Des Protestanten Gespür für Katholische Welten

Stille im Radio? Das klingt unmöglich. Doch Georg Magirius habe gezeigt, dass sich das Thema radiophon umsetzen lasse. So urteilt Wolfgang Küpper im Bayerischen Rundfunk in der Sendung Ökumenische Perspektiven auf Bayern2 über das von Magirius bei Herder herausgegebene Buch “Stille erfahren”. Wieso jetzt Buch? Antwort: Ohne die Arbeit des in Hessen lebenden Protestanten Magirius für die Sendereihe Katholische Welt des Bayerischen Rundfunks wäre das Buch nicht entstanden. Die Besprechung > lesen und > hören.

Die Sendung

Die halbstündige Sendung “Aufgehoben in der Stille” jetzt kostenfrei in der BR-Mediathek hören >> hier.

Das Buch

Stille erfahren - Georg Magirius

Georg Magirius (Hg.), Stille erfahren, mit Beirägen von Amet Bick, Manuela Fuelle, Uwe Kolbe, Georg Magirius, Ann-Kristin Rink, Bernardin Schellenberger, Arnold Stadler, 128 Seiten, gebunden, Lektorat: Dr. Esther Schulz und Jochen Fähndrich, ISBN: 978-3-451-34996-6, Herder Verlag 2019

Fünf Vorteile einer stillen Lebensweise

Miroslava Stareychinska Zeitz 2019 Foto Matthias KeilholzDas Konkurrieren um die krachendsten Töne überlässt sie anderen. Trotzdem hat die Stille ungewöhnliche Kräfte. Nähere man sich ihr mit Musik, könne sie zu einer Entschleunigung führen, schreibt René Weimer in der Mitteldeutschen Zeitung vom 23. Februar 2019 anlässlich “einer wunderbaren Klanglesung” in Zeitz, zu der “rund 80 Gäste in das Evangelische Gemeindezentrum Luckenau gekommen” waren. “Sie lauschten der Harfenmusik von Miroslava Stareychinska und den Worten von Schriftsteller Georg Magirius.”

Ein Lob auf die Schlaflosigkeit

Georg Magirius Zeitz 2019 Foto Matthias KeilholzDie Stille beruhige nicht nur das Lebenstempo, schreibt Matthias Keilholz auf noezz.de vom 23. Februar 2019 über den Abend zu Ehren einer oft vergessenen Lebenskraft. Sie führe auch zur Wachheit: “Sie kann so leise sein, dass man nicht schlafen kann.” Ohne Worte stimme die Stille zuweilen ein Loblied an, könne den Alltag verzaubern und Verborgenes offenbaren. Das also sind fünf Erkenntnisse einer stillen Lebensart: Das Langsame, das Erwachen, das Loben, die Verzauberung des Alltags und der Respekt vor dem Verborgenen. Fotos: Matthias Keilholz.

Am 28. Juni 2019 erscheint im Herder Verlag das von Georg Magirius herausgegebenen Buch “Stille erfahren” mit Beiträgen von Arnold Stadler, Bernardin Schellenberger, Ann-Kristin Rink, Georg Magirius, Uwe Kolbe, Manuela Fuelle und Amet Bick. Lektorat: Dr. Esther Schulz.

Die Kunst des Anfangens

Der erste Schritt ist ein Wagnis. Er ist ein Anfang, der den Zauber hat, das Ende nicht zu kennen. Das schreibt Georg Magirius in seinem Pilgerbuch “Schritt für Schritt zum Horizont“. Ute Heuser-Ludwig streicht in der Reihe Leszeichen im Radio ERF-Plus am 27. Juli 2018, 15.00 den wagemutigen Charakter des Buches heraus. In der Vorankündigung zur Sendung heißt es: “Was braucht man zum Pilgern außer bequemen Schuhen? Vielleicht ein paar Segenstexte, Impulse, Lieder und Buchcover: Pilgerbuch von Georg Magiriuspraktische Vorschläge. Das Pilgerwerkbuch von Georg Magirius bietet all das. Sein Material hat er nach Themen geordnet, die zum Gehen dazugehören, z. B. Aufbruch, Weite, Stille, Rast und Ziel. Sein Buch schreibt nichts vor. Es will unter die Arme greifen, und im umfassenden Sinn zum Gehen einladen. Wohin? Georg Magirius meint: Immer weiter, das Glück der Gegenwart in der Hand und eine Geborgenheit vor Augen, die Gott denen verspochen hat, die ihren festen Standpunkt verlassen.”

