Exotische Stille

Es ist ein Experiment von exotischer Eigenheit. Denn am 15. Dezember 2019 nähert sich der Theologe und Schriftsteller Georg Magirius im Bayerischen Rundfunk der Stille an, ohne auch nur ein einziges Mal das Wort Yoga zu verwenden. Ausgangspunkt der Sendung “Aufgehoben in der Stille” ist die Erfahrung der Reizüberflutung, von Schnelllebigkeit, Tempozwang und dem damit verbundenen Wunsch nach Ruhe. (Manuskript > lesen. Sendung jetzt > hören.) Die naheliegendste Lösung jedoch hilft laut Magirius oft nicht weiter: Denn mit der abrupten Verringerung der Dezibelzahl spüren viele, wie die innere Unruhe zu rumoren beginnt. “Auch Wellnesswochenenden, Achtsamkeitstrainings und diverse Techniken aus dem Meditiationsbusiness-Segment scheinen keine tiefergehende Ruhe zu vermitteln, sonst würde es nicht zu immer neuen Angeboten kommen.”

Stille Anrede
Das Essay, gesprochen von Birgitta Assheuer und Moritz Stoepel, erkundet die Stille, ohne ihr das Geheimnisvolle rauben zu wollen. Zu hören ist Música Callada von Federico Mompou, interpretiert vom Pianisten Emili Brugalla. Davon angeregt und in Auseinandersetzung mit namhaften Schriftstellerinnen und Dichtern wie Arnold Stadler, Manuela Fuelle und Uwe Kolbe werden spirituelle Ruheräume vorgestellt, in denen man sich aufgehoben fühlen kann: im Wald, bei Schneefall, beim Schwimmen im See, im Nachhall der Musik. Es sind Möglichkeiten, um – wie es Bernardin Schellenberger sagt – „die Anrede an mich zu hören“.

Aufgehoben in der Stille, Von der Suche nach spirituellen Ruheräumen, Sonntag 15. Dezember 2019, Bayern2Kultur, Katholische Welt, 8.05-8.30, Wdh. BR-Heimat 9.05-9.30, Manuskript > lesen, Sendung jetzt kostenfrei > hören. Ton: Erik Buhne, Regie: Georg Magirius, Redaktion: Wolfgang Küpper. Die Sendereihe Katholische Welt, erstmals 1952 im Programm, thematisiert grundsätzliche Fragen in Kirche und Christentum, Religion und Gesellschaft. Ganz wichtig: Der Dialog in der katholischen Kirche, zwischen den Kirchen und mit den anderen Weltreligionen. Fotos: Veronika Sergl-Vahlenkamp, Thilo Körkel, Georg Magirius.

Die Liebe des Verräters

Judas Ischariot - Christopher Herrmann Moritz StoepelDer wohl berühmteste Verräter der Weltgeschichte hat Jesus im Grunde genommen gar nicht verraten, sondern aus Liebe gehandelt. Diese Erkenntnis ist der erregende Pulsschlag, mit dem der Schauspieler, Stückefinder und  Theatererfinder Moritz Stoepel die Geschichte von Judas Ischariot auf die Bühne bringt. Zu sehen ist sie am 6. April 2019 in Limburg, am 11. April 2019 in Frankfurt am Main und am 12. April 2019 in Wiesbaden. “Das Stück ist keine distanzierte Betrachtung einer alten Zeit”, sagt Stoepel. “Das wäre auch gar nicht möglich. Denn dafür gibt es zu viele Parallelen mit dem Heute.” Da seien Gewalt, Unterdrückung, die Besetzung von Ländern und des eigenen Willens durch andere – aber auch der Wunsch, sich aus der Fremdbestimmung zu befreien. Darauf habe Judas gehofft, als er sich der Gruppe um Jesus anschloss. “Dann allerdings hat er nicht verstanden: Warum tut Jesus auf einmal nichts mehr? Gerade er, auf den er so viel Hoffnung gesetzt hat und der vor kurzem doch noch die Händler aus dem Tempel gejagt hatte.”

