Stille

Endlich Ruhe!

Wolfsee bei Iphofen - Dort zum Beispiel gilt "Endlich Ruhe!" Foto (c) Georg Magirius

Es ist eine der abenteuerlichsten Landschaften, in die sich reisen lässt. Gemeint ist die Abgeschiedenheit. Für Stunden, Tage oder Wochen entzieht man sich dabei dem Anspruch, ständig eingebunden sein zu müssen. Die Stille fühlt sich kostbar an. Allerdings kann sie auch beängstigen. Denn niemand weiß, was genau passiert, wenn man das gewohnte Leben verlässt. Die Betrachtung “Endlich Ruhe!” von Georg Magirius im Deutschlandfunk am 2. August 2015 nimmt heutige Stillesucher in den Blick. Die Sendung ist hier zu hören. Das Manuskirpt lesen hier. Sie verknüpft Erfahrungen einer meditativen Wanderung mit Berichten über frühe christliche Einsiedler. Diese gingen in die ägyptische Wüste und in Wälder. Auch lebten sie in Zellen, auf Bäumen oder Säulen. Gemeinsam war ihnen, dass sie von „der Süßigkeit des Schweigens“ schwärmten.

Endlich Ruhe! Schweigende Clowns

Vielen gelten sie als Spinner, Anarchisten, Außenseiter. So sahen sie sich oft selbst, nämlich als religiös motivierte Clowns und Narren. Auch wer heute in die Stille geht, kann einiges zu hören bekommen – zum Beispiel: „Wenn du es dir leisten kannst!“ Manche halten einen für überheblich oder unsozial, weil man sich entfernt und bei den üblichen Geselligkeiten fehlt. Da sind Anfragen, die nicht einfach von der Hand zu weisen sind: „Stiehlst du dich davon?“ Statt sich auszuklinken, könnte man sich doch engagieren, besser einbinden, vernetzen, Position ergreifen und für andere eintreten. Dennoch wagen Menschen es immer wieder, für eine bestimmte Zeit sich selbst zu genügen. Das kann dann zur Folge haben, dass lange Abgetauchtes nach oben treibt. Uneingestandene Sehnsüchte zum Beispiel. Oder Verletzungen, innere Verkrampfungen und ungelöste Fragen. So kümmert man sich in der Abgeschiedenheit um ein ziemlich unbekanntes Wesen. Nämlich? Sich selbst. Und man geht auf die Suche nach einer anderen Dimension.

Stille Beziehungskünstler

Das Essay behauptet: Die Abkehr entpuppt sich paradoxerweise als Weg zur Welt. So entdeckt Antonius, einer der ersten christlichen Einsiedler, das Leben. Ausgerechnet dank seiner Distanzierung! Er verteufelt nicht die Welt, die er hinter sich gelassen hat. Stattdessen öffnet sie sich ihm auf neue Weise. Antonius wird Altvater oder Abba genannt. Ein Ehrentitel, der zeigt: Er lebt ungewöhnlich sozial. Er ist der erste all der stillen Beziehungskünstler, die ihm bis heute folgen. – Die Musik zur Sendung “Endlich Ruhe! Ausflug in das Land der Stille” stammt von Arvo Pärt, Fratres und Tabula rasa. Außerdem ist zu hören von Fredrico Mompou “Angelico” und “Lento” seiner Música Callada. Schließlich klingt von Francesco Canova Da Milano das Ricercare Nr. 73 für Laute. Für den Ton verantwortlich ist Hüseyin Köroglu. Die Redaktion Pfarrer Frank-Michael Theuer. Die Sendung ist angeregt von Georg Magirius’ Buch “Schritt für Schritt zum Horizont”.

Mann auf Jakobsweg - Cover des Pilgerbuchs "Schritt für Schritt zum Horizont" von Georg Magirius.

Das Buch “Schritt für Schritt zum Horizont”

Georg Magirius hat das Buch “Schritt für Schritt zum Horizont – Pilger-Werkbuch” im Herder Verlag veröffentlicht. Das Lektorat haben Dr. Esther Schulz und Clemens Carl. Das Buch kostet 17 Euro 99. Es hat 224 Seiten, ein Softcover mit Lesebändchen. Und die ISBN-Nummer lautet 978-3-451-31311-0. Weitere Informationen und Pressestimmen sind hier.