Allgemein

Beten ohne Worte

Beten ohne Worte - Harfe von Miroslava Stareychinska

Gebete bestehen traditionell aus Worten. Aber kann man sich dem unaussprechlich Ewigen nicht auch ganz anders nähern? Georg Magirius schreibt über ein Beten ohne Worte in Folge 13 der Kolumne “Gefragt” vom 3. August 2014. Die Kolume erscheint übrigens in der Evangelischen Zeitung im Norden. Die bisherigen Folgen der Kolumne “Gefragt” im Überblick.

Den Beitrag “Beten ohne Worte” lesen

Gebete werden in der Regel gesprochen, sie bestehen traditionell aus Worten. Doch reichen Worte aus sich dem allergeheimnisvollsten Wesen anzunähern? Kann man auch ohne Worte beten? Es antwortet für die Evangelische Zeitung Georg Magirius.

Mir ist zum Beten zumute, wenn ich eine besondere Erfahrung mache, ich mich lebendig fühle. Dann will ich den Mund aufmachen. Und irgendetwas Kluges oder Schönes soll es dann sein, am besten ein Gedicht. Wenn das Leben mich ergreift oder die Wimpern streift, öffnet sich der Mund, ich will etwas sagen. Doch gerade dann können einem oft die Worte fehlen. Wenn ich das Leben feiern und Gott beschenken will, öffnet sich mein Mund zum Rezitieren, die Augen aber finden keinen Text.

Gott musikalisch beschenken

Soll ich den Stift ergreifen, um Worte hin- und herzuschieben? Wenn sie sich dann fein geordnet haben, werde ich sie für das Gebet herbeizitieren können. Aber nein, so lange will ich nicht warten, so lange kann ich nicht an Worten tüfteln. Wenn das Leben einen überfällt, muss man nichts sagen. Ich lausche. Denn wenn man auf die Stimmen hört, die sich durch das Leben fädeln, wird man beginnen, wie von selber loszuklingen. Eine Hymne aus der Bibel rät, Gott musikalisch zu beschenken. „Lobet ihn mit Posaunen, lobet ihn mit Psalter und Harfen! Lobet ihn mit Pauken und Reigen, lobet ihn mit Saiten und Pfeifen! Lobet ihn mit hellen Zimbeln, lobet ihn mit klingenden Zimbeln!“ (Psalm 150,3–5)

Es reicht auch ein Geräuschemachen

Keine ausgefeilten Worte sind das, keine großen Stimmen, jedes Instrument tönt mit. Es reicht auch ein Geräuschemachen – und es ist noch nicht einmal ein Machen. Wenn das Leben einen ergreift, darf der Mund wortlos offenstehen. Das genügt. Ich atme – das bereits fühlt sich an wie Musik, wunderschön komponiert. Mein Atem, aller Odem klingt, ich lebe. Jubilierend höre ich dem Jubel zu: „Alles, was Odem hat, lobe den HERRN! Halleluja!“ (Psalm 150,6)

Das Buch “Mit 100 Fragen durch die Bibel”

Buchcover des Titels "Mit 100 Fragen durch die Bibel". Das ist, als ob man durch die Bibel wie im T.G.V. reist. das

Der Beitrag ist angeregt vom Buch “Mit 100 Fragen durch die Bibel”. Georg Magirius hat das Buch in der Evangelischen Verlagsanstalt veröffentlicht. Es hat 160 Seiten und kostet 12,80 Euro. Barbara Handke hat es lektoriert. Die ISBN-Nummer lautet 978-3-374-02583-1. Weitere Informationen und Pressestimmen sind hier.