Religion und Poesie, Stille

Kafkas Schenkelschlagen

Kafkas Schenkelschlagen, Thema am 2. JUNI 2024 in St. Marien in Kemberg - Von Wolkenkratzer - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=41992082

Der Mensch ist kein Baum, sondern hat Beine, um aufzubrechen. „Losgehen“ lautet das Motto des Pilgerfests, das der Evangelische Kirchenkreis Wittenberg am 2. Juni 2024 feiert. In Bewegung verwandelt ist dann der an Franz Kafka angelehnte Satz: “Wege entstehen dadurch, dass wir sie gehen.” Aus mehreren Richtungen geht es zur Kirche von Kemberg. In Rotta treffen sich Menschen mit kurzem Atem, es geht von Nachbardorf zu Nachbardorf. Ein Weg startet in Rackith und ist für die, die weit kommen wollen – dank Fahrräder. Ganz kurze Wege gibt es in Kemberg, die Anfang und Ziel zusammenfallen lassen. Sie stehen unter dem Gedanken “Allein die Gnade”.

Was es mit Kafkas Schenkelklopfen auf sich hat, lässt sich beim Kirchenkreis in Wittenberg erlfahren

Lizenz zum Schweigen

Eine Route führt Menschen singend und redend von Bergwitz zur Kirche. Und dann gibt es noch ein stilles Vorwärtskommen, das der Wittenberger Stadtkirchenpfarrer Matthias Keilholz und Georg Magirius begleiten. Dabei handelt es sich um die Erlaubnis, keine Worte machen zu müssen. Die Lizenz zum Schweigen beginnt am Altar der Kirche in Gommlo, wo Keilholz das Startwort gibt. Unterwegs reicht Magirius den kurze Gedanken von Amet Bick, Manuela Fuelle, Arnold Stadler und Uwe Kolbe aus dem Buch „Stille erfahren“.

Kafkas Schenkelschlagen

In Kemberg warten Essen, Spielen, Trinken – und der Himmel. Wenigstens kommt man ihm um viele Stufen näher beim Besteigen des Turms. Außerdem stehen die Türen des Heimatmuseums offen. Und das Gehen? Ist nicht abgehakt. Schließlich wartet ein Bibel-Bild-Pilgern. Beim Abschlussgottesdienst machen Michael Weigert, Christoph Hagemann und Jaqueline Bräuer mit Band, Orgel, Chor und Bläsern die Musik. Zu hören ist die Messe 2012 von Michael Schütz. Dr. Ekkehard Steinhäuser, Vorsitzender der Deutschen-Lutherweg-Gesellschaft, und Georg Magirius von der Wanderschule GangART predigen darüber, was weitergehen und weit gehen lässt. Dabei wird die Frage beantwortet: Warum ist laut Franz Kafka, dessen Todestag sich einen Tag später zum 100. Mal jährt, das Schlagen auf die Schenkel von hinten so hilfreich fürs Gehen? Die Leitung des Gottesdienstes hat Superintendentin Dr. Gabriele Metzner. – Die Fotos stammen von Wolkenkratzer (Wikipedia) und Matthias Keilholz.