Biblisches

Neues Institut zur Förderung der Lebenslust

Professor Dr. Egbert Ballhorn vom Institut zur Förderung der Lebenslust - Foto (c) Georg Magirius

Eine biblisch inspirierte Spiritualität weist in ein Leben voller Stärke, Risiko, Licht, Überfluss und Mut. Das hat Bibelwissenschaftler Egbert Ballhorn in einem Interview für den ARD-Hörfunk am 8. März gesagt. Der Beitrag mit dem an der TU Dortmund lehrenden Theologen ist in der von Klaus Hofmeister und Lothar Bauerochse redaktionell betreuten, den Themen Spiritualität und Orientierung gewidmeten Sendereihe auf HR2-Kultur jetzt hier als Podcast zu hören. Musikalisch interpretiert die Sendung die Harfenistin Lavinia Meijer mit Stücken von Philip Glass. Was Alttestamentler Ballhorn über Bibel und Glaube sagt, mag überraschen. Denn dem christlichen Glauben wird oft vorgeworfen, er kreise ums Schwache, mache dadurch schwach. Häufig gehe es nur um Krankheit, Schuld, Gebrechlichkeit und Tod. Dadurch unterdrücke die Botschaft der Kirchen die Lebenslust, rate zu Enthaltsamkeit, Askese, Demut – kurz: zum Bravsein. Die Kirche sei nichts anderes als eine Institution zur Förderung der Freudlosigkeit.

Andere Fährten

Wer sich der Weisheit Jesu in den Schriften der Bibel annähert, findet andere Fährten. Das könne die Instutition Kirche anregen, stärker zu einem – mit etwas Augenzwinkern gesagt – neuem Institut zur Förderung der Lebenslust zu werden. Jesus jedenfalls folgt einer Weisheitstradition, die voller Lebensfreude ist, sagt Ballhorn, Vorsitzender des Katholischen Bibelwerks.

Egbert Ballhorn über Frau Weisheit

Das Alte Testament lässt im Buch der Sprichwörter Frau Weisheit als Figur auftreten. Sie sagt: Kommt alle zu mir, ich habe den Tisch gedeckt mit Brot und mit Wein. Ich mache euch satt. Das ist die Idee der Weisheit. Sie deckt den Tisch. Und alle, die wollen, können es haben. Man muss bereit sein, sich nehmen zu wollen. Man muss bereit sein, sich sättigen lassen zu wollen. Und wer will, der kriegt. Das ist die optimistische Sicht der Weisheit. Sie breitet ihre Schätze aus. Und Jesus als Prediger und Verkünder ist Nachfolger der Frau Weisheit.

Prof. Dr. Egbert Ballhorn bei Podcast.de jetzt hören

Sag nicht ab!

Eines der vielleicht wichtigsten Weisheiten eines biblisch inspirierten Glaubens also lautet: Komm! Sag nicht ab, sag lieber Ja und zu. Der Tisch ist gedeckt, und was es gibt, ist nicht knapp. Nimm! Es reicht nicht nur, denn das Leben ist da im Überfluss. Das macht Menschen stark. Allerdings verschließt Weisheitslehrer Jesus nicht die Augen davor, dass sich Menschen noch auf andere Weise als stark verstehen. Sie reißen sich auf Kosten anderer am besten alles unter den Nagel. Das ist nicht weise, sondern zerstörerisch, sagt Ballhorn.

Das ist vielleicht das Wunder der neutestamentlichen Texte, die die Weisheit Jesu vorstellen: Das Verhältnis von Stark und Schwach kehrt sich um. Wenn ich Erkenntnis gewonnen habe, richte ich nach dieser Maxime mein Leben aus. Damit lasse ich mich nicht kleinmachen. Und diejenigen, die die äußere Macht haben und ihre Macht missbrauchen, anderen Menschen das Leben zu nehmen, sind im Grunde die Schwachen. Ich selber bin im Grunde der Starke, weil ich weiß, worum es geht. Das ist eine Erkenntnis, der man dann wirklich schon den Begriff der Erleuchtung geben muss. Denn das verleiht eine Stärke und eine Weisheit, die mich herausreißt aus den Gesetzmäßigkeiten von Unterdrückung und Zerstörung. Ich glaube, es braucht Menschen, die bereit sind, den Weg einer solchen Weisheit zu gehen – gerade in der Gegenwart.

Prof. Dr. Egbert Ballhorn, in der ARD jetzt hören

Lustvoll und mit Risiko

Menschen, die den Weg Jesu gehen, hinterfragen die Macht der Unsensiblen, die herrisch auftrumpfen müssen, weil sie womöglich Angst haben, anderen auf Augenhöhe zu begegnen: schutzlos, aber frei. Wer sich Weisheit, Überfluss und Freude gönnt, gewinnt dagegen eine ganz eigene Kraft. Und sagt zur Lebensvernichtung derer, die sich nicht beschenken lassen und nichts verschenken können: Nein.

Die Leute, die in diese Sphäre des Lichtes und der großen Stärke hineingekommen sind, haben die Aufgabe, als erwachsene Menschen und gerufene Menschen sel er nach dieser Botschaft weiterzuleben, auch ihr Leben zu riskieren.

Egbert Ballhorn, Vorsitzender des Katholischen Bibelwerks

Von Lebenslust und Risiko

Das Interview mit Egbert Ballhorn über Lebenslust und Risiko findet sich bei podcast.de hier. An der Sendung mitgewirkt haben neben Prof. Dr. Egbert Ballhorn außerdem Prof. Dr. Paraskevi Mavrogiorgou-Juckel und Prof. Dr. Georg Juckel. Es sprechen Schauspieler Torsten Flassig und Schauspielerin Claudia Jacobacci. Die Regie der Sendung hat Aran Kleebaur, das Produktions-Management Maria Anna Bopp. Angeregt ist der Beitrag von dem im Coppenrath unter dem Lektorat von Ursula Heeke veröffentlichten Buch “Leuchte. Wachse. Gehe deinen Weg”.