Die Kunst des Selbstverständlichen

Das Einfachste und Selbstverständlichste im Leben drohe vielen abhanden zu kommen, schreibt die Redakteurin Stefanie Bock in der Evangelischen Sonntags-Zeitung vom 18. September 2016. “Terrorwarnungen, die Angst vor sozialem Absteig, Konkurrenzdruck. Das Tempo des Lebens lässt nicht viel Zeit zum Atehmholen.” Wenn aber mit dem Atmen das Grundlegendste zum Leben in Frage gestellt sei, bedürfe es womöglich einer Fertigkeit, die ebenfalls einfach und grundlegend sei, um wieder in den Rhythmus des Elementaren einsteimmen zu können. Weil diese fast therapeutisch zu nennende Fertigkeit aber so einfach sei, handle es sich womöglich fast schon wieder um eine Kunst, nämlich die Kunst des Selbstverständlichen. Sie bestehe darin, sich selbst oder anderen Gutes zu wünschen – wie sie etwa in dem Buch “Gute Wünsche aus der Bibel” von Georg Magirius entfaltet werde. “Seine Botschafti ist klar: ‘Nichts anderes wollen die Wünsche dieses Buches: von der Macht des Guten erzählen – in leichten wie in bösen Tagen’”.

Georg Magirius, Gute Wünsche aus der Bibel. Herder-Verlag 2016, Lektorat: Dr. Dietrich Voorgang, Gebunden, 64 Seiten, zahlreiche Abbildungen, 10 Euro.

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Unverkrampfter Trost in großer Trauer

In Zeiten der Trauer hilft es, den Schmerz nicht zu bagatellisieren. Das ist der fast ungewöhnlich zu nennende Ausgangspunkt des Trauerbegleiters “Du aber bist mir Du aber bist mir Trost und Hilfe - Begleiter für TrauerndeTrost und Hilfe”. Die gewöhnliche Reaktion auf den Tod scheint heute nämlich zu sein, das Wort “sterben” durch das Wort “gehen” zu ersetzen, wie Arnold Stadler in seinem kaum greifbar und befreiend tiefsinnigen neuen Roman “Rauschzeit” schreibt. Doch dieser Ersatzhandlung verweigert sich der mit Fotos von Andrea Göppel erschienene Trauerbegleiter. Stattdessen traut er der Stimme von Bibelworten, Dichterinnen und Autoren, die die Kraft haben zu trösten, weil sie Raum für das Untröstliche lassen, es also nicht abtragen oder wegschaffen wollen. Der Band umfasst Gedichte, Lieder und Betrachtungen von Rudolf Bohren, Hilde Domin, Rainer Maria Rilke, Eugen Roth, Judith Butler, Dietrich Bonhoeffer, Georg Magirius, Friedrich Rückert, Jochen Klepper und Marie Luise Kaschnitz. Weitere Informationen und Leseprobe >>> hier.

Du aber bist mir Trost und Hilfe, Begleiter für Trauernde, 48 Seiten, 7.99 Euro, Herder Verlag 2016, ISBN 078-3-451-34959-1.

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Pilgern für Aufsteiger

Das Leben kennt nicht nur Härten, sondern zeigt sich auch auf erfrischende Weise weich. Das haben 15 Pilgerinnen und Pilger aus Aue, Bremen, Frankfurt, Freiburg, Freiburg, Hannover, Herbolzheim, Herrsching, Selm, Sinzheim und Wetzlar auf dem Kinzigtäler Jakobuswegs im Schwarzwald im September 2016 erfahren. Das von Herder Reisen veranstaltete „Pilgern für Einsteiger“ leitet die Romanistin und Medienwissenschaftlerin Caroline Huber – spirituell begleitet vom Theologen und Schriftsteller Georg Magirius. Das Pilgern für Einsteiger entuppt sich freilich als ein Pilgern für Aufsteiger. Denn auf den beiden Etappen zwischen Haslach und Gengenbach werden gleich zwei markante Anstiege bestaunt, beschimpft und angegriffen.

