Der Vierklang des Genusses in Ludwigshafen

DBZ-Keller Ludwigshafen-Friesenheim Foto von Peter GrabIm Keller des Dietrich-Bonhoeffer-Zentrums in Ludwigshafen-Friesenheim öffnet sich der Vorhang gewöhnlich für Bands, Theaterstücke oder Kinofilme. „Aber so hat der Keller noch niemals ausgesehen“, sagt Olaf Peters, der mit dem Team vom dbz-Keller am 19. Mai 2016 zu einer biblischen Weinprobe eingeladen hat. (Fotos von Peter Grab). Tatsächlich schauen die Gäste nicht auf Leinwand oder Bühne, sondern in Richtung Weinglas. Dieses bildet das Zentrum des Abends, eine Bühne der anderen Art,  in der Weine zur Aufführung kommen und in einen Dialog mit ausgesuchten Speisen treten. Diese Geschmacksharmonie wiederum wird mit einer vom Theologen und Schriftsteller Georg Magirius dargereichten Genussgeschichte unterlegt und mit exakt darauf abestimmter Musik der Harfenistin Bettina Linck vollendet.

Lachsrolle zu Noahs Traumwein - Foto von Peter Grab

Musizierende Lachsrolle

„Bei der Biblischen Weinprobe handelt es sich um einen Vierklang des Genusses“, erläutert Magirius. Das Wein-Speise-Wort-Musik-Quartett ertönt dank vier verschiedener Bibelweinen insgesamt vier Mal, was laut Magirius zu pädagogisch Synergieeffekten und sinnlichen Grenzübertritten führen kann. Tatsächlich, bestätigen Besucher schon bald, dass die Lachsrolle zu musizieren beginne, Noahs Traumwein den Sinn der Bibel öffne, die Première Arabesque von Claude Georg Magirius Foto von Peter GrabDebussy an der Harfe einen spritziges Bouquet aussende und die Erzählung vom ersten Weinbauern der Welt auf edle Weise trunken mache.

Ungewöhnliche Klangerfahrung

Und kein Bühnengraben stört den perlenden Fluss des Geschehens. Stattdessen sorgt die lockere Atmosphäre dafür, ungewöhnliche Informationen über ein auf diese Weise selten zu hörendes Instrument zu erhalten. „Ich habe mich bewusst dafür entschieden,  nicht allein im Orchester zu spielen“, sagt Bettina Linck, die schon in der Staatskapelle Weimar und im hr-Sinfonieorchester agiert hat. In dem großen Klangkörper könne die Harfe bei Bettina Linck Foto von Peter GrabOpernarien wie zum Beispiel denen von Richard Wagner schon einmal als wichtiges Begleitinstrument fungieren, werde aber in der Regel nur als Klangfarbe wahrgenommen.

Fast wie ein Gebet

Beim Solospiel hingegen könnten Variantenreichtum und Stärke des Instruments sich entfalten.  Liegt es auch daran, dass man den Klang der Harfe mitunter mit dem Himmel assoziert? An diesem Abend scheint die Genussfreude an irdischen Dingen in manchen Augenblicken fast schon Züge eines Gebetes anzunehmen. So empfindet es zumindest Olaf Peters, der Initiator der Biblischen Weinprobe: „Wir feiern hier im Keller bewusst keinen Gottesdienst, aber das heute Abend wwar an manchen Stellen nichts anderes als ein Gottesdienst“.

Die biblische Weinprobe im DBZ-Keller Foto von Peter Grab

About Buero Magirius

Über spirituelle Spaziergänge und andere Tritte des Schriftstellers Georg Magirius.
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