Judas in Hessen

Lebendig werden auf der Bühne die Tage vor der Kreuzigung Jesu, die letzten Stunden des Judas. Er denkt noch einmal an seine Zeit mit Jesus, an Hoffnungen, Visionen und Niederlagen. Verwoben ist der Monolog des Judas mit Gedichten und Prosatexten von Mahatma Gandhi, Walter Jens, Pinchas Lapide, Hans Küng, Franz Alt, Hilde Domin, Rainer Maria Rilke, Hermann Hesse, Erich Fried. Der Komponist und Multiinstrumentalist Christopher Herrmann begleitet Moritz Stoepel mit einer poetischen Bühnenmusik, die Emotionen und Atmosphäre aufnimmt und mit den Texten verschmelzen lässt.

“Judas. Verrat? Liebe!“, 6. April, 19:30 Uhr, Limburg, St. Hildegard, Tilemannstr.7
Karten an der Abendkasse, Eintritt 15 Euro – 11. April, 19:30 Uhr – Frankfurt-Eschersheim, Ev. Andreasgemeinde – 12. April, 19 Uhr, Wiesbaden-Erbenheim, Pluspunkt

Heilige Straßenkünstler

Moritz Stoepel - Foto (c) Veronika Sergl-VahlenkampDie streitlustigsten Menschen kennen oft den besten Weg zum Frieden. Das behauptet der Theologe und Schriftsteller Georg Magirius in seiner halbstündigen Sendung “Eigenwillige Propheten”, die am 22. April 2019 im Bayerischen Rundfunk gesendet wird. (Sendung jetzt kostenfrei hören >> hier. Das Manuskript >> hier.) Dabei wird der Schauspieler Moritz Stoepel den Propheten Stimme geben. Laut Magirius handelt es sich bei ihnen um “Widerständige, wilde Poeten, Schmerzkundige, exzentrische Straßenkünstler”. Sie deckten Verbrechen und Verletzungen auf, die im Schutz politischer oder religiöser Institutionen begangen würden. “Allerdings gründen Propheten keine Alternative für ihr Land, um die Eliten zu stürzen. Sie sind unorganisiert, unabhängig, Einzelne. Ihre Ideen aber zielen aufs Ganze.” Von ihnen stammten Visionen vom Frieden, die heute konstruktive Perspektiven aufzeigten: etwa wie Völker in Bewegung geraten. Aber niemand flieht oder wird vertrieben. Sondern freiwillig brechen sie auf, um zu erkunden, wie sie miteinander gut zusammen leben können. Foto (c): Veronika Sergl-Vahlenkamp.

Georg Magirius, Eigenwillige Propheten. Von der Aktualität alter Visionen, Ostermontag, 22. April 2019, Bayern 2 Kultur, Katholische Welt, 8.05-8.30 Uhr/BR-Heimat, 9.05-9.30 Uhr, (Sendung jetzt kostenfrei hören >> hier. Das Manuskript >> hier.) Sprecher: Moritz Stoepel, Birgitta Assheuer, Ton: Philipp Balzereit, Redaktion: Wolfgang Küpper.

Lebenshilfe Literatur

Moritz Stoepel (c) Veronika Sergl-VahlenkampDer Schauspieler und Sprecher Moritz Stoepel gibt Dichterinnen und Poeten Stimme, die am 1. November 2017 im Bayerischen Rundfunk von der Unergründlichkeit der Trauer erzählen. In der auf BR 2 ausgestrahlten Sendung “Abschied. Der Anfang von etwas anderem” (Sendung >> jetzt hören) von Georg Magirius zeigen Texte von Siegfried Lenz, Karen Köhler, Bertolt Brecht, Arnold Stadler, Lenka Reinerová, Stefan Zweig und Robert Gernhardt: Abschied ist kein Problem, das sich im Stil eines Kreuzworträtsels lösen oder mithilfe der richtigen Bedienungsleitung aus der Welt bugsieren lässt. Stattdessen helfe die Sprache der Poesie, weil sie Abschied als Geheimnis verstehe.

Die begrenzte Kraft der Riten

Indem die Literatur den Schmerz nicht überspiele, heißt es in der Sendung, finde sie einen Weg aus der Sprachlosigkeit, die das vielleicht bestimmendste Merkmal beim Abschiednehmen sei. Damit unterscheide sich die Sichtweise des Erzählens auch von Trauerriten der Kirchen, die vielen offenbar nicht mehr weithelfen könnten, weil oft überhaupt keine Trauerfeier mehr gewünscht werde. Auch die Alternativen moderner Bestatter, den Sarg bunt anzumalen und das Ende zu feiern, setzten sich nicht durch. Sonst wären neuerdings nicht Trauerknigges gefragt, die althergebrachte Regeln in Erinnerung rufen.

