Warnung vor dem Stille-Kult

Stille kann gefährlich werden, wenn sie als Kommunikationslosigkeit verstanden wird. Sie ist dann nicht förderlich, sondern isolierend, deprimierend, kalt. Stille belebt, wenn sie mit der Sehnsucht nach Geselligkeit verbunden ist, mag diese auch auf eine unüblichen Weise auftreten. Das sagt der Theologe und Schriftsteller Georg Magirius in seiner Sendung “Aufgehoben in der Stille”, die am 15. Dezember 2019 im Bayerischen Rundfunk gesendet wurde. Sie ist jetzt als Podcast hörbar, das Manuskript lässt sich downloaden. Ton: Erik Buhne. Sprecherin: Birgitta Assheuer, Sprecher: Moritz Stoepel. Redaktion: Wolfgang Küpper. Foto (c): Manfred Antranias Zimmer, Pixabay

Des Protestanten Gespür für Katholische Welten

Stille im Radio? Das klingt unmöglich. Doch Georg Magirius habe gezeigt, dass sich das Thema radiophon umsetzen lasse. So urteilt Wolfgang Küpper im Bayerischen Rundfunk in der Sendung Ökumenische Perspektiven auf Bayern2 über das von Magirius bei Herder herausgegebene Buch “Stille erfahren”. Wieso jetzt Buch? Antwort: Ohne die Arbeit des in Hessen lebenden Protestanten Magirius für die Sendereihe Katholische Welt des Bayerischen Rundfunks wäre das Buch nicht entstanden. Die Besprechung > lesen und > hören.

Die Sendung

Die halbstündige Sendung “Aufgehoben in der Stille” jetzt kostenfrei in der BR-Mediathek hören >> hier.

Das Buch

Stille erfahren - Georg Magirius

Georg Magirius (Hg.), Stille erfahren, mit Beirägen von Amet Bick, Manuela Fuelle, Uwe Kolbe, Georg Magirius, Ann-Kristin Rink, Bernardin Schellenberger, Arnold Stadler, 128 Seiten, gebunden, Lektorat: Dr. Esther Schulz und Jochen Fähndrich, ISBN: 978-3-451-34996-6, Herder Verlag 2019

Exotische Stille

Es ist ein Experiment von exotischer Eigenheit. Denn am 15. Dezember 2019 nähert sich der Theologe und Schriftsteller Georg Magirius im Bayerischen Rundfunk der Stille an, ohne auch nur ein einziges Mal das Wort Yoga zu verwenden. Ausgangspunkt der Sendung “Aufgehoben in der Stille” ist die Erfahrung der Reizüberflutung, von Schnelllebigkeit, Tempozwang und dem damit verbundenen Wunsch nach Ruhe. (Manuskript > lesen. Sendung jetzt > hören.) Die naheliegendste Lösung jedoch hilft laut Magirius oft nicht weiter: Denn mit der abrupten Verringerung der Dezibelzahl spüren viele, wie die innere Unruhe zu rumoren beginnt. “Auch Wellnesswochenenden, Achtsamkeitstrainings und diverse Techniken aus dem Meditiationsbusiness-Segment scheinen keine tiefergehende Ruhe zu vermitteln, sonst würde es nicht zu immer neuen Angeboten kommen.”

Stille Anrede
Das Essay, gesprochen von Birgitta Assheuer und Moritz Stoepel, erkundet die Stille, ohne ihr das Geheimnisvolle rauben zu wollen. Zu hören ist Música Callada von Federico Mompou, interpretiert vom Pianisten Emili Brugalla. Davon angeregt und in Auseinandersetzung mit namhaften Schriftstellerinnen und Dichtern wie Arnold Stadler, Manuela Fuelle und Uwe Kolbe werden spirituelle Ruheräume vorgestellt, in denen man sich aufgehoben fühlen kann: im Wald, bei Schneefall, beim Schwimmen im See, im Nachhall der Musik. Es sind Möglichkeiten, um – wie es Bernardin Schellenberger sagt – „die Anrede an mich zu hören“.

