Biblisches
Ein neues Institut zur Förderung der Lebenslust

Eine biblisch inspirierte Spiritualität weist in ein Leben voll Stärke, Risiko, Licht, Überfluss und Mut. Das hat Bibelwissenschaftler Egbert Ballhorn in einem Interview für den ARD-Hörfunk am 8. März gesagt. Der Beitrag mit dem Professor der TU Dortmund ist in der von den HR-Redakteuren Klaus Hofmeister und Lothar Bauerochse betreuten, den Themen Spiritualität und Orientierung gewidmeten Sendereihe “Religionen auf dem Weg” jetzt hier als Podcast zu hören. Was Alttestamentler Ballhorn sagt, mag überraschen. Denn dem christlichen Glauben wird oft vorgeworfen, er kreise ums Schwache, mache dadurch schwach. Häufig gehe es um Krankheit, Schuld, Gebrechlichkeit und Tod. Dadurch unterdrücke die Botschaft der Kirchen die Lebenslust und fördere allenfalls Enthaltsamkeit, Askese, Demut – kurz: das Bravsein. Die Kirche sei eine Institution zur Förderung der Freudlosigkeit.
Institut zur Förderung der Freude
Wer sich Jesus als Weisheitslehrer in den Schriften der Bibel annähert, findet jedoch andere Fährten. Das könne eine nicht immer bewegliche Institution zum steten Sich-Hinterfragen anregen. Sie könne so zu einer erneuerungsbegabten Institution oder gleichsam – mit Augenzwinkern gesagt – zu einem neuen Institut zur Förderung der Lebenslust werden. Jesus jedenfalls folgt einer Weisheitstradition, die voll Lebensfreude ist, sagt Ballhorn, der Vorsitzender des Katholischen Bibelwerks ist.
Das Alte Testament lässt im Buch der Sprichwörter Frau Weisheit als Figur auftreten. Sie sagt: Kommt alle zu mir, ich habe den Tisch gedeckt mit Brot und mit Wein. Ich mache euch satt. Das ist die Idee der Weisheit. Sie deckt den Tisch. Und alle, die wollen, können es haben. Man muss bereit sein, sich nehmen zu wollen. Man muss bereit sein, sich sättigen lassen zu wollen. Und wer will, der kriegt es. Das ist eine ganz optimistische Sicht der Weisheit. Sie breitet ihre Schätze aus. Und Jesus als Prediger und Verkünder ist Nachfolger der Frau Weisheit.
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Sag nicht ab! Sag zu!
Eines der vielleicht wichtigsten Gebote eines biblisch inspirierten Glaubens also ist: Komm! Sag nicht ab, sag lieber Ja und zu. Der Tisch ist gedeckt, und was es gibt, ist nicht knapp. Nimm! Es ist viel, reicht also nicht nur, weil das Leben überfließt. Das macht Menschen stark. Allerdings verschließt Weisheitslehrer Jesus nicht die Augen davor, dass sich Menschen noch auf andere Weise als stark verstehen. Sie reißen sich auf Kosten anderer am besten alles unter den Nagel. Das ist nicht weise, sondern zerstört, sagt Ballhorn.
Das ist vielleicht das Wunder der neutestamentlichen Texte, die die Weisheit Jesu vorstellen: Das Verhältnis von Stark und Schwach kehrt sich um. Wenn ich Erkenntnis gewonnen habe, richte ich nach dieser Maxime mein Leben aus. Damit lasse ich mich nicht kleinmachen. Und diejenigen, die die äußere Macht haben und ihre Macht missbrauchen, anderen Menschen das Leben zu nehmen, sind im Grunde die Schwachen. Ich selber bin im Grunde der Starke, weil ich weiß, worum es geht. Das ist eine Erkenntnis, der man dann wirklich schon den Begriff der Erleuchtung geben muss. Denn das verleiht eine Stärke und eine Weisheit, die mich herausreißt aus den Gesetzmäßigkeiten von Unterdrückung und Zerstörung. Ich glaube, es braucht Menschen, die bereit sind, den Weg einer solchen Weisheit zu gehen – gerade in der Gegenwart.
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Lustvoll und mit Risiko
Menschen, die den Weg Jesu gehen, hinterfragen die Macht der Unsensiblen, die auftrumpfen müssen, weil sie womöglich Angst haben, anderen auf Augenhöhe zu begegnen, schutzlos, aber frei. Wer sich Weisheit, Überfluss und Freude gönnt, gewinnt Kraft. Und sagt zur Lebensvernichtung derer, die sich nicht beschenken lassen und nichts verschenken können: Nein.
Die Leute, die in diese Sphäre des Lichtes hineingekommen sind, haben die Aufgabe, als erwachsene Menschen und gerufene Menschen nach dieser Botschaft selber weiterzuleben, auch ihr Leben zu riskieren. Nach dem Motto: Ich weiß jetzt, was wichtig ist, ich lebe aus dem, was mir geschenkt ist. Ich schenke es weiter.
Egbert Ballhorn, Vorsitzender des Katholischen Bibelwerks
Die Sendung zur Förderung von Lebenslust und Risiko

Das Interview mit Egbert Ballhorn findet sich unter dem Titel “Sei laut! Wachse! Lass dich berühren!” in der Mediathek des Öffentlich-rechtlichen Rundfunks hier. An der Sendung mitgewirkt haben außerdem Prof. Dr. Paraskevi Mavrogiorgou-Juckel und Prof. Dr. Georg Juckel, die Harfenistin Lavinia Meijer, Schauspieler Torsten Flassig und Schauspielerin Claudia Jacobacci. Die Regie hat Aran Kleebaur, das Produktionsmanagement Maria Anna Bopp. Angeregt ist die Sendung von dem im Coppenrath unter dem Lektorat von Ursula Heeke verlegten Buch “Leuchte. Wachse. Gehe deinen Weg”.