen tiefen Mangel und Verlust wissen, wie sie sich in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg als geistes- und kulturgeschichtliche Krise aufdrängten. “Im Zuge dieser Krise ist es nicht mehr möglich, angesichts von Sinnlosigkeit – wie etwa der Zerstörung der Lebensgrundlagen der Flüchtenden – einfach als vorgegeben geglaubten Sinn der Welt zu repräsentieren.” Ernst Barlachs Flüchtling lasse sich in diesem Sinn verstehen: “Sich permanent ‘im Exil’ zu befinden ist die Lebenswirklichkeit, die es neuzeitlich zu aktzeptieren gilt. Ein Mystiker ist jener, der die ‘Flucht’ willentlich zu seiner Lebensform gemacht hat.” Weit davon entfernt, das Leiden der in seiner Zeit so entwurzelten Menschen durch die Kunst schönzureden, sehe Barlach in den Erscheinungsweisen der Bewegung, wozu auch das Innehalten gehöre, im Phänomen des Aus- und Übergangs etwas, wodurch sich ihm eine Religion und ein Christentum der Zukunft erschließe.

Gott kommt und geht

Solch ein Christentum der Zukunft speise sich aus einer Geborgenheit der anderen Art, nämlich einer Heimat, die nicht an Ortschilder gebunden sei, schreibt der Theologe und Schriftsteller Georg Magirius in seinem Beitrag “Himmelweite Heimat”. Diese Zukunftsperspektive deute sich an, wenn man rückwärts schaue und eine alte Traditionsstrang mit sehnsüchtigen Augen verfolge, nämlich die Exodusüberlieferung. Laut Magirius handelt es sich um die biblische Heimatgeschichte par excellence, die indessen eine Migrationsgeschichte ist. Es ist die Flucht der Israeliten aus der Sklaverei, die sich ein fanstastisch schönes Land erwandern wollen. Das vielleicht bewegendste und auch bewegliche Heimatsymbol sei dabei eine Hütte, die Stiftshütte. “Es ist kein Eigenheim, auch keine Tempel, also kein fest gebautes Gotteshaus, sondern ein Zelt, aufbaubar, aber auch wieder abbaubar.” In diese Hütte senke sich per Wolke manchmal Gott hinein, der sich überhaupt als sehr bewegungsfreudig zeige. Die Wanderer begleite er in einer Wolkensäule, des Nachts in einer Feuersäule, was zu der Folgerung führen könne: “Gott selbst hat offenbar keine feste Adresse. Er scheininspiration - Zeitschrift für christliche Spiritualität und Lebensgestaltungt jemand zu sein, der kommt und geht – und mit den Menschen gehen will.”

inspiration: Zeitschrift für christliche Spiritualität und Lebensgestaltung, 42. Jahrgang, Heft 4.16,. Thema: Flucht, Redaktion: Maria Saam, Redaktionsbeirat: Dr. Gotthard Fuchs, Katrin Gergen-Woll, Prof. Dr. Klaus kießling, Renate Voswinkel, Burkard Zill. Die Zeitschrift erscheint im Matthias-Grünewald-Verlag. Ein Probeheft kann kostenfrei bestellt werden. > Weitere Informationen < Den Beitrag von Georg Magirius als pdf lesen > hier <.

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Heute, da das Hoffen wieder hilft

Das Wünschen, Träumen und Hoffen ist nichts für Fantasten und Sonderlinge. Es schärft hingegen die Sinne für Ungerechtigkeit, Schmerz und Leid der Gegenwart, ohne sich damit arrangieren zu wollen. Das sagt der Theologe und Autor Georg Magirius im Bayerischen Rundfunk in der Sendung “Die Macht der guten Wünsche”, die am 8. Januar 2017 von 8.05 bis 8.30 Uhr auf Bayern2Radio ausgestrahlt wird. Damit widerspricht Magirius der weit verbreiteten Meinung, dass das Wünschen allenfalls in alten Märchen eine tragende Rolle habe, in denen es heißt: Damals, als das Wünschen noch geholfen hat. Denn der Glaube an die Kraft der Wünsche ist laut Magirius auch heute anzutreffen. Fast täglich höre man, dass Morgen, Abend, Nacht und Appetit gut sein mögen. Dennoch gelte das Wünschen vielen als Träumerei, als etwas Lächerliches oder sogar Gefährliches, weil es die Augen vor der Realität verschließe.

