Abschied

Schmachkhaft trauern

Kaum jemand scheint heute zu wissen, wie man richtig trauert. Na gut, man könnte aufs Richtigmachen ausnahmesweise auch mal pfeifen. Und sich selbst und seinen Gefühlen trauen. Aber das scheint dann wohl doch zu einfach zu sein. Stattdessen schlagen sich viele einen Weg durch den Dschungel von Anleitungen, Trauerkursen und Knigges. Vielleicht hätte auch Siegfried Lenz einen Trauerknigge verfassen sollen? In “So zärtlich war Suleyken” erzählt der jugendliche Ich-Erzähler von der Beerdigung seiner Tante Arafa. “Schmackhaft trauern” ließe sich als Motto ausgeben. Das beschriebene Begräbnis kann womöglich sogar als Vorbild für den heute verbreiteten Wunsch dienen, alles wohlgestaltet, schön und ja nichts falsch zu haben. Am Ende zumindest lautet das nahezu wörtliche Fazit aller, die zur Beerdigung gekommen waren: “es war, insgesamt, ein angenehmes Begräbnis.”

Schmackhaft trauern: Schlägereien, Liebeswalzer und Bratäpfel

Aber was hatte diese angenheme Beerdigung denn zu bieten? Heftige Streitereien, die in eine Schlägerei münden. Dazu liebeslustige Walzer und tanzende Paare, es wird gelacht, man verschafft sich Durst und Hunger. “So, und dann wurde gegessen. Was gegessen wurde? Ich brauch’ nur zu erzählen von mir: obzwar jung und unmündig, verzehrte ich acht Spiegeleier mit fettem Speck, fünf Klopse, etwas vom Hasen, einen Entenhals, einen Teller Blutsauer mit Gekröse vom Huhn, einen Teller Fleck, ein halbes Schweineohr und einige Bratäpfel. Dazu aß ich gebackene Zwiebeln, einen gerösteten Fisch und am späten Abend ein paar Flußkrebse, die der alte Glumskopp gefangen hatte.”

Koffer auf Zugsitz - Cover zum Buch "Abschied" von Georg Magirius - mit dem Buch lässt sich schmackhaft trauern

Informationen zum Buch “Abschied”

Die Erzählung “Ein angenehmes Begräbnis” von Siegfried Lenz ist der Anthologie “Abschied. Geschichten vom Loslassen und Neuanfangen” enthalten. Georg Magirius hat das Buch in der edition chrismon veröffentlicht. Die Anthologie hat 15 Erzählungen. Sie stammen neben Siegried Lenz von Autorinnen und Autoren wie Robert Gernhardt, Ulla Hahn, Georg Magirius, Elke Heidenreich, aber auch Lenka Reinerová, Gabriele Wohmann und Bertolt Brecht. Das Buch kosstet 15 Euro. Annegret Grimm hat es übrigens lektoriert. Das Cover stammt von Anja Haß. Friederike Arndt hat das Buch layoutet. Die ISBN-Nummer lautet 978-3-96038-083-2. Weitere Informationen und Pressestimmen sind hier.