Modellbahnbau senkt Weihnachtsfieber

Familienkäfig, Besinnungsterror, Sehnsucht nach dem Rätselhaften. Und zwischen Erwartungsfreude und Katastrophenfieber bauen Männer in aller Seelenruhe Modelleisenbahnen auf. Wie geschaffen scheint die Pfarrerstochter Gabriele Wohmann dafür zu sein, dem hochheiligen Weihnachtsfest schräge Seiten abzulauschen, wird die Schriftstellerin doch auch weiblicher Loriot genannt. Von ihrer Weihnachtskomik handelt Georg Magirius‘ halbstündige Sendung „Das Lachen der Liebe“ am 2. Weihnachtsfeiertag im Kulturradio des RBB, 9.04-9.30 Uhr.  

Gabriele Wohmanns Weihnachtskomik

Wohmann blickt voller Witz auf das Fest, das allen Boykottankündigungen zum Trotz doch jedes Jahr wieder gefeiert wird. Die vielfach ausgezeichnete Autorin gilt als unangefochtene Königin der Kurzgeschichte. „Weihnachten ohne Parfüm“ ist der letzte persönlich fertiggestellte Erzählungsband der 2015 verstorbenen Schriftstellerin. Ihr scharfer Blick enthüllt alle möglichen menschliche Schwächen und weihnachtliche Kuriositäten. Dahinter ist aber auch die Sehnsucht zu erahnen, dass inmitten von Desaster, Dunkelheit und Traurigkeit die Liebe bleibt und immer neu das Lachen gebiert.

Das Lachen der Liebe, Gabriele Weihnachtskomik, rbb-kultur, Gott und die Welt, 26. 12. 2019, 9.04-9.30 (auch als Podcast und Manuskript), Sendung von Georg Magirius, Sprecherin: Birgitta Assheuer, Sprecher: Georg Magirius, Ton: Natalie Truchseß, Redaktion: Anne Winter

(c) Fotos: Wolfgang Eckert (pixabay) / Jule Kühn

Eine moderne Reformation?

Christoph Quarch  Foto von Achim HehnDie Kirchen in Deutschland sind müde geworden, heißt es oft. Geachtet aber werden sie immer noch als moralische Instanz, als Institution der Nächstenliebe. Das aber ist der Grund ihrer Erkaltung, behauptet der Philosoph Christoph Quarch aus Fulda im Hessischen Rundfunk am Reformationstag. Mit moralischen Appellen erreiche man nicht das Herz. Verloren gegangen sei das Verständnis für das, wofür die Kirchen eigentlich Spezialisten sein müssten: Für eine Liebe, die umfassender ist als der Aufruf zur guten Tat. Eine Liebe, die Menschen berühren und entzünden kann.

Umfassende Leidenschaft

Nach Meinung des Philosophen ist den Kirchen ihre erotische Verwurzelung abhanden gekommen, eine Kraft, wie sie in der griechischen Mythologie der Gott Eros verkörpere und wie sie auch im Neuen Testament anzutreffen sei. Gemeint ist eine den ganzen Menschen umfassende Leidenschaft, die sich nicht machen oder fordern lässt, sondern Menschen packt, ergreift und begeistert. Die Wiederentdeckung der „Erotik des Glaubens“ – eine moderne Reformation?

Die Erotik des Glaubens, Wie der Philosoph Christoph Quarch müde Kirchen wecken will – eine Sendung von Georg Magirius, 31. Oktober 2017, Hessischer Rundfunk, hr2-Kultur, Camino – Religionen auf dem Weg, 11.30 – 12.00. Ton: Natalie Truchseß, Redaktion: Dr. Lothar Bauerochse / Klaus Hofmeister, Foto: Achim Hehn.

Trink deinen Wein mit gutem Mut!