Georg Magirius, Schritt für Schritt zum Horizont, Pilger-Werkbuch, Lektorat: Dr. Esther Schulz / Clemens Carl, 17,99 Euro,  224 Seiten, Softcover mit Lesebändchen, ISBN 978-3-451-31311-0, Herder Verlag, Freiburg im Breisgau. >>> Weitere Informationen zum Buch.


Aufbruch zu neuen Kräften

Amorbach - Foto von Georg MagiriusWie findet man neue Kräfte? Darum geht es bei der Spirituellen Tageswanderung der Reihe GangART am Samstag, 8. September 2018 von Miltenberg nach Amorbach im Odenwald. Die Leitung hat der Theologe und Schriftsteller Georg Magirius. Die Pilgertour führt aus jenen Regionen heraus, wo man höchst aktiv, hektisch und oft auch angestrengt zeigen will oder muss, wie kraftvoll man doch ist. Die Piltertour dagegen vermutet erfrischende Kräfte in einer ruhigen, nahezu abgeschiedenen Gegend.

Durchs Schnatterloch in den Wald

Fränkischer Marienweg bei Miltenberg - Foto von Georg MagiriusEs geht auf dem Fränkischen Marienweg durch die pittoreske Altstadt Miltenbergs. In der Jakobuskirche findet sich die Staffelmadonna. Außerdem ist da der Hinweis: noch 2577 Kilometer bis nach Santiago des Compestela! Der Weg folgt allerdings nicht dem Jakobsweg, sondern schlüpft durchs Schnatterloch in den Wald und führt hinauf nach Monbrunn. Dort gibt es Hühner und Apfelbäume, sonst aber nicht viel, sofern man die Ereignislosigkeit des Ortes nicht rühmen will. Ein längerer Abschnitt der Tour wird bewusst schweigend gegangen.

Die Fakten

Schnatterloch in Miltenberg - Foto von Georg MagiriusDie Länge der Wanderung beträgt 15 Kilometer, die reine Gehzeit etwa 4,5 Stunden. Das Gehtempo ist ruhig, es werden Pausen eingelegt. Der Ausgangspunkt Miltenberg und der Zielort Amorbach sind mit dem Zug erreichbar. Gemeinsame Anreise ist nach Absprache möglich u.a. von Frankfurt, Offenbach, Hanau, Dettingen, Aschaffenburg. Der Platz gebucht ist nach Überweisung der Teilnahmergebühr von zehn Euro (Teilnehmerzahl begrenzt). Für Fahrtkosten und eine eventuelle Einkehr kommen die Teilnehmer selber auf. Anmeldung bzw. Informationen direkt bei Georg Magirius: 0176-29402322 – mail@georgmagirius.de

Die Reihe GangART

Die Tour ist angeregt von Magirius’ Buch “Schritt für Schritt zum Horizont“, das unter dem Lektorat von Dr. Esther Schulz im Herder Verlag erschienen ist. Und von dem Buch “Frankenglück”, das unter dem Lektorat von Thomas Häußner im Echter Verlag veröffentlicht ist. In der Reihe GangART leitet Magirius regelmäßig Spirituelle Tagestouren. Bei bislang 39 Wanderungen nahmen insgesamt etwa 900 Pilgerinnen und Wanderer teil.

Auferstanden in Ruinen

Ruine Collenburg im Spessart - Foto von Georg MagiriusDie Pilgertour endete ruinös – und das ausgerechnet an einem herrlichen Frühlingstag. 16 Wanderer und Pilgerinnen aus Butzbach, Frankfurt, Mainhausen, Dietzenbach, Seligenstadt, Niddatal, Großostheim und Hainburg hatten sich auf den Weg gemacht, um dem wahrhaft Stimmigen im Leben nachzuspüren. Die Tour der Reihe GangART unter Leitung des Theologen und Schriftstellers Georg Magirius war aber bewusst nicht dem Geraden, Ganzen, Glatten und Glänzenden gewidmet. Stattdessen führte die Tour in die große Freiheit, unfertig sein zu dürfen.

Lückenhafte Eleganz

Auf dem Bichelberg - Foto von Georg MagiriusZiel der Spirituellen Wanderung war im Südspessart die Ruine Collenburg unweit von Miltenberg, eine einstmals wehrhafte Burg oberhalb des Mains, die dem Landesherrn als Statussymbol galt. Jetzt finden sich von ihr nur noch Reste, verwundet ist der vormalige Dickhäuter und beeindruckt mit einer lückenhaften Eleganz. Dazu bietet die Ruine eine so rauschhafte Offenheit zum Himmel, mit der selbst teurste Cabriots und luxuriöse Lofts kaum konkurrieren können.

