Neues Leben
Ein Patient ist keine Krankheit

“Das Problem im deutschen Gesundheitswesen ist nicht der Patient. Das Problem sind die Strukturen, die Prozesse und alle, die im Gesundheitswesen arbeiten.“ Das hat Georg Juckel, Ärztlicher Direktor der Bochumer Uni-Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Präventivmedizin im Hessischen Rundfunk am 8. März 2026 gesagt. Im Patienten liege oft sogar eine große Energie. Sendung jetzt hier als Podcast hören.

Lernen
Die Sendung handelt von dieser Kraft, die sich in Menschen am Rand oder in Not bemerkbar macht. Im medizinischen Alltag stuft man Hilfesuchende allerdings gelegentlich als problematisch ein. Können sie sich nicht weniger kompliziert oder krank verhalten, sich besser in die vorgegebenen oder gerade zur Verfügung stehenden Hilfsabläufe fügen?, wird dann schon mal geseufzt. Anders Georg Juckel: “Es geht um eine offene Haltung. Wir hoffen, dass unsere Arbeit für die Patienten gut ist. Aber es ist ein gegenseitiges Lernen. Wir selbst erleben diese Arbeit selbst im Großen und Ganzen als bereichernd, als Energie, Kraft und als erholsam.”

Schreien
Mit seiner Frau, der Ärztin und Verhaltenstherapeutin Paraskevi Mavrogiorgou-Juckel, ist er Autor des Buchs „Wie die Seele wieder Frieden findet. Warum die alten Geschichten der Bibel uns heute Halt geben“. Die beiden Professoren erleben Heilungsgeschichten aus dem Neuen Testament für die therapeutische Arbeit als hilfreich. So sei bei den dort beschriebenen Begegnungen eine große Stärke im Spiel. Sie gehe oftmals von den Kranken aus, mache sich bemerkbar etwa als lautes Schreien.
Bitten
Jesus habe Menschen am Rand angeschaut, ihr Schreien nicht als problematisch angesehen. Er hat sie stattdessen als unverzichtbar vom Rand in die Mitte der Gesellschaft geholt. „Man braucht sich für Schwächen und Krankheiten nicht zu schämen. Um Hilfe zu bitten, ob laut oder leise, sollte selbstverständlich sein“, sagt Paraskevi Mavrogiorgou-Juckel.

Stärken
Natürlich gibt es Tage wo ich denke: Dat war heute ein scheiß Tag. Gott sei Dank – ähm, Entschuldigung – gehe ich gleich nach Hause und da kann ich mich ausruhen. Aber wenn wir merken, wie Patienten gebessert nach sieben Wochen oder nach drei Monaten nach Hause gehen, dann gibt uns das sehr viel an Energie, an gutem Gefühl, das kann man schwer mit Worten fassen, was es de facto ist. Ich fühle mich wirklich gestärkt, wenn ich sehe, wie sie oder er vor drei Monaten war und jetzt nach Hause geht.
Paraskevi Mavrogiorgou-Juckel im Hessischen Rundfunk, Sendung jetzt hören
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In der Sendung “Sei laut! Wachse! Lass dich berühren” des Theologen und Schriftstellers Georg Magirius wirkt auch Egbert Ballhorn mit, Professor für Bibelwissenschaft der TU Dortmund und Vorsitzender des Katholischen Bibelwerks. Das Feature unter Redaktion von Dr. Lothar Bauerochse sprechen Torsten Flassig und Claudia Jacobucci. Das Produktions-Management liegt bei Maria Anna Bopp. Die Aufnahmeleitung hat Aran Kleebaur. Die Harfenistin Lavinia Meijer begleitetet die Gedanken der Sendung mit Stücken von Philip Glass. Angeregt ist die Sendung vom Buch “Leuchte. Wachse. Gehe deinen Weg”. Die Sendung als Podcast lässt sich jetzt hier hören. Die Fotos vom HR-Interview mit Paraskevi Mavrogiorgou-Juckel und Georg Juckel stammen von (c) Georg Magirius.