Das Prinzip Hoffnung

Dass das Hoffen die irdische Realität fest im Blick haben kann, zeigt die Sendung mit einem Streifzug durch Philosophie, Literatur und Theologie. So sieht der Philosoph Harry Gordon Frankfurt das Wünschen als ein Zeichen der Vernunft, an dem sich nichts Geringeres als die Freiheit des menschlichen Willens zeigt. Auch der Philosoph Ernst Bloch, dessen Hauptwerk “Das Prinzip Hoffnung” in den alltäglichen Sprachgebrauch eingegangen ist, kann nicht als Märchenonkel abgetan werden, der die Realität schönrede. Für Bloch nämlich ist der Ausgangspunkt allen Hoffens der Mangel. So lehre nicht zuletzt der genaue Blick in den Alltag, das Noch-Nicht und das Mögliche zu entdecken und an den Träumen vom besseren Leben zu arbeiten.

Trauer ist Optimismus

Gute Wünsche lassen sich auch als eine Grundausrichtung der Theologie und der biblischen Tradition verstehen, sagt Magirius. Nur handle es sich dabei um keinen naiven Optimismus. Anders als in vielen Glücks- und Erbauungsbüchern heutiger Tage seien in der Bibel Schmerz und Unzufriedenheit der Ausgangspunkt dafür, dass es überhaupt zum Wünschen kommt und die Macht des Guten an Wirkung gewinnt. Wobei es sich beim Hoffen noch nicht einmal um etwas handeln muss, das den Schmerz hinter sich lasse. Hoffnung und Trauer könnten sogar ineinanderfallen, sagt der Theologe Henning Luther: “Trauer ist (…) nicht Pessimismus. Trauer, die die Erinnerung an den Schmerz und die Leiden der einzelnen wachhält und nicht verdrängt, ist Hoffnung, mehr Hoffnung als in der Propaganda des Optimismus steckt.”

“Die Macht der Guten Wünsche. Vom Realitätssinn einer märchenhaften Kraft”, Sendung von Georg Magirius, Sonntag, 8. Januar 2017, 8.05-8.30 Uhr, Katholische Welt, Ton: Anette Eickholt. Gesprochen wird der Sendung vom Autor und von Birgitta Assheuer. Produktionen mit ihr wurden mehrfach mit dem Deutschen Hörbuchpreis ausgezeichnet. Die Musik der Sendung stammt von Claude Debussy, Alphonse Hasselmans, Georg Friedrich Händel, Gabriel Fauré, Felix Godefroid und Johann Sebastian Bach. Sie wird interpretiert von der Konzertharfenistin Bettina Linck. Die Redaktion der Sendung hat Wolfgang Küpper.


Der Philosoph Harry Frankfurt sieht es sogar als ein Zeichen der Vernunft, an dem sich nichts Geringeres als die Freiheit des menschlichen Willens zeigt.

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Franken abseits der ausgetretenen Touristenpfade

Manche Orte können ausgerechnet dank ihres abseitigen Charakters eine besondere Anziehungskraft entwickeln. Das schreibt der Frankenkenner Thomas Hübner in seiner Rezension des 2016 veröffentlichten Buches “Frankenglück” auf den Internetseiten des Sankt Michaelsbund und des Borromäusvereins. “Der Urlauber ist süchtig nach Plätzen, die sich mit Prädikaten schmücken wie das größte, längste, schnellste, älteste oder das meistbesuchte Objekt”, hat Hübner beobachtet. Das Buch Frankenglück wende sich allerdings “an einen grundlegend anderen Interessentenkreis – an Leser, die nicht den Trubel, sondern die Ruhe und Abgeschiedenheit suchen.”

