Frankfurt, Stille

Erfüllung im Minimalen

Stille finden ausgerechnet in Frankfurt? Wo Flughafen, Straßen, Schienen und dazu auch noch die Skyline von Effizienz und dem Streben nach dem Maximalen zeugen? Georg Magirius macht sich auf die Suche nach der Erfüllung im Minimalen. Davon berichtet er im Deutschlandfunk in der Sendung “Am Sonntagmorgen” am 25. April 2021. Der Titel der Sendung lautet “Stille Stadt”. Und Frank-Michael Theuer hat sie redaktionell begleitet. (Die Sendung jetzt hören. Das Manuskript lesen.) Um der Erfüllung im Minimalen auf die Spur zu kommen, sind laut Magirius nur wenige Schritte abseits der gewohnten Wege und Straßen nötig. Dann überraschten Blicke in Parks, Sumpfgebiete, Sanddünen oder eine endlos wirkende Wiesenlandschaft. Manchmal genügt es auch den Kopf zu heben – wie in der dicht bebauten Innenstadt, in der Rotunde der Kunsthalle Schrim. Das kann einen dieser Augenblick bescheren, die mit einer sonderbaren Ruhe beglücken. Momente, in denen man mit sich, der Welt und Gott einverstanden ist.

Die Erfüllung im Minialen ist möglich, wenn man den Samstagsberg in der Frankfurter Innenstadt hinaufgeht

Nur wenige Schritte abseits wartet die Erfüllung

Wenige Schritte abseits der üblichen Wege finde ich Erfüllung. Es betören mich Winzigkeiten. Objektiv betrachtet ist das lachhaft, mich aber berauscht das Minimale. Ich begegne ihm, wenn ich nicht ergebnisorientiert danach suche. Die Stille findet eher mich, ungeplant. An Orten, wo ich es nicht erwartet habe. Wenn es gar nicht leise ist, sich in mir aber trotzdem die Stille ausbreitet – dank überraschender Perspektiven, die ich nicht erzeugen muss.

Stille mitten in der dicht bebauten Innenstadt

Das kann mitten in der dicht bebauten Innenstadt Frankfurts geschehen, gleich neben der Neuen Altstadt, die seit ihrer Eröffnung unzählige Menschen anzieht. Aber nicht dort, sondern an der Kunsthalle Schirn erwartet mich die Üppigkeit des Minimalen. In einem kreisförmigen Kuppelbau, einer Wandelhalle, von der aus es in die Kunsthalle hineingeht. Der Kuppelbau hätte der Neuen Altstadt beinahe weichen müssen, denn er liegt am Rand des Krönungsweges, den einst die Kaiser nach ihrer Krönung vom Dom zum Römer feierlich abschritten. Ich folge jedoch nicht den Spuren der Kaiser, sondern biege vom Dom aus in den Säulengang der Kunsthalle ein.

Blick aus der Rotunde der Schirn durchs Glasdach in die Großzügigkeit des Himmels

Die Großzügigkeit des Himmels

Die quadratischen Säulen des Gangs gewähren verblüffende Durchblicke auf die Umgebung. Leicht geht es den Samstagsberg hinauf, auf dem es vor Jahrhunderten samtags vermutlich einen Markt gegeben hat. Jetzt steht auf dieser Erhebung die Wandelhalle, die mich mit der Großzügigkeit des Himmels bekannt macht. Verantwortlich ist dafür ausgerechnet ein Dach, allerdings eins aus Glas. Die Streben in diesem Glasdach laufen auf die Mitte zu. Und betonen damit das Minimum, den Punkt, die geringstmögliche Ausdehnung überhaupt. Diese Konzentration engt mich aber nicht ein, sondern führt ins Offene. Denn vom Punkt folgen meine Augen den Streben wiederum in die umgekehrte Richtung, in die Weite.

Erfüllung im Minimalen: Die Sendung hören und Informationen zum Buch “Stilles Frankfurt”

Huhn vor Frankfurter Skyline

Die Sendung lässt sich jetzt nachhören. Das Manuskript lesen hier. Der Beitrag “Stille Stadt” ist übrigens angeregt von Georg Magirius’ Buch “Stilles Frankfurt – 13 Orte zum Staunen und Verweilen”. Er hat es im Echter Verlag veröffentlicht. Das Buch hat 85 Seiten und außerdem 73 Fotos. Es kostet 9 Euro 90 und die ISBN-Nummer lautet 978-3-429-05514-1. Thomas Häußner hat es lektoriert. Weitere Informationen, eine Leseprobe und Möglichkeiten zum Bestellen des Buches sind hier. Die Fotos von (c) Georg Magirius entstammen dem angezeigten Buch.