Liebesgeschichten

Eine erotische, fast exotische Urkraft des Lebens

Bettina Linck und Georg Magirius in Graubünden - Foto von (c) Rüdiger Döls

Bischof Valentin soll der Legende nach im 3. Jahrhundert Liebende getraut haben. Darunter Soldaten, denen das Heiraten verboten war. Das Liebesleben der Paare, denen er Blumen aus seinem Garten schenkte, soll unter einem guten Stern gestanden haben. Grund genug, am Valentinstag diese religiöse Urkraft zu feiern: eine erotische, fast exotische Urkraft des Lebens. Ihre expressiven Farben allerdings sind ausgerechnet in den Kirchen oft abhanden gekommen. Auf ein theologisches Abstraktum wurde die Liebe zurechtgestutzt. Ordentlich, überschaubar, steuerbar, vergeistigt, mit Zielführung in Richtung Nachkommenschaft war sie genehm. Oder auch als sanfte Form der Nächstenliebe. In der Heiligen Schrift allerdings ist sie nicht schamhaft versteckt, sondern blüht leidenschaftlich.

Die erste Liebesgeschichte der Welt

Stadtkirche Groß-Gerau. Dort wurde am Valentinstag eine erotische, fast exotische Urkraft des Lebens besungen.

Daher interpretieren am 14. Februar 2016 in der Groß-Gerauer Stadtkirche um 17 Uhr die Konzertharfenistin Bettina Linck und der Theologe und Schriftsteller Georg Magirius biblische Liebesgeschichten für heute. Das geschieht mit Wortwitz musikalischer Furiosität. Die Erzählungen stammen aus dem Buch „Traumhaft schlägt das Herz der Liebe“. Adam und Eva glauben sich längst zu kennen. Da entdecken sie sich neu, seit sie ihre Körper bedecken. Geheimnisvoll, fantastisch ungewohnt und fremd klingt “Aquatintes Trois” von Bernard Andrès an der Harfe. Indem Eva und Adam sich kleiden, ist die Zeit geboren, dass sie sich auch entkleiden können. Sara und Tobias wiederum werden in ihrer Hochzeitnacht überfallen. Und zwar von einer ungeheuerlichen, fast exotisch wirkenden erotischen Lust. So schildert es “Tema con variazioni” von Georg Friedrich Händel.

Das Ende der Lähmung

Bettina Linck, lachend an der Harfe. Aufgenommen in Malans in Graubünden. Das Foto stammt von Rüdiger Döls

Das Brautpaar legt sich nicht nieder, nein! Stattdessen stürzt es sich – und das ausgerechnet in der Hochzeitsnacht! – mit Inbrunst ins Gebet. Es soll, lautet zunindest der fromme Plan, mehrere Tage und Nächte währen. Maria von Magdala hingegen befindet sich in einer kaum fassbaren Gemengelage von Bewegungsunfähigkeit und einer Kraft, die sich den vernünftelnden Beziehungslogikern widersetzt. So beginnt sie, mit ihrer unerreichbar fernen und doch wieder nah wirkenden Liebe zu tanzen – ohne Berührung. So erzählt es die Harfenballade von Alphonse Hasselmans. Und Thomas? Das Fragegenie, dieser Künstler des Zweifelns, gibt keine Ruhe. Bis er die Einladung zu einer Berührung erhält, die göttliche Leidenschaft und menschliches Sehnen auf beruhigende Weise zusammenfallen lässt. So schildert es “Etude de concert” von Felix Godefroid.

Valentinstag, 14. Februar 2016: Harfe, Hochzeitsnacht und 7 tote Ehemänner, Lesung aus “Traumhaft schlägt das Herz der Liebe”, Konzertharfe. Bettina Linck, 17 Uhr, Evangelische Stadtkirche Groß-Gerau, Kirchstraße 11, 64521 Groß-Gerau, Leitung: Pfarrer Helmut Bernhard, Eintritt frei – Spenden am Ausgang. Foto Stadtkirche: (c) Armin Kübelbeck CC-By-SA, Wikmedia Commons, Fotos Linck und Magirius: (c) Rüdiger Döls – Rückblick auf den Abend vor 160 Besuchern hier.