Franken, Religion und Poesie
Der Kern aller Spiritualität

Was ist der Kern aller Spiritualität? Dass es nichts Kerniges gibt. Zumindest nicht im Sinn einer Gehorsam fordernden Einseitigkeit. Stattdessen können all jene spirituelle Weisheit erahnen, die aufmerksam für Widersprüche und Spannungen. Und damit für Überraschendes, das Leben selbst. Diese Aufmerksamkeit befähigt dazu, Spannungen nicht abzuschwächen, aufzulösen, sondern sein zu lassen und sich von ihnen berühren, verblüffen und ermuntern zu lassen. Dieses Verständnis von Spiritualität grundiert die Kolumne „Ouvertüre“ der Redakteurin Sabine Schömig im Main Echo vom 23. Februar 2026.
Magie des Moments
Angeregt ist die unter dem Titel „Perlen der Weisheit“ veröffentlichte Kolumne vom Buch „Leuchte. Wachse. Gehe deinen Weg“, das Theologe und Schriftsteller Georg Magirius im Coppenrath Verlag unter dem Lektorat von Ursula Heeke veröffentlicht hat. Das Buch zeigt, was Magirius auch außerhalb seiner Bücher kennzeichnet, etwa bei seinen spirituellen Gängen durch Odenwald und Spessart, schreibt Schömig: sein Sinn für „die Magie des Moments“. Sie sei nichts Weltentferntes, sondern auffallend erdverbunden, weil Magirius diese Magie „in seiner unpathetischen, lebendigen Art in Geschichten verpackt, die von einem Satz aus der Bibel inspiriert sind.“ Es sind Alltagsweisheiten.
Hungriger Tröster
Die Weisheiten seien – lebendiger Widerspruch – trotz ihrer Stauberfahrenheit sehr kostbar. Der Luxus bestehe aber wiederum umgekehrt darin, „dass sie so einfach daher kommen, zeitlos, tief, tröstlich und Mut machend.“ Das Einfache sei allerdings nun „auch nichts Asketisches“. Wegen der Sprache des Autors sei es sogar „fein und humorvoll“, oft sogar – schon wieder zeigt sich eine lebendige Spannung – voller Lebenslust, auf eine starke Weise ausgelassen und frei. Und damit ganz im Sinne Jesu, der von einigen seiner Zeitgenossen „Fresser und Weinsäufer“ genannt wurde, was die Bibel zu freuen scheint, weil sie es gleich mehrfach erwähnt.
Andächtig laut
Das klingt so, dass auch Entfesseltes oder krachend Lustiges weise sein könne. Magirius freilich habe aber nun gerade – alles Einseitige führt eben vom Lebendigen weg – einen Sinn für Stille. Seine Wanderungen machen aufmerksam für das, was trotz oder abseits vom Lärm auf leise Weise betört. Das könne dann – schon wieder zeigt sich das Leben uneinseitig – sogar helfen, im richtigem Moment überhaupt nicht leise zu sein, schreibt Redakteurin Schömig, die auch Autotesterin, Kolumnistin der “Knautschzone” und Autorin eines Romans über eine Reise in die Tiefendimension der Spiritualität ist.
Es muss bei der Suche nach Weisheit gar nicht immer andächtig leise zugehen. ‘Laut und unverschämt sein hilft, wenn es um etwas Gutes geht’, ist einer dieser Sätze, die einen tatsächlich stärken können. Und mich berührt haben. Viel mehr als jeder Selbsterfahrungs-Spruch, wie sie inflationär durchs Netz wabern.
Sabine Schömig, Kolumne “Ouvertüre” im Main Echo jetzt lesen

Wachse!
Die vollständige Kolumne von Sabine Schömig lässt sich hier lesen. Angeregt ist sie vom Buch “Leuchte.Wachse. Gehe deinen Weg”, das Georg Magirius im Coppenrath Verlag veröffentlicht hat. Der Einband und die Illustrationen stammen von Marie zu Dohna. Für den Satz und die verblüffende Bindung ist Helene Hillebrand veranzwortlich. Weitere Informationen und Pressestimmen zum Buch sind hier. Das Foto stammt aus Breitenbuch im mit Widesprüchen vertrauten Odenwald und ist dem Buch “Frankenfreude. 33 außergewöhnlich schöne Orte” entnommen.