Die Widersprüchlichkeit der Psychologen

Auch die Trauerratgeber der Psychologen wirken laut Magirius angesichts der unauslotbaren Tiefe des Abschieds überfordert: “Über Jahrzehnte haben sie geraten, bewusst durch die sogenannten Trauerphasen hindurchzuwandern, den Toten schließlich loszulassen und ins Leben zurückzukehren. Aus derselben Branche heißt es jetzt: Bei schweren Verlusten hilft es gerade umgekehrt zu lernen, mit der Trauer ein Leben lang zu leben.”

Seelsorge in engagierter Form

Wie immer man sich dem Phänomen Abschied nähere: Solange man es zu regeln versucht, werden Ohnmacht und Sprachlosigkeit nur vertuscht, resümiert Magirius. Denn Abschiede seien unfassbar, unbeherrschbar, unergründlich. Statt nach einem allgemeingültigen Umgang mit ihm zu suchen, gelte es den Einzelnen in den Blick zu nehmen. Und er verweist auf den Theologen und Schriftsteller Arnold Stadler, der sagt: „Jedes literarische Buch, das seinen Namen verdient, ist eine Form von Seelsorge, und zwar in einer sehr engagierten Form. Es geht nämlich um eine einzelne Seele – das ist der Idealfall. Abschied - edition chrismonEs geht nicht abstrakt um Totalitäten, nein, es geht um den Einzelfall – wie bei Jesus.“

Abschied – Der Anfang von etwas Anderem, Sendung von Georg Magirius, BR2, 1. November 2017, (Sendung >> jetzt hören) Katholische Welt, Sprecherin: Birgitta Assheuer, Sprecher: Moritz Stoepel, Ton: Marc Klaesius, Musik: Lavinia Meijer spielt Philip Glass (Metamorphosis), Redaktion: Wolfgang Küpper. Von Georg Magirius ist gerade in der edition chrismon das Buch erschienen: Abschied. Geschichten von Loslassen und Neuanfangen, Leipzig 2017. Lektorat: Annegret Grimm.

Ohne Altes Testament fiele Ostern aus

Die Hoffnung auf Auferstehung ist nichts originell Christliches, sondern hat seinen Ursprung im Alten Testament. Das zeigt die Sendung im Hessischen Rundfunk über Auferstehungsvorstellungen im Alten Testament von Georg Magirius, Ostermontag, 28. März  2016, hr2, Camino, Redaktion: Dr. Lothar Bauerochse. (Sendung JETZT in der ARD-Mediathek >> hören – Manuskript >>> lesen) Das Alte Testament berge eine staunenswerte Vielfalt an Symbolen und Bildern, die den Glauben an ein Leben nach dem Tod ausdrückten. Laut Magirius handelt es sich um “einen Blick ins Licht und einen wildwüchsigen HoffnungsreichtumKloster Engelberg Großheubach Foto: Georg Magirius, der anregen kann, die eigenen Lebensträume nicht verarmen zu lassen.”

Kein Weinen mehr

So wird beim Propheten Hesekiel erzählt, wie Knochen zusammengesetzt und mit Fleisch umhüllt werden. Die Samuelbücher wissen von einem Totengeist, der aus der Erde gerufen wird. Versprochen wird bei Jesaja: Kinder sterben nicht mehr, sondern werden 100 Jahre alt, die Stimme des Weinens wird man nie mehr hören. Auch Slapstickartiges ist zu entdecken: Ein Mensch fällt ins Grab eines angesehenen Propheten und fängt zu leben an. Ein anderer Prophet wiederum geht über den Jordan und wird von einem Wettersturm gen Himmel gerissen. Verbreitet ist im Alten Testament freilich nicht allein der Glaube an ein Leben nach dem Tod. Stattdessen gibt auch die Vorstellung, dass Gott aus einem todesähnlichen Zustand befreit und zurück ins hiesige Leben ruft.

Ohne die Propheten wäre der Auferstandene sprachlos

Ohne die bereits lange vor dem Christentum bestehende Hoffnung wäre Jesus gegenüber seiner Auferstehung sprachlos geblieben, behauptet die Sendung:  Denn er selbst habe laut Lukasevangelium als Auferstandener sein Leiden und Auferstehen nurMoritz Stoepel und Birgitta Assheuer Foto von Georg Magirius mit Rückgriff auf die jüdische Tora und die alttestamentliche Propheten erklären können.