Franken weckt spirituelles Interesse und Appetit

Das Buch stelle 33 Orte abseits der großen Straßen vor, wozu Täler, Wanderwege, Wälder, Wiesen, Parks, Grotten, Ruinen, aber auch Kapellen, Klöster und Burgen zählten. “Für jede Location sind vier Seiten reserviert, die ersten beiden davon stimmen mit einem doppelseitigen Farbfoto auf das Ausflugsziel ein. Dank der kenntnisreichen Schilderungen fühlt man sich beim Lesen wie vor Ort.” Die anderen beiden Seiten geben praktische Hinweise, Wander- und Ausflugstipps. Geographisch betrachtet konzentriere sich das Buch auf die Region vom Spessart bis zu den Hassbergen und von der Rhön bis zum Odenwald. “Da dem Verfasser bewusst ist, dass die idyllische Landschaft nicht nur spirituelles Interesse, sondern auch den Appetit wecken kann, schließt jede Beschreibung mit einem Einkehrtipp.” Das Buch kann laut Rezensent “sehr empfohlen” werden.

Georg Magirius, Frankenglück, 33 Orte zum Staunen und Verweilen, 144 Seiten mit zahlreichen farbigen Abbildungen, Lektorat: Thomas Häußner, Gestaltung: Peter Hellmund, ISBN: 978-3-429-03912-7 – 12 Euro. >>> Weitere Informationen <<<

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Die Langsamkeit entdecken (mit Buchpreisrätsel)

Zeit für das Wesentliche - herausgegeben von Nina SträterWer trödelt, kommt gut und oft auch früher an. Davon schreibt Georg Magirius in dem Buch „Zeit für das Wesentliche“. Der von Nina Sträter herausgegebene Band handelt von dem, was in einer schnelllebiger wirkenden Welt an Bedeutung gewinnt: die Langsamkeit entdecken, Zeit für andere, Rückzug ins Selbst. Allerdings werden keine Techniken zum effektiveren Gebrauch des täglichen Zeitbudgets ausgebreitet, auch keine Schritt-für-Schritt-Anleitungen zur optimalen Umsetzung des Modebegriffs Entschleunigung. Stattdessen kann die Lektüre ganz von selber wirken – wie ein Sonntag für die Seele. Der Buch bietet neben Gedanken von Magirius auch Gedichte, Weisheiten,  ermutigende Frechheiten und freche Ermunterungen von Joachim Ringelnatz, Dietrich Bonhoeffer, Mascha Kaléko, Kurt Tucholsky, Antoine de Saint-Exupéry, Dorothee Sölle, Horaz, Hildegard von Bingen und Johannes XXIII.

Das Preisrätsel

Der Coppenrath Verlag in Münster hat für  das Newsletter-Preisrätsel zwei Buchexemplare gestiftet, die unter denen verlost werden, die die richtige Lösung auf folgende Frage bis zum 15. November 2016 unter dem Stichwort “Zeit” an buero@georgmagirius senden. Wie heißt es in dem Band richtig?

A. Wer stoppt, kommt früher an.

B. Wer rennt, kommt später an.

C. Wer pennt, kommt sehr gut an.

Ein Tipp mit Leseprobe findet sich hier. — Zeit für das Wesentliche. Was wirklich trägt, herausgegeben von Nina Sträter, 160 Seiten, Design: Daniela Lengers, Satz  und grafische Gestaltung: Beate Karahmanlar, Coppenrath Verlag Münster 2016, 12,95 Euro, ISBN 978-3649671305.

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Das letzte Tabu brechend

Gabriele Wohmann - Foto von Jule Kühn Copyright Georg MagiriusGeorg Magirius ist ein religiös-hedonistischer Zauberer, der das letzte Tabu bricht. Das hat Gabriele Wohmann über den Theologen und Schriftsteller in dem Buch “Erleuchtung in der Kaffeetasse” gesagt. Das Buch widme sich Winzigkeiten, die jedoch das Große und Ganze ahnen lassen. “Es ist ein Vorgeschmackbuch, ein Brevier der überlebensrettenden winzigen Erfahrungen und Entdeckungen.” Mit seiner geduldigen Aufmerksamkeit für das vermeintlich Unbedeutende opponiere Magirius gegen massenhafte Aufgeregtheiten und mediale Aktualisierungsbeben. Mit “unserer oberflächlichen, vom Erfolgsstreben gesteuerten Gegenwart geht Magirius streng zeitkritisch um”.

