Franken, Religion und Poesie

Der Kern aller Weisheit

Der Kern aller Weisheit - Foto (c) ulleo von Pixabay

Einen Kern der Weisheit gibt es vermutlich nicht, jedenfalls nicht als eine alles klärende Weisung. Eine gru dlegende Richtung aber gibt es schon. All jene können auf die Spur spiritueller Weisheit einbiegen, die aufmerksam für Widersprüche und Spannungen sind, für Überraschendes, das Leben selbst. Solch eine Aufmerksamkeit befähigt dazu, Spannungen nicht aufzulösen oder abzuschwächen, sondern auszuhalten, sich von ihnen berühren und mitnehmen zu lassen. Diese Spiritualität des Widerspruchs ist der die Kolumne „Ouvertüre“ grundierende Gedanke der Redakteurin Sabine Schömig im Main Echo vom 23. Februar 2026.

Magie des Moments

Angeregt ist die unter dem Titel „Perlen der Weisheit“ veröffentlichte Kolumne vom Buch “Leuchte. Wachse. Gehe deinen Weg“, das Theologe und Schriftsteller Georg Magirius im Coppenrath Verlag unter dem Lektorat von Ursula Heeke veröffentlicht hat. Das Buch zeige, was Magirius auch außerhalb seiner Bücher kennzeichnet, etwa bei Spirituellen Gängen durch Odenwald und Spessart, schreibt Schömig: sein Sinn für „die Magie des Moments“. Diese Magie sei nichts Weltfernes, sondern auffallend erdverbunden, weil Magirius sie „in seiner unpathetischen, lebendigen Art in Geschichten verpackt, die von einem Satz aus der Bibel inspiriert sind.“ Es sind Alltagsweisheiten.

Redakteurin Sabine Schömig geht ihren Weg. Foto (c) Georg Magirius

Hungriger Tröster

Die Weisheiten sind – Widerspruch – trotz ihrer Stauberfahrenheit etwas Luxuriöses, das gerade deshalb so luxriös ist, weil es eben „so einfach daher kommt.“ Das Einfache sei allerdings nun „auch nichts Asketisches“. Wegen der Sprache des Autors sogar „fein und humorvoll“, aber dann doch auch – wieder eine Spannung – nicht nur feinsinnig, sondern voller Lebenslust, ausgelassen und frei. Und damit ganz im Sinne von Tröster Jesus, der für einige seiner Zeitgenossen wegen seines lustvollen Lebens ein „Fresser und Weinsäufer“ genannt war.

Sabine Schömig - Foto (c) Georg Magirius

Andächtig laut

Das klingt so, dass auch Entfesseltes oder selbst krachend Lustiges weise sein könne. Magirius jedoch habe aber nun gerade – wieder ein Widerspruch – einen Sinn für Stille. Seine Wanderungen machten aufmerksam für das, was trotz oder abseits vom Lärm auf leise Weise betört. Das könne dann – schon wieder zeigt sich das Leben auf eine weise Weise uneinseitig – helfen, im richtigen Moment überhaupt nicht leise zu sein, schreibt Redakteurin Schömig, die auch Auto-Rezensentin, Kolumnistin der “Knautschzone” und Autorin eines Romans über eine genussreiche Suche nach Spiritualität ist.

Es muss bei der Suche nach Weisheit gar nicht immer andächtig leise zugehen. ‘Laut und unverschämt sein hilft, wenn es um etwas Gutes geht’, ist einer dieser Sätze, die einen tatsächlich stärken können. Und mich berührt haben. Viel mehr als jeder Selbsterfahrungs-Spruch, wie sie inflationär durchs Netz wabern.

Sabine Schömig, Kolumne “Ouvertüre” im Main Echo jetzt lesen
Leuchte. Wachse. Gehe deinen Weg - Coppenrath Verlag - Redaktion: Ursula Heeke

Wachse!

Die vollständige Kolumne von Sabine Schömig lässt sich hier lesen. Angeregt ist sie vom Buch “Leuchte. Wachse. Gehe deinen Weg”. Die Illustrationen stammen von Marie zu Dohna. Für Satz und Einband ist Helene Hillebrand verantwortlich. Weitere Informationen und Pressestimmen zum Buch sind hier. Das Titelfoto stammt von (c) Ulleo von Pixabay.