Aufstieg zum Niller Eck - Kinzigtäler Jakobusweg

Aussicht vom Niller Eck

Dank diese langwierigen Mühen aber wandert es sich in Landschaften hinein, die auf einer anderen Etage liegen. Erleichternd die Aussicht vom Niller Eck. Weich die Waldwege zwischen Dierlesberg und der legendären Karfunkelstadt. Gelassen plaudert die Nordrach und verschwimmend schön sind die Übergänge im blau schattierten Waldbergpanorama am diesigen Morgen in Zell. Das dort entspringende Radiumquellwasser träufelt auf Lippen, Zunge und in Flaschen, sodass keiner der Schwarzwaldpilger vertrocknet. Und euphorisch und unkomponierbar homogen klingt das Gruppenbild Ins Blaue gehen Richtung Gengenbachbei Neuhausen. Klingt? Tatsächlich ist es ein Klangbild, nämlich ein vielstimmig an den Berg geworfenes – wie soll man sagen? – Hallelujuhu, das für die unaufkündbare Ewigkeit eines Augenblicks als Echo zurückhallt.

Platz in der Herberge

Rhytmisch und stetig hingegen musizieren die Jakobsmuscheln an den Rucksäcken. So geht es Schritt für Schritt zum Ziel, der Jakobuskapelle in Gengenbach, von der man bis in die Vogesen blicken kann. Die Weinstöcke neben der Kapelle tragen ein sattes Blaurot. Und in der Kapelle wird Gott gelobt, dass er vor Freude stolz und groß würde, wenn er es nicht schon wäre. In diesem Augenblick aber, da alles stimmt, enthüllt sich diese Größe eben auch. Selbst noch am Abend ist sie in der Heidelbeermousse zu ahnen, sodass selbst der letzten Pilger Gewissheit hat, einen Platz in der Herberge zu haben.

Nach Zell am Harmersbach auf dem Kinzigtäler Jakobusweg

In der Reihe GangART leitet Georg Magirius regelmäßig spirituelle Wanderungen. Bei 34 Touren nahmen mehr als 750 Wanderer teil. Informationen dazu >>> hier. Mehr zu Herder Reisen findet sich >>> hier.

Pilgerkette am Heizenberger Kreuz

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Trink deinen Wein mit gutem Mut!

Weininsel bei Volkach im Fränkischen WeinlandSich von der Leidenschaft mitreißen lassen, kann Erholung in einem eng getakteten Leben bieten. Das sagt der Theologe und Schriftsteller Georg Magirius in seinem Essay “Trink deinen Wein mit gutem Mut!” im Deutschlandfunk vom 2. Oktober 2016. Der Beitrag folgt der erfrischenden Bedeutung, die der Wein in der Bibel spielt, etwa im Buch des Predigers Salomo oder in den Evangelien. “Wein gilt als Kostbarkeit, die man nicht nur kostet, sondern auskostet, bis man das ganze Leben und sich selbst als prachtvoll erlebt”, sagt Magirius. Dabei gehe es nicht um Betäubung. “Der Wein soll die Sinne nicht dämpfen, sondern alle Sinne für den Geschmack des Lebens öffnen. Es geht nicht um ein effektiv genutztes Pausenelement, dank dem ich möglichst rasch zum rasanten Takt der Pflichten zurückkehren kann. Nein, es wird eine Leidenschaft gefeiert, die dem ganzen Leben gilt.”

