Für einen Augenblick still …

Isabelle Müller Foto von Aaron KreidelAugenschmaus mit Marc Chagall, eine Performance zu Flucht und Heimat, die literarische Rheingau-Weinprobe “Schwanken zwischen Seligmacher und Höllenberg …”,  in die Stille oder auf die Konzertharfenistin Isabelle Müller hören (Foto: Aaron Kreidel) – das lässt sich während der 15. ökumenischen Nacht der Kirchen am 2. September 2016 in Wiesbaden erleben. Zwischen den 22 offenen Kirchen verkehren regelmäßig Busse. Wohltuend kann es indes sein, einfach sitzenzubleiben – etwa in der evangelischen Ringkirche. Auf einschläfernde Weise  beruhigend geht es in Wiesbadens größter Kirche allerdings nicht zu.

Überdurchschnittlich gefahrvoll

Pfarrer Ralf-Andreas Gmelin (Foto: Ringkirche) lässt Steine sprechen. Der nicht ganz niedrige Turm des “Doms der kleinen Leute” lässt sich besteigen. Außerdem kann man sich in der Rondo-Bar Mut antrinken, um sich den biblisch inspirierten Liebesabenteuern anzunähern, die in der Frage kulminieren: Wird Tobias die Hochzeitsnacht mit Sara überleben – anders als seine sieben Vorgänger?  Verantwortlich für die mit Wortwitz und musikalischer Raffinesse in die Gegenwart gelegten Weisheiten der Heiligen Schrift sind die Konzertharfenistin Isabelle Müller und der Theologe und Schriftsteller Georg Magirius. die Moderation hat Ringkirchenpfarrer Dr. Sunny Panitz. Sie weisen um 20, 21 und 22 Uhr den Weg in die überdurchschnittlich gefährlichen Hochzeitsnächte, aber auch in eine FFK-Ferienclubanlage: Dort herscht Sommer für immer! Eines Sonnentages aber halten Adam und Eva die zwanghaft gute Stimmung nicht mehr aus und brechen unter Hindemiths rebellischen Klängen aus – hinein in die wilde Freiheit des alltäglichen Lebens. Die schweigsame Kinoliebhaberin und Weingummianhängerin Maria wiederum begegnet Jesus erstmals bei einem Sommer-Open-Air. Alle Künstler bieten eine tolle Show – bis auf Jesus. Er erzählt nur, sonst nichts.

Die berauschende Gabe der Wortlosigkeit

Gerade das erregt Maria auf eine fantastisch beruhigende Weise. Dank der sie beide verbindenden Gabe zur Begrenzung erfahren sie – umrauscht von Gabriel Faurés Impromptu – eine Entgrenzung, die die sie umbgebenden Aktivitätfanatiker für die Ewigkeit eines Augenblicks sprachlos macht. Jakob und Rahel begegnen sich wiederum erstmals inmitten einer Schafherde und erleben ein glitzernd-wisperndes Nacht der Kirchen Wiesbaden logoRendezvous am Brunnen unter den rauschhaft starken Klängen des Prélude aus der Suite in E-Dur 1006a von Johann Sebastian Bach. – Isabelle Müller hat ihr Harfenstudium bei Prof. Fran­coise Fried­rich an der „Hochschu­le für Mu­sik und Dar­stellende Kunst Frank­furt“ 2016 mit Best­note abge­schlos­­sen. Sie ist mehr­­­fa­che Preis­­trä­ge­rin na­tiona­ler und inter­nationaler Harfen­wett­be­werbe im Solospiel und Mitglied der Jungen Deutschen Phil­harmonie. Sie lebt in Brüssel und in Mainz.

Harfe, Hochzeitsnacht und 7 tote Ehemänner, Freitag, 2. September 2016, 20 / 21 / 22 Uhr, Ev. Ringkirche Wiesbaden – Das Programm der Nacht der Kirchen >>> hier.

About Buero Magirius

Über spirituelle Spaziergänge und andere Tritte des Schriftstellers Georg Magirius.
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