Biblisches

Vom Reichtum einer Vogelexistenz

Die Bergpredigt Jesu ist heute längst verwirklicht. Nämlich dort, wo Menschen wie Vögel leben. Das behauptet Georg Magirius in Anlehnung an Andreas Maiers Roman “Sanssouci” in der Evangelischen Zeitung im Norden vom 12. Mai 2011. Anlass seines Beitrags “Vom Reichtum einer Vogelexistenz” über die Bergpredigt ist das Motto des diesjährigen Evangelischen Kirchentags in Dresden “… da wird auch dein Herz sein.” Die Redaktion hat Sven Kriszio.

Der Beitrag “Vom Reichtum einer Vogelexistenz”

Es sind Worte wie Schätze. Die Bergpredigt erzählt von einem Leben, in dem der Bankrott unmöglich ist. Wer die Worte hört und tut, sagt Jesus am Ende, gleicht einem, der sein Haus auf Fels gebaut hat. Da entsetzten sich die Leute. So radikal himmlisch muss die Predigt geklungen haben, ganz anders als das Reden der Schriftgelehrten und Theologen. (Mt 7,24-28) Es ist die erste große Rede im Neuen Testament – und dann gleich so!

Selbst zwei Jahrtausende später noch hat sie die Kraft, durch Menschen wie Tolstoi, Gandhi oder Martin Luther King die Welt auf friedliche Weise in Verwirrung zu bringen. Jedenfalls: Noch ehe Jesus sich zu großen Taten aufschwingt, redet er. Laut Matthäusevangelium war er zuerst Erzähler, dann Täter. Vielleicht aber war sein Erzählen bereits so etwas wie eine Tat, womöglich sogar seine größte. Liest man die Sätze, scheinen sie zu vibrieren. Oder zittert es im Innern dessen, der sie liest?

Jesu Gedanken sind unvorstellbar gewagt, weil einfach. Sie rühren Träume an, die im Herzen schlafen, die man sich oft genug versagt und die immer wieder wach geredet werden wollen. Wer aufgeweckt ist, bekommt allerdings oft zu hören: „So einfach geht das nicht! Ohne Kompromisse kannst du das Leben nicht bestehen.“ Jesus aber wollte das Leben nicht bestehen, sondern öffnete den Mund – und ein Zauber kam frei, der so verstörend schön ist, dass ihn keine Theorie jemals fassen wird. WEITERLESEN