Die Hauptstadt der Freude

Evangelische Kirche in Ueberau im OdenwaldTraditionell und überraschend modern, musikalisch furios und anrührend komisch: So klingt der Advent in der Evangelischen Kirche in Ueberau, wenn die Harfenistin Bettina Linck und der Schriftsteller Georg Magirius die Konzertlesung “Himmelsspiel und Hirtensprint“ zu Gehör bringen, 5. Dezember 2014 um 19.30. Es ist der Auftakt einer ganzen Reihe von Konzertlesungen, die vom gerade veröffentlichten Buch „Dies soll euch ein Zeichen sein” inspiriert ist.

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Warum geschieht das in Ueberau, einem kleinen Ort unweit der Feste Otzberg in einem weltgeschichtlich zumindest derzeit nicht unbedingt extrem beachteten Mittelgebirge mit Namen Odenwald? Antwort: Weil Ueberau nicht nur Golddorf des bundesweiten Wettbewerbs “Unser Dorf hat Zukunft” 2013 ist, sondern Ueberau einen solch  ernsthaften Sinn fürs Heitere hat, das die ehrwürdige Komik des Musik-Wort-Duos bei einem früheren Auftritt auf ungewöhnliche Resonanz im Publikum stieß.  “Harfe trifft Literatur” – das sind seit beinahne zehn Jahren musikalisch-poetische Dialoge, die unter dem Stichwort „7 tote Ehemänner“ auf die Bühne kommen – in Kirchen, Wirtshäusern, Bauernhöfen, Büchereien und Weingütern. Aber auch im Deutschlandfunk, ERF-Radio, Bayerischen Rundfunk und Hessischen Rundfunk sind Linck und Magirius zu hören. Die Konzertlesung in Ueberau ist das Finale der Reihe „nah dran“ zugunsten der Renovierung der Orgel.

Edel gefüllte Orgelpfeifen

Die Orgel dort besteht wie überall aus Pfeifen, von denen sich in Ueberau freilich einige als Trio zu neun Euro kaufen lassen. Es handelt sich dabei um zwei Edel-Obstbrände und einen Likör der Obstbrennerei Göbel in einer Geschenkpackung. So! Das also ist jene Form von Komik, die sich um das Gebot der Langeweile nicht schert. Stattdessen kitzelt sie die Freude, die dank Poesie, Orgel, Obstbrand oder Harfe ins freie Spiel kommen will.

Bettina Linck - Harfenistin - Auferstehungskirche Bad Vilbel

Schattierungen der Nacht

Magirius und Linck werden an dem Abend die Kostbarkeit, auf den man im Advent zugeht, nicht in Palästen, sondern in Hütten suchen. Es sind die Nebenfiguren der Weihnachtsgeschichte, die den Weg weisen: die Hirten. Sie sind kundig der Schattierungen der Dunkelheit, wie sie das Lento der sonate pour harpe von Germaine Tailleferre erahnen lässt. Die in der Nacht wachenden Hirten ähneln all jenen, die ihr Leben eher im Hintergrund verbringen. Jetzt werden sie ins Licht gesetzt.

Vom Himmelsspiel zum Hirtensprint

Sie hören ein überborderndes Konzert – zwischen Schafen auf den Weiden tönt das Impromptu op. 86 von Gabriel Fauré. Und dann? Gleich ist es wieder dunkel. Und der Himmel schweigt. Die Hirten reiben sich die Augen, zögern, überlegen, ob das eben ein Traum gewesen ist, beginnen dann aber zu suchen und auf eine Art zu sprinten, wie sie kein Sportreporter besser kommentieren könnte als Bettina Linck, die John Thomas „The Ministrel’s Adieu to his native land“ auf Laufbahn schickt. Warum aber rennen die Hirten? Weil sie längst zu Hauptfiguren der Weihnachtsgeschichte geworden sind. Ihr Ziel: Das Zeichen, von dem das Himmelsspiel tönte. Es ist eine Winzigkeit an einem Ort, der klein genug ist, um zur Welthauptstadt der Freude zu werden.

Himmelsspiel & Hirtensprint, Freitag, 5.12. 2014, 19.30, Ev. Kirche Ueberau, Reinheim-Ueberau, Foto-Rückblick >>> Hier - Ltg.: Pfarrerin Meike Obermann, KV-Vorsitzender Herbert Plöger und Team. Fotos: Wolfgang Bertrams (1), Annika Schulz (2), Ev. Kirchengemeinde Ueberau (1). Buchpremiere von aus “Dies soll euch ein Zeichen sein“, Lektorat: Dr. Esther Schulz, mit zahlreichen Abb. von Ulrike Vetter, 144 S., Herder Verlag, Freiburg i.Br. 2014

Mehr Informationen & Pressestimmen zum Buch.


About Buero Magirius

Über spirituelle Spaziergänge und andere Tritte des Schriftstellers Georg Magirius.
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