Stille

Kunst des Seins

Die Kunst des Seins ist im Freibad zu erfahren, schreibt Pfarrer Ingo Schütz in seinem Beitrag über die Stille.
“Hier sind die Gäste für die effektivitätsverrückte Welt nicht zu sprechen.” Foto: Georg Magirius

Wie kann man sich einem lautlosen Phänomen wie der Stille mit Worten oder gar einem ganzen Buch annähern? Dieser Frage geht Pfarrer Ingo Schütz in der Oktoberausgabe 2020 des Hessischen Pfarrblatts nach. Die Redaktion des Beitrags hat Pfarrer Martin Franke. Schütz verweist bei seinen Überlegungen auf das von Georg Magirius herausgegebene Buch „Stille erfahren – Impulse für Meditation und Gottesdienst“. Der – dem fertigen Manuskript von Verkaufsstrategen des Herder Verlags übrigens undiskutierbar mitgegebene Titel – führt laut Schütz allerdings in die Irre. Denn: “Wer erwartet, hier für die liturgische Praxis oder die Gestaltung der eigenen ‘Stillen Zeit’ hilfreiche Tipps oder starke Leitgedanken zu erhalten, wird enttäuscht.” Dafür aber rege das Buch zu einer Kunst des Seins an.

Seiner Sehnsucht nachgehen

Denn bei diesem Buch handle sich nicht um Tipps. Und auch nicht um einen Bewältigungsplan für den Umgang mit äußerem Lärm oder innerer Unruhe. Das Buch sei keine sogenannte Praxishilfe, mit der man rasch vorwärtskomme, sodass sich dadurch gleich mal ein zwei drei Gottesdienste mehr abfeiern ließen, da es weniger Zeit und Mühe koste, kurz ins Buch zu schauen statt der eigenen Sehnsucht nachzugehen. All das könnten vom Titel ausgelöste Erwartungen sein, denen allerdings “die äußerst bunt gemischten Beiträge keine Rechnung tragen.” Denn dieses Buch sei kein Rechnungsbuch. Die 18 Euro, die es koste, könne man damit auch nicht in zum Beispiel zwei Arbeitstagen wieder hereinwirtschaften. Und noch nicht einmal in zehn Berufsjahren.

Kunst des Seins

Diesem Buch gehe es nämlich um mehr. Um alles! Um extrem wenig, um eine Inspiration nur, also ein Wehen. Einen Hauch. Einen Anhauch Gottes? Jedenfalls um eine Ahnung, die den Liturgen mit der Erlaubnis konfrontiert, die wissende Distanz gegenüber einem Arbeitsgegenstand einmal aufzugeben. Sodass die Stille den Charakter eines beherrschbaren, zu optimierenden und trefflich einzusetzenden Arbeitsgegenstandes abstreift. Ingo Schütz: “Den Texten ist zu wünschen, dass Lesende ihnen Anregungen entnehmen können, die sie inspirieren für ihre liturgische Arbeit, ihre persönliche Suche nach Stille, für die Kunst des Seins an sich. Oder auch nicht: Schließlich ist Stille, so stellt der Herausgeber es dar, ein geistlicher Wert als Ausdruck von Zweckfreiheit. Wie könnte man dann ein Buch über die Stille nach seiner Leistungsfähigkeit beurteilen?”

Eine gute Bekanntschaft

Statt an Leistung und liturgische Arbeit denkt Rezensent Ingo Schütz schließlich an eine gute Bekanntschaft, von der der Herausgeber erzähle: “Das Freibad, anhand dessen Magirius seinen persönlichen Zugang zur Stille beschreibt, ist dem Rezensenten bestens bekannt. Es ‘liefert nichts … Es dient überwiegend dem Nichts, weil es von September bis April zu jenen Orten zählt, die ertraglos sind‘. Hier sind die Gäste ‚für die effektivitätsverrückte Welt nicht mehr zu sprechen.'”

Das Buch “Stille erfahren”

Buchcover Stille erfahren - Buch von Georg Magirius

Georg Magirius hat das Buch “Stille erfahren” im Herder Verlag herausgegeben. Das Buch enthält Beiträge von Amet Bick, Manuela Fuelle und Uwe Kolbe. Aber auch von Georg Magirius, Ann-Kristin Rink, Bernardin Schellenberger und Arnold Stadler. Es hat 128 Seiten, ist gebunden und kostet 18 Euro. Dr. Esther Schulz und Jochen Fähndrich haben es übrigens lektoriert. Und die ISBN-Nummer lautet 978-3-451-34996-6. Weitere Informationen und Pressestimmen sind hier.