Der Wasserkuppe-Gebetstest von Ansgar Nöth

Braucht ein Wanderer zum Beten eigentlich ein Buch? Das wird unterwegs doch eher beschweren, überlegt der Hörfunkjournalist, Kabarettist, Betthupferl-Sprecher und Wanderbuchtester Ansgar Nöth im Rucksackradio des Bayerischen Rundfunks. Das 115g leichte und von Heide Warkentin herausgegebene Büchlein “Gipfelgebete” mit Texten von Pfarrerin Regina Westphal und Georg Magirius hat er mitgenommen auf die Wasserkuppe in der Rhön. Das Büchlein wirkt ein wenig “felsverherrlichend alpinistisch”, gibt er zu Bedenken. In der Testsparte “Probebeten” schneidet es jedoch mit sehr gut ab: Das sagen zumindest die Herbstwaldraschler, Segelflieger und Wanderer in seinem Radiobeitrag. Der Gebetstest Sendung vom 3. 11.2013  (Whd. 20.12.2014) als Podcast. Reportage mit Fotos anschauen. Foto: (c) BR, Iris Bitter und Ansgar Nöth.

Kraftzuwachs für wilde Wanderer

„Der Letzte macht die Tür zu“, „verwunschen“, „urig“ kommentieren die Wanderer den außergewöhnlichen Platz am Bullauer Berg bei Kleinheubach im fränkischen Odenwald. Oktober 2013: In der Reihe GangArt haben sich spirituelle Abenteuerer unter Leitung des Theologen und Schriftstellers Georg Magirius in der Steilwand des Berges hochgearbeitet, sind an die dick bemoosten Steingebilde herangetreten und erforschen das Terrain: Stammen die Säulen von den Römern? Oder waren sie für den Dombau in Mainz bestimmt? Haben Odenwälder Riesenmenschen sie im Wald vergessen? Und: Wie wurden sie überhaupt gehauen und transportiert?

Ohne Übermut ans Moos

Sofort packen einige das Rätsel an den Haltegriffen, die an den Säulen wohl als Transporthilfe vorgesehenen sind. Das ist kein Übermut! Sondern die realistische Einschätzung der eigenen Möglichkeiten: Schließlich ist die Einkehr am Basislager, im Landgasthaus Stern in Rüdenau (inklusive Metzgerei), nicht asketisch ausgefallen: Hackbraten, fränkische Bratwurst, Schnitzel und Eis vom Odenwälder Apfelwein haben das spirituelle Erkenntnisvermögen erhöht und für Kraftzuwachs gesorgt.

Ewige Jugend im Wald

Zu diesem Zeitpunkt sind bereits mehrere spirituelle Prüfungen absolviert: Knapp ist es am Galgen bei Kleinheubach vorbeigegangen, das Industriegebiet liegt im Rücken. Und im Wald hat man über das Vergehen nachgesonnen, über den Herbst als Jahreszeit und Symbol für die Vergänglichkeit. Durch ihn ist man hindurchgegangen: Vielleicht ein bisschen viel Vergehen? Vorsorglich hat Magirius in der Apotheke das Antidepressivum „Ewige Jugend und noch viel mehr“ eingekauft, das er zu Beginn der Tour als Motto verteilt hat.

Leichtes Spiel

Aber was ist das schon im Vergleich zu jenem Mittel, das aus dem Hause Aaron kommt und noch viele hundert Jahre älter ist er als die ewig wirkenden Heunesäulen? Am mystischen Ort wird den Wanderern der Segen aus dem biblischen Buch Numeri übergestreift. Er kann in ein Land schauen lassen, in dem nichts mehr vergeht, weil alles vergangen und euphorisierend friedlich ist. Und die Säulen? Die Gruppe GangART wirft sie einige Male in die Luft, dann bleiben sie am Berg zurück. Noch andere werden ins Staunen kommen.

Die Tour ist inspiriert vom Buch “Mystische Orte” von Regina Westphal und Georg Magirius, erschienen im Echter Verlag Würzburg. – Mehr Informationen über spirituelle Wanderungen der Reihe GangART >>> hier. – Rückblicke auf frühere Touren hier. – Regina Westphal, Georg Magirius und Dieter Baumann, Wirt des Landgasthauses Stern, im Gespräch mit Ansgar Nöth über den unheimlichen Zauber der Heunesäulen in einer Kurz-Reportage im Bayerischen Rundfunk >>> Reportage hören. (mp3 – 5 min) – Fotos (c): Manfred Kürsch

Ewige Jugend und noch viel mehr

Ewige Jugend verspricht die Spirituelle Wanderung m 19. Oktober 2013 zu den Heunesäulen im Odenwald nicht direkt, dafür aber noch Besseres: Eine Staumauer im Fluss der Zeit. Wer also schon einmal das Gefühl gehabt haben sollte, nicht jede Beschleunigung und Hysterie der Gegenwart mitmachen zu müssen, ist bei dieser Tour richtig. Gewandert wird unter Leitung des Theologen und Schriftstellers Georg Magirius in eine sagenhafte Zeitlosigkeit hinein.