Zyperblumen und Wein

Blaue TraubenDaher sei in der Bibel, wenn der Wein seine Aromen entfaltet, auch die Liebe nicht fern, etwa im Hohelied. “Da finden sich Sehnsuchtssoli und Liebesduette, die in Genusslandschaften locken, in denen Wein und Liebe kaum noch zu unterscheiden sind: ‘Komm, lass uns aufs Feld hinausgehen und unter Zyperblumen die Nacht verbringen, dass wir früh aufbrechen zu den Weinbergen und sehen, ob der Weinstock sprosst und seine Blüten aufgehen.’ Das Hohelied ist laut Magirius ein ekstatisches Gebet, auch wenn es Gebet nicht heißt. “Dem Höchsten schmeichelt es und faltet nicht brav die Hände, die Leidenschaft singt mit ausgestreckten Armen, wie ich es in keinem Workshop lernen kann, der mit effizienten Erholungsstrategien wirbt inklusive Achtsamkeitselementen bezüglich der eigenen Körperwahrnehmung.”

Trink deinen Wein mit gutem Mut!, Deutschlandfunk, Am Sonntagmorgen, 2. Oktober 2016, 8.35-8.50, Sendung von Georg Magirius mit Musik von Antonio Vivaldi: La Follia, Rachmaninov und Andreas Schmehl. Ton: Natalie Truchseß, Simon Geiger. Redaktion: Frank-Michael Theuer.

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Kühner Genuss

“In einer immer unübersichtlicheren Welt, die manchmal Herz und Verstand ganz schön überfordert, scheinen wir gelegentlich Häppchen von Weisheit zu brauchen”, schreibt die Supervisorin, systemische Beraterin, Buchautorin und Theologin Amet Bick (Foto: www.ametbick.de) für die Amet Bick Copyright www.ametbick.deWochenzeitung “Die Kirche” vom 11. September 2016. Es sei sinnvoll, wenn jemand den Blick auf das lenkt, “was gut und hilfreich sein kann, wenn man ein glücklicher Mensch werden und bleiben will.” Wohl deshalb gebe es momentan so viele Lebensratgeber auf dem Markt. Unangenehm an ihnen sei allerdings die oft besserwisserische Attitüde. Frei davon sei das Buch “Gute Wünsche aus der Bibel” von Georg Magirius. “Er spricht von sich, seine Erfahrungen scheinen immer durch. Und das in einer Sprache, die die Sinne anspricht, die leicht und luzid wirkt.”

Süß, fruchtig, deftig?

Dadurch lassen sich neue Seiten an dem altehrwür­digen Buch entdecken.”Magirius liest die Bibel quer und stößt dabei wie ein flanierender Goldsucher scheinbar mühelos auf Nuggets.” Im berühmten „Seid fruchtbar und mehret euch“ in Mose 1, 28 finde er etwa den Wunsch nach Groß­mut. “Der Mensch soll wachsen und an Größe gewinnen, so interpretiert er die Bibelstelle kühn. Es gehe nicht nur um zahlreiche Nachkommen, denn dann wären die ausgeschlossen, die keine oder nur eini­ge Kinder haben. ‘Fruchtbar sein bedeu­tet, sich als einen Menschen zu verstehen, der genießbar ist.’” So habe sie das noch nicht gesehen, schreibt Bick:  “Oder geschmeckt. Denn der Satz bekommt für mich eine kulinarische Note. Wie schmeckt ein Mensch der Georg Magirius: Gute Wünsche aus der Bibel - Buchcovergenießbar ist? Eher süß? Fruchtig? Oder deftig?” Zu solchen Glücksexperimenten lade Magirius durch eine Sprache ein, die Klänge, Farben und eben auch Geschmack transportieren könne. -

Die vollständige Rezension von Amet Bick lesen >> hier.

Gute Wünsche aus der Bibel, 64 Seiten, Hardcover, Herder Verlag 2016, mit zahlreichen Fotos, Lektorat: Dr. Dietrich Voorgang, ISBN 978-3-445132-871-8, 10.00 Euro.

