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Die spaßigen Kritzeleien der Mönche

Sarah Kirchhoff und Stefanie Bischof in Herborn

Kirchen und Klosterbibliotheken? Da denken viele an Jahrhunderte alten Staub und ewige Langeweile, aber nicht an die spaßigen Kritzeleien der Mönche. In kirchlichen Bibliotheken lassen sich tatsächlich Schätze entdecken. Das zeigt die Radioreportage “Schatzkammern im Literaturland Hessen – Klöster und Kirchen” von Georg Magirius. Die Sendung lässt sich lesen hier. Die Redaktion der hr2-Wissenswert-Sendung ist Dr. Arne Kapitza, die Sprecherin ist Birgitta Assheuer. Georg Magirius hat die Bibliothek des Priesterseminars in Fulda besucht, deren Wurzeln auf Bonifatius zurückgehen. Der Historiker Dr. Berthold Jäger, Leiter der Bibliothek, öffnet mit Schlüsselrasseln den Tresor und erklärt: Unzählige Schweine, Kühe, Schafe seien für die Herstellung von gutem Pergament nötig gewesen. Ohne schreibende Mönche wären antike Autoren wie Tacitus oder Aristoteles vermutlich verlorengegangen.

Die spaßigen Kritzeleien der Mönche: Gesichtchen und Figuren am Buchrand

Kostbar eingebundene Bücher - in alten Bibliotheken finden sich die spaßigen Kritzeleien der Mönche

Die frommen Schreiber damals hatten allerdings kein entschieden anderes Gemüt als heutige Schüler. Kritzeleien finden sich nämlich in ihren Abschriften am Rand: spaßige Gesichtchen und andere Figuren. Sie sind vielleicht deshalb vielfach unbekannt, weil die Wissenschaft ihnen bislang noch keinen Humor-Lehrstuhl gewidmet hat.

Die Alte Biblothek der Hohen Schule

Die Sendung widmet sich außerdem der Alsfelder Kirchenbibliothek, der Bibliothek Matz in Michelstadt und mündet im Herborner Schloss. Dort ist die Alte Bibliothek der Hohen Schule, die Schüler Calvins gegründet haben. Comenius lernte hier. Es unterrichtete Piscator, der nach Luther wichtigste Bibelübersetzer deutscher Sprache. Die Bibliothek ist übrigens eine wichtige Forschungsstätte reformatorischer Theologie geblieben. Bibliothekarin Gudrun Thiel-Schmidt klopft auf einen hölzernen Buchdeckel: „Buche! Deswegen auch – Buch.“ In der alten Bibliothek rieche es immer „ein wenig nach Bittermandel“. Allerdings wollen die etwa 3800 Bände die Leser nicht bitter machen. Schließlich waren die Lehrer der Hohen Schule vom Ideal der Gewissensfreiheit inspiriert.

Halbe Revolution

„Das war revolutionär!“, meint Thiel-Schmidt. Um einzuschränken: „Galt nur für Männer.“ Doch heute ist das anders. Denn im Herborner Schloss ist auch eine moderne, öffentliche Seminarbibliothek. Insbesondere angehenden Pfarrer und eben auch Pfarrerinnen der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau nutzen sie. Die Fotos der Reportage über die spaßigen Kritzeleien stammen übrigens von Eva Giovannini aus Wiesbaden. Sie ist Fotografin und Diplom-Designerin. Das Manuskript der Sendung lässt ist hier.