Die Feier der Gemächlichkeit

Was ist das ideale Lebenstempo? Beeindruckend sind Spitzengeschwindigkeiten und Veränderungsenthusiasten einerseits, Beharrungskünstler und die Verteidigung eines festen Standpunkts andererseits. Die Spirituelle Tageswanderung am 25. April 2020 im Spessart geht einer Kostbarkeit nach, die sich um solche Extreme nicht kümmert: der Gemächlichkeit. Inmitten gegenwärtiger Aufgeregtheiten eröffnet sie einen Raum, in der man das richtige Tempo finden kann: das eigene. Der Theologe und Schriftsteller Georg Magirius leitet die Tour der Reihe GangART, die von Lohr zum Kloster Neustadt am Main führt. Die Gruppe bildet sich für die Tour neu.

Erholsame Ebbe

Lohr hat viele Altstadtgassen, aber auch ein gut hörbares Verkehrsaufkommen um die Altstadt herum. Der beachtliche Geräuschpegel ist freilich keine Lohrer Besonderheit, weiß jeder, der sich manchmal in Hörweite von Straßen befindet. Mit dem Main-Wanderweg geht es über eine Obstbaumwiese aus der asphaltgrundierten Zivilisation hinaus. Es ist ein beachtenswerter Anstieg in den Spessartwald hinauf, der in die Ebbe führt. Denn allmählich nimmt das aufgeregte Geräuschmischmasch des Tales ab.

Witzige Wendungen

Über mehrere Kilometer erlebt man nichts, was als Nachricht taugt. Doch gerade das ist es, was ermuntert: die vom Frühjahr erwachten Bäume, eine von Vögeln kommentierte Stille, dazu Schotterwege und Waldpfade, deren Windungen das Ideal des linientreuen Vorwärtsschnellens verlachen. Einmal ist da eine Aussicht! Doch kein stures Vorwärtsschauen wartet dort, sondern die Gunst, zurückzublicken auf das, was zurückgelegt ist. Dann ist da wieder nur Wald, ehe dieser höflich zurücktritt und den Margarethenhof präsentiert. Doch das belebte Ausflugslokal, das sich hier vor Jahrzehnten befunden hat, gibt es nicht mehr. So geht es erneut still durch den Wald, bis dieser noch einmal den Baumvorhang öffnet. Es zeigt sich im Tal direkt am Main das Kloster Neustadt.

Die Dynamik des Unsichtbaren

Dort beteten und arbeiteten über Jahrhunderte Benediktiner, seit mehr als hundert Jahren Missions-Dominikanerinnen. Der Gleichklang ihres Tuns kommt ohne Selfies aus, führt zu keinem Auftritt in Talkshows, wird nicht in jenen Medien gepusht, in denen auf jede auch noch so stürmische Dramatik bereits Sekunden später das Achselzucken folgt. Der Klang dieses Orts konkurriert nicht mit der Nervosität des Vordergründigen. Er ist in die Realität des Unsichtbaren hinein gerichtet. Von deren Dynamik kann etwas erahnen, der vom Michaelsberg an den Türmen der Kirche vorbei flussaufwärts schaut. Es ist die Feier der Gemächlichkeit: Schiffe gewinnen fast unmerklich an Größe, gleiten vorüber, um sich dann schwebend und allmählich auf den Weg zur Mündung zu machen.

Weglänge und Möglichkeit zur Anmeldung

Die Tour am 25. April 2020 ist 10 Kilometer lang, die reine Gehzeit beträgt 3,5 Stunden. Start ist an der Bahnstation von Lohr, Haltestelle des zwischen Frankfurt und Würzburg/Bamberg verkehrenden Regionalexpresses. Nach Absprache ist eine gemeinsame Anreise möglich z.B. von Frankfurt-Höchst, Frankfurt Hbf, Hanau, Dettingen, Aschaffenburg, Würzburg. Es wird bei Sonne gegangen, es wird bei Regen gegangen, ein längerer Abschnitt wird schweigend zurückgelegt. Anmeldung erfolgt durch Überweisung der Teilnahmegebühr von 10 Euro, die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Am Ende der Tour besteht die Möglichkeit zur Einkehr. Rückreise zum Ausgangspunkt Lohr erfolgt mit dem Bus. Informationen und Anmeldung direkt bei Georg Magirius 0176-29402322 bzw. mail@georgmagirius.de  

Die Reihe GangART

Die Tour ist inspiriert von Georg Magirius‘ Buch „Frankenliebe. 33 Orte zum Staunen und Verweilen“, das im Frühjahr 2020 unter dem Lektorat von Thomas Häußner im Echter Verlag erscheint. Es ist das fünfte Buch, das die 2009 begründete GangART begleitet. Dabei handelt es sich um eine fortlaufende Reihe Spiritueller Tagestouren durch Spessart, Odenwald, Rhön, Haßberge, Steigerwald, Fränkisches Weinland – und in Gegenden außerhalb Frankens. Bei bislang 45 Touren nahmen fast 1000 Wanderer teil. Resonanz erfährt die Reihe in den Fränkischen Nachrichten, der FAZ, in Publik-Forum-Extra, Domradio Köln, Ev. Sonntags-Zeitung, BR, dem Genussmagazin Tiepolo und im Würzburger Sonntagsblatt. Zusammenarbeit mit Herder Reisen, Ev. Propstei Rhein-Main, Gasthaus Jägerruh Monbrunn, Referat Wirtschaft-Arbeit-Soziales der Ev. Kirche von Kurhessen-Waldeck, Goethe-Universität Frankfurt, Pfarreiengemeinschaft Würzburg Ost, Christen in der Wirtschaft, Erwachsenenbildung in Stadt Offenbach, Verein Andere Zeiten Hamburg. – Im Frühjahr 2020 gibt es eine weitere Wanderung, sie führt nicht nur für Kinder in den Hochspessart: “Das Geheimnis des Hexenbaums” – Informationen dazu > hier <.

About Buero Magirius

Über spirituelle Spaziergänge und andere Tritte des Schriftstellers Georg Magirius.
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