Abseits des Kleinkarierten

Rast im Turm - Foto von Georg MagiriusUnd auch das Grün des Spessarts kommt an diesem Ruheort auf so erhebende Weise nahe, wie es selbst die Terrasse eines an den Berg gebauten Superkomforthotels nicht ermöglichen könnte. Denn in der Ruine, die nun nicht gerade mit Sportsgeist und bester Gesundheit prahlt, kann sich eine Durchschnittkreatur aufgehoben fühlen. Anders als an jenen Stätten, wo man in kampfartigem Krampf immer neu das erschütternd kleinkarierte Stück von der angeblichen Unverwundbarkeit des Lebens aufführt.

Die Liebe zum Stückwerk

Rastplatz Ruine Collenburg - Foto von Georg MagiriusAuch Paulus hätte sich in der Ruine Collenberg am rechten Fleck gefühlt, behauptete Magirius. Denn der Apostel, der vielen als Alphatier und Wortgigant gilt, hielt die Risse für das mit Abstand Stärkste im Leben: Im Schwachen könne Gottes Kraft mächtig werden. Das Große, Gewaltige und umwerfend Heldenhafte vergehe, Gottes Liebe zum Stückwerk aber bleibe.

Die Reihe GangART

Gruppenbild mit Gottesmutter - Foto von Gabriele HoffmannDie Reihe GangART hat Georg Magirius mit Regina Westphal 2009 gegründet. Es handelt sich dabei um eine fortlaufende Reihe von Spirituellen Tagenswanderungen durch Spessart, Odenwald, Schwarzwald, Taunus, Rhön, Steigerwald und Haßberge. Bei bislang 43 Touren nahmen etwa 950 Wanderer teil. Der Gang von Stadtprozelten zur Collenburg ist Buchcover: Pilgerbuch von Georg Magiriusinspiriert von Gedanken und Texten aus Magirius’ Buch “Schritt für Schritt zum Horizont”, das Inspirationen für Einzelwanderer und Pilgergruppen bietet. Es ist unter dem Lektorat von Dr. Esther Schulz im Herder Verlag erschienen.

Die nächste Tour

>>> Die nächsten Touren im Frühjahr 2020 mehr dazu >> hier. Fotos: Gabriele Hoffmann, Seligenstadt, und Georg Magirius.

Die 12 wichtigsten Pilgeretappen

Bei den wichtigsten Pilgeretappen handelt es sich um Situationen und Stationen, die einem bei so gut wie jeder Tour begegnen können, nämlich: Aufbruch, Gehen, Weite, Stille, Pilgerstab, Schlucht, Rasten, Quelle, Berg, Erschöpfung, Ruine, Ziel. Das schreibt der Theologe Georg Magirius in seinem Pilgerbuch “Schritt für Schritt zum Horizont“. Für diese Etappen habe er Lieder und Bibeltexte “sehr sorgfältig und mit viel Einfühlungsvermögen ausgewählt”, urteilt Elisabeth Buchcover - Schritt für Schritt zum Horizont Werkbuch Pilgern Von Georg Magirius im Herder VerlagDubbelmann in der Dezemberausgabe 2015 von Pilgerstab, der Zeitschrift der Santiago-Freunde Köln. Magirius’ Buch biete auch Gebete, Segenstexte, Meditationen – einfach alles, um eine Pilgertour auf intensive Weise zu erleben. “Auch kann es einen in bestimmten Situationen wie Mutlosigkeit und Erschöpfung sehr gut unterstützen.” Fazit: “Ein sehr schön gestaltetes und wertvolles Begleitbüchlein für alle, die sich auf den Weg machen wollen.”

Georg Magirius, Schritt für Schritt zum Horizont, Pilger-Werkbuch, Lektorat: Dr. Esther Schulz / Clemens Carl, 17,99 Euro,  224 Seiten, Softcover mit Lesebändchen, ISBN 978-3-451-31311-0, Herder Verlag, Freiburg im Breisgau. >>> Weitere Informationen zum Buch.