Aufgehoben in der Stille, Von der Suche nach spirituellen Ruheräumen, Sonntag 15. Dezember 2019, Bayern2Kultur, Katholische Welt, 8.05-8.30, Wdh. BR-Heimat 9.05-9.30, Manuskript > lesen, Sendung jetzt kostenfrei > hören. Ton: Erik Buhne, Regie: Georg Magirius, Redaktion: Wolfgang Küpper. Die Sendereihe Katholische Welt, erstmals 1952 im Programm, thematisiert grundsätzliche Fragen in Kirche und Christentum, Religion und Gesellschaft. Ganz wichtig: Der Dialog in der katholischen Kirche, zwischen den Kirchen und mit den anderen Weltreligionen. Fotos: Veronika Sergl-Vahlenkamp, Thilo Körkel, Georg Magirius.

Die Kunst der Wiederholung

Wie wird die Sprache sinnlich? “Durchs Wiederholen, das Listen, Auflisten, die rhetorische Figur der sich stets leicht variierenden Wiederholung.” Diese fast mechanisch wirkende Kunst finde sich bei Gertude Stein, Martin Heidegger, Thomas Bernhard – und sehr eindrücklich im Alten Testament, hat Uwe Kolbe gegenüber dem Bayerischen Rundfunk gesagt. Kolbe, gewiss einer der schöpferischsten deutschen Lyriker der Gegenwart, rühmt die Kunst der Wiederholung in der Sendung “Das erste Buch der Christen. Wie das Alte Testament uns heute prägt” von Georg Magirius. Zu hören ist sie am 11. August 2019 auf Bayern2Kultur in der Katholischen Welt von 8.05-8.30 Uhr. Ton: Dorothee Fink, Musik: Bettina Linck, Redaktion: Wolfgang Küpper.

Heilige Straßenkünstler

Moritz Stoepel - Foto (c) Veronika Sergl-VahlenkampDie streitlustigsten Menschen kennen oft den besten Weg zum Frieden. Das behauptet der Theologe und Schriftsteller Georg Magirius in seiner halbstündigen Sendung “Eigenwillige Propheten”, die am 22. April 2019 im Bayerischen Rundfunk gesendet wird. (Sendung jetzt kostenfrei hören >> hier. Das Manuskript >> hier.) Dabei wird der Schauspieler Moritz Stoepel den Propheten Stimme geben. Laut Magirius handelt es sich bei ihnen um “Widerständige, wilde Poeten, Schmerzkundige, exzentrische Straßenkünstler”. Sie deckten Verbrechen und Verletzungen auf, die im Schutz politischer oder religiöser Institutionen begangen würden. “Allerdings gründen Propheten keine Alternative für ihr Land, um die Eliten zu stürzen. Sie sind unorganisiert, unabhängig, Einzelne. Ihre Ideen aber zielen aufs Ganze.” Von ihnen stammten Visionen vom Frieden, die heute konstruktive Perspektiven aufzeigten: etwa wie Völker in Bewegung geraten. Aber niemand flieht oder wird vertrieben. Sondern freiwillig brechen sie auf, um zu erkunden, wie sie miteinander gut zusammen leben können. Foto (c): Veronika Sergl-Vahlenkamp.

Georg Magirius, Eigenwillige Propheten. Von der Aktualität alter Visionen, Ostermontag, 22. April 2019, Bayern 2 Kultur, Katholische Welt, 8.05-8.30 Uhr/BR-Heimat, 9.05-9.30 Uhr, (Sendung jetzt kostenfrei hören >> hier. Das Manuskript >> hier.) Sprecher: Moritz Stoepel, Birgitta Assheuer, Ton: Philipp Balzereit, Redaktion: Wolfgang Küpper.

Träume realisieren ohne Gepäck

Der Ort, an dem man seine Träume leben kann, ist keine Utopie. Den Weg dorthin findet man mit wenig Gepäck. Das hat die Theologin und Schriftstellerin Manuela Fuelle am 1. November 2018 im Bayerischen Rundfunk gesagt. Die halbstündige Sendung von Georg Magirius über den Reiz des Grenzübertrittes lässt sich jetzt lesen und kostenfrei hören. Sprecherin: Birgitta Assheuer. Ton: Ute Steffen, Redaktion: Wolfgang Küpper.