>>> Kraftzuwachs für wilde Wanderer: Ein Rückblick auf die Tour mit Fotos >> hier

Das Wissen der guten alten Ingenieure

Zwischen den am Bergabhang liegenden Säulen geraten selbst findigste iPhone/iPad/iPod-Spezialisten ins Staunen. Dort kann einem die Ahnung widerfahren, die von einer unvergänglichen Urkraft erzählt. Bis heute weiß niemand, wie viele hundert oder tausend Jahre bereits die mehr als hüfthohen Säulen im Wald liegen. Und wie hat man sie überhaupt dorthin gebracht? Das Ingenieurwissen jedenfalls scheint so groß gewesen zu sein, dass ihm wohl nur Sagen nahe kommen können: Urzeitriesen sollen sie beim Spiel im Wald vergessen haben. Nach 1,5 Stunden, noch bevor es zur Begegnung mit den Riesen kommt, erreicht man allerdings erst einmal Rüdenau. Um sich dafür fit zu machen, ist es gewiss nicht verkehrt, im Landgasthaus “Zum Stern” gut und einfach zu vespern.

Raffiniert, gefährlich, lieblich

Man kann aber auch Raffinessen wie das Parfait vom Odenwälder Apfelwein anbeten – und es sich darüberhinaus auch noch auf die Zunge legen. (Foto: Ansgar Nöth, BR – weitere Fotos). Das nächste Wegstück zwischen Apfelbäumen mit Ausblick zum Kloster Engelberg verstärkt den Eindruck der Lieblichkeit, doch DAS ist eine Finte. Denn durch dichten Wald geht es in Serpentinen hinauf zu den bemoosten Heunesäulen. Dort erwartet den spirituell Suchenden eine Belohnung, die noch genüsslicher als das Parfait vom Apfelwein sein dürfte: Gelassenheit.

Kraftzuwachs für wilde Wanderer: Ein Rückblick auf die Tour findet sich hier

Die Fakten

Innerhalb der Reihe GangART bieten die Pfarrerin Regina Westphal und Georg Magirius seit 2009 spirituelle Tagestouren in Steigerwald, Rhön, Spessart, Odenwald und Fränkischem Weinland an. Bei bislang 23 Touren nahmen mehr als 550 Wanderer teil. Die Tour am Samstag, 19. Oktober 2013 ist 9 km lang, die reine Gehzeit beträgt knapp 3 Stunden, eine Strecke wird still gelaufen. Start ist am Bahnhof in Kleinheubach (an der Bahnstrecke Aschaffenburg-Miltenberg mit Anschluss-Möglichkeiten nach Mainz, Darmstadt, Hanau, Offenbach Frankfurt, Würzburg.) Die Einkehr liegt auf der Hälfte der Strecke im Landgasthaus Zum Stern in Rüdenau. Der Weg verläuft nahezu eben – bis auf die 15-20minütige Steigung zu den Heunesäulen. Sie darf jeder jenseits der Beschleunigungsexzesse, also im ureigenen Tempo bewältigen. Das Ende liegt in Kleinheubach, wo man noch im Schlossgarten lustwandeln kann. Kosten für die frei wählbare Einkehr und Anreise trägt jeder selbst. Nach Absprache ist auch eine gemeinsame Anreise per Zug möglich. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Der Anmeldebeitrag von 10 Euro ist vorher zu überweisen.

Informationen und Anmeldung: buero@georgmagirius.de , 0176-29402322. – Den unheimlichen Zauber der Heunesäulen hören in einer BR-Kurz-Reportage >>> lesen >>> hier. (3,5 MB) – Rückblicke auf frühere Touren hier.

Frischer Wind

“Frankenwein und Segen”, “Aufbruch in die Stille”, “Starkes Ego – gutes Miteinander”, “Erfrischung an der Quelle”: Zu Themen dieser Art bieten der Schriftsteller Georg Magirius und die Pfarrerin Regina Westphal Pilgertouren in Mainfranken an (Aktuelle >>> Termine). Seit 2009 begleiten sie Gehfreudige, Neugierige und Aufbruchslustige. Bei unterdessen mehr als 40 spirituellen Tageswanderungen nahmen mehr als 950 Fußgänger teil (Stand 2019) – aus Kassel, Würzburg, Hanau, Wiesbaden, Los Angeles, Stuttgart, Kiel, Bamberg, Karlsruhe und Frankfurt. Der Bayerische Rundfunk hat berichtet und die Main Post, Radio FFH, Domradio Köln und das Reiseblatt der Frankfurter Allgemeine Zeitung. Das hr-Fernsehen drehte ein Porträt. Die Begründer von GangART arbeiten mit Universitäten, Stiftungen, Verlagen und Pädagogen zusammen.

