Biblisches

Spiritueller Durchbruch in Heidelberg

Spiritueller Durchbruch in Heidelberg - Ansicht Heildeslbergs vom Philosophenweg

Erich Zenger, der am 4. April 2010 starb, war der wohl renommierteste deutschsprachige Alttestamentler seiner Generation. Entscheidend dafür: sein spiritueller Durchbruch in Heidelberg. Genauer gesagt: Es war, wie er selbst sagt, der Durchbruch für seine Art, mit der Bibel umzugehen. Georg Magirius erinnert an Zenger mit der halbstündigen Sendung „Im Himmel spricht man Hebräisch“ im Bayerischen Rundfunk am 5. April 2020. Die Redaktion hat Wolfgang Küpper. – Das Manuskript ist hier.Erich Zenger stellte gegen eine banalisierende Spiritualität den suchenden Charakter der Hebräischen Bibel heraus. Dieser unterscheide sich grundlegend von einer engen, an Richtigkeiten orientierten Dogmatik. Dadurch wirke die Bibel auch wie ein Protest gegen den süßlichen Tonfall vieler Seelsorger und “den mild-pastoralen Schmalz aller Zeiten”.

Suche statt Schmalz

Der Kampf mit Gott, der Kampf gegen Gott (Erich Zenger)

“Da wird neutralisiert, da wird besänftigt, da ist nichts von jener Leidenschaft der Suche nach Gott drin, die einfach der Bibel eigen ist. Die wissen, wer Gott ist, die wissen, was die Wahrheit ist, während in der Bibel grundlegend ist: Die Suche nach der Wahrheit. Grundlegend ist der Kampf um das Leben, um die Wahrheit. Der Kampf mit Gott, gegen Gott.”

Erich Zenger

Durchbruch in Neckarstadt

Den Durchbruch dafür, den suchenden Charakter der Bibel ins Zentrum seiner Arbeit zu stellen, sagt Zenger, habe er 1966 an der Theologischen Fakultät in Heidelberg erfahren. SIe galt als Zentrum der alttestamentlichen Wissenschaft. Bemerkenswert, weil Erich Zenger zwei Jahre vor seinem Semester in Heidelberg zum katholischen Priester geweiht worden war und an der Päpstlichen Universität in Rom studiert hatte. Die Theologische Fakultät in Heidelberg aber ist evangelisch. “Völlig unmöglich!”, sagte sein Bischof aus Eichstätt – und ließ ihn dennoch dort studieren.

Theologie ohne Kleingeisterei

Vermeintlich unüberwindbare Grenzen überspringen: das war für Zenger charakteristisch. Deshalb bezog er zeitgenössische jüdische Schriftausleger in seine Arbeit ganz selbstverständlich ein, womit er mit der jahrhundertealten Gewohnheit in den Kirchen brach, diese zu ignorieren. Brennpunktartig zeigt sich das in seinem Lebenswerk, Herders Theologischem Kommentar zum Alten Testament, der auch nach Zengers Tod unter der Herausgeberschaft von Ulrich Berges, Christoph Dohmen und Ludger Schwienhorst-Schönberger Band um Band fortgeführt wird. In ihm legen katholische und evangelische Exegetinnen und Forscher die Hebräische Bibel aus, aber auch jüdische Wissenschaftlerinnen und Theologen. Das hat es im deutschsprachigen Raum zuvor noch nicht gegeben.

Die Sendung

Die Sendung “Im Himmel spricht man Hebräisch” sendet der Bayerische Rundfunk in der Katholischen Welt am 5. April 2020. Sprecher ist Georg Magirius. Für den Ton verantwortlich ist Sigrid Pfeffer. Das Foto stammt von Pixabay. Das Manuskript der Sendung ist hier.