Das Geheimnis der Genesung

“Man wendet die Krankheit eher ab, wenn man sie höflich behandelt, als wenn man ihr trotzt.” Mit diesen Worten von Michel de Montaigne macht die Theologin Dr. Esther Schulz in dem dieser Tage von ihr herausgegebenen Buch “Viel Kraft auf deinem Weg” darauf aufmerksam, dass das vielbeschworene Kämpfen gegen Krankheiten womöglich in eine falsche Richtung führt. So lässt sich der in dem Buch erwähnte Gedanke von Heinrich Rombach verstehen: “Die Medizin macht den Menschen im einzelnen zwar gesünder, im ganzen jedoch kränker, und zwar so, dass der Mensch früher ein gesundes Verhältnis zur Krankheit, heute aber ein krankes Verhältnis zur Gesundheit hat”. Das Buch mit Gute Besserung Texten u.a. von Mark Twain, Klaus Peter Hertzsch, Eugen Eckert, Anton Rotzetter, Rainer Maria Rilke, Antoine de Saint-Exupéry, Georg Magirius und Fotos von Adrea Göppel will Kranken auf dem Weg  der Genesung helfen, indem es sie davon befreit, sich für alles immer nur selbst verantwortlich fühlen zu müssen.

Viel Kraft auf deinem Weg. Wünsche zur Genesung, herausgegeben von Dr. Esther Schulz, gebunden, 48 Seiten, Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 2017. 7.99€. Weitere Informationen auf der Seite des >> Herder Verlags. Foto und Cover: (c) Herder Verlag.

Erlösung in der Windel

Ausgerechnet an einem so alltäglichen Zeichen wie der Windel sei Jesus zu erkennen, sagt die Redakteurin Ramona Eibach in ihrer Andacht vom 19. Dezember 2016 im ERF-Radio. “Ein Weihnachtslied behauptet ‘in reinlichen Windeln das liebliche Kind’. Spätestens nach einem Tag sollte das zumindest zeitweise nicht mehr stimmen.” Das sei aber kein Nachteil, sondern Alltag. “Wahrscheinlich hat er nicht nach Zimt und Tannenbaum gerochen, sondern nach Stall und Windeln.” So freilich könne Jesus bis heute in das ganz gewöhnliche Leben kommen, das nicht zum Nasenrümpfen  sei. – Den Hinweis auf die Windel als Zeichen habe Eibach aus dem Buch “Dies soll euch ein Zeichen sein” von Georg Magirius. Die Andacht von Ramona Eibach >> lesen.

Georg Magirius, Dies soll euch ein Zeichen sein, Lektorat: Dr. Esther Schulz, Herder Verlag, Freiburg im Breisgau, 14,99 Euro. ISBN 978-3-451-31261-8. Weitere Informationen zum Buch >> hier.

Fliegende Plätzchenteller

Weihnachten gilt als Fest der Harmonie, mündet aber häufig in Familienstreit. Was tun? Am besten nicht so tun, als ob es Konflikte nicht gäbe, rät Isabell Wohlfahrt im Kölner Stadtanzeiger vom 19. Dezember 2016. Und gibt im Gespräch mit Siegfried Preiser, dem Rektor der Psyhologischen Hochschule Berlin, Tipps, wie man sich auf dem emotionalen Minengebiet Weihnachten einigermaßen sicher verhalten kann: Nicht nur aufeinander hocken! Neutrale Zonen wie Restaurants oder Konzerte aufEntspannung einüben: Ulrike Vetter - Engel mit Sektglas suchen! Trauer nicht krampfhaft aussparen, sondern ansprechen! Und wenn es doch Geschrei gibt und der Plätzchenteller durch die Gegend fliegt? Kein Strafgericht über andere durchzuführen! Stattdessen besser etwas über sich sagen! Zum Beispiel? “Ich bin überfordert.” Hilfreich sei außerdem, Gelassenheit durch Lektüre einzuüben. Der Professor für Psychologie empfiehlt dazu das von der Grafik-Designerin Ulrike Vetter illustrierte Weihnachtsbuch des Theologen und Schriftstellers Georg Magirius: “Dies soll euch ein Zeichen sein”. Die Tipps zum Konfliktfall Weihnachten lesen >>> hier.

Georg Magirius, Dies soll euch ein Zeichen sein, Lektorat: Dr. Esther Schulz, Herder Verlag, Freiburg im Breisgau, 14,99 Euro. ISBN 978-3-451-31261-8. Weitere Informationen zum Buch >> hier.