“Die Stimme des Weinens wird man nicht mehr hören. Aufstehen und Auferstehung im Alten Testament”, Ostermontag, 28. März 2016 (Sendung jetzt in der ARD-Mediathek >> hören – Manuskript >> lesen), Eine Sendung von Georg Magirius, inspiriert von “Sein wie die Träumenden” mit Musik von Johannes Brahms und Arvo Pärt. Redaktion: Dr. Lothar Bauerochse. Ton: Armin Herzog. Sprecher: Birgitta  Assheuer und Moritz Stoepel. Fotos: Georg Magirius.

Die wahren Global Player

Die Armen sind die wahren Player im Weltgeschehen. Das hat Georg Magirius in der Sendung „Der lange Weg zur Freude“ am 6. September 2015 im Hessischen Rundfunk gesagt, hr2-Kultur, Camino (Manuskript >> lesen.) Die Sendung handelt von dem mehr als 2000 Jahre alten Buch der Psalmen, das aus den heute vielfach zitierten Sachzwängen herausweisen kann. Nicht Gott, irgendwelche Institutionen, Experten oder geistiche Führer geben in diesem biblischen Buch Anweisungen, denen andere untertänigst zu folgen haben, sondern umgekehrt: Verzweifelte, Verletzte, Traurige und Gefangene gelten als die wahrhaft moralische Institution. Sie opponieren gegen die Selbstsüchtigen und fordern Gott dazu auf, sich zu bessern.

Rebellisch und alt

Das wohl rebellischste Buch der Bibel rechnet mit selbst ernannten Traditionalisten ab, die den Status quo als angeblich von Gott sanktionierten Idealzustand verteidigen und dabei ganz nebenbei von der von ihnen ausgerufenen Unabänderlichkeit profitieren. Dennoch sind die Psalmen traditionell, aber anders als die Traditionalisten. Inspiriert sind sie von der Urerfahrung der Bibel, dem Exodus, der laut Forschern ältesten Überlieferung der Heiligen Schrift. Diese Tradition erzählt von einer Änderung, der Befreiung eines ganzen Volkes aus der Sklaverei, einer Erfahrung aus der Vergangenheit, die sich laut Psalmen freilich jederzeit vergegenwärtigen kann.

Die Stimme der Schwachen

So verwundert es nicht, dass die Psalmen von Anfang an kein Buch des Adels waren – und auch nicht der Theologen. Viele der Gesänge sind Wallfahrtspsalmen, wurden auf dem Weg gesungen, es sind Lieder der Straße. Königlich ist anGesänge der Leidenschaft - Cover des Buches von Georg Magirius über die Psalmen ihnen: Die Verletzten werden geadelt. Es wird Partei für die Schwachen ergriffen – noch mehr! Die Psalmen sind die Stimmen der Schwachen, wie eine Stelle aus Psalm 10 belegt: “Steh auf, HERR! Gott, erhebe deine Hand! Vergiss die Elenden nicht! Du siehst es doch, denn du schaust das Elend und den Jammer; es steht in deinen Händen. Die Armen befehlen es dir.”

Der lange Weg zur Freude. HR 2, Camino, 6. September 2015 (Manuskript lesen.) Ton: Stefan Tasler, Regie: Georg Magirius, Sprecherin: Birgitta Assheuer, Sprecher: Moritz Stoepel. Harfe: Bettina Linck, Aufnahme Konzertharfe: Dipl.-Tonmeister Robert Foede, Redaktion: Dr. Lothar Baucherochse. Zum Thema der Sendung ist von Georg Magirius erschienen: Gesänge der Leidenschaft. Die befreiende Kraft der Psalmen, Lektorat: Heide Warkentin, Claudius Verlag 2015.