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Magisches Versprechen

“Das Wort Gottes versprechen! Uns das Wort Gottes zu versprechen und es zu versprechen mit unserer Gegenwart. Es also hineinzusprechen in unsere Zeit, in unser Gehör und unser Herz, und zwar so, dass wir dabei bleiben und hören, also scharfsinning, hellsichtig, mit Wortwitz, tiefsinnig und einsichtig zugleich, das hat sich sunnypanitz (c) Dekanat WiesbadenGeorg Magirius zur Lebensaufgabe gemacht.” So hat Sunny Panitz, Pfarrer der Wiesbadener Ringkirchengemeinde, während der 15. Nacht der Kirchen in Wiesbaden am 2. September 2016 das Gepräge des Theologen und Schriftstellers Georg Magirius charakterisiert. Anlass war die vom Buch “Traumhaft schlägt das Herz der Liebe” angeregte Konzertlesung mit der Harfenistin Isabelle Müller aus Brüssel. Das Klanggeschehen könne laut Panitz “im Inneren Bilder und Filme entstehen lassen. Man kann sogar etwas riechen. Ich habe etwa duftendes Öl gerochen – ich weiß nicht, wie das möglich wird,  ob durch die Musik, den Klang der Worte oder durch beides zusammen, es wirkt magisch.”

Produktive Lücken

Dass Magirius’ Erzählen zum Versprechen werde, habe womöglich damit zu tun, dass er traditionelle Wortfolgen unterbreche, ohne sie zu zerbrechen. Er spreche sie auseinander und in einem kirchlich-konventionellen Sinn sei das sogar ein Sich-Verprechen, aber gerade dieses kreative Aus-der-Reihe-Sprechen lasse Raum entstehen für Musik, Poesie und das über die Grenze Gehende. “Die aufregenden, nachdenklichen und bezeichnenden Geschichten, die Magirius erzählt, die den Bibelfesten bekannt sind, die wir sämtlich irgendwie schon einmal gehört haben – aber eben nicht so -, werden umspielt von rauschhaft starken Tönen, rebellischen Klängen, die hineinführen in die wilde Freiheit des alltäglichen Lebens. Ich wusste nicht, dass man Harfe auch so spielen kann.”

Sunny Panitz, geboren 1958, hat als Pfarrer unter anderem in Frankfurt, Mainz und Toronto gearbeitet. Seit 2000 ist er Pfarrer der Evangelischen Ringkirchengemeinde in Wiesbaden und seit 2007 Stellvertretender Dekan in Wiesbaden.
Promoviert wurde er bei Prof. Dr. Gert Otto im Fach Praktische Theologie an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Er ist Supervisor und ordentliches Mitglied in der Sektion GRUPPE – ORGANISATION – SYSTEM der Deutschen Gesellschaft für Pastoralpsychologie.

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Ein anderer Blick ins Glück

Mainweg bei Retzbach (c) FrankenglückFranken kann dank Georg Magirius aus einem anderen Blickwinkel entdeckt werden.  Das schreibt die Tageszeitung “Fränkische Nachrichten” in der Rubrik “Neue Reisebücher” vom 19. Juli 2016 über Magirius’ neues Buch “Frankenglück”. Die sanften Hügel mit den Weinbergen, die Burgen und Schlösser und die vielen Fachwerkstädte seien ein beredtes Zeichen dafür, dass Franken als beglückende Landschaft wahrgenommen werden könne. Im “Frankenglück” freilich würden Orte vorgestellt, “die abseits der großen Routen liegen – wie die Schwedenschanze bei Hofheim oder die Heunesäulen bei Kleinheubach.” Gleichwohl Frankenglück Buchcoverseien sie es wert, “dass man nicht nur einen kleinen Abstecher dorthin macht.” Dafür bietet sich laut Rezension des zur Main Post gehörigen Volksblatts vom 9. Mai 2016 etwa der Mainweg bei Retzbach an, “der weite Blicke durch die wellenartige Landschaft bietet.”