Weininsel bei Volkach im Fränkischen WeinlandSich von der Leidenschaft mitreißen lassen, kann Erholung in einem eng getakteten Leben bieten. Das sagt der Theologe und Schriftsteller Georg Magirius in seinem Essay “Trink deinen Wein mit gutem Mut!” im Deutschlandfunk vom 2. Oktober 2016. (Sendung >> lesen, jetzt kostenfrei >> hören.) Der Beitrag folgt der erfrischenden Bedeutung, die der Wein in der Bibel spielt, etwa im Buch des Predigers Salomo oder in den Evangelien. “Wein gilt als Kostbarkeit, die man nicht nur kostet, sondern auskostet, bis man das ganze Leben und sich selbst als prachtvoll erlebt”, sagt Magirius. Dabei gehe es nicht um Betäubung. “Der Wein soll die Sinne nicht dämpfen, sondern alle Sinne für den Geschmack des Lebens öffnen. Es geht nicht um ein effektiv genutztes Pausenelement, dank dem ich möglichst rasch zum rasanten Takt der Pflichten zurückkehren kann. Nein, es wird eine Leidenschaft gefeiert, die dem ganzen Leben gilt.”

Zyperblumen und Wein

Blaue TraubenDaher sei in der Bibel, wenn der Wein seine Aromen entfaltet, auch die Liebe nicht fern, etwa im Hohelied. “Da finden sich Sehnsuchtssoli und Liebesduette, die in Genusslandschaften locken, in denen Wein und Liebe kaum noch zu unterscheiden sind: ‘Komm, lass uns aufs Feld hinausgehen und unter Zyperblumen die Nacht verbringen, dass wir früh aufbrechen zu den Weinbergen und sehen, ob der Weinstock sprosst und seine Blüten aufgehen.'” Das Hohelied ist laut Magirius ein ekstatisches Gebet, auch wenn es Gebet nicht heißt. “Dem Höchsten schmeichelt es und faltet nicht brav die Hände, die Leidenschaft singt mit ausgestreckten Armen, wie ich es in keinem Workshop erlernen kann, der mit effizienten Erholungsstrategien wirbt inklusive Achtsamkeitselementen bezüglich der eigenen Körperwahrnehmung.”

Trink deinen Wein mit gutem Mut!, Deutschlandfunk, Am Sonntagmorgen, 2. Oktober 2016, Sendung von Georg Magirius >> lesen << – jetzt kostenfrei >> hören << mit Musik von Antonio Vivaldi: La Follia, Rachmaninov und Andreas Schmehl. Ton: Natalie Truchseß, Simon Geiger. Redaktion: Frank-Michael Theuer.

Die Erotik des Glaubens

Christoph Quarch Foto von Nomi BaumgartlDie Kirchen in Deutschland sind erkaltet, weil sie nur noch moralische Appelle von sich geben und keinen Eros haben, keine Leidenschaft und Hingabe. Das hat der Philosoph Christoph Quarch im Bayerischen Rundfunk in der Sendung “Die Erotik des Glaubens” von Georg Magirius vom 3. Juli 2016 gesagt. Ausgangspunkt der Sendung ist der oft geäußerte Eindruck, die Kirchen in Deutschland seien müde geworden. Geachtet aber werden sie noch immer als moralische Instanz, als Institution der Nächstenliebe. Das aber sei der Grund ihrer Ermüdung, behauptet Quarch, der viele Jahre Programmmacher des Deutschen Evangelischen Kirchentags war: Mit moralischen Appellen erreiche man nicht das Herz. Verloren gegangen sei das Verständnis für das, wofür die Kirchen Spezialisten sein müssten: Für eine Liebe, die umfassender ist als der Aufruf zur guten Tat und die Menschen entzünden kann.

Schmackhafte Berührungen

Nach Meinung des Philosophen ist den Kirchen ihre erotische Verwurzelung abhandengekommen, eine Kraft, wie sie in der griechischen Mythologie der Gott Eros verkörpere und wie sie auch im Neuen Testament anzutreffen sei. Gemeint ist eine den ganzen Menschen umfassende Leidenschaft, die sich nicht machen oder fordern lässt, sondern Menschen packt, ergreift und begeistert. Quarch hat sich vor einigen Jahren als Philosoph selbstständig gemacht. Seinen Beruf versteht er als Einladung zu einer Konversation mit dem Göttlichen. Viele Bücher hat er veröffentlicht. Er bietet Reisen, Wanderungen und Seminare an, die Räume eröffnen, in denen eine schmackhafte Berührung mit dem Heiligen möglich werden kann.

