Ist Jesus ein Plagiator?

Jesus habe eine wunderbar neue Botschaft gebracht, sagen viele Christen: die Liebe. Doch sein berühmtes Liebegebot hat Jesus übernommen, schreibt der evangelische Theologe und Schriftsteller Georg Magirius in seinem Beitrag „Das alte Buch der Christen“ vom 15. Januar 2019 in der Evangelischen Wochenzeitung „Unsere Kirche“. Freimütig gibt Jesus seine Quelle an: Er zitiert das Gebot der Gottesliebe und der Nächstenliebe aus dem Buch Deuteronomium beziehungsweise dem Buch Leviticus aus der jüdischen Thora, heißt es im Markusevangelium.

Vorläufer der Feindesliebe

Etwas anders verhält es sich mit dem Gebot der Feindesliebe aus der Bergpredigt. Dem Evangelisten Matthäus zufolge unterscheidet sich Jesus damit von den Alten, die zur Nächstenliebe und zum Feindeshass aufgerufen hätten. Tatsächlich ist Jesu Gebot der Feindesliebe kein Zitat. Dennoch lässt sich in der Thora Vergleichbares entdecken. So findet sich im Buch Leviticus das Gebot, den Fremden zu lieben wie sich selbst. Und im Buch Exodus heißt es, dass man den Esel seines Widersachers nicht im Stich lassen solle, wenn man ihn unter seiner Last liegen sehe. Stattdessen solle man beiden aufhelfen.

About Buero Magirius

Über spirituelle Spaziergänge und andere Tritte des Schriftstellers Georg Magirius.
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