Lautes Kloster. Leise Stadt

Porträt von Amet Bick - Foto von Heide Scherm

Auf der Suche nach Stille beobachtet die Theologin Amet Bick Lautes und Leises in der Stadt, an einem See, im Kloster. Zu hören sind ihre Erkundungen am 3. November 2019, 15.00 in der Sendereihe Lesezeichen im Sender ERF-Plus. Inspiriert ist die Sendung von dem Beitrag “Ankommen in der Stille”, den sie in Georg Magirius’ Buch “Stille erfahren“ veröffentlicht hat. Redaktion: Ute Heuser-Ludwig. Das Lesezeichen in der Mediathek und weitere Sendetermine findet man hier. <

Stille erfahren - Georg Magirius

Georg Magirius (Hg.), Stille erfahren, mit Beirägen von Amet Bick, Manuela Fuelle, Uwe Kolbe, Georg Magirius, Ann-Kristin Rink, Bernardin Schellenberger, Arnold Stadler, 128 Seiten, gebunden, Lektorat: Dr. Esther Schulz und Jochen Fähndrich, Satz: Barbara Herrmann (Freiburg), ISBN: 978-3-451-34996-6, Herder Verlag 2019, 18 Euro

Alternative zum Dauer-Posen

Klang der Stille in Ludwigshafen Gekonnt hat Georg Magirius in Ludwigshafen eine Alternative zum Zeitgeist entworfen, urteilt der Journalist Werner Schenk in der Rheinpfalz vom 29. Mai 2019. Denn mit seinen „tiefschürfenden Gedankenspielen“ habe der Theologe und Schriftsteller die Scheinwahrheiten des Zeitgeists und dessen „Forderungen nach unablässigen Vorwärts- und Aufwärtsdrängen“ hinterfragt.

Ausgefiebert

Was aber ist laut Magirius die Alternative? Stille. Das bedeute nicht, „dass eine absolute Ruhe herrschen muss.“ Stattdessen könne man sich mit Worten und Klängen einer Stille annähern, bei der es sich nicht um die zwanghafte Minimierung der Dezibelzahl handle, sondern um innere Ruhe. Die Besucher in der Melanchthonkirche, schreibt Schenk, „entflohen auf diese Weise für kurze Zeit dem lauten, aufdringlichen und hier und da auch ganz schön schrillen Erscheinungsbild der Ludwigshafener Innenstadt“, wo „PS-bewährte Poser lautstark nach Aufmerksamkeit“ haschen und im gegenüberliegenden Pfalzbau „die politische Szene der Stadt den Wahlergebnissen“ der Europawahl entgegenfieberten.

Beflügelt

Ungewöhnlich an der mit „Klang der Stille“ überschriebenen Lesung: Magirius traue der in die Ruhe führenden Wirkung des Wortes, indem er es gerade nicht krampfartig in den Vordergrund stellt. Stattdessen übergebe er es der Musik der Harfenistin Miroslava Stareychinska, was zu einer ungewöhnlichen Erweiterung führe. „Ihr filigranes, einfühlsames Spiel ist genreübergreifend und vertieft die Quintessenz der geistreichen literarischen Miniaturen des Theologen Georg Magirius. Vorklassische Klänge aus der Feder von Christian Philipp Emanuel Bach, eigene Kompositionen und Improvisationen von romantischem bis hin zu lateinamerikanischem Kolorit beflügeln Assoziation und Meditation.“

Nackenfrei

Auf dem Weg in die Stille habe Magirius neben alltäglichen Erlebnissen auch von Grenzerfahrungen erzählt, etwa dem Erklimmen eines alpinen Gipfels „oder Begebenheiten im Leben Jesu, dessen Umwelt durchaus mit der unsrigen verglichen werden kann. Auch ihm sitzen die hohen Priester der Effizienz und Politikberatung im Nacken, wollen ihn von Termin zu Termin jagen und sein ganzes Tun auf optimale Außenwirkung stylen. Doch Jesus widersteht diesen Einflüsterungen und lässt sich den Liebesbeweis einer Verehrerin nicht miesmachen.“

Stille erfahren: Von Georg Magirius erscheint am 28. Juni 2019 im Herder Verlag das Buch „Stille erfahren“, Lektorat: Dr. Esther Schulz und Jochen Fähndrich. Den Beitrag von Werner Schenk in der Rheinpfalz > lesen. Der „Klang der Stille“ bildete den Abschluss der Reihe „Stille in der Stadt“, die die Religionspädagogin Bärbel Bähr-Kruljac und die Pfarrerin Susanne Schramm von der Citykirchenarbeit Ludwigshafen im Mai 2019 veranstaltet haben.

Friedenstage im akustischen Vakuum

Bärbel Bähr-Kruljac - Am Lutherplatz Ludwigshafen“Vielleicht ist Stille mehr als die Abwesenheit von Lärm, nämlich die Anwesenheit von etwas ganz Anderem.” Das sagen die Religionspädagogin Bärbel Pfarrerin Susanne Schramm - Am Lutharplatz LudwigshafenBähr-Krujac und die Pfarrerin Susanne Schramm über das Projekt “Stille in der Stadt” vom 13. bis 26. Mai in Ludwigshafen. Die Ideengeberinnen und Organisatorinnen von der evangelischen Stadtkirchenarbeit öffnen, kündigen sie an, “Inseln der Stille mitten in der Stadt und im eigenen Leben”, die auf experimentelle Weise “unserer Stadt und uns selbst zu mehr Tiefe” verhelfen.

Das Salz der Stille

Mitten in der Fußgängerzone warten in einem Zelt Liegestühle, dank denen sich ins Bunte und Laute des Lebens bewusst Momente der Leere enflechten lassen.Klanglesung mit Miroslava Stareychinska und Georg Magirius In der Melanchthonkirche wird in “lustvoll-konzentriertem Schweigen” ein mehrgängiges Menü eingenommen, sodass “Salziges und Süßes sich in einem akustischen Vakuum entfalten” kann. Außerdem gibt es Filme, Straßenexerzitien, Kirchenführungen, Qigong am Rhein, Taizégebete, Bilderschreiben und Schriftmalen, Klangreisen, Museumsführungen zur Farbe und Lesungen aus dem “Geschenk des Judentums an die Weltliteratur”, den Psalmen.

Frappierend friedvoll

Zum Abschluss von “Stille in der Stadt” am 26. Mai 2019 um 17 Uhr ist in der Melanchthonkirche der “Klang der Stille” mit dem evangelischen Theologen Georg Magirius und der Harfenistin Miroslava Stareychinska zu hören. Ausgerechnet Worte und Klänge werden es dann sein, die die Tür öffnen zu einem frappierend friedvollen Zustand stiller Geborgenheit.

Besprechung der Klanglesung durch die Rheinpfalz >> hier. Das Programm von “Stille in der Stadt” hier. Am 28. Juni 2019 erscheint im Herder Verlag das von Georg Magirius herausgegebene Buch “Stille erfahren” mit Beiträgen von Arnold Stadler, Bernardin Schellenberger, Ann-Kristin Rink, Georg Magirius, Uwe Kolbe, Manuela Fuelle und Amet Bick. Lektorat: Dr. Esther Schulz und Jochen Fähndrich.