Die Erotik des Glaubens. Wie der Philosoph Christoph Quarch müde Kirchen wecken will, Sendung von Georg Magirius vom 3. Juli 2016, Bayern 2. Manuskript >> lesenTon: Natalie Truchseß, Sprecher: Georg Magirius, Redaktion: Wolfgang Küpper. Foto: Nomi Baumgartl.

Das Ende des Unabänderlichen

Wer sich in der Welt behaupten will, geht zum Kampfsport oder in den Selbstverteidigungskurs. Noch wirkungsvoller können Träume, gute Wünsche und Märchen sein. Das hat der Theologe und Schriftsteller Georg Magirius in seinem Essay „Die Kraft der guten Wünsche“ im Deutschlandfunk am 8. Mai 2016 gesagtBettina Linck Foto von Ernst Huber (Sendung lesen oder jetzt kostenfrei >> hören), Redaktion: Frank-Michael Theuer. Dem Traumhaften werde vielfach unterstellt, in der Welt der Kämpfe und Debatten nichts auszurichten.

Nachweisbare Wirkung

Dabei können gute Wünsche die Welt verändern, zumindest einen Menschen, heißt es in der Sendung, die von der Frankfurter Harfenistin Bettina Linck musikalisch gestaltet wird. „Denn wer einem anderen Gutes sagt, malt damit ein Bild, in das dieser hineinspazieren kann, in dem er Atem findet, sich erproben und ausstrecken kann.“ Die Macht des Wünschens und Fabulierens habe nachweisbare Wirkungen in der oft so genannten harten Realität. „Wenn dir jemand Gutes will, wächst du in das Gute hinein. Das vermeintlich Unabänderliche wird aufgebrochen.“

Das Dunkle wird nicht ausgesperrt

Sich an der Kraft guter Wünsche zu orientieren, bedeute nicht, alles nett zu finden: „Wer Wünsche hat, verschließt die Augen nicht vor Kurven, Brüchen und Schieflagen. Sie sind gerade der Grund dafür, dass man auf Gutes hofft. In der Bibel jedenfalls wird das Dunkle nicht ausgesperrt.“ Deswegen sei die Bibel ein realitätsnahes Buch und eine bemerkenswerte Quelle des Wünschens. Um sie frei fließen zu lassen, komme es darauf an, „sie nicht allein mit Vernunft und distanziert zu betrachten.“ So gebe es unter Theologen „einen akademischen Übereifer, der alles Zauberhafte, Märchenhafte und erschütternd Schöne der Bibel erstickt.“

Friede für die Unzufriedenen

Biblische Worte entfalteten ihre Potenzialität jedoch, wenn man sie eher als Poesie denn als Diskussionsgegenstand verstehe. „Sie stimmen friedlich, gerade wenn man mit der Welt nicht immer zufrieden ist.“ – Bettina Linck spielt aus Première Arabesque von ClaudeGeorg Magirius Gute Wünsche aus der Bibel - Das biblische Land bei Tübingen Debussy, der Pssacaglia g-moll von Georg Friedrich Händel, der Etude de concert von Felix Godefroid, Feuilles d’attemps von Alphonse Hasselmans. Im Zentrum steht die Air aus der Orchestersuite No.3 von Johann Sebastian Bach.

„Die Kraft der guten Wünsche“, Deutschlandfunk, 8. Mai 2016, Sendung >> lesenjetzt >> hören, Ton: Natalie Truchseß, Musikaufnahme: Tonmeister Robert Foede. Die Sendung ist inspiriert vom Buch: Gute Wünsche aus der Bibel, Herder Verlag 2016, mit zahlreichen Fotos, Lektorat: Dr. Dietrich Voorgang.