Das starke Empfinden für das Licht des Morgens

Das Märchenhafte verzaubert, weil es Verstörendes nicht ignoriert. Das sagt der Theologe und Schriftsteller Georg Magirius im Bayerischen Rundfunk in der Sendung “Die Macht der guten Wünsche” am 19. August 2018 auf Bayern 2 Radio, die von der Harfenistin Bettina Linck musikalisch interpretiert wird. Die halbstündige Sendung handelt vom Realitätssinn einer märchenhaften Kraft, nämlich des Wünschens. Über den Zusammenhang von Hoffnung und Schmerz, wie er in der Bibel zu finden sei, heißt es in der Sendung außerdem:Georg Magirius Gute Wünsche aus der Bibel - Das biblische Land bei Tübingen “Niemandem wird Düsternis gewünscht. Aber wer Schatten kennt, wird aus der Hoffnung nicht ausgebürgert. Denn er hat nicht selten eine besonders starke Leidenschaft für das Licht des Morgens.” Die Sendung wird gesprochen von Birgitta Assheuer und vom Autor. Redaktion: Wolfgang Küpper.

Angeregt ist die Sendung vom Buch “Gute Wünsche aus der Bibel”, das unter dem Lektorat von Dr. Dietrich Voorgang im Herder Verlag erschienen ist.

Das erste Buch der Christen

In Zeiten, da der Antisemitismus wächst, hat es auch das Alte Testament nicht leicht, behauptet Georg Magirius in seiner halbstündigen Sendung “Das erste Buch der Christen” im Bayerischen Rundfunk, Hessischen Rundfunk und im Norddeutschen Rundfunk. Es sei bis heute die Bibel der Juden, zugleich der erste Teil der Heiligen Schrift der Christen. Eingewendet werde allerdings oft, dass in ihm zu viel von Krieg, Blut und Opfern gesprochen werde. Auch sei das Gottesbild finster. Überhaupt seien die Texte kaum noch relevant, weil sie einer Kultur angehörten, die uns heute nicht mehr geläufig sei. Daher fordern manche christliche Theologen: Das Alte Testament habe deutlich hinter das Neue Testament zurückzutreten. Magirius geht den Vorwürfen nach und fragt im Gespräch mit dem Alttestamentler Thomas Hieke und dem vielfach ausgezeichneten Lyriker Uwe Kolbe: Was ist die Grundausrichtung des Alten Testaments? Und  wie prägt seine Bilderwelt und Sprache uns bis heute? Musikalisch interpretiert wird die Sendung von der Harfenistin Bettina Linck.

Das erste Buch der Christen. Wie das Alte Testament uns heute prägt, Sendung von Georg Magirius mit Uwe Kolbe und Thomas Hieke, Musik: Bettina Linck, Ton: Dorothee Fink, Bayerischer Rundfunk, 20. Mai 2018 (Wdhlg. 11. August 2019) BR2, Katholische Welt, Die Redaktion der Sendung hat Wolfgang Küpper, Leiter der BR-Redaktion „Religion und Orientierung“ und Geschäftsführer der ARD-Kirchenkoordination. Hessischer Rundfunk, 05. August 2018, 11.30-12.00, hr2Kultur, Camino, Redaktion: Dr. Lothar Bauerochse. Norddeutscher Rundfunk, 12. August 2018, ndr-info, Forum am Sonntag, 6.05-6.30 (Wdlg. 17.05-17.30), Redaktion: Jan Ehlert. Sendung >> jetzt HÖREN.

Bathseba juckt ihn mehr als Jesus

Das Alte Testament prägt völlig selbstverständlich unsere heutige Vorstellungswelt. Das sagt der vielfach ausgzeichnete Lyriker Uwe Kolbe in der Sendung “Das erste Buch der Christen”, die im am 20.5. 2018 im Bayerischen Rundfunk, am 5. 8. 2018 im Hessischen Rundfunk und am 12. 8. 2018 im Norddeutschen Rundfunk gesendet wird. “Es sind zum Teil wirklich Gebete, in diese Richtung geht es”, sagt Kolbe über sein aktuelles Buch “Psalmen”. “Aber es sind selbst gefundene, selbst geschriebene, keine traditionellen.” Trotz der Originalität seiner aktuellen Gedichte hat sich Kolbe, der 1957 in Ost-Berlin geboren ist, tief in die Psalmen des Alten Testaments eingelesen. Religiös erzogen wurde er nicht, hatte seine erste intensive Begegnung mit der Bibel aber schon als Kind.