Überragend frisch und einfach

Die Autoren mehrerer Wanderbücher ziehen mit diversen Einzelgängern los, genauso mit Bürogruppen, Kreativteams, Kollegien, Pfarrgemeindräten und Unternehmen. Erwandert werden Perspektiven, die sich ohne Einchecken in Flughafenterminal und Hotel eröffnen. Sofort fühlt man sich in einem befreienden Anderswo. So kann sich schon während einer kurzen Pilgertour das Leben gelassen anders zeigen. Das Verfahren wirkt deshalb so innovativ, weil es überragend einfach ist.

Der urbane Mensch in Freiheit & beim Frankenwein

Für Stunden geht es in hügelleichte Landschaften, in Wälder, zu Wasserfällen oder Quellen. Man erkundet Ruinen oder kaum glaubhaft große Säulen, dazu Höhlen oder Grotten. Sogar ein Seelensee kann angesteuert werden, dieses Gewässer innerer Ruhe. Bei jeder Tour wird eine Passage bewusst still gelaufen, was zu ungeahnten Höreindrücken führt. Die Leiter geben Impulse, die auf eine Kraft verweisen, die womöglich deshalb spürbar werden kann, weil man – schon wieder dieses frappierend Einfache! – unter freiem Himmel geht. Die Anregungen sind spirituell, aber nicht religiös-konfessionell beschränkt. Das Einschränkende soll ja gerade einmal hinter sich gelassen werden. Spaziert wird durch Weinberge und Bäche. Ungewöhnliche Genüsse warten. Da finden sich Fränkisches Bier und Frankenwein, die in keinem Supermarkt vertrieben werden. Und am Ende? Da fühlt sich der tätige Mensch, der bis zu 90 Prozent seiner Lebenszeit in geschlossenen Räumen verbringt, duchgeweht und manchmal sogar wie neu geboren.

Touren in Spessart, Odenwald, Fränkischem Weinland, Steigerwald, Rhön. Die Ausgangspunkte sind per Zug erreichbar. Gehlänge zwischen 3 und 5 Stunden. Thema, Weglänge und Honorar nach Absprache. Weitere Informationen und Anfragen: Büro Magirius – 069/13393796. buero@georgmagirius.de.
>>> aktuelle >>> Termine.

Franken-Grusel

Sie sind fantastisch groß und liegen versteckt an einem Steilhang im Odenwald. Bis heute hat niemand das Geheimnis der Heunesäulen lüften können: Waren sie für den Dombau in Mainz gedacht oder haben Römer sie aus dem Fels gehauen? Erzählt wird auch, dass Riesen sie als Zahnstocher für eine sagenhafte Mundhygiene verwendet haben. BR-Reporter Ansgar Nöth aus Würzburg hat das Autorenduo Regina Westphal und Georg Magirius („Mystische Orte“) interviewt und sich dann an den äußersten Nordrand Bayerns gewagt. Anfangs geleiteten ihn noch Einheimische, die ihn dann aber an Hessens Grenze seinem Schicksal überließen; allein taucht er in ein unergründlich tiefes Geheimnis ab …. –  und erst die geschmorten Schweinebacken im Gasthof Stern in Rüdenau holen ihn in die Realität zurück. Die gruselige Reportage >> lesen oder >>> hören (mp3 / 5 min /5 MB,  gesendet in: Bayern genießen, Bayern2Radio, 1. Juli 2012, Redaktion: Gerald Huber, Foto: (c) Ansgar Nöth)

Das Geheimnis der Heunesäulen

Ansgar Nöth, ein Teil des BR-Kabarett-Duos Die Nastvogels, flog aus. Er landete am äußersten Rand jenes Freistaates, der nicht zuletzt wegen seiner mainfränkischen Magie berüchtigt ist. Inspiriert von dem Buch “Mystische Orte” suchte er die Heunesäulen bei Kleinheubach auf, kämpfte sich durch Walddickicht – und selbst ein Parfait vom Odenwälder Apfelwein im Landgasthof Stern in Rüdenau bei Miltenberg konnte ihn nur kurzzeitig stoppen. Seine Foto-Reportage für den Bayerischen Rundfunk >> anschauen.