Die Revolution der Reduktion

Welchen Charakter das Pilgern in der Moderne hat, stellt Georg Magirius in der Sendung “Der Gang in die Geborgenheit” dar, Hessischer Rundfunk, hr2 Camino, 4. Juni 2015 (kostenfrei >>> hören. Manuskript >>> lesen). Nicht nur auf Blick aus dem Tal auf eine hochgelegene Allee und in den Himmel traditionellen Wallfahrten und in Prozessionen ist man unterwegs, sondern auch als Einzelgänger. Gewandert wird auf großen Pilgerrouten und in der Nachbarschaft. Fast überall in Deutschland werden neue Pilgerwege ausgewiesen: Kapellen- und Waldbesinnungswege, dazu Pfade, die an große Heilige erinnert: Elisabethweg, Bonifatiusroute, Franziskusweg. Hinter der Fülle der Wege steckt die Sehnsucht nach Reduktion. In Zeiten hoher Geschwindigkeit wächst der Wunsch nach Tempoentschärfung. Pilger erfahren eine Form der Sauerstoffzufuhr, die sie in klimatisierten Zügen, Autos und Büros nicht finden können. Selbst ein gewöhnlicher Wanderweg könne zum Pilgerweg werden, behBuchcover - Schritt für Schritt zum Horizont Werkbuch Pilgern Von Georg Magirius im Herder Verlagauptet Georg Magirius, Autor der der Sendung “Der Gang in die Geborgenheit”. Im Gespräch mit Paulus, Robert Walser, Erich Kästner, Augustinus, Joseph von Eichendorff, Hugo von Hofmannsthal und Johann Gottfried Seume zeigt sich: Ausgerechnet die Weisheit früherer Fußgänger kann heute den Weg zum Horizont weisen.

Hessischer Rundfunk, 4. Juni 2015, Fronleichnam, Der Gang in die Geborgenheit. Pilgern in der Moderne, HR2, (jetzt kostenfrei >>> hören / Manuskript >>> lesen) Sprecherin: Birgitta Assheuer, Sprecher: Moritz Stoepel. Musik: Música Callada von Federico Mompou, interpretiert von Steffen Schleiermacher. Produktionsingenieurin: Ursula Potyra, Regie: Georg Magirius. Redaktion: Dr. Lothar Bauerochse. Von Georg Magirius ist gerade im Freiburger Herder Verlag erschienen: Schritt für Schritt zum Horizont. Pilger-Werkbuch, Lektorat: Dr. Esther Schulz / Clemens Carl, 2015.

Der lange Weg zur Freude

Wie wird aus Verzweiflung Freude? Darum geht es in der Sendung von Georg Magirius über die Psalmen im Bayerischen Rundfunk, BR2, 10. Mai 2015, (Manuskript >> lesen). Die Psalmen gehören zu den großen spirituellen Schätzen der Menschheit. Obwohl mehr als 2000 Jahre alt, faszinierten die biblischen Lieder noch immer. “Allein schon das Finale! Von einem Happy End zu sprechen, wäre untertrieben. Denn das Psalmenbuch mündet in einen rauschhaften Jubel”, heißt es in der Ankündigung des Bayerischen Rundfunks. Überraschend sei das, weil der überwiegende Teil des Buches aus Enttäuschung, Schmerz und Klage bestehe. Dass dieser Umschwung möglich werde, habe damit zu tun,  dass diese GesängFunkhaus am Dornbusch: Moritz Stoepel und Birgitta Assheuer in der BR-Produktion "Die Stimme des Weinens wird man nicht mehr hören" - Foto (c) Büro Magiriuse nicht dem Anspruch folgen, möglichst ausgeglichen, souverän und sachlich sein zu müssen.

Wut und Glück

“Sie suchen nicht das kleine, sondern das große Glück. Es handelt sich um einen Sturmwind der Gefühle, um Lieder der Straße, womöglich gar das radikalste, rebellischste und menschlichste Buch der Bibel”, heißt es in der Sendung. “Es weist den Weg zur Freude, indem es die Wut auf Gegner, Ungerechtigkeit und Gott nicht übergeht.” Gesprochen wird das Essay von Birgitta Assheuer und Moritz Stoepel, mehrere Produktionen mit ihnen wurden mit dem Deutschen Hörbuchpreis ausgezeichnet. Die Musik stammt aus “Alleluja! Lobet den Herren” von Heinrich Schütz, (SWV 38, Psalm 150, gesungen von The Choir of Trinity College Cambridge unter Leitung von Richard Marlow. Dazu ist Harfenmusik von Gabriel FauréGesänge der Leidenschaft - Cover des Buches von Georg Magirius über die Psalmen, Henriette Renié und Giovanni Battista Pescetti zu hören, interpretiert von der Konzertharfenistin Bettina Linck.