Uwe Kolbe Foto (c) Gaby Gerster

Uwe Kolbe hören >>>>>>> hier <<<<<<< (1 min – 1,0 MB): “Und da hatte ich einen Kumpel in der Schulklasse, ganz einfach: Wir haben mit zwölf Jahren beschlossen: Wir würden jetzt doch mal die Bibel lesen wollen. Ich habe mich zu der Zeit begonnen für Bildende Kunst zu interessieren, in Reproduktionen, in Büchern, auf alten Zigarettenbildern, ich hatte eine Sammlung von alten Zigarettenbildern. Und ich verstand die Hälfte dieser Bilder nicht. Die eine Hälfte fing ich gerade an zu verstehen, das war die im Wesentlichen pagane mythologische Welt, das vorchristliche, griechisch-römische Altertum mit seinen fantastischen mythischen Geschichten und Göttergeschichten und Menschensagen. Und dann die andere Hälfte war die biblische Sagenwelt, sagen wir mal, ich sage jetzt mal Sagenwelt oder Mythologie dazu (lacht) – und insbesondere darunter die alttestamentarische. Die Bildwelt des Neuen Testaments, angefangen mit Christus am Kreuz, dem Leid, der Passionsgeschichte, mit der Auferstehung undsoweiter – siehe Matthias Grünewald, Isenheimer Altar, das war mir auch relativ früh bekannt. Was mich aber mehr gejuckt und begeistert hat, das war: Bathseba (lacht). Ich wusste nicht, wer das war. Diese Frau bei Rubens hat mich aber interessiert (lacht).” Uwe Kolbe hören >>> hier <<<< (1 min – 1,0 MB)

Das erste Buch der Christen. Wie das Alte Testament uns heute prägt, Sendung von Georg Magirius mit Uwe Kolbe und Thomas Hieke, Musik: Bettina Linck, Bayerischer Rundfunk, 20. Mai 2018, 8.05-8.30 Uhr, BR2, Hessischer Rundfunk, 05. August 2018, 11.30-12.00, Norddeutscher Rundfunk, 12. August, NDRinfo, 6.05-6.30 Uhr (Wdlh. 17.05-17.30) Foto (c): Gaby Gerster.

Was hat Jesus Neues gebracht? Das Alte

Thomas Hieke Foto von Benedict SchöningDie Liebe kann als Grundausrichtung des Alten Testaments verstanden werden. Das sagt der Alttestamentler Thomas Hieke im Bayerischen Rundfunk in der Sendung “Das erste Buch der Christen”. Das Feature von Georg Magirius ist am 20. Mai 2018 auf Bayern 2 zu hören, am 5. August 2018 in HR2 und am 12. August 2018 auf NDRinfo.

Eine hintergründige Kraft

Die Liebe werde im Alten Testament allerdings nicht permanent beim Namen genannt, sagt der Professor an der katholisch-theologischen Fakultät der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. “Als Begriff kommt sie relativ spät im Leseverlauf der Bibel vor. Und da auch erst einmal die Liebe unter Menschen. Und erst spät kommt eine Idee auf, dass der Mensch Gott lieben soll und dass Gott Menschen liebt.” Dass die Liebe eher indirekt auftauche, mache deren Bedeutung allerdings nur stärker. Dadurch zeige sich gerade das Wesen der Liebe, die nicht lauthals proklamiert oder erzwungen werden könne. Aber wie passt das zu der fast sprichwörtlichen Rede vom finsteren und rachgierigen Gott des Alten Testament? Das sei ein Vorurteil, sagt Hieke.

Das erste Buch der Christen. Wie das Alte Testament uns heute prägt, Sendung von Georg Magirius mit Uwe Kolbe und Thomas Hieke, Musik: Bettina Linck, Bayerischer Rundfunk, 20. Mai 2018, BR2, Redaktion: Wolfgang Küpper. Hessischer Rundfunk, 05. August 2018, 11.30-12.00, hr2Kultur, Redaktion: Dr. Lothar Bauerochse, NDRinfo, 12. August 2018, 6.05-6.30 (Wdhl 17.05-17.30). Foto: Benedict Schöning.