Spirituelle Wanderungen
“Absturz bei Vertrauenstour!”
Unter dem Motto „Jeder Schritt ein Original“ dringen mehr als ein Dutzend spirituell Suchende der Reihe GangART im Mai ins ungeheuerliche Wässernachtal bei Haßfurt ein. Ungeheuerlich? Ja, der Weg an dem sich windenden Bachlauf ist nicht so lieblich, wie die sprudelnde Wässernach klingt.

Geh nicht zu weit!
„Absturz bei Vertrauenstour!“, hat ein Teilnehmer bereits die Presse-Schlagzeile vor Augen. Die Idee ist nicht aus der Luft gegriffen, sondern vom Blick in die Tiefe inspiriert: Ein kleiner Schritt zur Seite kann zu einem alpinistisch steilen Niedergang oder eben Absturz führen. Dafür aber ist die spirituelle Seilschaft zu gut aufeinander abgestimmt. Man ist aufmerksam, weil die Teilnehmer sich eigens für diese Tour zusammengefunden haben: aus Bad Vilbel, Sommerhausen bei Würzburg, Frankfurt, Mainhausen, Seligenstadt und Groß-Gerau. Außerdem wurde bei Eintritt ins Gefahrengebiet ein Warnruf in Richtung Himmel abgesetzt: „Begleite mich auch in die Leere. Wenn nichts mehr geht, sich nichts mehr regt, geh mir voraus. Geh nicht zu weit, zieh nicht weg von mir. Warte doch auf mich, erwarte mich in meinem Gehen Schritt für Schritt zum Horizont.“ (Aus Georg Magirius’ Pilger-Buch “Schritt für Schritt zum Horizont“).

Python, Löwe, Kathedrale
Zwischen pythonschlangendicken Baumwurzeln werden die Füße gesetzt, man wandert durch löwenmähnenhohes Waldgras, das der wild durch die Gegend treibende Mai ungekämmt gelassen hat. So gut wie nie geht es flach voraus, sondern in einem fast unaufhörlichen Auf und Ab, das dann schließlich doch noch mündet – aber in kein Flachstück. Sondern steil und still bergauf zieht sich der Weg durch das Längsschiff einer Kathedrale, die aus Buchen gewachsen ist. Und dann? Kein Orgelklang, sondern ein vielfaches Schlagen auf weichem Trommelfell.

Gefahrvoll fränkisch
Was sind das für Instrumente? Antwort: Blätter, die als Trommelfell reagieren, indem sie den Schlegelschlag der Regentropfen im Resonanzraum Laubwald Baumstockwerk um Baumstockwerk nach unten weitergeben. Endlich. Samstag, 24. Mai 2014, 13.07 Uhr und 34 Sekunden: Die spirituellen Wanderer erreichen die Grenze zur Zivilisation. 26 Sekunden später: Der letzte Bus des Tages nimmt die Wildgänger auf. Er rast nicht zum Horizont, aber bis nach Schweinfurt, wo nicht mehr die Wässernach im Mittelpunkt des Interesses steht. Auch kein Regenwasser. Sondern? Flüssigkeiten, die die liebenswerte, auf Dauer allerdings auch nicht vollkommen ungefährliche Brauereigaststätte ausschenkt.
Die Reihe GangART
Georg Magirius hat im Rahmen seiner Heilspraxis GangART 2009 ins Leben gerufen. Es handelt sich um eine fortlaufende Reihe spiritueller Tageswanderungen. Bei bislang 69 Touren nahmen 1360 Wanderinnen und Spaziergänger teil (Stand Mai 2026). Aktuelle Termine sind hier. Von Georg Magirius ist jüngst im Würzburger Echter Verlag das Buch erschienen: “Frankenfreude. 33 Orte überraschend schöne Orte”.