Der lange Weg zur Freude. Warum die Psalmen Wut und Klage nicht übergehen, Katholische Welt, BR2, 10. Mai 2015 >>> jetzt HÖREN, Manuskript >>> lesen. Ton: Stefan Tasler, Regie: Georg Magirius, Aufnahme Konzertharfe: Dipl.-Tonmeister Robert Foede, Redaktion: Wolfgang Küpper. Zum Thema der Sendung ist von Georg Magirius das Buch erschienen: Gesänge der Leidenschaft. Die befreiende Kraft der Psalmen, Claudius Verlag 2015.

Kein Weinen mehr

Die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod ist kein christliches Privileg, sondern in vielen Religionen verbreitet, hat der Theologe und Schriftsteller Georg Magirius am Ostersonntag 2014 im Bayerischen Rundfunk gesagt. Sein Essay “Die Stimme des Weinens wird man nicht mehr hören” handelt von Aufstehen und Auferstehung im Alten Testament. (Zum >>> Manuskript – Jetzt in der ARD-Mediathek hören.) Im Alten Testament finden sich viele Symbole und Geschichten wider den Tod, in der Bibel wird somit nicht allein von Christi Auferstehung berichtet. Stattdessen gebe es laut Magirius “einen wildwüchsigen Hoffnungsreichtum, der anregen kann, die eigenen Lebensträume nicht verarmen zu lassen.”

Slapstick im Grab?

Erzählt wird, wie Knochen zusammengesetzt und mit Fleisch umhüllt werden. Ein Totengeist wird aus der Erde gerufen.Versprochen wird, dass Kinder 100 Jahre alt werden und man die Stimme des Weinens nie mehr hören werde. Einer fällt slapstickartig ins Grab und fängt zu leben an. Ein anderer geht über den Jordan und wird von einem Wettersturm gen Himmel gerissen. Verbreitet sei im Alten Testament freilich auch die Vorstellung, dass Gott aus einem todesähnlichen Zustand befreit und zurück ins hiesige Leben ruft. Manche würden, so der Autor der Sendung, in alledem das Einzigartige der Auferstehung Jesu vermissen. Doch Christus selbst habe laut Neuem Testament sein Leiden und Auferstehen nicht ohne Rückgriff auf die Tora und die jüdischen Propheten erklärt.

Die Stimme des Alten Testaments

“Die Stimme des Weinens wird man nicht mehr hören. Aufstehen und Auferstehung im Alten Testament”, ein Feature von Georg Magirius mit Musik von Johannes Brahms und Arvo Pärt, Ostern 2014, zum >>> Manuskript – Wiederholung im Hessischen Rundfunk 2016 über ARD-Mediathek jetzt >> hören). Redaktion: Wolfgang Küpper. Ton: Armin Herzog (Funkhaus am Dornbusch). Birgitta  Assheuer, Erzählerin der Sendung, arbeitet als Sprecherin für Hörfunk und Fernsehen. Produktionen mit ihr wurden mit dem Deutschen Hörbuchpreis ausgezeichnet. Moritz Stoepel, die Stimme des Alten Testaments, ist Schauspieler und Sprecher für Hörfunk und Fernsehen. Als Solokünstler agiert er in eigenen literarisch-musikalischen Theaterprojekten, mit denen er im In- und Ausland gastiert. Für herausragende künstlerische Arbeit wurde ihm der Harlekin-Preis der Stadt Frankfurt verliehen. Foto: (c) Büro Georg Magirius.

Bereitet aber ist eine Wohnung

Elisabeth Borchers ist am 25. September 2013 im Alter von 87 Jahren in Frankfurt am Main gestorben. Sie war eine der bedeutendsten deutschen Lyrikerinnen. Als Lektorin arbeitete sie über Jahrzehnte für den Suhrkamp-Verlag, betreute etwa das lyrische Werk der Nobelpreisträgerin Wislawa Szymborska. Sie schrieb auch Kinderbücher. Vielleicht hat sie deshalb keine Scheu, sich das Leben nach dem Tod kindlich, konkret, poetisch vorzustellen. In einem ihrer letzten Gedichte heißt es, es sei eine Wohnung bereitet “in der Höhe wolkenweiß / sanft wie Abendlicht”. Und die Tränen werden “zum Wasser / das heilt”. In der Sendung “Kurz bevor der Vorhang aufgeht” von Georg Magirius überlegt sie im Gespräch mit Arnold Stadler, was der Himmel sein könnte. Der Beitrag wurde im Schweizer Radio, im Südwestrundfunk und im Bayerischen Rundfunk gesendet. Im Manuskript der Sendung lässt sich das Gedicht “Bereitet” nachlesen.