Provozierend sparsam

Magirius widme sich stattdessen dem Allernächsten, wobei gerade das den Keim in sich tragen könne, letzte Grenzen überschreiten zu wollen: “Was Ernst Jünger bei seinen naturwissenschaftlichen Studien nicht wagte, hebt Magirius freimütig aus seiner (scheinbaren) Unscheinbarkeit hervor. Freimütig, ja, und auch mutig, nämlich das letzte Tabu, das Gottesbekenntnis, brechend.” Gott müsse man nicht in der Kirche suchen, in der Öde des Erwartbaren und der Leere des Schablonenhaften. Er könne eher dort zu finden sein, wo mit dem Wort “Gott” äußerst sparsam umgegangen werde, in Geschichten und Büchern, die die Erkenntnissehnsucht nach Gott nicht lauthals ausbreiten. Aber auch in der Betrachtung eines Grashalms auf dem Sportplatz oder im Heidelbeerkuchen mit Schlagsahne könne das Erhebende erfahrbar werden.

Eigenwillige Medizin

“Der so anspruchslos durch die Mikrokosmen unseres Alltags Illuminierte, den die Auf­­merksamkeit zum Beispiel für die Sommerstille in einem Schwimmbad geradezu er­leuchtet, kommt mir wie ein religiös-hedonistischer Zauberer vor, der sich mit sei­nen Erlösungstricks gut auskennt und durch sie wieder träumen und Geborgenheit em­pfinden kann.” Dies sei ein ernsthaftes Spiel, das anstecke. Es erheitert “ein verhaltener Humor beim Entdecken von Ab­surditäten und unfreiwilliger Komik der Bagatellen aus dem zeitgenössischen Alltag.” Allerdings: Dabei handle es sich nicht um Komik, die andere auslache und verletze, sondern die die Kraft habe, Verletzte zu trösten und mit Verletzungen leben zu können: “Mit diesem Buch kann man auch wie mit der Bibel umgehen, einzelne Kapitel auf­schlagen und dann lesen und sich ermutigen lassen von Magirius‘ höchst eigen­williger Medizin.”

Gabriele Wohmann (1932-2015) gilt als “Meisterin der Kurzge­schichte” (Neue Zü­rcher Zeitung), als deren  ”abso­lute Herr­sche­rin” (Frank­furter Allgemeine Zei­tung), “unbestrit­tene” (Die Welt) und “un­ange­fochte­ne Königin” (Mi­tteldeut­scher Rundfunk). Foto: Jule Kühn.

Georg Magirius, Erleuchtung in der Kaffeetasse. Große Fragen und das tägliche Allerlei. Mit einem Nachwort von Gabriele Wohmann, Lektorat: Dr. Dietrich Voorgang, Claudius Verlag München 2012. Das Nachwort lesen >> hier i<<.

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Die vogelfreie Geborgenheit des Himmels

Um geborgen zu sein, suchen viele Mauern, Burgen, Tore, Türe, Schlösser, Dächer und Zäune. So hoffen sie, ein Raum für die Behaglichkeit zu finden, indem innige Umarmungen möglich werden. Selbst bekennende Nähetypen jedoch machen die Erfahrung: Nicht jede Berührung tut gut, vor allem dann nicht, wenn sie einem Zugriff ähnelt, wie er im Handlungsrepertoire von Polizisten zu finden ist. Deswegen hatte die spirituelle Wanderung in der Reihe GangART unter Leitung des Theologen und Schrifstellers Georg Magirius kein Gefängnis zum Ziel, sondern die sanft gewellte Landschaft Frankens. Unter dem Motto “Ankommen und Zuflucht finden“ gingen die Pilgerinnen und Wanderer von Retzbach nach Karlstadt auf dem Mainwanderweg, der sich in Kurven und Schleifen gefällt, durch Felder, Wald und die Weinberge des Maintales.

