Neues Leben, Religion und Poesie

Die Hoffnung wächst im Hinterhof

Die Hoffnung wächst im Hinterhof - Sigrid Katharina Eismann im BR - Foto (c) Georg Magirius

Die Hoffnung wächst im Hinterhof, im Abgelegenen, Versteckten und Unausgesprochenen. Das hat Schriftstellerin Sigrid Katharina Eismann im Gespräch mit dem Journalisten Georg Magirius für den Bayerischen Rundfunk gesagt. Der Beitrag, redaktionell von Dr. Matthias Morgenroth begleitet, wird am 29. März 2026 um 8.10 Uhr in der Sendung “Glauben Zweifeln Leben” ausgestrahlt. Magirius geht darin auf die Suche nach dem, was die Freiheit in Situationen der Enge stärkt. Die SEndung lässt sich jetzt bereits herunterladen und hören hier in der BR-Audiothek. Gesprächspartnerin Katharina Eismann ist aktuell mit ihrem Roman „Mein innerer Schwarzwald“ in Rumänien, Österreich, Deutschland oder auch im SWR-Fernsehen zu erleben. Gerade wenn es um eine uns heute noch bestimmende Vergangenheit geht, sagt sie, schränkt die pure und sture Konzentration aufs Glanzvolle ein.

Aber wir sollten uns umso mehr das Raritätenkabinett anschauen. Und dort beginnen aufzuräumen, einen Zoom dahinzeigen, das gibt uns Antworten! Da ist für mich das Zitat von Walter Benjamin wichtig: “Vergangenes historisch artikulieren, heißt nicht, es erkennen, wie es denn eigentlich gewesen ist, es heißt: Sich einer Erinnerung bemächtigen, wie sie im Augenblick einer Gefahr aufblitzt.”

Sigrid Katharina Eismann im Bayerischen Rundfunk jetzt hören

Erhellend

Für die im Rhein-Main-Gebiet lebende Eismann ist ihr Buch kein historischer Roman. Zwar handelt er von der 270 Jahre zurückliegenden Deportation der Salpeterer aus dem Südschwarzwald ins damalige Ungarn. Der Blick zurück kommentiert aber die Gegenwart, indem sich die Zeitebenen berühren und einander erhellen. Die Salpeterer waren Freibauern. Sie wagten den Aufstand gegen Krone und Kirche, weil das ihnen garantierte Recht auf Freiheit aufgekündigt wurde. Die Aufständischen wurden in Ketten gelegt und über die Donau deportiert. Eismanns Roman ist ein Akt des Widerstands gegen das Niederdrücken von Minderheiten, des angeblich Minderwertigen, des Besonderen und Eigenwilligen im Namen des Saubermachens.

Sehen lernen in der Peripherie!

Hoffnung findet die Autorin eher schon am Main, aber nicht unbedingt an den sogenannten idyllischen Plätzen. Eher wenige Schritte von ihrem Schreibort entfernt, am Hanauer Hafen. Oder allgemein gesagt:

Bei dem Unausgesprochenem. Oder in der Peripherie. Es zieht mich sowieso immer in die Peripherie, in die verstaubten Ecken. Die Peripherie hat nicht nur ein grausliches Gesicht, sondern ein sehr menschliches, ein verstaubtes und direktes. Sehen lernen in der Peripherie! Für mich immer wieder reizvoll. Ich habe auch Gedichte geschrieben über den Frankfurter Osthafen, als er noch nicht so gestylt war: Es sind diese Hinterhöfe! Da ist noch ein Fünkchen – nicht Authentizität, mir fällt jetzt nicht die Metpaher ein. Deleganz! Da kommt wieder die Deleganz ins Spiel, diese Eleganz mit Dellen.

Katharina Eismann jetzt im Bayerischen Rundfunk hören

Der Hoffnung lauschen

Die Sendung “Freiheit gesucht”, gesendet auf BR2, lässt sich online hören. Neben Katharina Eismann kommt Pfarrer und Bürgerrechtler Ralf-Uwe Beck zu Wort, außerdem Kontemplationslehrerin und Autorin Karin Seethaler. Die Regie der Sendung hat Sabine Kienhöfer. Den Weg zur Produktion hat Ingrid Schillinger gebahnt. Die Fotos des Blogbeitrags stammen von (c) Georg Magirius. Bitte beachten Sie weiter unten auch den Hinweis auf den fliegenden Wodka.

Fliegender Wodka

Warum hat Katharina Eismann für die Freiheits-Sendung der Kulturwelle BR2 zugesagt? Eben weil es ums Freisein geht. Deshalb hüpft sie aus dem von Interview-Coaches gewiss oft empfohlenen mittleren Temperaments-Korridor immer wieder raus. Dabei gerät der Wodka ins Fliegen. Hörbar im folgenden Interviewausschnitt exakt bei Sekunde 8.

Sekunde 8: Frei fliegender Wodka.