Ankommen und Zuflucht finden

Es ist eine Wanderung, bei der es zwischendurch nicht eine Möglichkeit zur Einkehr gibt. Das lässt den Wunsch auf Ankunft wachsen. Genau das ist auch das Thema der Spirituellen Tageswanderung der Reihe GangART am Samstag, 15. Oktober 2016: “Ankommen und Zuflucht finden”. (Rückblick auf die Tour mit Fotos >>>> hier.) Die 13 Kilometer lange Tour unter Leitung des Theologen und Schriftstellers Georg Magirius verläuft von dem bei Würzburg gelegenen Retzbach nach Karlstadt am Main. Gesucht wird eine Geborgenheit, die nicht zu Lasten von Freiheit und Weite geht. Die Gruppe bildet sich für die Tour neu, geht zum ersten Mal.

Ohne jedes Pressen

Weite Ebene bei RetzbachUm anzukommen, muss man losgehen. Was banal klingt, fühlt sich überhaupt nicht trivial an. Kurz nach Verlassen Retzbachs nämlich spüren die Füße den Aufbruch genau. Mit Eindringen in den Weinberg geht es bergauf, bis man oben ein Sandstein-Kreuz erreicht. Durchatmen erlaubt! Nur angekommen ist man noch nicht, kann freilich Geborgenheit schon ahnen. Die weite Ebene wirkt nicht endlos. Denn der Weg führt an einem Wald entlang, der einen schützt, als ob Arme einen umfingen, ganz leicht – ohne jedes Pressen.

Geborgenheit mit Tücke

Am Ende des feinen Wechselspiels von Feld und Wald lotst der Pfad durch eine Tür in den Weinberg. Der Blick geht tief hinunter zum Main und weit über ihn hinaus auf die andere Seite des Flusses. An steinernen Hütten vorbei wandert es sich nicht starr geradeaGekeltertus, sondern in Kurven und Schleifen, bis man die Stein-Weinhütte erreicht. An der Wand der Rasthütte sind Rebsorten erklärt, was den Durst fördert. Wer hier die Flasche öffnet, trinkt sich garantiert in die Geborgenheit hinein. Dazu die wunderbare Aussicht. Doch Vorsicht! Die beim Weintrinken aufkommende Geborgenheit hat bekanntlich Tücken. Die Tritt­sicherheit kann sich mindern.

Gekeltert und ausgepresst

Erneut folgt eine Waldpassage, dann wieder Weinberg, die Reben von Müller-Thurgau und Silvaner sind angezeigt. An einer Weggabelung ein Steinrelief, das Christus in der Weinkelter zeigt. Es stellt den Schmerz Jesu in den Mittelpunkt. Der Gekelterte, Gebeugte und Ausgepresste stellt das Gegenteil von Geborgenheit dar, kann aber vielleicht gerade dadurch Zuflucht für jene sein, die vor lauter Schmerzen überhaupt kein Zuhause finden können.

Ankunft in der alten Stadt

Dann ist das Ziel nahe. Karlstadt empfängt die Tagespilgerinnen und spirituellen Wanderer mit offenen Armen. Die elegante, leicht wirkende Eisenskulptur am oberen Torturm heißt tatsächlich so: Mit offenen Armen. Karlstadt wurde um 1200 als Mit offenen Armen Karlstadt am MainBollwerk gebaut. Die Anordnung der Gassen und Straßen ist noch heute in allen Details erhalten. Man legte sie so großzügig an, dass sie erst Ende des 19. Jahrhunderts den Ring ihrer Befestigung überschreiten musste. Die Sicherheit der fest gebauten Stadt sollte den Bewohnern also nicht die Luft abschnüren, was man auch heute noch genießen kann – nicht zuletzt im Café Schrödl, das bekannt ist für seinen Baumkuchen und ein Gelee aus Karlstädter Quitten, das ohne Gelierzucker auskommt. Zuflucht findet man spätestens beim Genuss der Schrödlhörnchen, einem Gebäck aus Mandelplunderteig, das auf ekstatische Weise klassisch schmeckt.

Die Daten

Karlstadt am MainAnkommen und Zuflucht finden, Spirituelle Wanderung der Reihe GangART, Samstag, 15. Oktober 2016, Länge: 13 km, reine Gehzeit: 3,5 Stunden. (Rückblick auf die Tour mit Fotos >>>> hier.) Eine Passage wird still gelaufen. Georg Magirius bietet in der Reihe GangART seit 2009 spirituelle Wanderungen an. Bei 35 Touren nahmen mehr als 750 Wanderer teil.  Weitere Informationen dazu >>> hier.Von ihm erschienen ist bei Echter gerade “Frankenglück. 33 Orte zum Staunen und Verweilen” (Lektorat: Thomas Häußner) und im Herder-Verlag “Schritt für Schritt zum Horizont. Pilger-Werkbuch” (Lektorat: Dr. Esther Schulz).