Stilleweg bei Retzbach

Schwebende Leichtigkeit

Einen Wegabschnitt ging man mit Abstand und ohne jedes Wort, aber nicht ins Leere. Und das, sagten die nunmehrigen Einzelgänger, sei das Schönste gewesen. Denn wider den Augenschein spüre man auf diesem stillen Weg, gerade nicht allein unterwegs zu sein. Intensiv breite sich das Gefühl aus, festen Boden unter den Füßen zu haben. Und das Schweigen ist eine Reduktion, die Geräusche der Natur in den Rang des Rauschs erheben können. Rast war in der Steinweinhütte unterhalb von Stetten, die unverschließbar ist. Sie hat keine Tür. Auf dem Vogellehrpfad am Kalvarienberg sah man den Inbegriff der Geborgenheit, gleich mehrere Vogelnester. Doch Vögel bleiben nicht im Nest. Sie genießen dessen Wärme, um dann desto eleganter ihre Flügel auszubreiten. Die vogelfreie Geborgenheit des Himmels konnten auch die Wanderer auf dem Mainweg ahnen, das Gefühl einer schwebenden Leichtigkeit. Fast senkrecht schaut man auf den Main hinab, auf dieses ewige Fließen, das von einer steten Aufgehobenheit erzählt – vielleicht gerade deshalb, weil er niemals stehenbleibt.

Frankenblick

In der Reihe GangART leitet Georg Magirius seit 2009 regelmäßig spirituelle Tageswanderungen z.B. in Odenwald, Steigerwald, Spessart, Schwarzwald, Rhön, Fränkischem Weinland und in den Haßbergen. Bei 35 Touren nahmen mehr als 750 Wanderer teil.  Weitere Informationen dazu >>> hier. Von Georg Magirius sind kürzlich die Bücher “Frankenglück. 33  Orte zum Staunen und Verweilen” und das Pilger-Werkbuch “Schritt für Schritt zum Horizont” erschienen. Fotos: mag / Heike Herwig.

>> Zum Anzuschauen der Fotos mit der Maus aufs Bild klicken.

Weinbergparallelen Ruheinsel - Foto von Heike HerwigStille und Weite - Foto von Heike Herwig

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Wie finde ich endlich wieder Zeit?

Zeit für das WesentlicheEs wirkt hochmodern, stöhnend und doch stolz darauf zu verweisen, im Moment gerade ungeheuer wenig Zeit zu haben. Womöglich gab es das aber zu allen Zeiten. Kurt Tucholsky fiel jedenfalls vor bald hundert Jahren auf: “Jeder hat vierundfünfzig Ämter. ‘Sie glauben nicht, was ich alles zu tun habe!’ – Ich glaubs auch nicht. Weil das, was sie da formell verrichten, kein Mensch wirklich tun kann. Es ist alles Fassade und dummes Zeug”. Das gerade erschienene und von Nina Sträter herausgegebene Buch “Zeit für das Wesentliche” wirft mit konzentrierten Texten einen Blick hinter die Fassade der Hochtourigkeit und damit auf das, was im Leben wirklich tragen kann: Sich etwa nicht überfordern, sondern mit Johannes XXIII. den Geboten der Gelassenheit folgen: “Nur für heute werde ich zehn Minuten meiner Zeit einer guten Lektüre widmen”. Joachim Ringelnatz wiederum rät, überhaupt nichts zu lesen: “Verstecke dich faul in der Fülle der Gräser (…) Und lass deine Melodien lenken von dem freigegebenen Wolkengezupf. Vergiss dich. Es soll dein Denken nicht weiter reichen als ein Grashupferhupf.”

Wer stoppt, kommt früher an

In dem Buch finden sich Gedichte, Gedanken, Weisheiten, freche Ermunterungen und ermutigende Widerständigkeiten von Horaz, Edith Stein, Bonhoeffer, Augustinus, Mutter Teresa, Hildegard von Bingen und Dorothee Sölle. Mascha Kaléko rühmt den sanften Zwang des Krankenbetts. Georg Magirius wiederum tritt inmitten der brausenden Großstadt in die Fahrradpedalen, um mitzurasen, was aber bald in eine Trödelei umkippt, die sich wiederum als eine Beschleunigung der anderen Art entpuppt, nämlich: “Wer stoppt, kommt früher an.” Der bei der Inquisition angzeigte Johann Michael Sailer, Bischof von Regensburg, sieht ausgerechnet in dem, wovor sich nicht wenige fürchten, einen tragenden Grund: der Begegnung mit sich selbst.