Georg Magirius, Frankenglück, 33 Orte zum Staunen und Verweilen, 144 Seiten mit zahlreichen farbigen Abbildungen, Lektorat: Thomas Häußner, Gestaltung: Peter Hellmund, ISBN: 978-3-429-03912-7 – 12 Euro. >>> Weitere Informationen <<<

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Maßlos arbeiten

Maßlos schöne Aussicht - Foto von Georg MagiriusWie kann man drohender Erschöpfung vorbeugen? Mit dem Achten auf die innere Balance, das ausgewogenes Verhältnis von Tätigkeit und Muße, mit Trainingskursen zur Entschleunigung, dem Schraffieren von Freiflächen im Kalender oder Kurz-Massagen am Arbeitsplatz. Die Strategien sind kaum zählbar, haben aber in der Regel gemeinsam, sich endlich einmal zu mäßigen. Georg Magirius plädiert in Folge 48 seiner Kolumne für das Evangelische Frankfurt vom 26. August 2016 für das Gegenteil, nämlich die Maßlosigkeit. Wer sich in der Arbeit verlieren könne, dem schmecke das Brot doppelt gut, schreibt er. Zur Kolumne >>> hier, Redaktion: Dr. Antje Schrupp.

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Für einen Augenblick still …

Isabelle Müller Foto von Aaron KreidelAugenschmaus mit Marc Chagall, eine Performance zu Flucht und Heimat, die literarische Rheingau-Weinprobe “Schwanken zwischen Seligmacher und Höllenberg …”,  in die Stille oder auf die Konzertharfenistin Isabelle Müller hören (Foto: Aaron Kreidel) – das lässt sich während der 15. ökumenischen Nacht der Kirchen am 2. September 2016 in Wiesbaden erleben. Zwischen den 22 offenen Kirchen verkehren regelmäßig Busse. Wohltuend kann es indes sein, einfach sitzenzubleiben – etwa in der evangelischen Ringkirche. Auf einschläfernde Weise  beruhigend geht es in Wiesbadens größter Kirche allerdings nicht zu.

Überdurchschnittlich gefahrvoll

Pfarrer Ralf-Andreas Gmelin (Foto: Ringkirche) lässt Steine sprechen. Der nicht ganz niedrige Turm des “Doms der kleinen Leute” lässt sich besteigen. Außerdem kann man sich in der Rondo-Bar Mut antrinken, um sich den biblisch inspirierten Liebesabenteuern anzunähern, die in der Frage kulminieren: Wird Tobias die Hochzeitsnacht mit Sara überleben – anders als seine sieben Vorgänger?  Verantwortlich für die mit Wortwitz und musikalischer Raffinesse in die Gegenwart gelegten Weisheiten der Heiligen Schrift sind die Konzertharfenistin Isabelle Müller und der Theologe und Schriftsteller Georg Magirius. die Moderation hat Ringkirchenpfarrer Dr. Sunny Panitz. Sie weisen um 20, 21 und 22 Uhr den Weg in die überdurchschnittlich gefährlichen Hochzeitsnächte, aber auch in eine FFK-Ferienclubanlage: Dort herscht Sommer für immer! Eines Sonnentages aber halten Adam und Eva die zwanghaft gute Stimmung nicht mehr aus und brechen unter Hindemiths rebellischen Klängen aus – hinein in die wilde Freiheit des alltäglichen Lebens. Die schweigsame Kinoliebhaberin und Weingummianhängerin Maria wiederum begegnet Jesus erstmals bei einem Sommer-Open-Air. Alle Künstler bieten eine tolle Show – bis auf Jesus. Er erzählt nur, sonst nichts.

