Drei Stimmen gegen das Loslassen-Müssen

Wer trauert, darf ruhig trauern, heißt in der Hilfsbranche oft. Jedoch: Irgendwann müsse der Verlust überwunden werden, die Trauer sich verwandeln. Es gelte  loszulassen.  Aber gerade dieses Loslassen-Müssen stellt die Politilogin, Journalistin und Bloggerin Antje Schrupp in ihrem Beitrag “Mit der Trauer weiterleben” der Dezemberausgabe 2015 der “Arbeitshilfe zum Weitergeben” in Frage: “Vielleicht ist das das Wichtigste beim Trostfinden: Sich nicht an abstrakten Normen davon, ‘wie es richtig wäre’, zu orientieren, sondern den eigenen Gefühlen und Intuitionen zu vertrauen. Also die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass es so, wie man es macht, vielleicht ganz einfach okay ist.” Schrupp beruft sich auf Ayten Adalilar, die ihren Sohn verloren hat, als er 16 war. Sie sagt: „Da ist ein Feuer in mir drin”. Manchmal brenne es stark, manchmal ziehe es sich zurück. Aber es gebe Tage, dann sei alles wieder da. “Eine Mutter vergisst das nicht.”

Mit der Trauer weiterleben

Statt die Trauer überwinden zu wollen, helfe es, mit der Trauer auf gute Weise weiterzuleben, schreibt Schrupp. Und sie verweist auf den Theologen Georg Magirius, der  “Schmetterlingstango” über seine totgeborene Tochter schreibt: “Also gut, ­beschließe ich erneut: Ich lasse meine Tochter gehen! Sie allerdings scheint auf eigenwillig andere Weise sehr leben­dig zu sein, denn immer kommt sie zurück, ohne dass ich das Gefühl habe, dass sie mich damit am Leben hindern wolle. Denn gerade sie gibt mir oft die Sicherheit, in der einzig richtigen Haut zu sein, nämlich in meiner: Wenn ich traurig und unruhig bin, rufe ich mir ihr Bild vor Augen: Augenblicklich werde ich ruhig.”

About Buero Magirius

Über spirituelle Spaziergänge und andere Tritte des Schriftstellers Georg Magirius.
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