Heilung in der Einsamkeit

So suche – und auch diese Worte aus dem 19. Jahrhundert klingen aktuell und zeitlos zugleich – der durch geschellschaftliche und geschäftliche Verpflichtungen beschwerte Mensch “Einsamkeit, um sich vor Missmut zu bewahren, um die abgelaufene Uhr wieder aufzuziehen; er sucht Einsamkeit, um das Gemüt vom Überdruss zu heilen, der im Gewirr der Gesellschaft kaum zu vermeiden ist; er sucht Einsamkeit, um seinem Charakter die Eigentümlichkeit wiederzugeben, die ihm die fremden Gestalten und die Nachahmung geraubt haben”. Aber womöglich ist es noch einfacher, sich vor der Augescheuchtheit zu schützen und das Gefühl für Ruhe, Gelassenheit und das Wesentliche zu finden. Antoine de Saint-Exupéry formuliert es ist in der Kunst der kleinen Schritte. Es ist ein Gebet, die Bitte um Nüchternheit: “Bewahre mich vor dem naiven Glauben, es müsste im Leben alles glattgehen.”

Zeit für das Wesentliche. Was wirklich trägt, hg. von Nina Sträter, 160 Seiten, Design: Daniela Lengers, Satz  und grafische Gestaltung: Beate Karahmanlar, Coppenrath Verlag Münster 2016, 12,95 Euro, ISBN 978-3649671305. Mehr Informationen zum Buch >>> hier.

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Sich selbst beschenken

“Frische Fotos, Wünsche aus der Bibel. Georg Magirius kostet Worte der Bibel quasi wie Früchte. Und fertig ist ein Geschenkbuch zum Behalten und Verschenken”, urteilt die Redakteurin Ute Hesuer-Ludwig im Evangeliumsrundfunk über das aktuelle Buch “Gute Wünsche aus der Bibel” von Magirius. In der halbstündigen “Lesezeichen” stellt sie es am 2. Oktober und 7. Oktober 2016 um jeweils 15 Uhr auf ERF Plus vor. >>> Mehr.

Gute Wünsche aus der Bibel, 64 Seiten, Hardcover, Herder Verlag 2016, mit zahlreichen Fotos, Lektorat: Dr. Dietrich Voorgang, ISBN 978-3-445132-871-8, 10.00 Euro.

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Die Grundlage positiver Emotionen

Positive Emotion bricht auf - Foto von Georg MagiriusAusgerechnet Traurigkeit und Tränen können die Grundlage positiver Emotionen sein. Das schreibt Georg Magirius in Folge 49 seiner Kolumne für das Evangelische Frankfurt vom 28. September 2016. Gewöhnlich gelte es als Leistung, Tränen zu unterdrücken. “Dabei leiden viele unter ihrer Traurigkeit, weil sie permanent damit beschäftigt sind, nur ja nicht traurig zu wirken.” Laut Magirius werde nicht zu viel, sondern zu wenig geweint. Davon sei eins der spirituellsten Bücher der Menschheit überzeugt, nämlich das Buch der Psalmen. Es verherrliche nicht die Tränen, aber im Gegensatz zu heutigen Gepflogenheiten akzeptiere es, dass es Grund zur Traurigkeit gäbe. “Beim Buch des Psalmen handelt es sich überwiegend um Tränenlieder. Doch münden sie in eine kaum vorstellbar enthusiastischen Jubel”, schreibt Magirius. Entscheidend für diesen Prozess sei die Entkrampfung, die das einfache, aber heute in der Regel verpönte Eingeständnis “Es tut weh” hervorrufen könne. Pointiert lasse sich dieser emotionale Prozess mit der bildhaften Szenerie aus den Psalmen beschreiben: “Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. Sie gehen hin und streuen ihren Samen, und kommen und bringen ihre Garben.” Die Kolumne kostenfrei lesen>>> hier, Redaktion: Dr. Antje Schrupp.

Von Georg Magirius zum Thema erschienen: Gute Wünsche aus der Bibel, 64 Seiten, Hardcover, Herder Verlag 2016, mit zahlreichen Fotos, Lektorat: Dr. Dietrich Voorgang, ISBN 978-3-445132-871-8, 10.00 Euro.

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