Die berauschende Gabe der Wortlosigkeit

Gerade das erregt Maria auf eine fantastisch beruhigende Weise. Dank der sie beide verbindenden Gabe zur Begrenzung erfahren sie – umrauscht von Gabriel Faurés Impromptu – eine Entgrenzung, die die sie umbgebenden Aktivitätfanatiker für die Ewigkeit eines Augenblicks sprachlos macht. Jakob und Rahel begegnen sich wiederum erstmals inmitten einer Schafherde und erleben ein glitzernd-wisperndes Nacht der Kirchen Wiesbaden logoRendezvous am Brunnen unter den rauschhaft starken Klängen des Prélude aus der Suite in E-Dur 1006a von Johann Sebastian Bach. – Isabelle Müller hat ihr Harfenstudium bei Prof. Fran­coise Fried­rich an der „Hochschu­le für Mu­sik und Dar­stellende Kunst Frank­furt“ 2016 mit Best­note abge­schlos­­sen. Sie ist mehr­­­fa­che Preis­­trä­ge­rin na­tiona­ler und inter­nationaler Harfen­wett­be­werbe im Solospiel und Mitglied der Jungen Deutschen Phil­harmonie. Sie lebt in Brüssel und in Mainz.

Harfe, Hochzeitsnacht und 7 tote Ehemänner, Freitag, 2. September 2016, 20 / 21 / 22 Uhr, Ev. Ringkirche Wiesbaden – Das Programm der Nacht der Kirchen >>> hier.

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Die Gabe des Weglassens

Reuenthal im OdenwaldNichts für funktionsbeschichtete Kampfwanderer oder die allradfahrende Landlustschickeria. Das Buch „Frankenglück“ von Georg Magirius lebt nach Urteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 18. August 2016 stattdessen von der Freude am bedächtigen Herumstromern und von eher zufälligen Streifzügen zu verborgenen Orten zwischen Rhön und Steigerwald, Aschaffenburg und den Haßbergen. Das Taschenbuch sei allerdings kein Führer zu Kraftorten, Hexentanzplätzen und keltischen Fruchtbarkeitsquellen. Mit esoterischem Mumpitz hat der Autor nichts am Hut.“ Auch effektiv oder exzessiv agierende Landschaftserkunder würden enttäuscht sein, weil es ausschließlich um genussvolle Spaziergänge abseits des touristischen Mainstreams gehe, um „Orte, an denen das Wesentliche möglicherweise im Verborgenen blüht.“

Der stille Luxus der Abwesenheit von Spektakulärem

So könne das Odenwälder Reuenthal das wiederkehrende Maiengrün in unendlichen Schattierungen genießen lassen. Im Hochspessart lade eine Blumenwiese vielleicht zum Schmökern ein, in Arnstein wiederum ein lauschiger See zum Baden. „Jedenfalls sind derart entspannte Exkursionen ein Garant dafür, dass es keiner Lektüre von Bestsellern über Entschleunigung oder Darmsanierung bedarf.“ Alle vorgestellten Täler, Schlösser, Ruininen Moore, Höhlen, Klöster, Kapellen, Alleen, Skigebiete, Weinberge hätten eines gemeinsam: „Sie umweht der stille Luxus einer Abwesenheit von Spektakulärem.“

Kein pastoral aufgeschäumtes Slowfood-Getue

Statt ausführlicher Beschreibungen würde der Autor es bei knappen Anregungen belassen – ganz im Geist Wilhelm von Humboldts: „Man genießt die Natur auf keine andere Weise so schön, als beim langsamen Frankenglück Buchcoverzwecklosen Gehen.“ Solche Mußestunden könnten sich freilich auch in einem der angeführten Cafés oder Gasthäuser einstellen:  „Da auch zum Gehen und Einkehren die Gabe des Weglassens gehört, sind es durchweg grundsolide Oasen ohne Sterne und Hauben, wo weder Teller-Ikebana zelebriert wird noch patoral aufgeschäumtes Slowfood-Getue.“

Georg Magirius, Frankenglück, 33 Orte zum Staunen und Verweilen, 144 Seiten mit zahlreichen farbigen Abbildungen, Lektorat: Thomas Häußner, Gestaltung: Peter Hellmund, ISBN: 978-3-429-03912-7 – 12 Euro. >>> Weitere Informationen <<<

Die vollständige Rezension von Rudolf Maria Bergmann lässt sich nachlesen bei >>> Buecher.de. Mehr zu Rudolf Maria Bergmann >>> hier.

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